Von Rentenversicherungen bin ich ähnlich wie einige der Vorredner kein Fan. Man zahlt selbst bei günstigen Tarifen eine Menge für die ganze Verwaltung und handelt sich noch unflexible Produkte ein, die später möglicherweise wenig zur Lebensplanung passen. Mir ist ein Depot deutlich lieber, das maximale Flexibilität bei hohen Renditen gewährt. Ob nun frühzeitiger Ruhestand, Auswandern oder Teilzeit. Alles ist möglich! Es gibt beim Depot keinen Zwangsumtausch in risikoarme Anlagen im Alter und bei Bedarf kann man auch Geld für größere Aktivitäten entnehmen. Riesterverträge sind bei dem Einkommen selten lukrativ. Anders sieht es aus, wenn Kinder mit im Spiel wären.
Was den Immobilienkredit angeht, macht es wenig Sinn Tagesgeld vorzuhalten und gleichzeitig Kreditzinsen zu zahlen. Bei einer Anschlussfinanzierung von unter 100k kann es schwierig werden, einen Anbieter mit guten Konditionen zu finden. Vorsicht bei der BHW. Die könnten versucht sein, Dir einen neuen Bausparer aufzuschwatzen. Das rechnet sich ganz sicher nicht! Die Anschlussfinanzierung wirst Du kaum zu 2,x % bekommen und eventuelle Zinsdifferenzgeschäfte werden deutlich riskanter. Ich würde daher das Tagesgeld komplett in die Restschuld stecken und bei günstiger Börsenlage sogar noch ETF Anteile verkaufen, damit das Kapitel rasch beendet wird.
Sobald Du keine Kreditraten mehr zahlen musst, kannst Du Deine Sparrate erhöhen, was zu einem zügigen Vermögensaufbau in den Folgejahren führt.
Davon abgesehen unterstütze ich den Hinweis auf die BU. Dein Humankapital ist wesentlich für Deine Zukunft. Suche Dir einen Honorarberater für eine gute Police. Das ist wesentlich wichtiger als die Rentenversicherungen, die Du später auch über Vermögen kompensieren kannst.
Ein Wort noch zur Höhe der Sparrate und der Allokation. Bei Deinem Einkommen ist eine Sparrate von 20 % als Altersvorsorge sicher sinnvoll. Dazu zähle ich die Tilgung, die Beiträge für die genannten Versicherungen, den ETF-Sparplan und die dauerhafte Rücklage in Tagesgeld. Ein Ansparen für Konsumzwecke (Auto) würde ich separat betrachten. Grob überschlagen komme ich bei Dir auf 3.500 Euro ohne die Tilgung aber inklusive Konsumsparen. Davon gehen aktuell nur 800 + 101 Euro in ETFs. Deine Sparrate ist zweifellos hoch, der Anteil für renditestarke Assets erscheint mir für Dein Alter recht niedrig. Hast Du Dich mit dem Thema Risiko und Rendite schon mal intensiver beschäftigt? Nichts was jetzt direkt anbrennt, aber ich empfehle ein gutes Buch zu Finanzanlagen, damit Du Dich für die Zukunft etwas besser optimierst.