Stromanbieter wechseln

Dein Fahrplan zu einem guten Stromvertrag

Benjamin Weigl
Finanztip-Experte für Energie

Das Wichtigste in Kürze

  • 2023 gilt eine Strompreisbremse von 40 Cent für 80 Prozent Deines bisherigen Verbrauchs. Gleichzeitig darf Dein Anbieter 2023 nur unter bestimmten Umständen den Preis erhöhen.
  • Der Wechsel des Stromanbieters kann sich lohnen, wenn Dein aktueller Anbieter mehr als 40 Cent pro Kilowattstunde verlangt.
  • Manche lokale Grundversorger – oft sind das die Stadtwerke – bieten 2023 günstige Preise, aber keine langfristige Preisgarantie. Vermeide die teure Ersatzversorgung.

So gehst Du vor

  • Prüfe die neuen Preise, die ein Anbieter verlangt. Vergleiche dazu Tarife mit unserem Stromrechner. Er fragt die Angebote von Verivox und Check24 gleichzeitig ab und filtert die Ergebnisse nach unseren strengen Finanztip-Kriterien.

  • Die Ergebnisliste enthält Werbelinks, über die Du Deinen Tarif direkt abschließen kannst. Alle Emp­feh­lungen erfolgen rein redaktionell und zu 100 Prozent unabhängig.

Zum Stromrechner

  • Wenn Deine monatlichen Abschlagszahlungen nicht (mehr) Deinem Verbrauch entsprechen, lass diese korrigieren. Nutze dafür gerne unseren Musterbrief.

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Du hast die Wahl: Du kannst bestimmen, wer Deinen Strom liefert. Nicht nur einmal, sondern immer wieder. Erhöht etwa Dein Stromanbieter die Preise, kannst Du sofort den Vertrag kündigen und Dir einen anderen Lieferanten suchen. Du gehst bei solch einem Wechsel kein Risiko ein: Deine Versorgung bleibt sicher. Mit einem günstigen Tarif kannst Du ordentlich Geld sparen. Der Finanztip-Stromrechner hilft Dir bei der Suche nach Tarifen für Haushaltsstrom. Benötigst Du einen Stromvertrag für Deine Wärmepumpe, Deine Wallbox oder aber möchtest Du eine innovative Tarifart ausprobieren, dann erfährst Du dazu unserem Ratgeber Stromtarife mehr.

Wann ist ein Stromtarif 2023 preiswert?

2023 gibt es in Deutschland eine Strompreisbremse. Sie deckelt 80 Prozent Deines bisherigen Verbrauchs auf einen Strompreis von 40 Cent pro Kilowattstunde. Für viele Verbraucher mildert das die stark steigenden Strompreise im Jahr 2023 etwas ab. Wie das Verfahren funktioniert und was es Dir konkret einbringt, liest Du im Ratgeber zur Gas- und Strompreisbremse.

Preiserhöhungen beim Strom sind 2023 nur eingeschränkt möglich. Den Arbeitspreis, also den Preis pro Kilowattstunde Strom, darf Dein Anbieter nur unter bestimmten Voraussetzungen erhöhen. Den jährlichen Grundpreis, den Du meist auch mit dem monatlichen Abschlag bezahlst, darf Dein Anbieter 2023 überhaupt nicht erhöhen. Hintergrund ist das sogenannte Missbrauchsverbot bei der Strompreisbremse.

Für Dich bedeutet das: 2023 sind Bestandskunden im Vorteil. Die Preise in bestehenden Verträgen sind häufig niedriger als in neuen. Daher solltest Du die Preise nach einer Erhöhung zunächst prüfen. Verlangt Dein Anbieter mehr als 40 Cent pro Kilowattstunde, kannst Du eventuell ein günstigeres Angebot finden. Nutze dazu gern unseren Finanztip-Stromrechner weiter unten. Schau Dir dabei auch gezielt die Tarife bei Deinem Grundversorger an – manche verlangen derzeit in der Grundversorgung moderate Preise. Hast Du ein besseres Angebot entdeckt, kannst Du außerordentlich kündigen und den Anbieter wechseln.

Strom bleibt 2023 teuer

Im Sommer 2022 kostete eine Kilowattstunde Strom für Haushalte im Schnitt 37 Cent – rund 15 Prozent mehr als 2021. Das hat der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft ermittelt. Seitdem sind die Strompreise weiter gestiegen. Der Grund: Die Preise an der Strombörse – also dort, wo Dein Anbieter den Strom einkauft – sind seit Ende 2021 so hoch wie nie zuvor. Der Ukraine-Krieg und die damit einhergehende Gasknappheit hat die Preise an der Strombörse befeuert. Nur wenn die Lieferanten für Monate oder Jahre im Voraus den Strom am Terminmarkt einkaufen, zahlen sie weniger – aber trotzdem immer noch mehr als bis Sommer 2021.

Die hohen Handelspreise machen den Strom für Industrie, Gewerbe und auch für Dich als Verbraucher teurer. Wie stark ein Anbieter seine Preise erhöht, hängt davon ab, wie er in der Vergangenheit Strom beschafft hat. Es kann auch sein, dass Dein Anbieter noch preiswert ist, obwohl er die Preise anhebt. Insgesamt werden die Strompreise 2023 also hoch bleiben. Was die Zukunft bei den Strompreisen bringt, erklären wir Dir in einem anderen Ratgeber.

Vergleiche Stromtarife mit dem Finanztip-Stromrechner

Die Ergebnisliste unseres Vergleichsrechners enthält Werbelinks zu Stromtarifen von Check24 und Verivox. Alle Emp­feh­lungen erfolgen redaktionell unabhängig und erfüllen unsere strengen Finanztip-Kriterien.

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Hinweise zu den Daten im Finanztip-Stromrechner

Willst Du einen abgeschlossenen Vertrag wieder kündigen, klicke für Check24-Verträge hier und für Verivox-Verträge hier, um Deine Kündigung durchzuführen.

Grundversorgung und Ersatzversorgung

Wenn Du Deinen aktuellen Tarif nicht bewusst gewählt hast, steckst Du vermutlich in der Grundversorgung. Die Preise in der Grundversorgung waren in der Vergangenheit am höchsten. 2022 war das häufig nicht mehr so – und einige Grundversorger bieten auch 2023 günstige Stromtarife. Du findest den Grundtarif Deines Stadtwerkes in der Regel auch über unseren Vergleichsrechner.

Findet der Rechner die Grundversorgung an Deinem Wohnort, sortieren wir den Tarif in der Ergebnisliste ganz nach oben. Das hat zwei gute Gründe: Erstens hast Du immer ein gesetzliches Recht, in die Grundversorgung zu wechseln – der Tarif ist wie ein Sicherheitsnetz. Zweitens befinden sich viele Stromkunden ohnehin in der Grundversorgung und sehen so auf einen Blick, was dieser örtliche Basis-Tarif im Vergleich zu anderen Anbietern kostet. Ziehst Du einen Wechsel in Erwägung, solltest Du sicherheitshalber die Preise in der Grundversorgung noch einmal direkt bei Deinem Stadtwerk abfragen. Das gilt auch für den Fall, dass Du den Grundversorger in unserem Stromrechner nicht findest.

Fällt dein bisheriger Versorger plötzlich aus, beliefert Dich der Grundversorger im Rahmen der Ersatzversorgung. In der Ersatzversorgung gibt es keinen Vertrag und daher auch keine Kündigungsfrist – sobald Dich ein gewählter Lieferant versorgt, endet die Ersatzversorgung. Bleibst Du untätig, läuft die Ersatzversorgung nach drei Monaten aus und Du schließt durch weitere Nutzung von Strom aus dem öffentlichen Netz einen Grundversorgungsvertrag.

Seit Sommer 2022 dürfen dabei die Preise in der Ersatzversorgung höher sein als in der Grundversorgung. Die Preise in der Ersatzversorgung darf ein Grundversorger regelmäßig erhöhen. Befindest Du Dich in der Ersatzversorgung, dann schließe möglichst schnell einen neuen Vertrag. Und beachte: Nur in Ausnahmefällen darf Dich der Grundversorger überhaupt in die Ersatzversorgung stecken.

Ausführliche Informationen zur Grundversorgung und Ersatzversorgung findest Du im dazugehörigen Ratgeber Grundversorgung.

Besondere Regeln in der Grundversorgung

Bist Du in der Grundversorgung, beträgt die reguläre Kündigungsfrist zwei Wochen. Es ist trotzdem ratsam, regelmäßig zu prüfen, ob es günstigere Tarife für Dich gibt. Möchte der Grundversorger seine Preise erhöhen, muss er Dich mindestens sechs Wochen vor der geplanten Preisanpassung darüber informieren. Aufgrund einer Preiserhöhung kannst Du auch außerordentlich kündigen. Dann musst Du die Kündigung selbst schicken. Hältst Du die Kündigungsfrist von zwei Wochen ein, darf auch ein neu gewählter Lieferant für Dich den Vertrag kündigen.

Wie läuft ein Wechsel des Stromanbieters ab?

Den Versorger zu wechseln, ist einfach. Es gibt drei Optionen:

  1. Besteht noch ein Vertrag, hast Du am wenigsten Aufwand, wenn Du direkt einen neuen Anbieter suchst – dieser kündigt für Dich bei Deinem alten Anbieter zum nächstmöglichen Zeit­punkt und übernimmt ab da die Belieferung. Das klappt auch, wenn Du unseren Stromrechner nutzt und den Wechsel über einen unserer Partnern (Check24 oder Verivox) einleitest. Du kannst Deinen Vertrag auch selbst kündigen – dazu reicht ein Einzeiler per E-Mail, Brief oder Fax.
  2. Ist Dein Vertrag dagegen bereits gekündigt, schließe einen neuen Vertrag ab, der direkt am Tag nach dem Lieferende Deines bisherigen Vertrags beginnt. Bist Du gerade in der Ersatzversorgung, kannst Du jederzeit einen neuen Vertrag abschließen.
  3. Hat Dein bisheriger Lieferant eine Preiserhöhung angekündigt, kannst Du zum Datum der Preiserhöhung Dein Son­der­kün­di­gungs­recht nutzen. Wir stellen Dir dafür einen Musterbrief zur Verfügung. Anschließend kannst Du einen neuen Lieferanten auswählen. Jeder neue Vertrag sollte direkt an das Ende des alten Vertrags anschließen.

Für Stromverträge, die nach dem 1. März 2022 abgeschlossen wurden, gilt nach Ablauf der Vertragslaufzeit (höchstens 24 Monate) eine Kündigungsfrist von maximal 1 Monat. Spätestens nach einem Monat kannst Du aus Deinem alten Vertrag also raus.

Nach der Kündigung

Vergiss nach der Kündigung aber nicht, auch einen neuen Stromvertrag abzuschließen. Innerhalb von zwei Wochen sollte ein neuer Versorger startklar sein, wenn der bisherige Vertrag bereits gekündigt ist. Bis zu drei Wochen darf es dauern, Dich beim Netzbetreiber anzumelden. Dauert es trotzdem länger, weil eine der beteiligten Firmen schusselt, kann der Netzbetreiber Deinen Stromanbieterwechsel rückwirkend festzurren – bis zu sechs Wochen nach dem vorgesehenen Lieferstart ist das möglich.

Endet Dein alter Vertrag und der Anbieterwechsel verzögert sich unerwartet, rutschst Du in die Ersatzversorgung. Diese übernimmt der Grundversorger – das Energieunternehmen mit den meisten Stromkunden in einer Region. Die Ersatzversorgung dauert so lange, bis Dein gewählter Versorger liefern kann – maximal jedoch 3 Monate. Nach einer regulären Kündigung Deines Vertrags hast Du aber auch das Recht, direkt in die Grundversorgung zu wechseln. Mehr dazu liest du in diesem Ratgeber.

Kannst Du 2023 durch einen Wechsel sparen?

In der Vergangenheit ließ sich durch den Wechsel des Stromanbieters auf einfache Weise Geld sparen. 2023 ist es nicht ganz so einfach: Wenn Du in Deinem bestehenden Tarif weniger als 40 Cent pro Kilowattstunde zahlst, dann bleibe bei Deinem Anbieter. Durch einen Wechsel könntest Du vermutlich nicht sparen.

Zahlst Du bereits mehr als 40 Cent pro Kilowattstunde für Strom, dann vergleiche die Preise mit unserem Finanztip-Stromrechner. Eventuell findest Du andere, günstigere Stromtarife. Das gilt umso mehr für Preise über 50 Cent oder gar über 60 Cent, die 2023 von einigen Anbietern verlangt werden. 
Beachte: 2023 vergünstigt die Strompreisbremse 80 Prozent Deines bisherigen Stromverbrauchs auf 40 Cent pro Kilowattstunde. Und: Stromanbieter können 2023 nicht ohne Weiteres die Preise erhöhen. Alle Details dazu liest Du in unserem Ratgeber zur Strompreisbremse.

Strom sparen hilft Dir, Kosten zu senken

Im Schnitt verbraucht ein Haushalt in Deutschland nach Angaben der Bundesnetzagentur rund 2.500 Kilowattstunden im Jahr – häufig gibt es hierbei noch Potenzial, den Verbrauch zu senken. Das gemeinnützige Verbraucherportal CO2online schätzt, dass Haushalte im Schnitt 1.000 Kilowattstunden einsparen können.

Wie es bei Dir aussieht, kannst Du mit einem Strom-Check prüfen. Ergibt sich ein größeres Einsparpotenzial, kannst Du in unserem Ratgeber Strom sparen nachlesen, an welchen Stellschrauben Du drehen kannst.

Wer wenig verbraucht, zahlt im Verhältnis mehr

Kunden mit niedrigem Stromverbrauch zahlen oft mehr als Kunden, die viel Strom verbrauchen. Das liegt am sogenannten Grundpreis. Ein Stromtarif setzt sich in der Regel aus dem Grundpreis und dem Arbeitspreis zusammen. Der Arbeitspreis fällt für jede verbrauchte Kilowattstunde an. Den Grundpreis berechnet der Versorger dagegen pauschal pro Monat oder Jahr. Verbrauchst Du wenig Strom, fällt der Grundpreis stärker ins Gewicht. Welche Kosten im Grundpreis stecken, ist nirgendwo einheitlich geregelt. Jeder Versorger bestimmt diesen fixen Preisanteil in einem Tarif nach eigenem Ermessen. 2023 – während der Strompreisbremse – dürfen Stromanbieter den Grundpreis aber nur unter bestimmten Umständen erhöhen.

Wie findest Du einen guten Stromtarif?

Der Strommarkt ist ständig in Bewegung: Die Preise von Tarifen können sich jederzeit ändern. Anbieter fahren Sonderaktionen oder setzen neue Vertragsmodelle auf. Am einfachsten verschaffst Du Dir einen Überblick über einen Vergleichsrechner. Wir empfehlen dazu einen Stromvergleich mit unserem Finanztip-Stromrechner. Er basiert auf den Datenbanken von Check24 und Verivox und empfiehlt nur Tarife, die unseren ver­brau­cher­freund­lichen Kriterien entsprechen. Dabei handelt es sich sowohl um Tarife für Ökostrom als auch für konventionellen Strom. Es ist aber auch möglich, dass Du Dir nur Ökostrom-Tarife anzeigen lässt. 

Der Finanztip-Stromrechner bietet unter der Frage „Möchtest Du eine Preisgarantie?“ zwei Voreinstellungen. Wählst Du „langfristige Preisgarantie“, rechnet er Bonuszahlungen in einem Tarif nicht in die jährlichen Kosten mit ein. Dadurch tauchen nur Tarife mit Prämie unter unseren Emp­feh­lungen auf, die sich durch günstige, aber kostendeckende Preise auszeichnen. Nur kostendeckende Preise können Anbieter längerfristig beibehalten. Die emp­foh­lenen Tarife sollten sich dann in ihrer Höhe nur geringfügig ändern, wenn die Preisgarantie abgelaufen ist. Die Preisgarantie beträgt dabei mindestens ein Jahr.

Willst Du Tarife sehen, deren Preisgarantie weniger als ein Jahr betragen kann, stelle in der Suchmaske die Option „keine oder kurze Preisgarantie“ ein. Eventuelle Neukundenboni rechnen wir dabei in den Preis mit ein, da Du bei dieser Option ohnehin regelmäßig im Blick behalten solltest, ob sich ein erneuter Wechsel des Anbieters lohnt.

Der Vollständigkeit halber findest Du Tarife, die wir nicht empfehlen, weiter unten in der Übersicht unter „weitere Angebote“.

Bestimmte Tarife zeigt unser Rechner aber unter keinen Umständen an: Pakettarife, Tarife mit Vorkasse und Tarife von Unternehmen, gegen die Verfahren von Verbraucherzentralen laufen, die Energierecht nicht einhalten sowie gegen die die Bundesnetzagentur ein Aufsichtsverfahren eröffnet oder ein Bußgeld verhängt hat.

Mit einem Vorkasse-Tarif gehst Du ein unnötiges Risiko ein: Bei Insolvenz des Anbieters kannst Du die gezahlten Beiträge nur noch zur Insolvenztabelle anmelden und musst zugleich einen neuen Stromlieferanten bezahlen. 2021 gab es nach Angaben der Bundesnetzagentur noch rund 160 solcher Vorkasse-Tarife. Außerdem gibt es Tarife mit Kaution, bei denen Du im Fall der Zahlungsunfähigkeit des Anbieters ebenfalls ein Risiko eingehst. Es gibt allerdings nur sehr wenige dieser Tarife.

Pakettarife mit einer vereinbarten Menge an Strom, die Dir zur Verfügung steht, bieten nur noch wenige Versorger an. Wir raten davon ab, weil sie meist sehr teuer sind, wenn Du mehr Strom benötigst, als im Paket vorgesehen. Dagegen erhältst Du keine Gutschrift, wenn Du weniger Energie verbrauchst, als im Pakettarif vereinbart. Gegen verschiedene Vertragsklauseln des Anbieters Extra Energie hat die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen geklagt und am Oberlandesgericht Düsseldorf Recht bekommen (Oberlandesgericht Düsseldorf, Az. I-6 U 182/16): Demnach ist es unzulässig, dass sich ein Pakettarif automatisch über die gleiche Strommenge verlängert, ohne dass Kunden den Verbrauch ändern können. Auch die Vertragsverlängerung zu neuem Preis, ohne dass der Kunde deswegen kündigen kann, untersagten die Richter. Das Recht zur Sonderkündigung soll der Versorger auch einräumen, wenn er gestiegene Umlagen weiterreicht.

Stromtarife mit stabilen Preisen anzeigen lassen 

Wenn Du einen Tarif suchst, der mindestens zwei Jahre nahezu stabil bleibt, findest Du diese ganz einfach mit der Option „langfristige Preisgarantie“ in unserem Vergleichsrechner. 

Unser Rechner berücksichtigt dabei keine Bonuszahlungen bei den jährlichen Kosten. Außerdem prüfen wir jeden Monat die von uns emp­foh­lenen Angebote für den einmaligen Wechsel in fünf Städten: Ob der Preis die Kosten reinholt für Stromeinkauf, Transport über die Netze, Entgelt für den Stromzähler sowie Steuern, Umlagen und Abgaben. Ist ein Tarif nach unserer Einschätzung nicht kostendeckend oder erwirtschaftet der Anbieter damit kaum Gewinn, sortieren wir den Tarif aus der Emp­feh­lungsliste aus. Denn solche Angebote sind von vornherein nicht auf Dauer angelegt. Du findest entsprechende Tarife nur dann, wenn Du die Einstellung „keine oder kurze Preisgarantie” anklickst.

Wenn Dir eine Wechselprämie wichtig ist

Tarife, in denen der Anbieter eine Prämie oder einen Bonus für den Wechsel in seinen Vertrag verspricht, sind 2022 rar geworden. 2023 gibt es wieder einige Tarife mit einem Wechselbonus.

Solche Prämien und Boni mitzunehmen, lohnt sich 2023 aber kaum. Tarife ohne Prämienzahlung können günstiger sein als jene mit Prämie. Entscheidest Du Dich doch für einen Tarif mit Neukundenprämie, dann wisse, dass Versorger die Prämien in der Regel nur Verbrauchern zahlen, die derzeit keinen gültigen Vertrag mit ihnen haben oder in den vorangegangenen sechs Monaten hatten. Als Bestandskunde zählst Du häufig auch, wenn Du bei dem entsprechenden Unternehmen bereits Gas beziehst. Gelten die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) sowohl für die Strom- als auch die Gasversorgung, ist davon auszugehen, dass Du einen Neukundenbonus nur für einen Vertrag erhältst.

Zudem zahlen Versorger nicht immer einen versprochenen Bonus automatisch. Einige Anbieter musst Du erst zur Zahlung auffordern, um den Bonus zu erhalten Beachte zudem: Kündigst Du den Vertrag außerordentlich, weil der Anbieter bereits im ersten Vertragsjahr die Preise erhöht, erlischt in der Regel Dein Anspruch auf den Neukundenbonus. Oft versprechen auch Vergleichsportale, über die Du den Vertrag abgeschlossen hast, die Prämie. Dann musst Du in der Regel erst eine Rechnung hochladen, damit die Prämie ausgezahlt wird.

Daten löschen lassen nach Vertragsende

Wechselst Du jährlich den Tarif und nimmst jedes Jahr eine Neukundenprämie mit, kann es Dir auch passieren, dass Dich der neu gewählte Versorger als Kunden ablehnt – weil er Dich kennt und weiß, dass Du nach einem Jahr wieder weg bist. Oder weil er bloß vermutet, dass Du nicht lange sein Kunde bleiben willst. Die Zahl der Versorger, die neue Kunden nach ihrem Verhalten bewerten, wächst. Ausschlaggebend kann dabei sein, wie hoch Dein Verbrauch ist, wo Du wohnst oder wer Dich zuletzt mit Strom versorgt hat.

Ein Unternehmen, das durch zahlreiche abgelehnte Vertragsanfragen auffällt, ist Vattenfall. Der Stromversorger klärte die Kunden nicht transparent darüber auf, dass mit ihren Daten geprüft wurde, ob sie ein „wechselauffälliges Verhalten“ zeigen. So urteilte der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit im September 2021 und verhängte ein Bußgeld in Höhe von mehr als 900.000 Euro. Daraufhin änderte Vattenfall im Januar 2022 seine Allgemeinen Geschäftsbedingungen – dort ist nun nachzulesen, dass Vattenfall die Daten von bestehenden und potenziellen Neukunden nutzen darf, um zu prüfen, ob und in welcher Höhe diese in den vorangegangenen Jahren Bonuszahlungen von Vattenfall erhalten haben. Bis zu fünf Jahre will das Unternehmen personenbezogene Daten dazu aufbewahren.

Nach der Datenschutz-Grundverordnung darf der Stromanbieter Deine Daten bis zu elf Jahre aufbewahren, falls die Steuerbehörden diese prüfen wollen. Klärt der Stromanbieter transparent über einen weiteren möglichen Zweck auf, ist das laut Hamburgischen Datenschutzbeauftragten zulässig. Wir empfehlen Dir trotzdem, Deinen Versorger nach Vertragsende und Zustellung der Schlussrechnung zum Löschen Deiner personenbezogenen Daten aufzufordern, wenn er die Nutzung Deiner Daten nicht in den AGB abgesichert hat. Nutze dann gern unser Mus­ter­schrei­ben.

Bitte daher den vorherigen Lieferanten um Löschung Deiner Daten, wenn Du häufiger den Stromanbieter wechselst. So minderst Du das Risiko, bei einer Rückkehr zu einem bestimmten Versorger abgelehnt zu werden, weil Dich das Unternehmen bereits als wechselfreudigen Kunden kennt.

Mus­ter­schrei­ben Persönliche Daten

Hier kannst Du unser Musterschreiben zur Löschung personenbezogener Daten herunterladen:

Zum Download

Nach Vertragsende bietet es sich zudem an, dem Versorger auch zu erklären, dass Du keine Werbeanrufe und Werbeschreiben von ihm erhalten möchtest.

Untergeschobene Verträge

Um einen neuen Stromvertrag zu schließen, musst nicht zwangsläufig Du aktiv werden. Möglich ist auch, dass ein Versorger mit einem Angebot auf Dich zugeht. Üblich ist beispielsweise, dass Dir der Grundversorger in Deiner Region einen Brief schickt, um Dich als Kunden zu gewinnen. Das ist völlig in Ordnung. Anders ist es, wenn ein Unternehmen Dich anruft und in ein Werbegespräch verwickelt, ohne dass Du dem ausdrücklich zugestimmt hast. Seit Oktober 2021 muss das Unternehmen Deine vorherige Einwilligung in ein Werbegespräch dokumentieren (§ 7a UWG).

Hast Du einen unerlaubten Werbeanruf erhalten, kannst Du den Verstoß der Bundesnetzagentur melden. Dazu stellt die Behörde auf ihrer Internetseite Formulare bereit. 2021 verhängte die Bundesnetzagentur Bußgelder von bis zu 260.000 Euro gegen Unternehmen, die entweder Verbraucher zum Vertrieb von Energieverträgen angerufen oder dazu den Auftrag gegeben hatten.

Selbst wenn Du am Telefon auf ein Angebot eingehst, reicht das aber nicht für einen Vertragsschluss. Denn seit 26. Juli 2021 ist gesetzlich die Textform für Verträge außerhalb der Grundversorgung vorgeschrieben (§ 41b Abs. 1 EnWG). Das bedeutet, ein mündlich unterbreitetes Angebot muss Dir noch schriftlich vorgelegt werden und Du musst es annehmen – erst dann kann der Vertrag geschlossen werden.

Hast Du einen Vertrag geschlossen und bereust dies, kommst Du am einfachsten durch einen Widerruf aus dem Vertrag wieder heraus: Bis zu 14 Tage nach dem vermeintlichen Vertragsschluss ist dafür Zeit. In der Widerrufsbelehrung im Vertrag müssen dazu E-Mail-Adresse, Telefonnummer und Faxnummer des Anbieters genannt sein.

Beachte drei Dinge, wenn Du den Stromanbieter wechselst

Der Preis ist ein wichtiges Kriterium beim Abschluss eines Stromliefervertrags. Aber nicht das einzig wichtige. Auf folgende drei Bedingungen solltest Du achten:

  • Vertragslaufzeit oder Preisgarantie von mindestens einem Jahr
  • Preisgarantie mindestens so lange wie die Vertragslaufzeit
  • Kündigungsfrist von mindestens zwei Wochen

Diese Bedingungen halten wir für wichtig, damit Du nach Abschluss eines Vertrags keine Preiserhöhung befürchten musst, sondern mindestens ein Jahr lang mit stabilen Preisen rechnen kannst. Seit den stark steigenden Strompreisen in 2022 und 2023 kann allerdings auch ein vorübergehender Wechsel in die Grundversorgung sinnvoll sein, weil die Preissteigerungen dort oft moderater ausfallen. In der Grundversorgung gibt es aber keine Preisgarantie. Informationen zur Grundversorgung findest Du in diesem Ratgeber.

Vertragsverlängerung

Nach Ablauf der Erstvertragszeit darf sich der Vertrag zwar verlängern, aber Du darfst ihn jederzeit ordentlich kündigen – die gesetzliche Frist dafür beträgt maximal einen Monat. Die Kündigungsfrist sollte dabei aber mindestens zwei Wochen betragen. Denn sollte der Anbieter Dir kündigen, hättest Du trotzdem genug Zeit, rechtzeitig einen neuen Vertrag zu schließen. Bei einem Umzug steht Dir ein Son­der­kün­di­gungs­recht zu, wenn Dich Dein Lieferant an der neuen Adresse nicht zu denselben Preisen wie bisher beliefern kann.

Preisgarantie

Bei der Preisgarantie gibt es zwei Versionen: Die vollständige Preisgarantie und die eingeschränkte Preisgarantie. In der ersten Variante sind alle Bestandteile des Strompreises inbegriffen, also auch Steuern und gesetzliche Umlagen. In der Regel erhöhen sich die Umlagen auf den Strompreis zum Jahreswechsel.

Im Gegensatz dazu bedeutet der Begriff „eingeschränkte Preisgarantie“, dass bestimmte Bestandteile nicht gedeckt sind, zum Beispiel Umlagen oder Entgelte für die Netznutzung und den Betrieb des Stromzählers. Steigen diese Preisbestandteile, kann Dir der Anbieter trotz Preisgarantie die Mehrkosten in Rechnung stellen. Allerdings muss er Dir dies spätestens vier Wochen vorher mitteilen. Du kannst dann ohne Einhaltung der Kündigungsfrist den Liefervertrag beenden (Son­der­kün­di­gungs­recht). Bei einer Erhöhung oder Senkung der Mehrwertsteuer ist dies allerdings nicht möglich, sofern der Lieferant einzig die Änderung der Mehrwertsteuer an Dich weitergibt.

Ob ein Unternehmen eine Preisgarantie gewährt und wie es diese gestaltet, ist seine Sache. Dazu gibt es keine gesetzlichen Regelungen.

Was ist im Vertrag gesetzlich erlaubt?

Versorger können Stromlieferverträge nicht beliebig gestalten. Folgende Einschränkungen gibt es für Verträge außerhalb der Grundversorgung (§ 309 Nr. 9 BGB):

  • erste Vertragslaufzeit bis maximal zwei Jahre 
  • Kündigungsfrist maximal einen Monat 
  • automatische Vertragsverlängerung nur auf unbestimmte Zeit möglich (also nicht zu Beispiel um ein weiteres Jahr)
  • Vertrag ist nach Ablauf der ersten Laufzeit jederzeit mit maximal einem Monat Frist kündbar

Verträge mit längeren Laufzeiten und Fristen sind seit März 2022 unwirksam. Schließt Du solch einen Vertrag, solltest Du ihn am besten gleich widerrufen. Mit Deinem Widerrufsrecht kannst Du innerhalb von 14 Tagen, nachdem Dir der gewählte Lieferant Deinen Auftrag bestätigt hat, den Vertrag wieder aufheben (§ 355 BGB).

In älteren Stromverträgen, die Du vor März 2022 abgeschlossen hast, dürfen noch längere Fristen gelten – maximal eine automatische Vertragsverlängerung um ein Jahr und eine Kündigungsfrist von bis zu drei Monaten. Was gilt, kannst Du im Vertrag oder den zugehörigen Geschäftsbedingungen nachlesen. Einige Stromlieferanten passen die Laufzeiten und Kündigungsfristen von älteren Bestandsverträgen auch an die neuen gesetzlichen Regeln an. Du wirst dann informiert und hast ein Son­der­kün­di­gungs­recht.

Nach Vertragsschluss muss Dir Dein neuer Stromanbieter eine „knappe, leicht verständliche und klar gekennzeichnete Zusammenfassung der wichtigsten Vertragsbedingungen“ übermitteln (§ 41 Abs. 4 EnWG). Dazu gehören:

  • Strompreise
  • voraussichtlicher Belieferungsbeginn
  • Kündigungsfrist
  • Bonusvereinbarungen (sofern vorhanden)
  • Mindestlaufzeiten (sofern vorhanden)
  • Kontaktdaten des Stromanbieters
  • Verbrauchsstelle (Stromzählernummer)

Was gilt bei Abschlägen und Zah­lungs­be­ding­ung­en?

Da eine Stromrechnung nur einmal im Jahr kommen muss, darf ein Stromversorger Abschlagszahlungen vereinbaren. Das sind monatliche Vorauszahlungen auf Deine zu erwartende Stromrechnung. Die Höhe des Abschlags kann das Unternehmen nicht beliebig wählen, es muss sich an Deinem bisherigen Stromverbrauch orientieren.

Legt der Versorger einen höheren Verbrauch zugrunde, als Du zuletzt in einem Jahr Strom bezogen hast, so fordere ihn zur Korrektur auf. Nutze dazu gerne unser Mus­ter­schrei­ben. Abbuchen darf der Versorger den ersten Abschlag zudem erst an dem Tag, an dem die Stromlieferung beginnt.

Nicht jeder Versorger erhebt Abschlagszahlungen. Es gibt auch Unternehmen, die jeden Monat eine Rechnung schicken. Üblich ist das in variablen und dynamischen Tarifen, kann aber auch in einem Tarif mit fixem Preis der Fall sein. Kunden zahlen dann monatlich, was sie tatsächlich verbraucht haben. Voraussetzung ist in jedem Fall ein digitaler oder intelligenter Stromzähler.

Bei Vertragsschluss muss Dir der Versorger verschiedene Möglichkeiten zum Bezahlen von Abschlägen und Rechnungen anbieten (§ 41 Abs. 2 EnWG). Du darfst dann eine auswählen. Wir empfehlen Dir, ein Sepa-Lastschriftmandat zu erteilen. Mit diesem bist Du nicht in der Verantwortung, pünktlich zu zahlen, weil der Versorger den Betrag selbst abbuchen lässt. Darüber hinaus kannst Du eingezogene Beträge zurückbuchen, wenn beispielsweise der Liefervertrag nicht mehr gilt. Entscheidest Du Dich stattdessen fürs Überweisen, wird ein Abschlag erst zwei Wochen, nachdem Du eine Zahlungsaufforderung erhalten hast, fällig.

Welche Pflichten hat der Stromanbieter?

Der Gesetzgeber hat über die Bedingungen für den Vertrag noch weit mehr Regelungen erlassen, die Stromanbieter zu beachten haben.

1. Die Abrechnung

Mindestens alle zwölf Monate muss Dir der Versorger eine Jahresabrechnung senden (§ 40b Abs. 1 EnWG). Du darfst dabei entscheiden, ob Du diese auf Papier oder elektronisch erhalten willst. Zudem muss Dir der Anbieter eine monatliche, viertel- und halbjährliche Abrechnung anbieten. Wählst Du keinen Abrechnungszeitraum, bestimmt ihn der Anbieter. Für eine jährliche Abrechnung darf er dabei keine Gebühren erheben, egal, ob er sie als Brief oder per E-Mail schickt. Entscheidest Du Dich für eine elektronische Übermittlung, muss er Dir mindestens alle sechs Monate oder auf Deinen Wunsch hin auch alle drei Monate Informationen zur Abrechnung kostenlos übermitteln.

Die Abrechnung muss Dir spätestens sechs Wochen nach Ablauf dieser Frist zugehen (§ 40c Abs. 2 EnWG). Hast Du einen Vertrag gekündigt, solltest Du ebenfalls bis zu sechs Wochen nach Lieferende die Abrechnung erhalten. Erhältst Du monatlich eine Rechnung über Deine Strom­kos­ten, ist Dir die letzte Rechnung nach Kündigung binnen drei Wochen zuzustellen.

Die Rechnung soll stets einfach und verständlich sein und muss alle Faktoren enthalten, die für die Berechnung notwendig sind (§ 40 Abs. 1 EnWG). Die Stromsteuer und die Mehrwertsteuer sind auf der Rechnung separat auszuweisen. Zusätzlich ist anzugeben, wie viel Du über die Stromrechnung für Netznutzung, Messstellenbetrieb und Konzessionsabgabe gezahlt hast.

Findest Du einen Fehler auf der Abrechnung, fehlt etwas oder verstehst Du sie nicht, dann widersprich ihr. Und fordere den Stromanbieter auf, die Abrechnung zu korrigieren oder verständlich zu gestalten.

Ist auf Deiner Abrechnung ein Guthaben ausgewiesen, muss Dir Dein Versorger diese Rückerstattung binnen zwei Wochen zahlen oder mit der nächsten Abschlagszahlung vollständig verrechnen (§ 40c Abs. 3 EnWG). Ergibt die Abrechnung eine Nachzahlung für Dich, wird diese frühestens zwei Wochen, nachdem Du die Rechnung erhalten hast, fällig (§ 40c Abs. 1 EnWG). 

Ein Neukundenbonus sollte auf der Abrechnung auftauchen. Ob der Versorger aber diese Prämie mit Deinen Kosten verrechnet oder die Summe extra aufführt, ist ihm überlassen. In seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen oder im Vertrag sollte geregelt sein, wie er den Bonus berechnet sowie wann und wie er ihn zahlt. Fehlt der Bonus auf der Abrechnung oder hast Du nach Vertragsende Deinen Bonus nicht erhalten, dann mahne den Versorger. Manche Unternehmen reagieren erst dann.

Tipp: Hebe die Abrechnungen vier Jahre lang auf. Es kann passieren, dass ein Stromanbieter eine Abrechnung noch korrigiert. Zum Beispiel kann er plötzlich einen höheren Stromverbrauch berechnen, als ursprünglich in der Abrechnung ausgewiesen. Bis zu drei volle Kalenderjahre, nachdem Du die erste Version erhalten hast, ist dies möglich. Gut ist in einem solchen Fall, wenn Du nicht nur die alte Abrechnung noch besitzt, sondern auch den Zählerstand jedes Jahr notiert und gesichert hast.

2. Die Abschlagszahlung

Sind Abschlagszahlungen vereinbart, so muss die Höhe Deinem bisherigen Verbrauch entsprechen (§ 41b Abs. 3 EnWG). Aber wie eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Energieversorgers Fresh Energy 2018 ergab, zahlt jeder Zweite einen zu hohen Abschlag – im Schnitt 108 Euro mehr im Jahr, als es sein müsste.

Mit jeder Jahresabrechnung sollte der Lieferant daher den Abschlag anpassen – hast Du mehr verbraucht, darf er mehr verlangen; hast Du weniger Strom bezogen, sollte er den Betrag senken – immer im Verhältnis zum geänderten Verbrauch. Macht Dein Versorger das nicht, so fordere ihn dazu auf und nutze unser Mus­ter­schrei­ben. Einige Versorger bieten auch an, die Abschlagshöhe im Online-Kundenportal selbst zu verändern. Das solltest Du nutzen, nachdem Du beispielsweise einen effizienteren Kühlschrank angeschafft hast oder auf andere Weise Strom sparst

Fällig wird eine Abschlagszahlung frühestens zwei Wochen, nachdem Du eine Zahlungsaufforderung erhalten hast (§ 40c Abs. 1 EnWG). Hast Du einen Liefervertrag neu geschlossen, darf der Anbieter die erste Abschlagszahlung nicht vor Beginn der Lieferung verlangen (§ 41b Abs. 3 EnWG). Dasselbe gilt für Vorauszahlungen.

Wenn Dein Anbieter von Dir eine Erhöhung der Abschlagszahlung fordert, musst Du nicht zwingend mitspielen – vor allem nicht, wenn sich am Arbeitspreis nichts verändert, weil Du zum Beispiel noch eine Preisgarantie hast. Einseitige Abschlagserhöhungen durch den Anbieter sind dann nicht zulässig, sagen die Verbraucherzentralen Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Bleibt Dein Verbrauch gleich, aber Du zahlst mehr Abschlag, würdest Du dem Anbieter ja quasi einen Mini-Kredit geben.

Wenn Du aufgrund steigender Strompreise mit einer hohen Nachzahlung rechnest, solltest Du das Geld dafür monatlich auf einem Tagesgeldkonto zurücklegen. Wenn Du die Nachzahlung nicht genau kalkulieren kannst, ist das sinnvoller als die Abschlagszahlung neu zu schätzen.

3. Preiserhöhung, Son­der­kün­di­gungs­recht und Preisgarantie

Will Dein Anbieter den Strompreis erhöhen, muss er Dich darüber benachrichtigen – spätestens einen Monat, bevor er die Preise erhöhen will (§ 41 Abs. 5 EnWG). Kunden in der Grundversorgung sind sogar sechs Wochen vor einer geplanten Änderung zu informieren (§ 5 Abs. 2 StromGVV). Einzig, wenn das Unternehmen eine höhere Mehrwertsteuer an Dich weitergibt, braucht es Dich über die sich dadurch ergebenden höheren Preise nicht zu unterrichten.

Wann und wie Stromanbieter Preiserhöhungen mitteilen, ist dabei sehr unterschiedlich. Sendet der Lieferant eine E-Mail, so muss entweder aus der Betreffzeile klar erkennbar sein, dass die E-Mail eine Preiserhöhung enthält. Oder aus dem E-Mail-Text oder einem angehängten Schreiben muss klar hervorgehen, dass eine Preisänderung bevorsteht.

An eines müssen sich die Unternehmen zudem halten: Sie müssen Dich über Dein Son­der­kün­di­gungs­recht unterrichten. Das bedeutet: Du kannst den Vertrag ohne Rücksicht auf die Kündigungsfrist zum Zeit­punkt der Preiserhöhung beenden. Fehlt der Hinweis auf die Sonderkündigung, gilt die Preiserhöhung als unwirksam.

Auch bei anderen Änderungen des Vertrags, beispielsweise wenn der Versorger Kündigungsfristen oder Laufzeiten ändert, gilt das Son­der­kün­di­gungs­recht und die Pflicht, auf dieses hinzuweisen. Eine Sonderkündigung musst Du selbst schreiben. Binnen einer Woche muss Dein Vertragspartner die Kündigung bestätigen (§ 41b Abs. 1 EnWG). Auch bei Umzug steht Dir ein Son­der­kün­di­gungs­recht zu.

Über Preiserhöhungen während einer Preisgarantie hat das Landgericht Düsseldorf im Sommer 2022 entschieden. Im konkreten Fall hatten die Energieversorger ExtraEnergie und ExtraGrün, zu denen auch die Marken HitEnergie und prioenergie gehören, einigen Kunden Preiserhöhungen angekündigt, obwohl Festpreise vereinbart waren. Die Anbieter begründeten das mit den stark steigenden Beschaffungskosten am Strom- und Gasmarkt. Die ExtraEnergie GmbH sah in den hohen Einkaufspreisen eine Störung ihrer Geschäftsgrundlage nach Paragraf 313 BGB. Das Landgericht Düsseldorf beurteilte das anders. Es untersagte den Anbietern am 26. August per einstweiliger Verfügung, die Preise während der Preisgarantie zu erhöhen. Die Verbraucherzentrale NRW, die gegen den Anbieter vorgegangen war, veröffentlichte den Beschluss auf ihrer Website.

Auch gegen die Versorger primastrom und voxenergie geht der Bundesverband der Verbraucherzentrale vor. Die Anbieter hatten 2022 trotz versprochener Preisgarantie die Preise für Strom (Primastrom) und Gas (Voxenergie) vielen Verbrauchern um ein Vielfaches erhöht. Betroffene können kostenlos an der Mus­ter­fest­stel­lungs­kla­ge gegen die Anbieter teilnehmen.

Erhältst Du von Deinem Anbieter eine solche Preiserhöhung, solltest Du schriftlich widersprechen. Ist eine eingeschränkte Preisgarantie vereinbart, muss Dein Versorger die unternehmerischen Risiken tragen, zum Beispiel von steigenden Beschaffungskosten.

4. Fristgerechte Kündigung

Willst Du Deinen Vertrag kündigen, ist die vertraglich vereinbarte Kündigungsfrist zu beachten. Für Kunden in der Grundversorgung gilt eine Frist von 14 Tagen. Außerhalb der Grundversorgung darf die Kündigungsfrist in einem ab März 2022 geschlossenen Vertrag maximal einen Monat betragen. Hast Du Deinen Vertrag vor März 2022 geschlossen, darf Deine Kündigungsfrist auch bis zu drei Monate betragen.

Wenn Du selbst kündigst, musst Du das schriftlich machen. Du kannst eine E-Mail schreiben, natürlich aber auch einen Brief oder ein Fax (§ 309 Nr. 13 BGB). Einen online geschlossenen Vertrag kannst Du seit Juli 2022 auch online wieder lösen (§ 312k BGB). Dazu müssen Lieferanten eine Schaltfläche bereitstellen, die eindeutig beschriftet sein soll, etwa mit den Worten “Verträge hier kündigen”.

Schließlich: Die Kündigung kann auch der neu gewählte Stromanbieter für Dich vornehmen. Jede ordentliche Kündigung klappt dabei nur im Rahmen der Kündigungsfrist. Jede Kündigung – egal ob digital, schriftlich oder vom neuen Anbieter mitgeteilt – muss Dein bisheriger Anbieter binnen einer Woche bestätigen (§ 41b Abs. 1 EnWG).

Grundsätzlich ist ein Lieferantenwechsel jederzeit möglich – zu Beginn eines Monats oder mitten im Monat. Will Dich ein Versorger nicht zu einem bestimmten Stichtag aus dem Vertrag lassen oder ein neuer Versorger die Belieferung mitten im Monat beginnen, hat das keine rechtlichen und auch keine technischen Gründe, sondern liegt eher in der firmeneigenen Verwaltung begründet. Falls Dich das stört: Mit einem Widerruf des neuen Vertrags fährst Du vermutlich besser, als wenn Du dem neuen Versorger ein anderes Datum für den Lieferstart schmackhaft machen willst.

Erste Hilfe bei Problemen mit dem Stromanbieter

Hält sich ein Stromanbieter nicht an die gesetzlichen Regeln oder seinen eigenen Vertrag, so ist der erste Schritt, dass Du ihn darauf hinweist. Hilft das nicht, so kannst Du Dich an die Schlichtungsstelle Energie wenden. Auf diese müssen Stromversorger auf jeder Abrechnung, auf Schreiben zu Preiserhöhungen und bei Abschluss eines Liefervertrags hinweisen.

Kannst Du gegenüber der Schlichtungsstelle belegen, dass der Versorger auf Deine Forderungen nicht reagiert hat, eröffnet sie in der Regel ein Schlich­tungs­ver­fahr­en. Das mögen Versorger nicht, denn dafür stellt die Schlichtungsstelle dem entsprechenden Unternehmen eine Gebühr in Rechnung. Pro Fall berechnet sie gewöhnlich einen niedrigen dreistelligen Betrag.

Hast Du den Stromliefervertrag über einen Makler abgeschlossen, kannst Du Dich auch an diesen wenden. Verivox und Check24 beispielsweise vermitteln dann zwischen dem Anbieter und dem Kunden.

Stufst Du das Verhalten Deines Stromanbieters als eine unseriöse Geschäftspraktik ein, sind die Verbraucherzentralen oder die Marktwächter Energie die richtige Anlaufstelle für Deine Kritik. Die Verbraucherschützer können Unternehmen abmahnen, ihnen Unterlassungserklärungen abringen oder sie verklagen.

Kommt Dein Stromanbieter seinen Pflichten nicht nach, schickt er keine fristgerechte Abrechnung, antwortet er nicht auf Schreiben oder liefert er nicht zuverlässig Energie, kannst Du überlegen, die Bundesnetzagentur darüber zu informieren. Die Behörde kann gegen einen Versorger ein Aufsichtsverfahren einleiten, wenn der Verdacht besteht, dass das Unternehmen nicht mehr leistungsfähig ist. Zur Not kann die Behörde dem Anbieter seine Tätigkeit ganz oder teilweise untersagen.

Gibt es dagegen Probleme mit dem Netzbetreiber, ist die Bundesnetzagentur die richtige Anlaufstelle bei Beschwerden. Ein Netzbetreiber muss alle Stromversorger gleich behandeln. Er darf kein Unternehmen bevorzugen oder benachteiligen. Gleiches gilt für die Betreiber von Stromzählern. Willst Du Deinen Mess­stel­len­be­trei­ber wechseln, so muss dies das bisherige Unternehmen mittragen.

Bist Du Dir unsicher, ob das Verhalten Deines Anbieters korrekt ist, dann kann der Austausch mit anderen helfen. In unserer Finanztip-Community kannst Du mit weiteren Betroffenen diskutieren oder ein neues Thema eröffnen.

Wenn Dein Stromanbieter den Vertrag kündigt oder nicht liefert

Fällt Dein Stromanbieter nach vorheriger Ankündigung aus und Dein Liefervertrag endet, ohne dass Du einen neuen Stromvertrag geschlossen hast, wirst Du über die lokale Grundversorgung weiter mit Strom versorgt. Keine Sorge: Auch, falls Dein Stromanbieter ganz plötzlich nicht mehr liefert, ein Stromanbieter-Wechsel scheitert oder sich verzögert, gehen bei Dir zuhause die Lichter nicht aus. Dann springt die sogenannte Ersatzversorgung ein. Schließe in jedem Fall dann aber einen neuen Vertrag ab. Nutze dazu gerne unseren Finanztip-Stromrechner.

Insolvenz und Lieferende von Stromanbietern

Von den hohen Einkaufspreisen an der Strombörse seit Herbst 2021 sind manche Stromanbieter kalt erwischt worden: Mehrere Lieferanten haben Insolvenz angemeldet, so Enqu, Lition, Otima oder Smiling Green Energy. Andere haben die Verträge mit ihren Kunden gekündigt oder deren Belieferung eingestellt, ohne dass sie zahlungsunfähig waren. Zu diesen Firmen gehören etwa die Rheinische Elektrizitäts- und Gasversorgungsgesellschaft, Elektrizitätswerke Düsseldorf, Phoenixstrom und Stromio.

Dem letztgenannten Anbieter Stromio wurden die Bilanzkreisverträge von den Über­tra­gungs­netz­be­trei­bern gekündigt. Das bedeutet: Stromio durfte keine Energie mehr über das öffentliche Stromnetz liefern. Bei der Bundesnetzagentur hat sich das Unternehmen als Stromlieferant abgemeldet. Schätzungsweise 800.000 Kunden waren von dem Lieferstopp betroffen. Viele dieser Kunden mussten seit 22. Dezember 2021 viel höhere Strompreise zahlen. Die Verbraucherzentrale Hessen ist dabei der Auffassung, dass die Kündigung der Stromverträge rechtswidrig war und führt eine Musterfeststellungklage gegen Stromio. Bist Du betroffen, kannst Du Dich kostenlos ins Klageregister eintragen und damit Schadenersatz von Stromio gerichtlich einfordern, sofern Du nicht schon ein Angebot von Stromio angenommen hast.

Damit sich Fälle wie von Stromio nicht wiederholen, hat der Gesetzgeber das Energiewirtschaftsgesetz im Sommer 2022 geändert. Stromlieferanten müssen nun spätestens drei Monate vor Ende ihrer Tätigkeit dies den Kunden und der Bundesnetzagentur mitteilen sowie auf ihrer Internetseite über das Ende des Stromliefergeschäfts informieren (§ 5 EnWG). Der Bundesnetzagentur sollen Unternehmen zudem darlegen, wie sie bis Ende ihrer Tätigkeit die Versorgung der Kunden sicherstellen.

Autoren
Ines Rutschmann
Benjamin Weigl

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