Stromanbieter wechseln

Dein Fahrplan zu einem guten Stromvertrag

Ines Rutschmann
Finanztip-Expertin für Energie
09. Mai 2022
Das Wichtigste in Kürze

Der Krieg in der Ukraine hat die Preise an der Strombörse nach oben getrieben - vor allem, weil Erdgas teurer geworden ist. Gas hatte 2021 einen Anteil von 15 Prozent an der deutschen Stromerzeugung. Wir halten Dich auf dem Laufenden, welche Rolle Gas künftig bei der Stromerzeugung spielen und wohin sich der Strompreis weiter bewegen wird.

  • Die Preise an der Strombörse sind seit Herbst 2021 stark gestiegen, zuletzt mit Beginn des Krieges in der Ukraine.
  • 2022 verlangen daher viele Stromanbieter höhere Preise; einige haben die Belieferung ihrer Kunden eingestellt – dann übernimmt der Grundversorger.
  • Der Wechsel des Stromanbieters lohnt sich, wenn Dein aktueller Anbieter mehr als 40 Cent pro Kilowattstunde verlangt. Liegt Dein Strompreis darunter, findest Du vermutlich keinen preiswerteren Vertrag. 
So gehst Du vor
  • Prüfe die neuen Preise, die ein Anbieter verlangt. Vergleiche dazu Tarife mit unserem Stromrechner. Er fragt die Angebote von Verivox und Check24 gleichzeitig ab und filtert die Ergebnisse nach unseren strengen Finanztip-Kriterien.
  • Die Ergebnisliste enthält Werbelinks, über die Du Deinen Tarif direkt abschließen kannst. Alle Empfehlungen erfolgen rein redaktionell und zu 100 Prozent unabhängig.

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  • Wenn Deine monatlichen Abschlagszahlungen nicht (mehr) Deinem Verbrauch entsprechen, lass diese korrigieren. Nutze dafür gerne unseren Musterbrief.

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  • Hast Du ein Problem mit Deinem Lieferanten, wende Dich an die Schlichtungsstelle Energie oder eine Verbraucherzentrale.

Seit 1998 hast Du als Verbraucher die Wahl: Du kannst bestimmen, wer Deinen Strom liefert. Nicht nur einmal, sondern immer wieder. Erhöht etwa Dein Stromanbieter die Preise, kannst Du sofort den Vertrag kündigen und Dir einen anderen Lieferanten suchen. Du gehst bei solch einem Wechsel kein Risiko ein: Deine Versorgung bleibt sicher. Mit einem günstigen Tarif kannst Du ordentlich Geld sparen. Der Finanztip-Stromrechner hilft Dir bei der Suche nach Tarifen für Haushaltsstrom. Benötigst Du einen Stromvertrag für Deine Wärmepumpe, Deine Wallbox oder aber möchstest Du eine innovative Tarifart ausprobieren, erfährst Du im Ratgeber Stromtarife mehr.

Wann ist ein Stromtarif 2022 preiswert?

Im Frühling 2022 kostet eine Kilowattstunde Strom im Schnitt 37 Cent – rund 15 Prozent mehr als noch Mitte 2021. Das hat der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft ermittelt. Der Grund: Die Preise an der Strombörse sind seit Ende 2021 so teuer wie nie zuvor. Im Dezember lag der Durchschnittspreis am Spotmarkt bei rund 22 Cent pro Kilowattstunde und ist mit Ausbruch des Krieges in der Ukraine auf mehr als 30 Cent pro Kilowattstunde gestiegen. Im Mai 2022 liegt er immer noch bei mehr als 20 Cent pro Kilowattstunde. Zum Vergleich: Von Januar bis September 2021 zahlten Stromlieferanten im kurzfristigen Einkauf im Schnitt rund 7 Cent pro Kilowattstunde Strom. Nur wenn die Lieferanten für Monate oder besser noch Jahre im Voraus am Terminmarkt einkaufen, zahlen sie weniger – aber trotzdem immer noch mehr als bis Sommer 2021. 

Die hohen Handelspreise für elektrische Energie machen den Strom für Industrie, Gewerbe und auch Verbraucher teurer. Wie stark ein Anbieter seine Preise anhebt, hängt davon ab, wie er in der Vergangenheit Strom beschafft hat. Einige Stromlieferanten haben ihre Preise nahezu stabil gehalten, während andere ihre Preise verdoppelten. Es kann auch sein, dass Dein Anbieter noch preiswert ist, obwohl er die Preise anhebt. Denn 2022 sind Bestandskunden im Vorteil: Die Preise in bestehenden Verträgen sind häufig niedriger als in neuen. Daher solltest Du die Preise nach einer Erhöhung zunächst prüfen. Verlangt Dein Anbieter mehr als 40 Cent pro Kilowattstunde, kannst Du noch ein günstigeres Angebot finden. Nutze dazu gern unseren Vergleichsrechner. Schau Dir dabei auch gezielt die Sondertarife bei Deinem Grundversorger an – manche verlangen selbst in der Grundversorgung noch moderate Preise. Hast Du ein besseres Angebot entdeckt, dann kündige außerordentlich und wechsle den Anbieter. 

Vergleiche Stromtarife mit dem Finanztip-Stromrechner

Krieg in der Ukraine: Durch die Krise ist der Strompreis aktuell sehr hoch. Daher lohnt sich ein Anbieterwechsel derzeit nicht, denn Neukundentarife sind teuer. Sobald Neukundenangebote wieder günstiger sind, informieren wir Dich in unserem kostenlosen Newsletter. Melde Dich hier an.

Die Ergebnisliste unseres Vergleichsrechners enthält Werbelinks zu Stromtarifen von Check24 und Verivox. Alle Empfehlungen erfolgen redaktionell unabhängig und erfüllen unsere strengen Finanztip-Kriterien.

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Der Finanztip-Stromrechner basiert auf Daten der Check24 Vergleichsportal Energie GmbH sowie der Verivox GmbH. Diese haben wir mit unseren Parametern so gefiltert, dass Du ein ver­brau­cher­freund­liches Ergebnis nach Finanztip-Kriterien erhältst. Wir übernehmen keine Gewähr für die Richtigkeit und Aktualität der hier bereitgestellten Informationen. Für Schäden aus fehlerhaften Daten oder durch die Nutzung des Rechners übernehmen wir keine Haftung.

Für Daten der Check24 Vergleichsportal Energie GmbH: © 2022 www.check24.de

Für Daten der Verivox GmbH: © Verivox GmbH – www.verivox.de – alle Angaben ohne Gewähr (Stand: 2022). Das Angebot darf nur für den privaten Gebrauch genutzt werden. Eine Vervielfältigung oder Verbreitung des Angebots oder der auf diesen Seiten angezeigten Informationen – ganz oder auszugsweise, gleich in welcher Form – und jede Form der kommerziellen Verwendung ist nicht ohne ausdrückliche schriftliche Zustimmung der Verivox GmbH zulässig.

Willst Du über Verivox oder Check24 den Vertrag abschließen, leiten die Portale den Vertragswechsel ein. Der Abschluss kommt in der Regel erst zustande, wenn Dich der gewählte Versorger anschreibt und den Vertrag bestätigt. Ab dann bleiben 14 Tage Zeit, den Vertrag zu widerrufen.

Stadtwerke schröpfen Neukunden – was Du wissen musst

Von den höheren Börsenpreisen sind manche Stromanbieter kalt erwischt worden: Mehrere Lieferanten haben Insolvenz angemeldet, so Enqu, Lition, Otima oder Smiling Green Energy. Andere haben die Verträge mit ihren Kunden gekündigt oder deren Belieferung eingestellt, ohne dass sie zahlungsunfähig waren. Zu diesen Firmen gehören etwa die Rheinische Elektrizitäts- und Gasversorgungsgesellschaft, Elektrizitätswerke Düsseldorf, Phoenixstrom und Stromio. 

Letzterer wurden die Bilanzkreisverträge von den Übertragungsnetzbetreibern gekündigt. Daraufhin durfte Stromio keine Energie mehr über das öffentliche Stromnetz liefern. Bei der Bundesnetzagentur hat sich das Unternehmen als Stromlieferant abgemeldet. Schätzungsweise 800.000 Kunden waren von dem Lieferstopp betroffen. Vermutlich müssen diese Kunden seit 22. Dezember viel höhere Strompreise zahlen. Die Verbraucherzentrale Hessen ist dabei der Auffassung, dass die Kündigung der Stromverträge rechtswidrig war und bereitet eine Musterfeststellungklage gegen Stromio vor. Wird diese zugelassen, kannst Du Dich kostenlos ins Klageregister eintragen und damit Schadenersatz von Stromio gerichtlich einfordern, sofern Du nicht schon ein Angebot von Stromio angenommen hast.

Damit sich Fälle wie von Stromio nicht wiederholen, will die Bundesregierung das Energiewirtschaftsgesetz ändern. Einem Gesetzentwurf zufolge sollen Stromlieferanten künftig spätestens drei Monate vor Ende ihrer Tätigkeit dies den Kunden und der Bundesnetzagentur mitteilen sowie auf ihrer Internetseite über das Ende des Stromliefergeschäfts informieren. Der Bundesnetzagentur sollen Unternehmen zudem darlegen, wie sie bis Ende ihrer Tätigkeit die Versorgung der Kunden sicherstellen. Der Bundestag berät im Mai über den Gesetzentwurf.

Wird Dir Dein Vertrag gekündigt oder die Stromlieferung vom bisherigen Anbieter eingestellt und Du schaffst es nicht, einen neuen Vertrag nahtlos anzuschließen, übernimmt der Grundversorger im Rahmen der Ersatzversorgung (§ 38 EnWG). Schließt Du keinen neuen Sondervertrag ab, endet die Ersatzversorgung nach drei Monaten und die Grundversorgung beginnt. Die Preise in der Ersatz- und Grundversorgung sind in der Regel identisch. Allerdings unterscheiden viele Grundversorger zwischen Neukunden und Bestandskunden – von Verbrauchern, die neu in die Ersatzversorgung fallen, verlangen sie viel höhere Preise als von Kunden, die schon länger grundversorgt sind. 

Die Unterscheidung zwischen Neukunden und Bestandskunden treffen einige Grundversorger auch in den Sondertarifen, die sie anbieten. Das bedeutet: Niedrigere Preise stehen dann nur Bestandskunden offen, die etwa aus der Grundversorgung in einen Sondertarif beim Grundversorger wechseln wollen. 

Juristisches Tauziehen um „zweigleisige Grundtarife“ 

Die Benachteiligung von Neukunden in der Ersatz- und Grundversorgung ist ein neues Phänomen. Im Oktober 2021 begannen erste Grundversorger damit. Es folgten viele weitere. Im Mai 2022 unterscheiden rund 500 Unternehmen zwischen Neukunden und Bestandskunden – das ist rund jeder zweite Grundversorger. Ist das energierechtlich erlaubt? Darüber streiten Juristen. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat einstweilige Verfügungen gegen die Preissplittung gegen drei Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen beantragt. Die erste gegen Rheinenergie wies das Landgericht Köln am 10. Februar 2022 ab. Das Oberlandesgericht Köln bestätigte die Entscheidung (Beschluss vom 8. März 2022, Az. 6 W 10/22). Die zweite einstweilige Verfügung gegen die Stadtwerke Gütersloh wies das Landgericht Dortmund am 3. März 2022 ab und mit der dritten einstweiligen Verfügung gegen WSW Energie & Wasser scheiterten die Verbraucherschützer vor dem Landgericht Düsseldorf (Beschluss vom 31. März 2022, Az. 37 O 20/22). 

Ist dann die Preissplittung kartellrechtlich zulässig? Die Kartellbehörden haben grundsätzlich nichts gegen sogenannte "zweigleisige Preise" in der Grund- und Ersatzversorgung einzuwenden – so lange die Preise für Neukunden durch tatsächliche Kosten zu rechtfertigen sind. Verlangt ein Grundversorger jedoch überhöhte Preise, besteht der Verdacht, dass er seine Funktion als Grundversorger missbraucht, um neue Kunden über Gebühr zur Kasse zu bitten. Der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, erklärte im Januar 2022: "Die Versorger sollten sich bewusst sein, dass sie die Höhe der jetzt aufgerufenen Tarife für Neukunden im Einzelnen auch rechtfertigen können müssen.“

Mit dem Argument, Grundversorger missbrauchten ihre marktbeherrschende Stellung, ist der Ökostromlieferant Lichtblick gegen mehrere Stadtwerke vorgegangen – mit Erfolg: Das Landgericht Frankfurt/Main gab am 14. Februar 2022 einer einstweiligen Verfügung gegen den Grundversorger Mainova statt. Ebenso entschied das Landgericht Mannheim am 23. Februar gegen die Stadtwerke Pforzheim. Beide Grundversorger sind in Widerspruch gegangen; die Verhandlungen an den Gerichten stehen noch aus. Anfang März entschied das Landgericht Hannover gegen EVI Hildesheim. Auch dieser Grundversorger hat gegen die Entscheidung Widerspruch eingelegt. Lichtblick hat anschließend die einstweilige Verfügung zurückgezogen. Alle drei Grundversorger haben die Preissplittung nach den Entscheidungen der Gerichte zurückgenommen.

Verlangt Dein Grundversorger überhöhte Preise, kannst Du das der zuständigen Kartellbehörde melden. Entweder ist das die im Bundesland ansässige Behörde, wenn das Grundversorgungsgebiet nur in Deinem Bundesland liegt, oder die Bundesbehörde, wenn sich das Grundversorgungsgebiet über mehrere Bundesländer erstreckt. Darüber hinaus steht es Dir offen, den Klageweg einzuschlagen und damit zivilrechtlich prüfen zu lassen, ob Du wirtschaftlich gegenüber anderen grundversorgten Kunden benachteiligt werden darfst, wenn Du nach einem bestimmten Stichtag in die Ersatzversorgung fällst – auch, wenn die Preise nicht eindeutig überhöht sind. 

Gehört Dein Grundversorger zu denen, die von Neukunden sehr hohe Preise verlangen, solltest Du auf jeden Fall schnell einen neuen Liefervertrag für Strom abschließen – im besten Fall für weniger als 40 Cent pro Kilowattstunde. Kennst Du die Preise in der Grund- und Ersatzversorgung nicht, dann rufe sie auf der Internetseite Deines Grundversorgers ab oder lass sie Dir vom Unternehmen nennen – dann weißt Du, woran Du bist, wenn Dein Anbieter den Vertrag gekündigt hat oder bereits nicht mehr liefert. Sind die Preise moderat, kannst Du Dir auch Zeit lassen, einen neuen Sondervertrag zu schließen. Möglicherweise hat der Grundversorger selbst auch ein attraktives Angebot, das dir offensteht.

Der Preissplittung in der Grundversorgung will die Bundesregierung einen Riegel vorschieben. Nach einem Gesetzentwurf soll es künftig keine unterschiedlichen Preise in der Grundversorgung mehr geben. Ausgenommen sind davon aber die Preise in der Ersatzversorgung - sie dürfen höher als in der Grundversorgung sein und der Grundversorger soll "erhöhte Vertriebskosten und einen besonderen Beschaffungskostenanteil" auch kurzfristig einpreisen dürfen. Die veranschlagten Beschaffungskosten dürfen aber nicht über denen im kurzfristen Einkauf an der Strombörse liegen.

In die Ersatzversorgung fällst Du, wenn Du keinen Stromvertrag mit einem Unternehmen hast, aber elektrische Energie aus dem öffentlichen Netz nutzt. In der Ersatzversorgung besteht kein Vertrag; sie endet, sobald Du einen neuen Stromvertrag schließt. Machst Du das nicht, endet sie nach drei Monaten und Du fällst in die Grundversorgung. Dabei schließt Du durch weitere Stromentnahme aus dem Netz einen Vertrag.

Sondervertrag statt Ersatzversorgung

Einen anderen Weg, die seit Herbst 2021 hohen Beschaffungskosten durch neue Kunden in der Ersatzversorgung zu bewältigen, geht der Grundversorger enviaM mit Sitz in Chemnitz. Das Unternehmen hat die Ersatzversorgung von ehemaligen Stromio-Kunden abgelehnt und diese stattdessen in einem Sondertarif begrüßt, den diese gar nicht abgeschlossen haben. Aus Sicht des Unternehmens sei dieser Vertrag durch konkludentes Handeln geschlossen worden – schließlich haben die Betroffenen dem Stromnetz Energie entnommen.

Das ist ein einmaliger Vorgang im deutschen Strommarkt und auch rechtlich bedenklich: Denn die Ersatzversorgung darf ein Grundversorger nicht ablehnen. Betroffene haben daher Anspruch auf die Preise, die in der Ersatzversorgung gelten. In die Ersatzversorgung nimmt enviaM allerdings weiterhin Kunden auf, die auf anderem Wege dorthin gelangen – etwa, wenn Du in eine Wohnung einziehst, ohne vorher einen Stromliefervertrag geschlossen zu haben. 

Warst Du Kunde bei Stromio und hat Dein Grundversorger Dir einfach einen Sondervertrag untergeschoben, dann fordere ihn auf, Dich im Rahmen der Ersatzversorgung zu beliefern. Wenn er nicht darauf eingeht, solltest Du Dich bei der Bundesnetzagentur beschweren. Die Behörde kann aufsichtsrechtliche Schritte einleiten, wenn sie Kenntnis von Verstößen gegen Energierecht erlangt. Beantrage zudem ein Schlich­tungs­ver­fahr­en bei der Schlichtungsstelle Energie – damit wird Dein Anspruch auf die Ersatzversorgung und die dort geltenden Preise geklärt. Das Verfahren ist für Dich kostenfrei. Schließe zudem einen neuen Liefervertrag mit einem Unternehmen Deiner Wahl, um die Auseinandersetzungen mit Deinem Grundversorger zu verkürzen. 

Damit sich ein Verhalten wie von enviaM nicht wiederholen kann, sind auch Änderungen bei der gesetzlichen Regelung zur Ersatzversorgung geplant. Einem Gesetzentwurf zufolge ist ein Vertragsschluss zwischen Grundversorger und Kunden allein durch konkludentes Handeln – der Stromentnahme aus dem Netz – ausgeschlossen. Erst nach drei Monaten, in denen Du keinen neuen Stromvertrag geschlossen hast, bedeutet die weitere Stromentnahme aus dem Netz, dass ein Vertrag zustande kommt.

Wie läuft ein Versorgerwechsel ab?

Den Versorger zu wechseln, ist einfach. Ist Dein Vertrag bereits gekündigt oder befindest Du Dich in der Ersatzversorgung, kannst Du zum nächstmöglichen Zeitpunkt einen Vertrag mit einem neuen Anbieter schließen. Besteht noch ein Vertrag, hast Du am wenigsten Aufwand, wenn Du direkt einen neuen Anbieter suchst – dieser kündigt dann Deinem alten Anbieter zum nächstmöglichen Zeitpunkt. Du kannst Deinen Vertrag auch selbst kündigen – dazu reicht ein Einzeiler per E-Mail, Brief oder Fax.

Nutzt Du dagegen Dein Son­der­kün­di­gungs­recht, weil Dein Lieferant eine Preiserhöhung angekündigt hat, musst Du selbst kündigen. Nutze dazu gerne unseren Musterbrief. Anschließend kannst Du einen neuen Lieferanten auswählen. Jeder neue Vertrag sollte direkt an das Ende des alten Vertrags anschließen.

Geht etwas schief beim Wechsel, bekommst Du trotzdem weiter Strom. Du rutschst dann in die Ersatzversorgung. Diese übernimmt der Grundversorger – das Energieunternehmen mit den meisten Stromkunden in einer Region. Die Ersatzversorgung dauert so lange, bis Dein gewählter Versorger liefern kann. Den von Dir bezogenen Strom kann der Netzbetreiber auch bis zu sechs Wochen rückwirkend dem Unternehmen zuschreiben, das Du beauftragt hast. Hat dieser seinen ursprünglichen Lieferstart nicht eingehalten, sollte er die Mehrkosten aus der Ersatzversorgung übernehmen.

Vergiss nach der Kündigung aber nicht, auch einen neuen Stromvertrag abzuschließen. Innerhalb von zwei Wochen sollte ein neuer Versorger startklar sein, wenn der bisherige Vertrag bereits gekündigt ist. Bis zu drei Wochen darf es dauern, Dich beim Netzbetreiber anzumelden. Dauert es trotzdem länger, weil eine der beteiligten Firmen schusselt, kann der Netzbetreiber Deinen Stromanbieterwechsel wiederum rückwirkend festzurren – bis zu sechs Wochen nach dem vorgesehenen Lieferstart ist das möglich. Endet Dein alter Vertrag und Du hast keinen neuen geschlossen, landest Du wiederum in der Ersatzversorgung. Diese endet, sobald ein neuer Vertrag anläuft.

Hast Du nach drei Monaten noch keinen neuen Stromanbieter beauftragt oder ist Dein gewählter Lieferant nach dieser Zeit immer noch nicht lieferfähig, fällst Du in die Grundversorgung. Die Tarife sind dort zumeist so hoch wie in der Ersatzversorgung. Im Unterschied zur Ersatzversorgung gibt es in der Grundversorgung aber eine Kündigungsfrist: Sie beträgt zwei Wochen.

Wie viel kannst Du durch einen Wechsel sparen?

In der Vergangenheit ließ sich durch den Wechsel des Stromanbieters auf einfache Weise Geld sparen. Aktuell ist dies jedoch nicht der Fall: Wenn Du in Deinem bestehenden Tarif weniger als 35 Cent pro Kilowattstunde zahlst, dann bleibe bei Deinem Anbieter. Durch einen Wechsel könntest Du vermutlich nicht sparen, selbst, wenn Du in der Grundversorgung steckst.

Strompreise von Haushaltskunden

Stromverbrauch

in kWh pro Jahr

Tarif in der
Grundversorgung

anderer Tarif beim

Grundversorger

Tarif bei

anderem Anbieter

weniger als 1.00051,36 ct/kWh48,61 ct/kWh45,20 ct/kWh
1.000 - 2.50037,05 ct/kWh34,55 ct/kWh35,11 ct/kWh
2.500 - 5.00033,80 ct/kWh31,89 ct/kWh32,70 ct/kWh
5.000 - 10.00032,20 ct/kWh30,44 ct/kWh30,68 ct/kWh

Es handelt sich um durchschnittliche Preise je Verbrauchsgruppe, die am 1. April 2021 galten und nach ihrer Menge gewichtet sind. 
Quelle: Bundesnetzagentur/Bundeskartellamt (Stand: 1. Dezember 2021)

Im Schnitt verbraucht ein Haushalt in Deutschland nach Angaben der Bundesnetzagentur rund 2.500 Kilowattstunden im Jahr – häufig gibt es hierbei noch Potenzial, den Verbrauch zu senken. Das gemeinnützige Verbraucherportal CO2online schätzt, dass Haushalte im Schnitt 1.000 Kilowattstunden einsparen können.

Wie es bei Dir aussieht, kannst Du mit einem Strom-Check prüfen. Ergibt sich ein größeres Einsparpotenzial, kannst Du in unserem Ratgeber Strom sparen nachlesen, an welchen Stellschrauben Du drehen kannst.

Wer wenig verbraucht, zahlt im Verhältnis mehr

Wie die Tabelle verdeutlicht, zahlt neben den grundversorgten Haushalten eine zweite Gruppe vergleichsweise hohe Preise: Kunden mit niedrigem Stromverbrauch. 

Das liegt am sogenannten Grundpreis. Ein Stromtarif setzt sich in der Regel aus dem Grundpreis und dem Arbeitspreis zusammen. Der Arbeitspreis fällt für jede verbrauchte Kilowattstunde an; den Grundpreis berechnet der Versorger pauschal pro Monat oder Jahr. Verbrauchst Du wenig Strom, fällt der Grundpreis stärker ins Gewicht. Welche Kosten im Grundpreis stecken, ist nirgendwo einheitlich geregelt. Jeder Versorger bestimmt diesen fixen Preisanteil in einem Tarif nach eigenem Ermessen. Einfluss haben aber die Entgelte für den Stromtransport, die die Netzbetreiber erheben. Diese haben in den vergangenen Jahren in vielen Regionen den fixen Anteil an ihren Entgelten stärker erhöht.

Unabhängig vom Verbrauch zahlten Stromkunden in der Vergangenheit in der Grundversorgung im Schnitt die höchsten Preise. 2021 waren es 6 bis 14 Prozent mehr als in Verträgen außerhalb der Grundversorgung. Für 2022 liegen noch keine Zahlen vor, aber die alte Gewissheit, dass der Grundtarif meist die teuerste Option für einen neuen Vertrag ist, gilt nicht mehr. Die Preise in der Grundversorgung gehen 2022 je nach Unternehmen bundesweit sehr weit auseinander und können vergleichsweise teuer als auch günstig sein. Es hängt davon ab, wo Du wohnst.

Rund 15 Millionen Kunden befinden sich in der Grundversorgung. Diese Kunden können Haushalte sein. Möglich ist aber auch, dass für das Hauslicht in Deinem Mehrfamilienhaus ein Grundversorgungsvertrag besteht. Die Kosten berechnet Dir die Hausverwaltung dann über die Ne­ben­kos­ten­ab­rech­nung. Lässt Du gerade ein Haus errichten, brauchst Du Baustrom – wenn Du dafür keinen Sondervertrag schließt, besteht ebenfalls ein Grundversorgungsvertrag.

Die Grundversorgung zu verlassen, ist für manche Verbraucher durchaus schwierig. Wenn beispielsweise negative Einträge bei der Schufa bestehen, weisen Anbieter potenzielle Kunden auch ab. Eine Option können dann sogenannte Prepaid-Tarife sein – sofern die Preise niedriger sind als in der Grundversorgung. In diesen Tarifen bezahlst Du zuerst eine Strommenge Deiner Wahl. Ist diese fast aufgebracht, solltest Du Dein Guthaben aufladen. Abschlagszahlungen gibt es nicht und daher interessieren auch Deine Schufa-Einträge nicht.

Seit 2018 bietet das Start-up Energierevolte der Stadtwerke Düren solch einen Tarif an. Abschließen kannst Du ihn, wenn Du in einer größeren Stadt wohnst. Das Unternehmen baut Dir kostenlos einen digitalen Stromzähler ein, der das Stromkonto verwaltet und über eine App den Stromverbrauch und das bestehende Guthaben anzeigt. 

Weitere rund 16 Millionen Stromkunden lassen sich vom Stadtwerk vor Ort versorgen, haben dazu aber einen anderen Vertrag geschlossen. Etwa jeder dritte Stromkunde lässt sich von einem anderen Anbieter als dem Grundversorger beliefern.

Wie findest Du einen guten Stromtarif?

Der Strommarkt ist ständig in Bewegung: Neue Anbieter tauchen auf, es gibt Sonderaktionen und neue Vertragsmodelle. Es empfiehlt sich, sich alle paar Monate einen Überblick zu verschaffen.

Das ist am einfachsten über einen Vergleichsrechner. Wir empfehlen dazu einen Stromvergleich mit unserem Finanztip-Stromrechner. Er basiert auf den Datenbanken von Check24 und Verivox und empfiehlt nur Tarife, die unseren ver­brau­cher­freund­lichen Kriterien entsprechen. Dabei handelt es sich sowohl um Tarife für Ökostrom als auch für konventionellen Strom. Es ist aber auch möglich, dass Du Dir nur Ökostrom-Tarife anzeigen lässt. 

Der Rechner ist so voreingestellt, dass er Bonuszahlungen in einem Tarif nicht in die jährlichen Kosten einrechnet. Dadurch tauchen nur Bonustarife unter unseren Empfehlungen auf, die sich durch günstige, aber kostendeckende Preise auszeichnen. Nur kostendeckende Preise können Anbieter längerfristig beibehalten. Die empfohlenen Tarife sollten sich dann in ihrer Höhe nur geringfügig ändern, wenn die Preisgarantie abgelaufen ist. Die Preisgarantie beträgt dabei mindestens ein Jahr. 

Willst Du auch Tarife sehen, die aufgrund hoher Boni günstig wirken oder deren Preisgarantie auch weniger als ein Jahr betragen kann, musst Du dies in der Suchmaske einstellen: Bei der Frage nach der Häufigkeit eines Anbieterwechsels klickst Du von „einmalig“ auf „regelmäßig“. Der Vollständigkeit halber findest Du Tarife, die wir nicht empfehlen, in einer zweiten Übersicht namens „weitere Angebote“.

Bestimmte Tarife zeigt unser Rechner aber unter keinen Umständen an: Pakettarife, Tarife mit Vorkasse und Tarife von Unternehmen, gegen die Verfahren von Verbraucherzentralen laufen, die Energierecht nicht einhalten sowie gegen die die Bundesnetzagentur ein Aufsichtsverfahren eröffnet oder ein Bußgeld verhängt hat.

Mit einem Vorkasse-Tarif gehst Du ein unnötiges Risiko ein: Bei Insolvenz des Anbieters kannst Du die gezahlten Beiträge nur noch zur Insolvenztabelle anmelden und musst zugleich einen neuen Stromlieferanten bezahlen. 2021 gab es nach Angaben der Bundesnetzagentur noch rund 160 solcher Vorkasse-Tarife. Außerdem gibt es Tarife mit Kaution, bei denen Du im Fall der Zahlungsunfähigkeit des Anbieters ebenfalls ein Risiko eingehst. Es gibt allerdings nur sehr wenige dieser Tarife.

Pakettarife bieten nur noch wenige Versorger an. Wir raten davon ab, weil sie meist sehr teuer sind, wenn Du mehr Strom benötigst, als im Paket vorgesehen. Dagegen erhältst Du keine Gutschrift, wenn Du weniger Energie verbrauchst, als im Pakettarif vereinbart. Gegen verschiedene Vertragsklauseln des Anbieters Extra Energie hat die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen geklagt und am Oberlandesgericht Düsseldorf Recht bekommen (Oberlandesgericht Düsseldorf, Az. I-6 U 182/16): Demnach ist es unzulässig, dass sich ein Pakettarif automatisch über die gleiche Strommenge verlängert, ohne dass Kunden den Verbrauch ändern können. Auch die Vertragsverlängerung zu neuem Preis, ohne dass der Kunde deswegen kündigen kann, untersagten die Richter. Das Recht zur Sonderkündigung soll der Versorger auch einräumen, wenn er gestiegene Umlagen weiterreicht.

Stromtarife mit stabilen Preisen anzeigen lassen 

Wenn Du einen Tarif suchst, der mindestens zwei Jahre nahezu stabil bleibt, liegst Du mit unserem Vergleichsrechner richtig. 

Unser Rechner berücksichtigt standardmäßig keine Bonuszahlungen bei den jährlichen Kosten. Außerdem prüfen wir jeden Monat die von uns empfohlenen Angebote für den einmaligen Wechsel in fünf Städten: Ob der Preis die Kosten reinholt für Stromeinkauf, Transport über die Netze, Entgelt für den Stromzähler sowie Steuern, Umlagen und Abgaben. Ist ein Tarif nach unserer Einschätzung nicht kostendeckend oder erwirtschaftet der Anbieter damit kaum Gewinn, sortieren wir den Tarif aus der Empfehlungsliste aus. Denn solche Angebote sind von vornherein nicht auf Dauer angelegt. Du findest entsprechende Tarife nur dann, wenn Du die Einstellung „regelmäßig" wechseln anklickst.

Wenn Dir ein Bonus wichtig ist

Tarife, in denen der Versorger einen Rabatt oder Bonus verspricht, sind allgegenwärtig. Mehr als 400 dieser Tarife hat die Bundesnetzagentur im Jahr 2021 gezählt. Im Schnitt bekamen Kunden rund 70 Euro geschenkt, wenn sie einen entsprechenden Vertrag schließen. Trotz hoher Strompreise bieten Lieferanten auch 2022 weiterhin Boni für einen Vertragsabschluss - maximal können es mehrere Hundert Euro sein. 

Willst Du solche Rabatte und Boni mitnehmen, dann solltest Du den Stromvertrag zum Ablauf der Mindestlaufzeit kündigen und einen neuen Anbieter suchen. So beugst Du hohen Kosten vor. Denn viele Bonus-Tarife erscheinen nur deswegen in Vergleichsportalen weit oben, weil die Bonuszahlungen die Strom­kos­ten im ersten Jahr senken. Fallen Boni im zweiten Jahr weg, ist der Vertrag deutlich kostspieliger.

Vor Vertragsschluss solltest Du unbedingt prüfen, ob Dir alle Boni laut Vertragsbedingungen überhaupt zustehen. Einen Neukundenbonus zahlen Versorger in der Regel nur Verbrauchern, die keinen gültigen Vertrag mit ihnen haben oder in den vorangegangenen sechs Monaten hatten. Als Bestandskunde zählst Du häufig auch, wenn Du bei dem entsprechenden Unternehmen bereits Gas beziehst. Gelten die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) sowohl für die Strom- als auch die Gasversorgung, ist davon auszugehen, dass Du einen Neukundenbonus nur für einen Vertrag erhältst.

Nicht immer zahlen Versorger einen versprochenen Bonus automatisch. Bei manchen Anbietern müssen Kunden erst die Zahlung fordern, bis sie den Bonus erhalten, oder auch mit rechtlichen Schritten drohen. Beachte zudem: Kündigst Du den Vertrag außerordentlich, weil der Anbieter bereits im ersten Vertragsjahr die Preise erhöht, erlischt in der Regel Dein Anspruch auf den Neukundenbonus.

Daten löschen lassen nach Vertragsende

Wechselst Du jährlich den Tarif und nimmst jedes Jahr einen Neukundenbonus mit, kann es Dir auch passieren, dass Dich der neu gewählte Versorger als Kunde ablehnt – weil er Dich kennt und weiß, dass Du nach einem Jahr wieder weg bist. Oder weil er bloß vermutet, dass Du nicht lange sein Kunde bleiben willst. Die Zahl der Versorger, die neue Kunden nach ihrem Verhalten bewerten, wächst. Ausschlaggebend kann dabei sein, wie hoch Dein Verbrauch ist, wo Du wohnst oder wer Dich zuletzt mit Strom versorgt hat.  

Ein Unternehmen, das durch zahlreiche abgelehnte Vertragsanfragen auffällt, ist Vattenfall. Der Stromversorger klärte die Kunden nicht transparent darüber auf, dass mit ihren Daten geprüft wurde, ob sie ein „wechselauffälliges Verhalten“ zeigen. So urteilte der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit im September 2021 und verhängte ein Bußgeld in Höhe von mehr als 900.000 Euro. Daraufhin änderte Vattenfall im Januar 2022 seine Allgemeinen Geschäftsbedingungen – dort ist nun nachzulesen, dass Vattenfall die Daten von bestehenden und potenziellen Neukunden nutzen darf, um zu prüfen, ob und in welcher Höhe diese in den vorangegangenen Jahren Bonuszahlungen von Vattenfall erhalten haben. Bis zu fünf Jahre will das Unternehmen personenbezogene Daten dazu aufbewahren.

Nach Datenschutz-Grundverordnung darf der Stromanbieter Deine Daten bis zu elf Jahre aufbewahren , falls die Steuerbehörden diese prüfen wollen. Klärt der Stromanbieter transparent über einen weiteren möglichen Zweck auf, ist das laut Hamburgischen Datenschutzbeauftragten zulässig. Wir empfehlen Dir trotzdem, Deinen Versorger nach Vertragsende und Zustellung der Schlussrechnung zum Löschen Deiner personenbezogenen Daten aufzufordern, wenn er die Nutzung Deiner Daten nicht in den AGB abgesichert hat. Nutze dann gern unser Mus­ter­schrei­ben.

Bitte daher den vorherigen Lieferanten um Löschung Deiner Daten, wenn Du häufiger den Stromanbieter wechselst. Denn so minderst Du das Risiko, bei einer Rückkehr zu einem bestimmten Versorger abgelehnt zu werden, weil Dich das Unternehmen bereits als wechselfreudigen Kunden kennt. Nutze dazu gerne unser Mus­ter­schrei­ben.

Mus­ter­schrei­ben Persönliche Daten

Hier kannst Du unser Musterschreiben zur Löschung personenbezogener Daten herunterladen:

Zum Download

Nach Vertragsende bietet es sich zudem an, dem Versorger auch zu erklären, dass Du keine Werbeanrufe und Werbeschreiben von ihm erhalten möchtest. Dann hast Du einen Nachweis, wenn er Dich doch kontaktieren sollte.

Untergeschobene Verträge

Um einen neuen Stromvertrag zu schließen, musst nicht zwangsläufig Du aktiv werden. Möglich ist auch, dass ein Versorger mit einem Angebot auf Dich zugeht. Üblich ist beispielsweise, dass Dir der Grundversorger in Deiner Region einen Brief schickt, um Dich als Kunden zu gewinnen. Das ist völlig in Ordnung. Nicht der Fall ist das aber, wenn ein Unternehmen Dich anruft und in ein Werbegespräch verwickelt, ohne dass Du dem ausdrücklich zugestimmt hast. Seit Oktober 2021 muss das Unternehmen Deine vorherige Einwilligung in ein Werbegespräch dokumentieren (§ 7a UWG). Fünf Jahre muss es den Nachweis aufbewahren. Verstöße darf die Bundesnetzagentur mit Bußgeldern von bis zu 50.000 Euro ahnden.

Immer wieder rufen Unternehmen Verbraucher an, um ihnen einen neuen Stromvertrag schmackhaft zu machen. Häufig beauftragen Versorger dazu Call-Center. Selbst wenn Du am Telefon auf ein Angebot eingehst, reicht das aber nicht für einen Vertragsschluss. Denn seit 26. Juli 2021 ist gesetzlich die Textform für Verträge außerhalb der Grundversorgung vorgeschrieben (§ 41b Abs. 1 EnWG). Das bedeutet, ein mündlich unterbreitetes Angebot muss Dir noch schriftlich vorgelegt werden und Du musst es annehmen – erst dann kann der Vertrag geschlossen werden.

Hast Du einen Vertrag geschlossen und bereust dies, kommst Du am einfachsten durch einen Widerruf aus dem Vertrag wieder heraus: Bis zu 14 Tage nach dem vermeintlichen Vertragsschluss ist dafür Zeit. In der Widerrufsbelehrung im Vertrag müssen dazu E-Mail-Adresse, Telefonnummer und Faxnummer des Anbieters genannt sein. 

Hast Du einen unerlaubten Werbeanruf erhalten, kannst Du den Verstoß der Bundesnetzagentur melden. Dazu stellt die Behörde auf ihrer Internetseite Formulare bereit. 2021 verhängte die Bundesnetzagentur Bußgelder von bis zu 260.000 Euro gegen Unternehmen, die entweder Verbraucher zum Vertrieb von Energieverträgen angerufen oder dazu den Auftrag gegeben hatten.

Was ist zu beachten, wenn Du den Stromanbieter wechselst?

Der Preis ist ein wichtiges Kriterium beim Abschluss eines Stromliefervertrags. Aber nicht das einzig wichtige. Auf folgende Bedingungen solltest Du achten:

  • Vertragslaufzeit von mindestens einem Jahr
  • Preisgarantie gilt für die Vertragslaufzeit
  • Kündigungsfrist von mindestens zwei Wochen

Diese Bedingungen halten wir für wichtig, damit Du nach Abschluss eines Vertrags keine Preiserhöhung befürchten musst, sondern mindestens ein Jahr lang mit stabilen Preisen rechnen kannst. Nach Ablauf der Erstvertragszeit darf sich der Vertrag zwar verlängern, aber Du darfst ihn jederzeit ordentlich kündigen – die gesetzliche Frist dafür beträgt maximal einen Monat. Die Kündigungsfrist sollte dabei aber mindestens zwei Wochen betragen. Denn sollte der Anbieter Dir kündigen, hättest Du trotzdem genug Zeit, rechtzeitig einen neuen Vertrag zu schließen. Bei einem Umzug steht Dir ein Son­der­kün­di­gungs­recht zu, wenn Dich Dein Lieferant an der neuen Adresse nicht zu denselben Preisen wie bisher beliefern kann. 

Bei der Preisgarantie solltest Du darauf achten, dass alle Bestandteile des Strompreises inbegriffen sind, also auch die gesetzlichen Umlagen. Die Höhe der fünf Umlagen auf den Strompreis ändert sich jedes Jahr zum 1. Januar. In der Regel steigen sie in Summe. Eine solch umfassende Absicherung bezeichnen die Versorger zumeist einfach als „Preisgarantie“.

Im Gegensatz dazu bedeutet der Begriff „eingeschränkte Preisgarantie“, dass bestimmte Bestandteile nicht gedeckt sind wie Umlagen oder Entgelte für die Netznutzung und den Betrieb des Stromzählers.

Steigen nun Umlagen oder Entgelte, kann Dir der Versorger die Mehrkosten berechnen. Allerdings muss er Dir dies spätestens vier Wochen vorher mitteilen. Du kannst dann ohne Einhaltung der Kündigungsfrist den Liefervertrag beenden (Son­der­kün­di­gungs­recht). Bei einer Erhöhung oder Senkung der Mehrwertsteuer ist dies allerdings nicht möglich, sofern der Lieferant einzig die Änderung der Mehrwertsteuer an Dich weitergibt. 

Was ist im Vertrag gesetzlich erlaubt?

Versorger können Stromlieferverträge nicht beliebig gestalten. Folgende Einschränkungen gibt es für Verträge außerhalb der Grundversorgung (§ 309 Nr. 9 BGB):

  • erste Vertragslaufzeit bis zu zwei Jahre 
  • Kündigungsfrist maximal einen Monat 
  • automatische Vertragsverlängerung nur auf unbestimmte Zeit möglich 
  • Vertrag ist nach Ablauf der ersten Laufzeit jederzeit mit maximal einem Monat Frist kündbar

Verträge mit längeren Laufzeiten und Fristen sind seit März 2022 unwirksam. Schließt Du solch einen Vertrag, solltest Du ihn am besten gleich widerrufen. Wie für andere Kaufverträge gilt auch für Stromlieferverträge ein Widerrufsrecht: Du kannst innerhalb von 14 Tagen, nachdem Dir der gewählte Lieferant Deinen Auftrag bestätigt hat, den Vertrag wieder aufheben (§ 355 BGB). Darauf sollte der Versorger in seiner Auftragsbestätigung auch hinweisen.

Hast Du Deinen Stromvertrag vor März 2022 geschlossen, können noch längere Fristen gelten – maximal eine automatische Vertragsverlängerung um ein Jahr und eine Kündigungsfrist von bis zu drei Monaten. Was gilt, kannst Du im Vertrag oder den zugehörigen Geschäftsbedingungen nachlesen. Einige Stromlieferanten passen die Laufzeiten und Kündigungsfristen von Bestandsverträgen auch an die neuen gesetzlichen Regeln an. Du wirst dann informiert und hast ein Son­der­kün­di­gungs­recht.

Ob ein Unternehmen eine Preisgarantie gewährt und wie es diese gestaltet, ist seine Sache. Dazu gibt es keine gesetzlichen Regelungen.

Nach Vertragsschluss muss Dir der neue Versorger seit 26. Juli 2021 eine „knappe, leicht verständliche und klar gekennzeichnete Zusammenfassung der wichtigsten Vertragsbedingungen“ übermitteln (§ 41 Abs. 4 EnWG). Dazu gehören:

  • Strompreise
  • voraussichtlicher Belieferungsbeginn
  • Kündigungsfrist
  • Bonusvereinbarungen (sofern vorhanden)
  • Mindestlaufzeiten (sofern vorhanden)
  • Kontaktdaten des Stromanbieters
  • Verbrauchsstelle

Was gilt bei Abschlagszahlungen und Zah­lungs­be­ding­ung­en?

Da eine Stromrechnung nur einmal im Jahr kommen muss, darf ein Stromversorger Abschlagszahlungen vereinbaren. Die Höhe des Abschlags kann das Unternehmen nicht beliebig wählen, es muss sich an Deinem bisherigen Stromverbrauch orientieren.

Legt der Versorger einen höheren Verbrauch zugrunde, als Du zuletzt in einem Jahr Strom bezogen hast, so fordere ihn zur Korrektur auf. Nutze dazu gerne unser Mus­ter­schrei­ben. Abbuchen darf der Versorger den ersten Abschlag zudem erst an dem Tag, an dem die Stromlieferung beginnt. Das gilt natürlich auch, wenn Du den Vertrag bereits Wochen oder Monate vor Lieferbeginn geschlossen hast.

Nicht jeder Versorger erhebt Abschlagszahlungen. Es gibt auch Unternehmen, die jeden Monat eine Rechnung schicken. Üblich ist das in variablen und dynamischen Tarifen, kann aber auch in einem Tarif mit fixem Preis der Fall sein. Kunden zahlen dann monatlich, was sie tatsächlich verbraucht haben. Voraussetzung ist in jedem Fall ein digitaler oder intelligenter Stromzähler.

Bei Vertragsschluss muss Dir der Versorger verschiedene Möglichkeiten zum Bezahlen von Abschlägen und Rechnungen anbieten (§ 41 Abs. 2 EnWG). Du darfst dann eine auswählen. Wir empfehlen dabei, ein Sepa-Lastschriftmandat zu erteilen. Mit diesem bist Du nicht in der Verantwortung, pünktlich zu zahlen, weil der Versorger den Betrag selbst abbuchen lässt. Darüber hinaus kannst Du eingezogene Beträge zurückbuchen, wenn beispielsweise der Liefervertrag nicht mehr gilt. Entscheidest Du Dich fürs Überweisen, wird ein Abschlag erst zwei Wochen, nachdem Du eine Zahlungsaufforderung erhalten hast, fällig – diese Regelung steckt im neuen EnWG, das in den nächsten Wochen in Kraft tritt.

Es gibt Unternehmen, die ihre Kunden zum Überweisen auffordern, wenn sie den Vertrag gekündigt haben. Sobald ein Kunde dann in Zahlungsverzug gerät, können ihm hohe Mahngebühren drohen – oder der Versorger schaltet sogar ein Inkassobüro ein. Ob der Versorger im Fall der Kündigung die Zahlungsweise umstellt, ist in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen festgelegt. Prüfe diese vor Auftragserteilung in diesem Punkt, wenn Du nicht Gefahr laufen willst, dass Dir das passiert.

Welche Pflichten hat der Versorger?

Der Gesetzgeber hat über die Bedingungen für den Vertrag noch weit mehr Regelungen erlassen, die Stromversorger zu beachten haben. 

1. Die Abrechnung

Mindestens alle zwölf Monate muss Dir der Versorger eine Abrechnung senden (§ 40b Abs. 1 EnWG). Du darfst dabei entscheiden, ob Du diese auf Papier oder elektronisch erhalten willst. Zudem muss Dir der Anbieter eine monatliche, viertel- und halbjährliche Abrechnung anbieten. Wählst Du keinen Abrechnungszeitraum, bestimmt ihn der Anbieter. Für eine jährliche Abrechnung darf er dabei keine Gebühren erheben, egal, ob er sie als Brief oder per E-Mail schickt. Entscheidest Du Dich für eine elektronische Übermittlung, muss er Dir mindestens alle sechs Monate oder auf Deinen Wunsch hin auch alle drei Monate Informationen zur Abrechnung kostenlos übermitteln.

Die Abrechnung muss Dir spätestens sechs Wochen nach Ablauf dieser Frist zugehen (§ 40c Abs. 2 EnWG). Hast Du einen Vertrag gekündigt, solltest Du ebenfalls bis zu sechs Wochen nach Lieferende die Abrechnung erhalten. Erhältst Du monatlich eine Rechnung über Deine Strom­kos­ten, ist Dir die letzte Rechnung nach Kündigung binnen drei Wochen zuzustellen. Die 365 AG hat das Landgericht Köln (Urteil vom 10. Dezember 2019, Az. 31 O 164/19) zur Unterlassung verpflichtet, eine Schlussrechnung später als sechs Wochen nach Lieferende zuzustellen. Das Urteil ist rechtskräftig.

Die Rechnung soll stets einfach und verständlich sein und muss alle Faktoren enthalten, die für die Berechnung notwendig sind (§ 40 Abs. 1 EnWG). Die Stromsteuer und die Mehrwertsteuer sind auf der Rechnung separat auszuweisen. Zusätzlich ist anzugeben, wie viel Du über die Stromrechnung für Netznutzung, Messstellenbetrieb und Konzessionsabgabe gezahlt hast. 

Findest Du einen Fehler auf der Abrechnung, fehlt etwas oder verstehst Du sie nicht, dann widersprich ihr. Und fordere den Versorger auf, die Abrechnung zu korrigieren oder verständlich zu gestalten.

Ist auf Deiner Abrechnung ein Guthaben ausgewiesen, muss Dir Dein Versorger dieses binnen zwei Wochen zahlen oder mit der nächsten Abschlagszahlung vollständig zu verrechnen (§ 40c Abs. 3 EnWG). Ergibt die Abrechnung eine Nachzahlung für Dich, wird diese frühestens zwei Wochen, nachdem Du die Rechnung erhalten hast, fällig (§ 40c Abs. 1 EnWG). 

Ein Neukundenbonus sollte auf der Abrechnung auftauchen. Ob der Versorger aber den Bonus mit Deinen Kosten verrechnet oder die Summe extra aufführt, ist ihm überlassen. In seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen oder im Vertrag sollte geregelt sein, wie er den Bonus berechnet sowie wann und wie er ihn zahlt. Fehlt der Bonus auf der Abrechnung oder hast Du nach Vertragsende Deinen Bonus nicht erhalten, dann mahne den Versorger. Manche Unternehmen reagieren erst dann.

Tipp: Hebe die Abrechnungen vier Jahre lang auf. Es kann passieren, dass ein Versorger eine Abrechnung noch korrigiert. Zum Beispiel kann er plötzlich einen höheren Stromverbrauch berechnen, als ursprünglich in der Abrechnung ausgewiesen. Bis zu drei volle Kalenderjahre, nachdem Du die erste Version erhalten hast, ist dies möglich. Hast Du beispielsweise im Mai 2018 eine Rechnung erhalten, kann der Versorger diese bis Ende 2021 korrigieren. Das gilt auch, wenn Du inzwischen umgezogen bist. Gut ist in einem solchen Fall, wenn Du nicht nur die alte Abrechnung noch besitzt, sondern auch den Zählerstand jedes Jahr notiert und gesichert hast.

2. Die Abschlagszahlung

Sind Abschlagszahlungen vereinbart, so muss die Höhe Deinem bisherigen Verbrauch entsprechen (§ 41b Abs. 3 EnWG). Aber wie eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Energieversorgers Fresh Energy 2018 ergab, zahlt jeder Zweite einen zu hohen Abschlag – im Schnitt 108 Euro mehr im Jahr, als es sein müsste.

Mit jeder Jahresabrechnung sollte der Lieferant daher den Abschlag anpassen – hast Du mehr verbraucht, darf er mehr verlangen; hast Du weniger Strom bezogen, sollte er den Betrag senken – immer im Verhältnis zum geänderten Verbrauch. Macht Dein Versorger das nicht, so fordere ihn dazu auf und nutze unser Mus­ter­schrei­ben. Einige Versorger bieten auch an, die Abschlagshöhe im Online-Kundenportal selbst zu verändern. Das solltest Du nutzen, nachdem Du beispielsweise einen effizienteren Kühlschrank angeschafft hast oder auf andere Weise Strom sparst

Fällig wird eine Abschlagszahlung frühestens zwei Wochen, nachdem Du eine Zahlungsaufforderung erhalten hast (§ 40c Abs. 1 EnWG). Hast Du einen Liefervertrag neu geschlossen, darf der Anbieter die erste Abschlagszahlung nicht vor Beginn der Lieferung verlangen (§ 41b Abs. 3 EnWG). Dasselbe gilt für Vorausszahlungen.

3. Preiserhöhung und Son­der­kün­di­gungs­recht

Will der Versorger den Stromtarif erhöhen, muss er Dich darüber benachrichtigen – spätestens einen Monat, bevor er die Preise erhöhen will (§ 41 Abs. 5 EnWG). Das Schreiben sollte einfach und verständlich formuliert sein. Kunden in der Grundversorgung sind sogar sechs Wochen vor einer geplanten Änderung zu informieren (§ 5 Abs. 2 StromGVV). Einzig, wenn das Unternehmen eine höhere Mehrwertsteuer an Dich weitergibt, braucht es Dich über die sich dadurch ergebenden höheren Preise nicht zu unterrichten.

Wann und wie Stromanbieter Preiserhöhungen mitteilen, ist dabei sehr unterschiedlich. Manche kündigen diese vier oder fünf Monate im Voraus an. Andere schicken keinen Brief, sondern eine E-Mail oder schreiben die geplante Erhöhung in die Jahresrechnung mit hinein. Sendet der Lieferant eine E-Mail, so muss entweder aus der Betreffzeile klar erkennbar sein, dass die E-Mail eine Preiserhöhung enthält. Oder aus dem E-Mail-Text oder einem angehängten Schreiben muss klar hervorgehen, dass eine Preisänderung bevorsteht. So urteilten das Landgericht Hamburg und das Oberlandesgericht Köln in zwei Verfahren (LG Hamburg, Urteil vom 9. Januar 2020, Az. 312 O 453/18 und OLG Köln, Urteil vom 26. Juni 2020, Az. 6 U 304/19). Das Hamburger Urteil ist rechtskräftig; das Kölner noch nicht.

An eines müssen sich die Unternehmen zudem halten: Sie müssen Dich über Dein Son­der­kün­di­gungs­recht unterrichten. Das bedeutet: Du kannst den Vertrag ohne Rücksicht auf die Kündigungsfrist zum Zeitpunkt der Preiserhöhung beenden. Fehlt der Hinweis auf die Sonderkündigung, gilt die Preiserhöhung als unwirksam. Sollte der Anbieter eine Abrechnung mit erhöhten Preisen schicken, kannst Du verlangen, dass die alten Preise verwendet werden.

Auch bei anderen Änderungen des Vertrags, beispielsweise wenn der Versorger Kündigungsfristen oder Laufzeiten ändern, gilt das Son­der­kün­di­gungs­recht und die Pflicht, auf dieses hinzuweisen. Eine Sonderkündigung musst Du selbst schreiben. Binnen einer Woche muss Dein Vertragspartner die Kündigung bestätigen (§ 41b Abs. 1 EnWG).

Auch bei Umzug steht Dir ein Son­der­kün­di­gungs­recht zu.

4. Fristgerechte Kündigung

Willst Du Deinen Vertrag kündigen, ist die vertraglich vereinbarte Kündigungsfrist zu beachten. Für Kunden in der Grundversorgung gilt eine Frist von 14 Tagen. Außerhalb der Grundversorgung darf die Kündigungsfrist in einem ab März 2022 geschlossenen Vertrag maximal einen Monat betragen. Hast Du Deinen Vertrag vor März 2022 geschlossen und der Anbieter seine Allgemeinen Geschäftsbedingungen nicht geändert, darf Deine Kündigungsfrist auch bis zu drei Monate betragen.

Wenn Du kündigst, musst Du das schriftlich machen. Vorgeschrieben ist gesetzlich lediglich die Textform – das heißt, Du kannst eine E-Mail schreiben, natürlich aber auch einen Brief oder ein Fax (§ 309 Nr. 13 BGB). Die Kündigung kann auch der neu gewählte Lieferant vornehmen: Jede ordentliche Kündigung klappt dabei natürlich nur im Rahmen der Kündigungsfrist. Die Kündigung muss Dein bisheriger Anbieter binnen einer Woche bestätigen (§ 41b Abs. 1 EnWG).

Es kommt vor, dass ein Versorger eine fristgerechte Kündigung eines vor März 2022 geschlossenen Vertrags nicht akzeptieren will. Er behauptet dann, der Vertrag hätte bereits bei Abschluss zu laufen begonnen – obwohl die Stromlieferung erst Wochen oder Monate später begann. Prüfe dann Deinen Vertrag und die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB). Dort muss festgelegt sein, wann der Vertrag anläuft. Entspricht Beginn oder Ende der Vertragslaufzeit dem Beginn oder Ende der Lieferzeit für Strom, dann widersprich Deinem Lieferanten und beharre auf der Kündigungsfrist zum Ende eines Lieferjahres. Ob bei Stromverträgen die Laufzeit tatsächlich von der Lieferzeit abweichen kann, ist umstritten.

Grundsätzlich ist ein Lieferantenwechsel jederzeit möglich – zu Beginn eines Monats oder mitten im Monat. Will Dich ein Versorger nicht zu einem bestimmten Stichtag aus dem Vertrag lassen oder ein neuer Versorger die Belieferung mitten im Monat beginnen, hat das keine rechtlichen und auch keine technischen Gründe, sondern liegt eher in der firmeneigenen Verwaltung begründet. Falls Dich das stört: Mit einem Widerruf des neuen Vertrags fährst Du vermutlich besser, als wenn Du dem neuen Versorger ein anderes Datum für den Lieferstart schmackhaft machen willst.

Wer hilft bei Problemen mit dem Versorger?

Hält sich ein Versorger nicht an die gesetzlichen Regeln oder seinen eigenen Vertrag, so ist der erste Schritt, dass Du ihn darauf hinweist. Hilft das nicht, so kannst Du Dich an die Schlichtungsstelle Energie wenden. Auf diese müssen Stromversorger auf jeder Abrechnung, auf Schreiben zu Preiserhöhungen und bei Abschluss eines Liefervertrags hinweisen.

Kannst Du gegenüber der Schlichtungsstelle belegen, dass der Versorger auf Deine Forderungen nicht reagiert hat, eröffnet sie in der Regel ein Schlich­tungs­ver­fahr­en. Darauf ist kein Versorger erpicht, denn dafür stellt die Schlichtungsstelle dem entsprechenden Unternehmen eine Gebühr in Rechnung. Pro Fall berechnet sie gewöhnlich einen niedrigen dreistelligen Betrag.

Hast Du den Stromliefervertrag über einen Makler abgeschlossen, kannst Du Dich auch an diesen wenden. Verivox und Check24 beispielsweise vermitteln dann zwischen dem Anbieter und dem Kunden.

Gibt es dagegen Probleme mit dem Netzbetreiber, ist die Bundesnetzagentur die richtige Anlaufstelle bei Beschwerden. Ein Netzbetreiber muss alle Stromversorger gleich behandeln. Er darf kein Unternehmen bevorzugen oder benachteiligen. Gleiches gilt für die Betreiber von Stromzählern. Willst Du Deinen Mess­stel­len­be­trei­ber wechseln, so muss dies das bisherige Unternehmen mittragen.

Stufst Du das Verhalten Deines Versorgers als eine unseriöse Geschäftspraktik ein, sind die Verbraucherzentralen oder die Marktwächter Energie die richtige Anlaufstelle für Deine Kritik. Die Verbraucherschützer können Unternehmen abmahnen, ihnen Unterlassungserklärungen abringen oder sie verklagen. 

Kommt Dein Stromanbieter seinen Pflichten nur schwer nach, schickt er keine fristgerechte Abrechnung, antwortet er nicht auf Schreiben oder liefert er nicht zuverlässig Energie, kannst Du überlegen, die Bundesnetzagentur darüber zu informieren. Die Behörde kann gegen einen Versorger ein Aufsichtsverfahren einleiten, wenn der Verdacht besteht, dass das Unternehmen aus personellen, technischen oder wirtschaftlichen Gründen nicht mehr leistungsfähig ist. Zur Not kann die Behörde dem Anbieter seine Tätigkeit ganz oder teilweise untersagen. In den vergangenen Jahren leitete die Bundesnetzagentur eher selten ein Aufsichtsverfahren ein: Zwei prominente Fälle betrafen die heute insolventen Firmen Care Energy und Bayerische Energieversorgung (BEV). 2021 leitete die Behörde ein Verfahren gegen die Rheinische Elektrizitäts- und Gasversorgungsgesellschaft (Marke „Immergrün“) ein. Beachte dabei: Hat die Bundesnetzagentur ein Aufsichtsverfahren eingeleitet, ruhen alle Verfahren, die die Schlichtungsstelle Energie gegen denselben Versorger führt. 

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