Hochspannungsleitung
Bild: af_istocker, iStock

Die Ergebnisliste unseres Vergleichsrechners enthält Werbelinks zu Stromtarifen von Check24 und Verivox. Alle Empfehlungen erfolgen redaktionell unabhängig und erfüllen unsere strengen Finanztip-Kriterien.


Warum Sie Briefe Ihres Stromanbieters jetzt ganz genau lesen sollten

Deutschland drohe ein „Strompreishammer“, schreibt die „Bild“-Zeitung. „Neuer Rekord beim Strompreis“, heißt es in der „Welt“. Der Strompreis war diese Woche überall in den Nachrichten. Der Grund: Die Ökostrom-Umlage (EEG-Umlage) steigt 2020 um 0,351 Cent pro Kilowattstunde – und erregt die Gemüter. Und das obwohl sie nach zwei Senkungen in den Vorjahren immer noch unter dem Wert von 2017 und 2018 liegt.

Etwas anderes gibt es jedoch, für das viele Stromkunden jetzt mehr bezahlen: den Transport des Stroms durch die Netze. Darüber sprechen und schreiben vergleichsweise wenige. Obwohl die Mehrkosten deutlich sind. Finanztip hat für Sie durchgerechnet, was die sogenannten Netzentgelte für Ihren Strompreis bedeuten können.

Bei 27 großen Netzbetreibern hat Finanztip die Entgelte abgerufen. Ergebnis: Sie steigen überwiegend. Für eine kleine Familie mit einem Stromverbrauch von 2.500 Kilowattstunden bedeutet das Mehrkosten von bis zu 34 Euro im Jahr – dreimal so viel wie die Steigerung der EEG-Umlage ausmacht. Wie es in Ihrer Region aussieht, können Sie unserer Tabelle weiter unten entnehmen. Deutlich teurer wird es beispielsweise in Teilen von Schleswig-Holstein, Niedersachsen und dem Saarland. Aber auch sinkende Netzentgelte gibt es, etwa in Kiel.

Wohnen Sie in einer Region, in der der Stromtransport durch die Netze teurer wird, müssen Sie mit einer Erhöhung Ihres Strompreises rechnen. Ab Ende Oktober werden die Versorger Schreiben mit den Ankündigungen der Preiserhöhung verschicken. Lesen Sie Briefe und E-Mails Ihres Stromanbieters dann ganz genau durch. Möglicherweise ist die Preisanhebung in einem langen Text versteckt, der nach belangloser Werbung klingt – alles schon vorgekommen. Prüfen Sie auch Ihre Nachrichten im Kundenkonto, falls vorhanden. Nach einer Preiserhöhung können Sie Ihren Vertrag kündigen, ohne die reguläre Kündigungsfrist einzuhalten (Sonderkündigungsrecht). Danach können Sie sich einen neuen Anbieter suchen.

Der „Strompreishammer“ ist längst eingetreten. Allein innerhalb der vergangenen zwölf Monate sind die Preise deutlich gestiegen – im Schnitt um 4 Prozent beim Grundversorger, um 5 bis 6 Prozent in Neuverträgen bei anderen Anbietern. Das belegen Daten der Vergleichsportale Verivox und Check24. Seit 2019 zahlen deutsche Verbraucher mit Abstand die höchsten Preise in der EU: im Schnitt 9 bis 10 Cent pro Kilowattstunde mehr als in den anderen Mitgliedsländern.

Ein Wechsel des Versorgers kann sich lohnen, wenn Ihr Versorger über Gebühr erhöht oder Sie ohnehin schon vergleichsweise viel zahlen. Haben Sie schon einen günstigen Tarif, muss das nicht der Fall sein. Denn: Steigende Kosten für Umlagen und den Stromtransport fallen in jedem Vertrag an. Noch hat kein Stromversorger eine Preiserhöhung zum Januar 2020 bekannt gegeben. Gewöhnlich warten diese damit mindestens bis zum 25. Oktober – dann erst steht die Höhe aller fünf Umlagen auf den Strompreis für das kommende Jahr fest. Wir halten Sie darüber im Newsletter und auf der Website auf dem Laufenden.

So steigen und sinken die Netzentgelte in den Regionen

Die Tabelle zeigt die vorläufigen Netzentgelte sowie die Gebühren für Ihren Stromzähler für 2020 gegenüber 2019 in unterschiedlichen Verteilnetzen in Deutschland bei einem Stromverbrauch von 2.500 Kilowattstunden pro Jahr. Es handelt sich um Brutto-Angaben, das heißt die Mehrwertsteuer auf die Entgelte ist bereits eingerechnet.

Stadt oder Region Netzbetreiber Mehrkosten/

Minderkosten in Euro

Mehrkosten/

Minderkosten in Prozent

Schleswig-Holstein und Niedersachsen Schleswig-Holstein Netz

34,20

10,10

Saarland Energienetz Saar

31,23

12,72

Niedersachsen und Sachsen-Anhalt Avacon

26,87

10,56

Baden-Württemberg Netze BW

23,26

9,31

Hamburg Stromnetz Hamburg

19,44

7,47

Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland Westnetz

18,31

8,05

Bayern Bayernwerk

17,66

7,04

Stuttgart Stuttgart Netze

16,36

8,75

Dortmund Dortmunder Netz

18,68

8,45

Paderborn und Umgebung Westfalen Weser Netz

15,84

5,90

Niedersachsen EWE Netz

11,98

4,83

Rheinland-Pfalz Energienetz Mittelrhein

10,50

4,87

Hessen, Niedersachsen, NRW, Thüringen und Rheinland-Pfalz Energienetz Mitte

10,14

3,93

Berlin Stromnetz Berlin

8,96

4,83

Augsburg und Umgebung LEW Verteilnetz

6,47

2,62

Thüringen TEN Thüringer Energienetze

5,88

2,26

Köln und Umgebung Netzdienste Rhein-Main

5,25

2,31

Leipzig Netz Leipzig

2,97

1,34

Hannover und Umgebung enercity Netzgesellschaft

2,71

1,25

Sachsen und Sachsen-Anhalt Mitnetz

2,38

0,95

Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern Edis

1,39

0,45

Bremen Wesernetz

0,89

0,46

München SWM Infrastruktur

0,00

0,00

Schwerin und Umgebung Wemag Netz

-0,30

-0,10

Düsseldorf Düsseldorfer Netzgesellschaft

-0,55

-0,32

Nürnberg und Umgebung Main-Donau-Netzgesellschaft

-0,95

-0,49

Kiel SW Kiel Netz

-11,90

-4,45

Die Netzbetreiber sind nach der Höhe der Mehrkosten sortiert. Für den Netzbetreiber Wesernetz wurden nur die Entgelte für Bremen, nicht für Bremerhaven abgefragt. Für den Stromzähler haben wir einen gewöhnlichen Eintarifzähler angenommen, keinen modernen, digitalen Zähler.

Ist Ihr Netzbetreiber in der Tabelle nicht aufgeführt, können Sie die Entgelte auf seiner Internetseite einsehen: Geben Sie über eine Suchmaschine die Begriffe „Netzentgelt Strom“ sowie den Namen Ihres Netzbetreibers ein. In den Preislisten müssen Sie jene für Kunden „ohne Leistungsmessung“ oder „ohne Lastgangmessung“ suchen.

 

Ines Rutschmann
Autor

Stand:

Ines Rutschmann ist unsere Energie-Expertin und widmet sich allen Fragen, die sich Verbraucher rund um Strom und Heizen stellen. Über den Strommarkt berichtete sie erstmals 2005 für die Leipziger Volkszeitung. Danach war sie für den Deutschlandfunk und das Solarstrom-Magazin Photon tätig. Ines ist Diplom-Ingenieurin (FH) und hat einen Masterabschluss in Energiemanagement.

5 Kommentare

  1. Ein Aspekt der leider nicht berücksichtigt wurde ist die Aufteilung des Netzentgeltes in Grund- und Arbeitspreis und deren Auswirkungen auf unterschiedliche Verbräuche.

    So nimmt die Rheinische Netzgesellschaft (Köln etc.) 124,95€/Jahr plus 4,01ct/kwh – ohne Zählerkosten. Bei 2500kwh/Jahr entspricht das 9ct/kwh, bei meinen 800kwh/Jahr aber satten 20ct/kwh. Also mehr als das doppelte und fast die Hälfte des gesamten Strompreises.

    Die Erhebung von Netzkosten mit sehr hohem Grundpreis ist äußerst ungerecht. Schließlich sind die tatsächlichen Netzkosten gleich, egal ob es in einem Haus z.B. 3 Wohnungen für Familien oder 12 Appartements für Singles gibt. Im letzteren Fall verdient die Netzgesellschaft aber das Vierfache. Auch lohnt sich bei überwiegenden Grundpreisanteil das Energiesparen immer weniger – was auch nicht gut für das Klima ist.

  2. A.J.
    also ich möchte,das die Versorgung mit Strom als Grundrecht in das Verfassung aufgenommen wird und wieder ins Volksvermögen zurückgeführt wird. Die Folge wird sein, das der Strompreis sinkt.
    Außerdem müssen die Strukturen der Energieunternehmen geändert werden. Nicht der Profit
    sollte an erster Stelle stehen, da werden nur ein paar Wenige reich , der überwiegende Teil
    der Mitbürger aber geschröpft.

  3. Und was ist mit der EEG-Umlage??
    Der ’normale‘ Kunde zahlt die EEG-Umlage für energieintensive Großverbraucher mit (!) und diese Firmen profitieren zusätzlich noch von den gesunkenen Öko-Stromkosten.
    Neuerdings brüsten sich Poltiker (Wirtschaftsminister) in Niedersachsen damit Elektroanschlüsse für Schiffe in den Häfen zu erstellen, die dann für den verbrauchten Strom KEINE EEG-Steuer bezahlen müssen. So muß man sich Klientelpolitik/Klimapolitik vorstellen.
    Könnte sich FinanzTip auch einmal diesem Aspekt widmen?

  4. Hallo liebes Team,
    was haltet ihr eigentlich vom Serviceangebot des folgenden Anbieters? Stehe sowas sehr misstrauisch gegenüber…
    Remind.me
    Vielleicht könnt ihr darüber mal in eurem tollen und interessanten Newsletter berichten?
    Liebe Grüße
    T.

  5. Was den Strom wirklich teuer macht ist der Phantomstrom. Hier wurde mal wieder ordentlich Lobby betrieben, so dass die Versorger niemals leer ausgehen.
    Phantomstrom fragen sich nun einige. Einfach erklärt, es handelt sich um den Strom, den die Versorger hätten produzieren können jedoch auf Grund von Abschaltung z.B. der Windräder (wegen Sturm) nicht produzieren konnten.
    Ein Schelm der dabei Böses denkt, erinnert mich an einen alten Sketch mit Eddi Arent, leider habe ich nur das „Euro“ Revival gefunden. https://www.youtube.com/watch?v=hSovvOS-R2A

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