Altersvorsorge in der Niedrigzinsphase: Wie soll denn das gehen, fragen sich immer mehr Bürger. Antwort: Für einige geht´s problemlos. Anderen bietet das deutsche System wenig Anknüpfungspunkte und wenig Hoffnung. Darüber sollte am heutigen Weltverbrauchertag auch gesprochen werden.

Zunächst zu denen, die etwas tun können. Die Antwort erstaunt vielleicht, ist aber vergleichsweise einfach. Es lohnt sich, in die gesetzlichen Rentenversicherung einzuzahlen, wenn man wenigstens durchschnittlich verdient, vor allem aber kontinuierlich. Denn dann erreicht man mit der gesetzlichen Rente allein schon ein Rentenniveau oberhalb der Hartz-IV-Ebene. Das sichert noch nicht den Lebensstandard, aber es sichert eine Grundlage. Dann sollte man draufsatteln. Mit einer betrieblichen Altersvorsorge, wenn der Chef Geld dazu tut. Sonst mit einem Riester-Vertrag.

In beiden Fällen ist die Förderung in der Niedrigzinsphase besonders wertvoll. Denn erst die steuerliche Förderung oder die direkte Förderung bei Riester-Verträgen macht die Altersvorsorge für den Sparer lukrativ. Wenn das Produkt selbst nur noch Rendite von einem Prozent abwirft, ist eine Förderung, die in der Sparphase zwei oder drei Prozent Rendite pro Jahr zusätzlich möglich macht, ein echter Knaller.

In klassische Rentenversicherungsprodukte ohne Förderung kann man 20 Jahre einzahlen, ohne überhaupt eine Rendite zu sehen. Geförderte Produkte sind besser, lukrativer sind für Altersvorsorgesparer aber häufig Riester-Fondssparpläne, Riester-Banksparpläne oder sogar ein Riester-Baufinanzierung.

Wenn jenseits von gesetzlicher Rente und geförderter Rente noch Geld für das Alter übrig ist, kommen internationale Fondssparpläne, am besten mit Indexfonds, oder auch eine preiswerte Immobilie in guter Lage zur Selbstnutzung in Frage.

Wer nicht viel verdient, dessen Altersarmut ist im deutschen System vorprogrammiert. Mit dem Mindestlohn von 8,50 Euro muss man bald 70 Jahren Vollzeit arbeiten und in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, um auf Grundrentenniveau zu kommen. Solchen Sparern hilft auch das knauserige Einzahlen in Riester-Verträge oder eine betriebliche Altersvorsorge nicht, denn die Früchte ihrer Sparanstrengungen werden dann später mit ihrem Anspruch auf eine Grundrente auf Hartz-IV-Niveau verrechnet. Sie haben nach Jahren des Gürtel eng Schnallens als Rentner nicht mehr Geld in der Tasche als ohne. So unfair gegenüber der Arbeitsleistung von Geringverdienern ist innerhalb der OECD nur noch das Rentensystem von Mexiko.

Ohnehin ist die Rente für die Ärmeren keine finanziell attraktive Veranstaltung. Das ärmste Fünftel der Rentner in Deutschland hat eine Lebenserwartung, die um zehn Jahre niedriger liegt als beim reichsten Fünftel. Vom Lohnen einer Sparanstrengung zu schreiben ist da quasi unmöglich.

Das wissen sowohl die Vertreter der gesetzlichen Rente als auch die Protagonisten der Riester-Rente und der betrieblichen Altersvorsorge. Aber diese heiße Kartoffel lassen sie auch am Weltverbrauchertag lieber liegen. Soll sich doch die viel gescholtene Politik um das Problem kümmern.

6 KOMMENTARE

  1. Ein sehr informativer Artikel. In der heutigen Zeit kommt man gar nicht mehr drum herum sich die unterschiedlichen Möglichkeiten einmal genau anzuschauen und zu vergleichen. Nur so bekommt man einen Überblick und kann eine für sich passende Altersvorsorge finden.

  2. Hallo,
    Danke für die gute Zusammenfassung. Sie haben hin und wieder mal geschrieben, dass sich eine Einzahlung in die gesetzliche Rentenkasse angesichts der Niedrigzinspolitik lohnen könnte (u.a. für Freiberufler). Gibt es dazu irgendwo mehr Informationen?

  3. Versuche immer noch heraus zu finden, wie ich meinen Sohn, der durch einen Unfall eine Arbeitsunfähigkeits-Rente von 700,– Euro erhält, die später im Rentenalter um 2/3 reduziert werden soll, so abzusichern, dass er nicht zum totalen Sozialfall wird.

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