Sollte Finanztip für SPDR ETFs (also State Street) „werben“, müsste das gekennzeichnet werden.
Kann ja nur dem Zufall geschuldet sein, dass sie überhaupt den IMI-Begriff nutzen, den (zumindest den YouTube-Kommentaren zufolge) viele Leser und Zuschauer so noch nicht kannten und nun erstmal "Paralyse durch Analyse" erleben. Normalerweise spricht man einfach von einem "All Cap", was der ACWI IMI ja faktisch ist, wenn man 1% Micro/Nano Caps mal ignoriert oder das beliebte Sampling. Dann hätte man für World und EM auch noch andere Anbieter, ebenso den Vanguard mit ESG und bald ohne. Aber das muss dann auch jeder wissen. Wahrscheinlich reicht ein ACWI (FTSE All-World und Solactive Global Markets sind mitgemeint) für die persönlichen Ziele und die sollten ja eh bei jeder Investition im Vordergrund stehen. Selbst wenn man sich von Small Caps z.B. mehr Rendite erhofft, muss doch eigentlich die Frage stellen: brauchst Du diese erhofften % in einer kleinen Beimischung für Dein finanzielles Ziel? Rick Ferri von den Bogleheads hat ja mal so schön zusammengefasst, dass viele Kleinanleger in ihrem Leben durch vier Phasen gehen. Und manche erreichen die letzte Phase nie. Oder hängen über etliche Jahre mit einem Bias nach dem anderen in der ersten fest.
1. Darkness: nimmt Ideen und Vorschläge von so ziemlich überall an. Broker bietet einen ETF gerade "kostenlos" als Aktion an, ein YouTuber hatte da eine plausible Idee, in der Zeitung wird ein anderer ETF als beliebt genannt und in irgendwelchen Rankings von Vergleichsportalen kommen andere Optionen, auch wenn man die Bedeutung der Kennzahlen gar nicht versteht. (Gerne auch ergänzt um weitere Anlageklassen und Dividenden, um das Investment zum Entertainment zu machen, was bekanntlich den Zinseszins massiv einschränkt, was sie aber oft gar nicht merken)
2. Enlightment: man stellt fest, dass man mit passiven Indexfonds (in der Regel ETFs) eine bessere Rendite erzielen kann als man es bisher getan hat. Die erhofften Tenbagger hat man dann ja eh unter der Haube und muss sich nicht fragen, ob man vielleicht eine trendige Position mit viel Grün nun verkauft, etwas laufen lässt oder zumindest hälftig abschnippelt.
3. Complexity: man optimiert viel herum, mischt vielleicht noch einen Hebel-ETF oder etwas Bitcoin dazu, sucht ein perfektes Verhältnis von Wertpapieren und schaut stetig, wie es sich entwickelt und was man noch rauskitzeln kann.
4. Simplicity: so wenig Fonds wie möglich; passiv, breit gestreut, günstig. Laufen lassen, Leben genießen und ggf. die Zeit in Weiterbildung/Karriere stecken, um mehr investieren zu können.
Ist auch der entspannteste Stand, wenn es mal einen Crash gibt. Liegt ja nicht an der eigenen Briefmarkensammlung in Wertpapierform, sondern ist halt nun der Markt. Sparplan normal weiterlaufen lassen und irgendwann wird's schon wieder. Dann muss man sich durch Crashpropheten auch nicht verrückt machen lassen oder durch statistische Tricks, die irgendwer irgendwo mal aufgeschnappt hat ("Dekaden ohne Renditen").