Wenn ich in der Situation wäre, in den nächsten Jahren vom Depot meinen Lebenstraum verwirklichen zu wollen, würde ich mir überlegen, welchen Teil des Vermögens ich für den Lebenstraum reservieren will und wie viel ich für eine Aufstockung meiner Altersbezüge zum Leben einplanen möchte.
Neben der Berechnung Deiner Rentenlücke, die Du abdecken willst, musst Du den Kapitalbedarf für Deine Reisen etwas genauer abschätzen. Den Teil, den Du in den nächsten sieben Jahren für Reisen entnehmen willst, solltest Du risikoarm anlegen. Für das Kapital, das die Aufstockung abliefern soll, macht ein 60/40 Aufteilung Sinn für ein gutes Ergebnis. Als Absicherung gegen Langlebigkeit und Inflation brauchst Du hier mehr Rendite, um nicht mit 85 auf dem Trockenen zu sitzen. Bei hoher Risikoaversität kannst Du auch auf 50/50 runtergehen
Erfahrungsgemäß liegen die großen Fernreisen in den ersten Jahren nach Renteneintritt und werden aus verschiedenen Gründen weniger ab etwa 75. Das hängt stark von Deinem Gesundheitszustand und dem Deines Partners/Partnerin ab. Aber nach ein Paar Jahren des Reisens, kommt es oft auch zu einer Art Reisemüdigkeit.
Ein fiktives Beispiel. Für Reisen willst Du in den nächsten Jahren je 20.000 Euro p.a. reservieren und in folgenden fünf Jahren wird es dann etwas billiger, weil die richtig teuren Reisen weniger werden. Ich rechne mal mit je 15.000 Euro für die Jahre 6-10. Das wären dann 175k, die Du schon mal gedanklich rausnimmst.
Es bleiben dann noch rund 325.000 Euro, die Du beispielsweise in 60/40 aufteilst. Das wären dann knapp 200k in Aktien und 125k risikoarm.
175k risikoarm (Reisen)
125k langfristig risikoarm
200k langfristig Aktien
Mit dem langfristig angelegten Geld kannst Du vielleicht 800 Euro pro Monat entnehmen. Würde das als Aufstockung für Deine Rente genügen?
Grundsätzlich ist ein hochvolatiles Depot in der Entnahmephase sehr riskant. Es ist also richtig, dass Du Risiko rausnimmst. Das macht man aber nicht nur dadurch, dass man die Aktienquote absenkt sondern auch durch eine Reduktion von besonders riskanten Bausteinen. Das gilt zumindest, wenn man beabsichtigt, das Depot aufzubrauchen. Gerade in dieser Zeit sind die oft verteufelten Dividenden ETFs eine gute Sache. Nicht weil man sich davon besonders hohe Renditen erwartet sondern weil sie meist in ruhigerem Fahrwasser unterwegs sind.
Das mit dem Umbau würde ich ggf. steuerlich optimieren. Bei mir kann ich in der Rentenphase über die Günstigerprüfung einen Teil der Kapitalertragssteuern zurück bekommen. Eventuell macht es Sinn, den Umbau etwas zu verteilen. Das hängt stark von Deinen übrigen Einkünften ab.