Beiträge von 90 Prozent Aktien

    15 Euro bezogen auf 20.000 Euro finde ich alles andere als teuer, sofern das über eine ordentliche Börse abgewickelt wird, wo Angebot und Nachfrage zusammengeführt werden (Bsp. Xetra). Das dürfte deutlich weniger sein als das was Du bei Neobrokern für den Spread bezahlen würdest. Dafür würde ich auch nicht ständig auf Angebots ETFs wechseln sondern kaufen, was ich haben will. Wenn Du ein Buy and hold betreibst, spielen diese Einstandskosten am Ende kaum eine Rolle. (0,075 %).

    Mag sein, daß man zum Thema Bücher füllen kann, aber offensichtlich tun das wenige Leute. Ich könnte keinen einschlägigen Titel nennen. Du etwa?

    Ich gebe zu, ich habe zu dem Thema kein einziges Buch gelesen. Es gibt aber eine ganze Reihe von teils englischsprachigen Blogs und dazu auch eine Reihe von Fachartikeln aus denen ich mir mein Wissen zusammen gesucht habe. Finanztip und Finanzfluss kann man in dem Kontext weitgehend vergessen, aber auch was ich bei Kommer gelesen habe hat mich nicht ansatzweise überzeugt. Die kratzen alle nur an der Oberfläche und haben bis heute nicht begriffen, dass Ausschütter vorteilhaft sind. Selber denken bleibt einem nicht erspart, wenn man es gut hinbekommen will.

    Die beiden von mir genannten einfachen Strickmuster sind besser als nichts und ohne Vertiefung in die Materie leicht umzusetzen für angehende Rentner. Die fallen beide unter das Etikett "KISS".

    Zuletzt war es kein großer Unterschied, ob man Tagesgeld oder Festverzinsliche verwendet hat und natürlich kann man in entsprechenden Phasen das substituieren. Je nachdem was gerade lukrativer ist, nimmt man nur Tagesgeld oder man mischt Festgeld-/Anleiheleitern hinzu oder Fonds mit entsprechenden Laufzeiten oder GEFA Entnahmepläne. Was man nicht machen sollte sind Langläufer oder Fremdwährungsanleihen. Da wird das Risiko zu groß.


    EDIT: Muss mich korrigieren, ich habe vor ca. fünfzehn Jahren ein kleines Booklet zur dynamischen Entnahme gelesen, als das selbst in Frugalistenkreisen noch ein Fremdwort war. Das wäre aber nicht geeignet, irgendetwas im Sinne einer Einführung zu dem Thema oder annähernd umfängliches.

    Das diese Herangehensweise nicht das Optimum ist haben wir bereits festgestellt. Ich denke aber, dass es für ganz viele in der deutschen Bevölkerung eine gangbare Lösung ist.

    Genau das unterschreibe ich nicht. Eine unflexible Vorgehensweise wie diese ist in lang dauernden Krisen gefährlich! Alternativ brauchst Du extrem hohe Puffer, was nur in Verbindung mit einem großen Vermögen funktioniert. Keine Lösung für die breite Masse.

    Dein Kommentar hat mit dem Kontext, in dem ich kiss verwendet habe, nichts zu tun. Hier ging es um Entnahme nicht um irgendwelche Assets.

    Zunächst war Dein Kommentar nicht auf die Entnahme beschränkt. Der Kontext wird aber klar wenn man weiter zurück geht in der Diskussion. Meine Antwort war exemplarisch. Aber nehmen wir Dein Beispiel für die Entnahme.

    KISS: Für x Jahre möge man einen Puffer anlegen, den man in guten Jahren aus dem Aktienteil auffüllt und in schlechten Jahren nicht auffüllt.

    Kritik:
    - Dabei wird nicht berücksichtigt, welche Einkünfte das Depot produziert sondern schlicht das Vielfache des Jahresverbrauchs als Puffer vorgesehen. Das ist für manche Depots viel zu viel und für andere sehr wenig.
    - In langjährigen Krisen, wird diese Vorgehensweise wegen mangelnder Flexibilität auf der Ausgabenseite häufig in riskante Bereiche führen, bei denen das Depot sich nicht mehr ausreichend erholen wird

    Es steht natürlich jedem frei, es einfach zu gestalten und manche mögen auch nicht das nötige Verständnis haben, um anders zu handeln. Aber KISS ist in der Regel nicht die optimale Vorgehensweise, oft genug nicht einmal in der Nähe. Nikolas Braun hat in seinem Blog daher zusätzliche Sicherheitsbausteine eingefügt, die umgekehrt aber die Entnahmehöhe negativ beeinflussen.

    II. Rentenvermögen

    + betriebliche Altersvorsorge abzgl 20% Steuer/ Sozialabgaben

    + gesetzliche Altervorsorge (Rentenpunkte*Rentenwert) abzgl 20% Steuer/ Sozialabgaben

    + private Altersvorsorge Riester (garantierter Rückkaufswert) abzgl 20% Steuer/ Sozialabgaben

    Bei der gesetzlichen Rentenversicherung mag das mit den 20 % noch halbwegs hinkommen (abhängig von Rentenhöhe und weiteren Einkünften). Bei der betrieblichen Altersvorsorge und Rürup fehlen die Zuschüsse der GRV zur Krankenversicherung. Da würde ich eher mit 25 % rechnen. Wenn Du privat versichert bist, geht die Rechnung etwas anders.

    Das Ding taugt auch für "mit Volldampf gegen die Wand laufen". Ich mag den Begriff auch nicht, weil damit im Kontext von Finanzforen häufig gemeint ist, Altpositionen loszuwerden, egal was es kostet. Hauptsache man hat am Ende nicht mehr als x Zeilen im Depot. Ich bevorzuge eine Sichtweise, die etwas behutsamer vorgeht.

    Meine Wunschvorstellung wäre wohl die, dass die Bank oder ein Investor die Mio übernimmt und ich monatlich lediglich Zinsen + eine Art Nutzungsgebühr bezahle. Nach meinem Ableben geht das Haus an die Bank / Investor.

    Für den Deal brauchst Du einen Vertragspartner, nämlich die Bank. Und die wird den Braten riechen, weil Du die Mio mit Deinem jetzigen Einkommen nicht wirst abzahlen können.

    Vermutlich eine blauäugie Überlegung. Dennoch glaube ich nicht, dass ich die einzige Person mit diesem "Problem" bin :)

    Stimmt es gibt viele Menschen mit unrealistischen Wünschen. Deiner ist zudem unvernünftig.

    Vermutlich musst Du Dir als Arzt wenig Sorgen um die Sicherheit Deines Arbeitsplatzes machen. Lediglich BU bzw. Krankheit könnten zum Problem werden. Ist die BU hoch genug bzw. kannst Du sie auf eine gute Höhe bringen?

    Den Notgroschen würde ich solange knapp kalkulieren, wie der KFW Kredit noch nicht abgezahlt ist. Du bekommst vielleicht 2 % auf Geldmarkt und zahlst zugleich 5,9 %. Ein besseres Geschäft kannst Du kaum machen, als davon schnell runter zu kommen.

    Geld für die eigene Weiterbildung kann Sinn machen, das kannst Du selbst besser beurteilen als jemand von außen.

    Bei den Versicherungen fehlt mir die Haftpflichtversicherung, aber vielleicht nur vergessen aufzulisten. Ist ein absolutes Muss. Vermutlich geht das mit der Partnerin gemeinsam - wäre evtl. zu klären.

    Bevor die Schulden nicht weg sind, hast Du kein Geld für eine zusätzliche Altersvorsorge übrig. Wie gut die Ärzteversorgung am Ende sein wird, ist alles andere als sicher. Gerade Du als Späteinsteiger und mit zumindest noch übersichtlichem Gehalt wirst nicht die höchsten Auszahlungen bekommen später. Zudem haben die Versorgungskammern teils erhebliche Probleme, weil sie keine nennenswerten Realrenditen erwirtschaften. Es gibt einige Kassen, bei denen die Rentensteigerungen der letzten Jahre sich auf der Nulllinie bewegen. Bei den Zahnärzten in Berlin ist vermutlich mit Kürzungen zu rechnen. Ich würde in so einer Situation nicht ausschließlich auf die Versorgungskammer setzen sondern nur das zwingend nötige einzahlen. Ob es eine teilweise Wahlmöglichkeit mit der Rentenversicherung gibt, hängt von der Versorgungskasse ab. Nimm Dir Zeit, Dich da schlau zu machen.

    Davon abgesehen, werden die nächsten Jahre von Schuldentilgung geprägt sein. Erst danach kannst Du mit einem ETF Depot ein zusätzliches Standbein aufbauen.

    Wichtig finde ich aber, festzustellen, wer eine regelmäßige Auszahlung haben möchte, der ist nicht gezwungen sich vermeintlich zahlungsstarke „Dividendentitel“ ins Depot zu legen. Da kriegen wir dann auch wieder die Kurve zurück zum DAX.

    Was hat das jetzt mit dem Home Bias zu tun? Weder haben alle DAX Werte hohe Dividenden, noch muss man auf Dividenden setzen für Auszahlungen. Statt also weiter irgendwelche Vorurteile zu bedienen, kommen wir doch zurück zum DAX.

    Zuletzt habe ich überlegt, ob ich eine kleine Position Henkel aufbauen möchte, hat aber am Ende nicht ganz gereicht.

    Erzähl doch mal zu Deinen Gründen für Sartorius und warum Du sie immer noch hast? Es fällt mir schwer, da irgendwelche Qualitäten zu finden.

    Grundsätzlich sollte man unterscheiden in welcher Phase man sich befindet.

    Wenn der Sparerpauschbetrag bereits sicher ausgeschöpft aber die Entnahme noch in weiter Ferne ist, kann man guten Gewissens einen Thesaurierer wählen. Mit dem zahlt man in der Aufbauphase in schlechten Börsenjahren weniger Steuern als mit ausschüttenden ETFs. Nicht dass es ein großer Unterschied wäre, aber kann in einer längeren Dürrephase schon einen Unterschied machen.

    Anders sieht es aus, wenn man sich der Entnahmephase nähert oder womöglich schon drin ist. Hier trifft man oft auf die FALSCHE Argumentation, man könne doch Anteile verkaufen und die seien steuerlich weniger belastet als die Ausschüttungen. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Ja man zahlt höhere Steuern auf Ausschüttungen als auf Verkäufe, nur leider kommen beim Thesaurierer noch die Steuern auf die Vorabpauschale hinzu. Während man nach der Besteuerung der Ausschüttungen direkt über die Nettobeträge verfügen kann, verhält es sich bei der Besteuerung der Vorabpauschalen genau umgekehrt. Man muss zum Jahresanfang zusätzliches Geld vorhalten für die Steuern. Die sind in den meisten Jahren ähnlich hoch wie bei Ausschüttungen. Nur am Ende hat man nicht einen Cent mehr auf dem Konto für die Entnahme sondern im ungünstigen Fall ist man in die Miesen gerutscht. Man muss dann noch mehr Anteile verkaufen und da fallen ein weiteres mal Steuerzahlungen an.

    Für eine moderate Risikobereitschaft wären 80 % Aktien schon mehr als sportlich.

    Bei allem Verständnis für ein vorsichtiges Vorgehen mit niedrigen Beträgen, sollte man dennoch nicht mit homöopathischen Dosen starten. Wer nur wenige hundert Euro risikoreich anlegt, kann daraus schwerlich irgendeine Verhaltensweise im Krisenfall ableiten. Bei einer moderaten Risikobereitschaft sollte am Ende ca. die Hälfte einer jeden Sparrate im Risikoteil landen.