Stromanbieter wechseln

Dein Fahrplan zu einem guten Stromversorger

Ines Rutschmann
Expertin für Energie
01. Juli 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Wenn Du nicht bewusst einen Stromvertrag abgeschlossen hast, bist Du im teuren Grundtarif. Du solltest dann günstigere Angebote bei Deinem Versorger einholen oder gleich den Lieferanten wechseln.
  • Der Wechsel dauert nur wenige Minuten. Du musst Deinen Stromvertrag nicht einmal kündigen – das erledigt der neue Stromanbieter für Dich.
  • Aber: Eine außerordentliche Kündigung, etwa wegen einer Preiserhöhung, musst Du selbst schreiben. 
So gehst Du vor
  • Vergleiche Tarife mit unserem Stromrechner. Er fragt die Angebote von Verivox und Check24 gleichzeitig ab und filtert die Ergebnisse nach unseren strengen Finanztip-Kriterien.
  • Die Ergebnisliste enthält Werbelinks, über die Du Deinen Tarif direkt abschließen kannst. Alle Empfehlungen erfolgen rein redaktionell und zu 100 Prozent unabhängig.

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  • Verzichte auf hohe Bonuszahlungen, wenn Du nicht jedes Jahr erneut einen neuen Stromvertrag schließen willst. 
  • Wenn Deine monatlichen Abschlagszahlungen nicht (mehr) Deinem Verbrauch entsprechen, lass diese korrigieren. Nutze dafür gerne unseren Musterbrief.

Zum Musterbrief

  • Hast Du ein Problem mit Deinem Lieferanten, wende Dich an die Schlichtungsstelle Energie oder eine Verbraucherzentrale.

Seit 1998 hast Du als Verbraucher die Wahl: Du kannst bestimmen, wer Deinen Strom liefert. Nicht nur einmal, sondern immer wieder. Erhöht etwa Dein Stromanbieter die Preise, kannst Du sofort den Vertrag kündigen und Dir einen anderen Lieferanten suchen. Du gehst bei solch einem Wechsel kein Risiko ein: Deine Versorgung bleibt sicher. Mit einem günstigen Tarif kannst Du ordentlich Geld sparen. Der Finanztip-Stromrechner hilft Dir bei der Suche nach Tarifen für Haushaltsstrom. Benötigst Du einen Stromvertrag für Deine Wärmepumpe, Deine Wallbox oder aber möchstest Du eine innovative Tarifart ausprobieren, erfährst Du im Ratgeber Stromtarife mehr.

Vergleiche Stromtarife mit dem Finanztip-Stromrechner

Die Ergebnisliste unseres Vergleichsrechners enthält Werbelinks zu Stromtarifen von Check24 und Verivox. Alle Empfehlungen erfolgen redaktionell unabhängig und erfüllen unsere strengen Finanztip-Kriterien.

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Der Finanztip-Stromrechner basiert auf Daten der Check24 Vergleichsportal Energie GmbH sowie der Verivox GmbH. Diese haben wir mit unseren Parametern so gefiltert, dass Du ein ver­brau­cher­freund­liches Ergebnis nach Finanztip-Kriterien erhältst. Wir übernehmen keine Gewähr für die Richtigkeit und Aktualität der hier bereitgestellten Informationen. Für Schäden aus fehlerhaften Daten oder durch die Nutzung des Rechners übernehmen wir keine Haftung.

Für Daten der Check24 Vergleichsportal Energie GmbH: © 2020 www.check24.de

Für Daten der Verivox GmbH: © Verivox GmbH – www.verivox.de – alle Angaben ohne Gewähr (Stand: 2021). Das Angebot darf nur für den privaten Gebrauch genutzt werden. Eine Vervielfältigung oder Verbreitung des Angebots oder der auf diesen Seiten angezeigten Informationen – ganz oder auszugsweise, gleich in welcher Form – und jede Form der kommerziellen Verwendung ist nicht ohne ausdrückliche schriftliche Zustimmung der Verivox GmbH zulässig.

Willst Du über Verivox oder Check24 den Vertrag abschließen, leiten die Portale den Vertragswechsel ein. Der Abschluss kommt in der Regel erst zustande, wenn Dich der gewählte Versorger anschreibt und den Vertrag bestätigt. Ab dann bleiben 14 Tage Zeit, den Vertrag zu widerrufen.

Wie läuft ein Versorgerwechsel ab?

Den Versorger zu wechseln, ist einfach. Am wenigsten Aufwand hast Du, wenn Du direkt einen neuen Anbieter suchst – dieser kündigt dann Deinem alten Anbieter zum nächstmöglichen Zeitpunkt. Allerdings wird in der Regel kein anderer Anbieter mit Dir sechs Monate im Voraus einen Vertrag abschließen. Du kannst Deinem Stromversorger auch selbst kündigen. Dazu reicht ein Einzeiler per E-Mail, Brief oder Fax.

Nutzt Du dagegen Dein Son­der­kün­di­gungs­recht, weil Dein Lieferant eine Preiserhöhung angekündigt hat, musst Du selbst kündigen. Nutze dazu gerne unseren Musterbrief. Anschließend kannst Du einen neuen Lieferanten auswählen. Jeder neue Vertrag sollte direkt an das Ende des alten Vertrags anschließen.

Geht etwas schief beim Wechsel, bekommst Du trotzdem weiter Strom. Du rutschst dann in die Ersatzversorgung. Diese übernimmt der Grundversorger – das Energieunternehmen mit den meisten Stromkunden in einer Region. Die Ersatzversorgung dauert so lange, bis Dein gewählter Versorger liefern kann. Den von Dir bezogenen Strom kann der Netzbetreiber auch bis zu sechs Wochen rückwirkend dem Unternehmen zuschreiben, das Du beauftragt hast. Hat dieser seinen ursprünglichen Lieferstart nicht eingehalten, sollte er die Mehrkosten aus der Ersatzversorgung übernehmen.

Vergiss nach der Kündigung aber nicht, auch einen neuen Stromvertrag abzuschließen. Innerhalb von zwei Wochen sollte ein neuer Versorger startklar sein, wenn der bisherige Vertrag bereits gekündigt ist. Bis zu drei Wochen darf es dauern, Dich beim Netzbetreiber anzumelden. Dauert es trotzdem länger, weil eine der beteiligten Firmen schusselt, kann der Netzbetreiber Deinen Stromanbieterwechsel wiederum rückwirkend festzurren – bis zu sechs Wochen nach dem vorgesehenen Lieferstart ist das möglich. Endet Dein alter Vertrag und Du hast keinen neuen geschlossen, landest Du wiederum in der Ersatzversorgung. Diese endet, sobald ein neuer Vertrag anläuft.

Hast Du nach drei Monaten noch keinen neuen Stromanbieter beauftragt oder ist Dein gewählter Lieferant nach dieser Zeit immer noch nicht lieferfähig, fällst Du in die Grundversorgung. Die Tarife sind dort zumeist so hoch wie in der Ersatzversorgung. Im Unterschied zur Ersatzversorgung gibt es in der Grundversorgung aber eine Kündigungsfrist: Sie beträgt zwei Wochen. Allzu lange solltest Du weder in der Ersatzversorgung noch in der Grundversorgung bleiben. Denn die Tarife sind durch die Bank weg teuer. Schließt Du keinen anderen Liefervertrag, bleibst Du in der Grundversorgung – sie ist unbefristet.

Wie viel kannst Du durch einen Wechsel sparen?

Durch den Wechsel des Stromanbieters lässt sich auf einfache Weise Geld sparen. Wie viel, hängt von drei Faktoren ab: Deiner aktuellen Tarifhöhe, den Preisen in einem neuen Vertrag und Deinem Verbrauch.

Strompreise von Haushaltskunden

Stromverbrauch

in kWh pro Jahr

Tarif in der
Grundversorgung

anderer Tarif beim

Grundversorger

Tarif bei

anderem Anbieter

weniger als 1.00050,23 Ct/kWh44,65 Ct/kWh43,45 Ct/kWh
1.000 - 2.50036,47 Ct/kWh34,19 Ct/kWh33,85 Ct/kWh
2.500 - 5.00033,8 Ct/kWh31,67 Ct/kWh31,22 Ct/kWh
5.000 - 10.00031,93 Ct/kWh29,70 Ct/kWh28,80 Ct/kWh

Es handelt sich um durchschnittliche Preise je Verbrauchsgruppe im Jahr 2019, die zudem nach ihrer Menge gewichtet sind. 
Quelle: Bundesnetzagentur/Bundeskartellamt (Stand: 27. Januar 2021)

Im Schnitt verbraucht ein Haushalt in Deutschland nach Angaben der Bundesnetzagentur rund 2.500 Kilowattstunden im Jahr – häufig gibt es hierbei noch Potenzial, den Verbrauch zu senken. Das gemeinnützige Verbraucherportal CO2-online schätzt, dass Haushalte im Schnitt 1.000 Kilowattstunden einsparen können.

Wie es bei Dir aussieht, kannst Du mit einem Strom-Check prüfen. Ergibt sich ein größeres Einsparpotenzial, kannst Du in unserem Ratgeber Strom sparen nachlesen, an welchen Stellschrauben Du drehen kannst.

Wer wenig verbraucht, zahlt im Verhältnis mehr

Wie die Tabelle verdeutlicht, zahlt neben den grundversorgten Haushalten eine zweite Gruppe vergleichsweise hohe Preise: Kunden mit niedrigem Stromverbrauch. 

Das liegt am sogenannten Grundpreis. Ein Stromtarif setzt sich in der Regel aus dem Grundpreis und dem Arbeitspreis zusammen. Der Arbeitspreis fällt für jede verbrauchte Kilowattstunde an; den Grundpreis berechnet der Versorger pauschal pro Monat oder Jahr. Verbrauchst Du wenig Strom, fällt der Grundpreis stärker ins Gewicht. Welche Kosten im Grundpreis stecken, ist nirgendwo einheitlich geregelt. Jeder Versorger bestimmt diesen fixen Preisanteil in einem Tarif nach eigenem Ermessen. Einfluss haben aber die Entgelte für den Stromtransport, die die Netzbetreiber erheben. Diese haben in den vergangenen Jahren in vielen Regionen den fixen Anteil an ihren Entgelten stärker erhöht.

Unabhängig vom Verbrauch zahlen Stromkunden in der Grundversorgung im Schnitt die höchsten Preise. Es sind 6 bis 13 Prozent mehr als in Verträgen außerhalb der Grundversorgung. Je nach Verbrauch lassen sich in der Regel 50 bis 90 Euro sparen, wie der nachfolgenden Tabelle zu entnehmen ist. Bei hohen Verbräuchen können es locker 200 Euro sein.

Jährliche Ersparnis, wenn Du die Grundversorgung verlässt

Strom-

ver-

brauch

im Jahr

Kosten

Grund-

versorgung

Kosten

anderer Tarif

beim Grund-

versorger

Ersparnis

gegenüber

Grund-

versorgung

Kosten bei

anderem

Anbieter

Ersparnis

gegenüber

Grund-

versorgung

800

kWh 

401,84 €357,20 €44,64 €347,20 €

54,64 €

2.000 kWh 

729,40 €683,80 €45,60 €677 €

52,40 €

3.500 kWh 

1.183 €1.108,45 €74,55 €1.092,70 €90,30 €

6.000

kWh

 1.915,80 €1.782 €133,80 €1.728 €

187,80 €

Alle Angaben basieren auf den Daten in der ersten Tabelle. Es handelt sich stets um durchschnittliche Kosten.
Quelle: eigene Berechnung auf Basis der Daten in der oberen Tabelle (Stand: 27. Januar 2021)

Obwohl sich durch einen Wechsel aus der Grundversorgung heraus auf jeden Fall sparen lässt, befinden sich noch rund 16 Millionen Kunden in solch einem teuren Vertrag. Diese Kunden können Haushalte sein. Möglich ist aber auch, dass für das Hauslicht in Deinem Mehrfamilienhaus ein Grundversorgungsvertrag besteht. Die Kosten berechnet Dir die Hausverwaltung dann über die Ne­ben­kos­ten­ab­rech­nung. Lässt Du gerade ein Haus errichten, brauchst Du Baustrom – wenn Du dafür keinen Sondervertrag schließt, besteht ebenfalls ein Grundversorgungsvertrag.

Die Grundversorgung zu verlassen, ist für manche Verbraucher durchaus schwierig. Wenn beispielsweise negative Einträge bei der Schufa bestehen, weisen Anbieter potenzielle Kunden auch ab. Eine Option können dann sogenannte Prepaid-Tarife sein – sofern die Preise niedriger sind als in der Grundversorgung. In diesen Tarifen bezahlst Du zuerst eine Strommenge Deiner Wahl. Ist diese fast aufgebracht, solltest Du Dein Guthaben aufladen. Abschlagszahlungen gibt es nicht und daher interessieren auch Deine Schufa-Einträge nicht.

Seit 2018 bietet das Start-up Energierevolte der Stadtwerke Düren solch einen Tarif in Teilen des Rheinlands und des Ruhrpotts an. Dazu baut das Unternehmen kostenlos einen digitalen Stromzähler ein, der das Stromkonto verwaltet und über eine App den Stromverbrauch und das bestehende Guthaben anzeigt. 

Weitere rund 18 Millionen Stromkunden lassen sich vom Stadtwerk vor Ort versorgen, haben dazu aber einen anderen Vertrag geschlossen. Nur etwa jeder vierte Stromkunde lässt sich von einem anderen Anbieter als dem Grundversorger beliefern.

Tarife vergleichen, auch wenn Du schon einen Sondervertrag hast

Auch wenn Du nicht in der Grundversorgung steckst, kannst Du durch einen Tarifwechsel sparen. Entweder Du fragst Deinen Versorger nach einem anderen Angebot oder suchst auf dessen Internetseite nach einem Tarif.

Oder Du wechselst gleich den Stromanbieter. Ein eher niedriger zweistelliger Eurobetrag kann für Dich drin sein. Das mag nicht viel klingen, aber die Versorger bestimmen auch nur ein Fünftel des Strompreises selbst – der Rest sind vor allem Steuern, Umlagen und die Kosten für den Stromtransport. Aber je nachdem, wie teuer sie die Energie einkaufen, wie hoch die eigenen Kosten sind und welche Gewinnspanne sie einrechnen, ergibt sich ein gewisser Spielraum. So können Tarife an einem Ort um bis zu 2 Cent pro Kilowattstunde voneinander abweichen.

Es gibt auch Tarife, mit denen Du mehr als 100 Euro oder sogar mehrere Hundert Euro sparen kannst. Viele Versorger locken mit Rabatten und Bonuszahlungen, andere mit sehr niedrigen Preisen.

Eine Untersuchung von Finanztip hat im Juli 2017 gezeigt, dass die günstigsten Angebote nicht kostendeckend sein können. Greifst Du bei einem solchen Schnäppchen zu, muss Dir bewusst sein, dass der Versorger entweder seinen Tarif alsbald erhöht oder dass Du nach dem Wegfall der Boni vergleichsweise viel zahlst.

Eine weitere Untersuchung von Finanztip vom Juli 2018 hat gezeigt, dass einige Tarife durch hohe Bonuszahlungen zu den günstigsten Angeboten bei Tarifvergleichen zählen. Aber die tatsächlichen Preise in diesen Angeboten sind so hoch, dass Kunden nach Ablauf des ersten Vertragsjahres und Wegfall der Boni mehr zahlen, als wenn sie in der Grundversorgung wären.

Wie Du Dich vor solchen Tarifen hütest und worauf Du bei der Wahl eines Tarifs darüber hinaus achten solltest, erfährst Du im nächsten Abschnitt.

Wie findest Du einen guten Stromtarif?

Der Strommarkt ist ständig in Bewegung: Neue Anbieter tauchen auf, es gibt Sonderaktionen und neue Vertragsmodelle. Es empfiehlt sich, sich alle paar Monate einen Überblick zu verschaffen.

Das ist am einfachsten über einen Vergleichsrechner. Wir empfehlen dazu einen Stromvergleich mit unserem Finanztip-Stromrechner. Er basiert auf den Datenbanken von Check24 und Verivox und empfiehlt nur Tarife, die unseren ver­brau­cher­freund­lichen Kriterien entsprechen. Dabei handelt es sich sowohl um Tarife für Ökostrom als auch für konventionellen Strom. Es ist aber auch möglich, dass Du Dir nur Ökostrom-Tarife anzeigen lässt. 

Der Rechner ist so voreingestellt, dass er Bonuszahlungen in einem Tarif nicht in die jährlichen Kosten einrechnet. Dadurch tauchen nur Bonustarife unter unseren Empfehlungen auf, die sich durch günstige, aber kostendeckende Preise auszeichnen. Nur kostendeckende Preise können Anbieter längerfristig beibehalten. Die empfohlenen Tarife sollten sich dann in ihrer Höhe nur geringfügig ändern, wenn die Preisgarantie abgelaufen ist. 

Willst Du auch Tarife sehen, die aufgrund hoher Boni günstig wirken, musst Du dies in der Suchmaske einstellen: Bei der Frage nach der Häufigkeit eines Anbieterwechsels klickst Du von „einmalig“ auf „jedes Jahr“. Der Vollständigkeit halber findest Du Tarife, die wir nicht empfehlen, in einer zweiten Übersicht namens „weitere Angebote“.

Bestimmte Tarife zeigt unser Rechner aber unter keinen Umständen an: Pakettarife, Tarife mit Vorkasse und Tarife von Unternehmen, gegen die Verfahren von Verbraucherzentralen laufen, die Energierecht nicht einhalten sowie gegen die die Bundesnetzagentur ein Aufsichtsverfahren eröffnet oder ein Bußgeld verhängt hat.

Mit einem Vorkasse-Tarif gehst Du ein unnötiges Risiko ein: Bei Insolvenz des Anbieters kannst Du die gezahlten Beiträge nur noch zur Insolvenztabelle anmelden und musst zugleich einen neuen Stromlieferanten bezahlen. 2020 gab es nach Angaben der Bundesnetzagentur noch rund 100 solcher Vorkasse-Tarife. Außerdem gibt es Tarife mit Kaution, bei denen Du im Fall der Zahlungsunfähigkeit des Anbieters ebenfalls ein Risiko eingehst. Es gibt allerdings nur sehr wenige dieser Tarife.

Pakettarife bieten nur noch wenige Versorger an. Wir raten davon ab, weil sie meist sehr teuer sind, wenn Du mehr Strom benötigst, als im Paket vorgesehen. Dagegen erhältst Du keine Gutschrift, wenn Du weniger Energie verbrauchst, als im Pakettarif vereinbart. Gegen verschiedene Vertragsklauseln des Anbieters Extra Energie hat die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen geklagt und am Oberlandesgericht Düsseldorf Recht bekommen  (Oberlandesgericht Düsseldorf, Az. I-6 U 182/16): Demnach ist es unzulässig, dass sich ein Pakettarif automatisch über die gleiche Strommenge verlängert, ohne dass Kunden den Verbrauch ändern können. Auch die Vertragsverlängerung zu neuem Preis, ohne dass der Kunde deswegen kündigen kann, untersagten die Richter. Das Recht zur Sonderkündigung soll der Versorger auch einräumen, wenn er gestiegene Umlagen weiterreicht.

Stromtarife mit stabilen Preisen anzeigen lassen 

Wenn Du einen Tarif suchst, der stabil bleibt und nicht nach einem Jahr 15 oder 20 Prozent teurer wird, dann liegst Du mit unserem Vergleichsrechner richtig. 

Unser Rechner berücksichtigt standardmäßig keine Bonuszahlungen bei den jährlichen Kosten. Außerdem prüfen wir jeden Monat die von uns empfohlenen Angebote für den einmaligen Wechsel in fünf Städten: Ob der Preis die Kosten reinholt für Stromeinkauf, Transport über die Netze, Entgelt für den Stromzähler sowie Steuern, Umlagen und Abgaben. Ist ein Tarif nach unserer Einschätzung nicht kostendeckend oder erwirtschaftet der Anbieter damit kaum Gewinn, sortieren wir den Tarif aus der Empfehlungsliste aus. Denn solche Angebote sind von vornherein nicht auf Dauer angelegt. Du findest entsprechende Tarife nur dann, wenn Du die Einstellung „jedes Jahr wechseln“ anklickst.

Wenn Dir ein Bonus wichtig ist

Tarife, in denen der Versorger einen Rabatt oder Bonus verspricht, sind allgegenwärtig. Mehr als 300 dieser Tarife hat die Bundesnetzagentur im Jahr 2020 gezählt. Im Schnitt bekommen Kunden rund 60 Euro geschenkt, wenn sie einen entsprechenden Vertrag schließen. Maximal können es auch mehrere Hundert Euro sein

Willst Du solche Rabatte und Boni mitnehmen, dann solltest Du den Stromvertrag zum Ablauf der Mindestlaufzeit kündigen und einen neuen Anbieter suchen. So beugst Du hohen Kosten vor. Denn viele Bonus-Tarife erscheinen nur deswegen in Vergleichsportalen weit oben, weil die Bonuszahlungen die Strom­kos­ten im ersten Jahr senken. Fallen Boni im zweiten Jahr weg, ist der Vertrag deutlich kostspieliger.

Du kannst vor Abschluss eines Bonus-Vertrags die Preise mit denen in der Grundversorgung vergleichen – also die Kosten anhand von Grund- und Arbeitspreis ohne Berücksichtigung der Bonuszahlungen. Liegen die Preise über denen der Grundversorgung oder nur um bis zu 5 Prozent darunter, wäre ein solcher Vertrag ab dem zweiten Jahr teuer.

Zudem solltest Du vor Vertragsschluss unbedingt prüfen, ob Dir alle Boni laut Vertragsbedingungen überhaupt zustehen. Einen Neukundenbonus zahlen Versorger in der Regel nur Verbrauchern, die keinen gültigen Vertrag mit ihnen haben oder in den vorangegangenen sechs Monaten hatten. Als Bestandskunde zählst Du häufig auch, wenn Du bei dem entsprechenden Unternehmen bereits Gas beziehst. Gelten die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) sowohl für die Strom- als auch die Gasversorgung, ist davon auszugehen, dass Du einen Neukundenbonus nur für einen Vertrag erhältst.

Nicht immer zahlen Versorger einen versprochenen Bonus automatisch. Bei manchen Anbietern müssen Kunden erst die Zahlung fordern, bis sie den Bonus erhalten, oder auch mit rechtlichen Schritten drohen. Beachte zudem: Kündigst Du den Vertrag außerordentlich, weil der Anbieter bereits im ersten Vertragsjahr die Preise erhöht, erlischt in der Regel Dein Anspruch auf den Neukundenbonus.

Dienstleister für den Vertragswechsel beauftragen 

Wenn Du befürchtest, dass Du vergessen könntest, Deinen Stromvertrag rechtzeitig zu kündigen, kannst Du den jährlichen Wechsel auch einem Dienstleister überlassen. Firmen wie Cheapenergy24, Wechselpilot oder Switchup prüfen für Kunden Angebote, schlagen das aus ihrer Sicht beste vor und übernehmen den gesamten Wechselprozess. Dafür verlangen manche der Dienstleister eine Beteiligung an der Ersparnis durch den Vertragswechsel.

Die Marktwächter Energie hat die Dienstleistung der Portale allerdings nicht überzeugt. 2018 haben sie neun Portale für eine Studie untersucht. Sie bemängeln dabei, dass auf die Mitwirkungspflichten des Verbrauchers nicht ausreichend hingewiesen werde und die Auswahl der vorgeschlagenen Tarife nicht transparent sei. 

Wechselst Du jährlich den Tarif und nimmst jedes Jahr einen Neukundenbonus mit, kann es Dir auch passieren, dass Dich der neu gewählte Versorger als Kunde ablehnt – weil er Dich kennt und weiß, dass Du nach einem Jahr wieder weg bist. Oder weil er bloß vermutet, dass Du nicht lange sein Kunde bleiben willst. Die Zahl der Versorger, die neue Kunden nach ihrem Verhalten bewerten, wächst. Ausschlaggebend kann dabei sein, wie hoch Dein Verbrauch ist, wo Du wohnst oder wer Dich zuletzt mit Strom versorgt hat. 

Daten löschen lassen nach Vertragsende

Legst Du den Wechselprozess in die Hände eines Dienstleisters, fragt er nach einer Ablehnung beim nächsten Stromanbieter an. Wechselpilot verlangt beim alten Versorger, dass er Deine Daten nach Beendigung des Liefervertrags löscht. Du kannst auch selbst um Löschung Deiner Daten bitten, wenn Du häufiger den Stromanbieter wechselst. Denn so minderst Du das Risiko, bei einer Rückkehr zu einem bestimmten Versorger abgelehnt zu werden, weil Dich das Unternehmen bereits als wechselfreudigen Kunden kennt. Nutze dazu gerne unser Mus­ter­schrei­ben.

Mus­ter­schrei­ben Persönliche Daten

Hier kannst Du unser Musterschreiben zur Löschung personenbezogener Daten herunterladen:

Zum Download

Nach der Datenschutz-Grundverordnung darf der Stromanbieter Deine Daten nicht länger im Vertrieb oder Kundenservice nutzen, wenn Du ihn zum Löschen aufgefordert hast. Eine Aufbewahrungsfrist besteht aber für bis zu elf Jahre für Rechnungen, falls die Steuerbehörden diese prüfen wollen. Der Stromanbieter sollte dann aber den Zugriff auf diese Daten für andere Abteilungen als die Buchhaltung sperren.

Nach Vertragsende bietet es sich zudem an, dem Versorger auch zu erklären, dass Du keine Werbeanrufe und Werbeschreiben von ihm erhalten möchtest. Dann hast Du einen Nachweis, wenn er Dich doch kontaktieren sollte.

Untergeschobene Verträge

Um einen neuen Stromvertrag zu schließen, musst nicht zwangsläufig Du aktiv werden. Möglich ist auch, dass ein Versorger mit einem Angebot auf Dich zugeht. Üblich ist beispielsweise, dass Dir der Grundversorger in Deiner Region einen Brief schickt, um Dich als Kunden zu gewinnen. Das ist völlig in Ordnung. Nicht der Fall ist das aber, wenn ein Unternehmen Dich anruft und in ein Werbegespräch verwickelt, ohne dass Du dem ausdrücklich zugestimmt hast.

Dennoch rufen immer wieder Unternehmen Verbraucher an, um ihnen einen neuen Stromvertrag schmackhaft zu machen. Häufig beauftragen Versorger dazu Call-Center. Selbst wenn Du auf ein Angebot eingehst, bedeutet das aber noch nicht, dass der neue Versorger Deinem alten Anbieter in Deinem Namen kündigen darf. Du solltest eine solche Vollmacht zuerst schriftlich erteilen – per E-Mail, Brief oder Fax. Das befand das Landgericht München I in einer Klage gegen Eon (Az. 17 HK O 11480/18). Das Urteil ist rechtskräftig, nachdem Eon die Berufung im März 2021 zurückgenommen hat.

Rechtskräftig ist auch eine Entscheidung des Oberlandesgerichts München (23. Januar 2020, Az. 6 U 2084/18) gegen die PST Europe Sales GmbH (Marke Purenergy). Das Unternehmen hatte Verbraucher angerufen und ihnen einen Stromvertrag angeboten. Den bestehenden Vertrag der Kunden kündigte das Unternehmen, nachdem diese auf einen Link in einer an sie adressierten E-Mail geklickt hatten. Der Text des Links lautete „automatische Bestätigung per Link“. Damit hatten die Verbraucher aber keine wirksame Vollmacht erteilt – diese setzt die Textform voraus und dabei muss sich aus dem Text erschließen, was der Nutzer bestätigt.

Die Sichtweise der Münchner Richter teilt die Politik. Der Bundestag hat am 24. Juni eine Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) beschlossen. Einen neuen Stromvertrag außerhalb der Grundversorgung kannst Du nur schließen, wenn Du dies in Textform bestätigst – der Lieferantenwechsel per Telefon ist damit nicht mehr möglich. Die neue Regelung tritt in Kraft, sobald das geänderte Gesetz veröffentlicht ist – voraussichtlich noch diesen Sommer.

Wird Dir ein Liefervertrag untergeschoben, bevor das Gesetz geändert ist, kommst Du am einfachsten durch einen Widerruf aus dem Vertrag wieder heraus: Bis zu 14 Tage nach dem vermeintlichen Vertragsschluss ist dafür Zeit. In der Widerrufsbelehrung im Vertrag müssen dazu E-Mail-Adresse, Telefonnummer und Faxnummer des Anbieters genannt sein. Weil diese Angaben in Schreiben der Mivolta GmbH fehlten, verurteilte das Landgericht München I das Unternehmen zur Unterlassung (6. September 2017, Az. 37 O 5551/17).

Hast Du einen unerlaubten Werbeanruf erhalten, kannst Du den Verstoß der Bundesnetzagentur melden. Dazu stellt die Behörde auf ihrer Internetseite Formulare bereit. Allein 2018 verhängte die Bundesnetzagentur Bußgelder von bis zu 300.000 Euro gegen sieben Unternehmen, die entweder Verbraucher angerufen oder dazu den Auftrag gegeben hatten.

Was solltest Du beachten, wenn Du den Stromanbieter wechselst?

Der Preis ist ein wichtiges Kriterium beim Abschluss eines Stromliefervertrags. Aber nicht das einzig wichtige. Auf folgende Bedingungen solltest Du achten:

  1. Vertragslaufzeit bis zu einem Jahr
  2. Preisgarantie so lange, wie die Vertragslaufzeit ist
  3. Kündigungsfrist bis zu einem Monat
  4. Vertragsverlängerung nach Erstlaufzeit bis zu einem Monat

Diese Bedingungen halten wir für wichtig, damit Du nach Abschluss eines Vertrags keine Preiserhöhung befürchten musst, sondern ein Jahr lang mit stabilen Preisen rechnen kannst. Nach dem ersten Vertragsjahr und dem Wegfall der Preisgarantie ist es hingegen wichtig, dass Du bei Bedarf schnell aus einem Vertrag wieder herauskommst. Beispielsweise, wenn Du ein Angebot von einem anderen Versorger siehst, das Dich überzeugt. Oder wenn Du umziehen willst. Einige Lieferanten gestatten eine Kündigung des Vertrags; andere fordern die Fortführung an der neuen Adresse. Der Bundestag hat mit dem neuen EnWG auch beschlossen, dass Dir bei einem Umzug stets ein Sonderkündiggungsrecht zusteht, wenn Dich Dein Lieferant an der neuen Adresse nicht zu denselben Preisen wie bisher beliefern kann. 

Bei der Preisgarantie solltest Du darauf achten, dass alle Bestandteile des Strompreises inbegriffen sind, also auch die gesetzlichen Umlagen. Die Höhe der fünf Umlagen auf den Strompreis ändert sich jedes Jahr zum 1. Januar. In der Regel steigen sie in Summe. Eine solch umfassende Absicherung bezeichnen die Versorger zumeist einfach als „Preisgarantie“.

Im Gegensatz dazu bedeutet der Begriff „eingeschränkte Preisgarantie“, dass bestimmte Bestandteile nicht gedeckt sind wie Umlagen, aber auch Steuern oder Entgelte für die Netznutzung und den Betrieb des Stromzählers.

Steigen nun Umlagen oder Entgelte, kann Dir der Versorger die Mehrkosten berechnen. Allerdings muss er Dir dies spätestens vier Wochen vorher mitteilen. Du kannst dann ohne Einhaltung der Kündigungsfrist den Liefervertrag beenden (Son­der­kün­di­gungs­recht). Bei einer Erhöhung oder Senkung der Mehrwertsteuer ist dies allerdings nicht möglich, sofern der Lieferant einzig die Änderung der Mehrwertsteuer an Dich weitergibt. Auch diese Regeln beinhaltet das neue Energiewirtschaftsgesetz.

Was ist im Vertrag gesetzlich erlaubt?

Versorger können Stromlieferverträge nicht beliebig gestalten. Folgende Einschränkungen gibt es für Verträge außerhalb der Grundversorgung:

  • erste Vertragslaufzeit bis zu zwei Jahre
  • Kündigungsfrist maximal drei Monate
  • Vertragsverlängerung nach Erstlaufzeit bis zu einem Jahr

Verträge mit längeren Laufzeiten und Fristen sind unwirksam. Hast Du solch einen Vertrag abgeschlossen, solltest Du ihn am besten gleich widerrufen. Wie für andere Kaufverträge gilt auch für Stromlieferverträge ein Widerrufsrecht: Du kannst innerhalb von 14 Tagen, nachdem Dir der gewählte Lieferant Deinen Auftrag bestätigt hat, den Vertrag wieder aufheben (§ 355 BGB). Darauf sollte der Versorger in seiner Auftragsbestätigung auch hinweisen.

Ob ein Unternehmen eine Preisgarantie gewährt und wie es diese gestaltet, ist seine Sache. Dazu gibt es keine gesetzlichen Regelungen. Wenn Du kündigst, musst Du das in der Regel schriftlich und mit Unterschrift machen. Manche Versorger gestatten auch eine Nachricht per E-Mail oder über das firmeneigene Online-Portal. In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Versorgers sind diese Formalien festgelegt.

In der Grundversorgung ist keine Laufzeit für den Vertrag festgelegt. Um ihn zu beenden, gilt eine Kündigungsfrist von zwei Wochen (§ 20 Abs. 1 StromGVV). Die Kündigung muss schriftlich erfolgen, ist aber auch ohne Unterschrift gültig. Eine E-Mail reicht also auch.

Was gilt bei Abschlagszahlungen und Zah­lungs­be­ding­ung­en?

Da eine Stromrechnung nur einmal im Jahr kommen muss, darf ein Stromversorger Abschlagszahlungen vereinbaren. Die Höhe des Abschlags kann das Unternehmen nicht beliebig wählen, es muss sich an Deinem bisherigen Stromverbrauch orientieren.

Legt der Versorger einen höheren Verbrauch zugrunde, als Du zuletzt in einem Jahr Strom bezogen hast, so fordere ihn zur Korrektur auf. Nutze dazu gerne unser Mus­ter­schrei­ben. Abbuchen darf der Versorger den ersten Abschlag zudem erst an dem Tag, an dem die Stromlieferung beginnt. Das gilt natürlich auch, wenn Du den Vertrag bereits Wochen oder Monate vor Lieferbeginn geschlossen hast.

Nicht jeder Versorger erhebt Abschlagszahlungen. Es gibt auch Unternehmen, die jeden Monat eine Rechnung schicken. Üblich ist das in variablen und dynamischen Tarifen, kann aber auch in einem Tarif mit fixem Preis der Fall sein. Kunden zahlen dann monatlich, was sie tatsächlich verbraucht haben. Voraussetzung ist in jedem Fall ein digitaler oder intelligenter Stromzähler.

Bei Vertragsschluss muss Dir der Versorger mindestens zwei unterschiedliche Möglichkeiten zum Bezahlen von Abschlägen und Rechnungen anbieten (§ 41 Abs. 2 EnWG). Du darfst dann eine auswählen. Wir empfehlen dabei, ein Sepa-Lastschriftmandat zu erteilen. Mit diesem bist Du nicht in der Verantwortung, pünktlich zu zahlen, weil der Versorger den Betrag selbst abbuchen lässt. Darüber hinaus kannst Du eingezogene Beträge zurückbuchen, wenn beispielsweise der Liefervertrag nicht mehr gilt. Entscheidest Du Dich fürs Überweisen, wird ein Abschlag erst zwei Wochen, nachdem Du eine Zahlungsaufforderung erhalten hast, fällig – diese Regelung steckt im neuen EnWG, das in den nächsten Wochen in Kraft tritt.

Es gibt Unternehmen, die ihre Kunden zum Überweisen auffordern, wenn sie den Vertrag gekündigt haben. Sobald ein Kunde dann in Zahlungsverzug gerät, können ihm hohe Mahngebühren drohen – oder der Versorger schaltet sogar ein Inkassobüro ein. Ob der Versorger im Fall der Kündigung die Zahlungsweise umstellt, ist in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen festgelegt. Prüfe diese vor Auftragserteilung in diesem Punkt, wenn Du nicht Gefahr laufen willst, dass Dir das passiert.

Welche Pflichten hat der Versorger?

Der Gesetzgeber hat über die Bedingungen für den Vertrag noch weit mehr Regelungen erlassen, die Stromversorger zu beachten haben. 

1. Die Abrechnung

Mindestens alle zwölf Monate muss Dir der Versorger eine Abrechnung senden (§ 40 Abs. 3 EnWG). Diese muss Dir spätestens sechs Wochen nach Ablauf dieser Frist zugehen (§ 40 Abs. 4 EnWG). Hast Du einen Vertrag gekündigt, solltest Du ebenfalls bis zu sechs Wochen nach Lieferende die Abrechnung erhalten. Die 365 AG hat das Landgericht Köln (Urteil vom 10. Dezember 2019, Az. 31 O 164/19) zur Unterlassung verpflichtet, eine Schlussrechnung später als sechs Wochen nach Lieferende zuzustellen. Das Urteil ist rechtskräftig.

Die Rechnung soll stets einfach und verständlich sein und muss alle Faktoren enthalten, die für die Berechnung notwendig sind (§ 40 Abs. 1 EnWG). Die Stromsteuer und die Mehrwertsteuer sind auf der Rechnung separat auszuweisen. Zusätzlich ist anzugeben, wie viel Du über die Stromrechnung für Netznutzung, Messstellenbetrieb und Konzessionsabgabe gezahlt hast.

Findest Du einen Fehler auf der Abrechnung, fehlt etwas oder verstehst Du sie nicht, dann widersprich ihr. Und fordere den Versorger auf, die Abrechnung zu korrigieren oder verständlich zu gestalten.

Ist auf Deiner Abrechnung ein Guthaben ausgewiesen, solltest Du dieses kurzfristig erhalten. Dein Versorger kann in der Abrechnung selbst die Frist nennen, innerhalb der er das Geld zurückzahlt. Ist keine Frist angegeben, so sollte der Versorger das Guthaben unverzüglich zahlen. Das bedeutet, er darf die Zahlung nicht hinauszögern und das Guthaben auch nicht mit kommenden Abschlagszahlungen verrechnen. Dies hat das Oberlandesgericht Düsseldorf entschieden (Az. I-20 U 136/14). Das neue EnWG sieht dabei eine feste Zahlungsfrist für Guthaben vor: Innerhalb von zwei Wochen hat es Dir der Lieferant zu zahlen oder mit der nächsten Abschlagszahlung zu verrechnen.

Ein Neukundenbonus sollte auf der Abrechnung auftauchen. Ob der Versorger aber den Bonus mit Deinen Kosten verrechnet oder die Summe extra aufführt, ist ihm überlassen. In seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen oder im Vertrag sollte geregelt sein, wie er den Bonus berechnet sowie wann und wie er ihn zahlt. Fehlt der Bonus auf der Abrechnung oder hast Du nach Vertragsende Deinen Bonus nicht erhalten, dann mahne den Versorger. Manche Unternehmen reagieren erst dann.

Tipp: Hebe die Abrechnungen vier Jahre lang auf. Es kann passieren, dass ein Versorger eine Abrechnung noch korrigiert. Zum Beispiel kann er plötzlich einen höheren Stromverbrauch berechnen, als ursprünglich in der Abrechnung ausgewiesen. Bis zu drei volle Kalenderjahre, nachdem Du die erste Version erhalten hast, ist dies möglich. Hast Du beispielsweise im Mai 2018 eine Rechnung erhalten, kann der Versorger diese bis Ende 2021 korrigieren. Das gilt auch, wenn Du inzwischen umgezogen bist. Gut ist in einem solchen Fall, wenn Du nicht nur die alte Abrechnung noch besitzt, sondern auch den Zählerstand jedes Jahr notiert und gesichert hast.

2. Die Abschlagszahlung

Sind Abschlagszahlungen vereinbart, so muss die Höhe Deinem bisherigen Verbrauch entsprechen. Aber wie eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Energieversorgers Fresh Energy 2018 ergab, zahlt jeder Zweite einen zu hohen Abschlag – im Schnitt 108 Euro mehr im Jahr, als es sein müsste.

Mit jeder Jahresabrechnung sollte der Lieferant daher den Abschlag anpassen – hast Du mehr verbraucht, darf er mehr verlangen; hast Du weniger Strom bezogen, sollte er den Betrag senken – immer im Verhältnis zum geänderten Verbrauch. Macht Dein Versorger das nicht, so fordere ihn dazu auf und nutze unser Mus­ter­schrei­ben. Einige Versorger bieten auch an, die Abschlagshöhe im Online-Kundenportal selbst zu verändern. Das solltest Du nutzen, nachdem Du beispielsweise einen effizienteren Kühlschrank angeschafft hast oder auf andere Weise Strom sparst

3. Preiserhöhung und Son­der­kün­di­gungs­recht

Will der Versorger den Stromtarif erhöhen, muss er Dich darüber benachrichtigen (§ 41 Abs. 3 EnWG). Kunden in der Grundversorgung sind sechs Wochen vor der geplanten Änderung zu informieren (§ 5 Abs. 2 StromGVV). Außerhalb der Grundversorgung gibt es keine exakte Frist, bis wann Lieferanten ihre Kunden über Preisänderungen aufklären müssen. Festgelegt ist aber, dass die Nachricht den Kunden erreicht, bevor eine Erhöhung in Kraft tritt und die gewöhnliche Abrechnungsperiode abgelaufen ist. Auch hier ist künftig eine feste Frist vorgesehen: Spätestens vier Wochen vor einer Preisänderung hat Dich Dein Anbieter zu informieren.

Wann und wie Stromanbieter Preiserhöhungen mitteilen, ist dabei sehr unterschiedlich. Manche kündigen diese vier oder fünf Monate im Voraus an. Andere schicken keinen Brief, sondern eine E-Mail oder schreiben die geplante Erhöhung in die Jahresrechnung mit hinein. Sendet der Lieferant eine E-Mail, so muss entweder aus der Betreffzeile klar erkennbar sein, dass die E-Mail eine Preiserhöhung enthält. Oder aus dem E-Mail-Text oder einem angehängten Schreiben muss klar hervorgehen, dass eine Preisänderung bevorsteht. So urteilten das Landgericht Hamburg und das Oberlandesgericht Köln in zwei Verfahren (LG Hamburg, Urteil vom 9. Januar 2020, Az. 312 O 453/18 und OLG Köln, Urteil vom 26. Juni 2020, Az. 6 U 304/19). Das Hamburger Urteil ist rechtskräftig; das Kölner noch nicht.

An eines müssen sich die Unternehmen aber halten: Sie müssen Dich über Dein Son­der­kün­di­gungs­recht unterrichten. Das bedeutet: Du kannst den Vertrag ohne Rücksicht auf die Kündigungsfrist zum Zeitpunkt der Preiserhöhung beenden. Fehlt der Hinweis auf die Sonderkündigung, gilt die Preiserhöhung als unwirksam. Sollte der Anbieter eine Abrechnung mit erhöhten Preisen schicken, kannst Du verlangen, dass die alten Preise verwendet werden.

Auch bei anderen Änderungen des Vertrags, beispielsweise wenn der Versorger Kündigungsfristen oder Laufzeiten ändern will, gilt das Son­der­kün­di­gungs­recht und die Pflicht, auf dieses hinzuweisen. Willst Du eine Sonderkündigung schreiben, prüfe vorab, ob Dein Versorger eine Frist in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen festgelegt hat, bis zu der Dein Schreiben bei ihm eingehen muss. Deine Kündigung muss er nach neuem EnWG binnen einer Woche bestätigen.

4. Fristgerechte Kündigung

Willst Du Deinen Vertrag kündigen, ist die vertraglich vereinbarte Kündigungsfrist zu beachten. Für Kunden in der Grundversorgung gilt eine Frist von 14 Tagen. Schreib dem Versorger einen Brief, eine E-Mail oder ein Fax und fordere eine Kündigungsbestätigung.

Du kannst aber auch andere dies erledigen lassen. Beauftragst Du einen anderen Lieferanten, Dich zu versorgen, so kündigt dieser den bestehenden Vertrag. Das klappt natürlich nur im Rahmen der Kündigungsfrist. Aber auch wenn diese gewahrt ist, können Probleme entstehen – nämlich, wenn der bisherige Versorger Dich nicht ziehen lassen will und die Abmeldung beim Netzbetreiber hinauszögert, bis die Kündigungsfrist verstrichen ist. Im neuen Energiewirtschaftsgesetz ist dabei festgelegt, dass Dir der Anbieter künftig binnen einer Woche die Kündigung bestätigen muss.

Es kommt vor, dass ein Versorger eine fristgerechte Kündigung nicht akzeptieren will. Er behauptet dann, der Vertrag hätte bereits bei Abschluss zu laufen begonnen – obwohl die Stromlieferung erst Wochen oder Monate später begann. Prüfe dann Deinen Vertrag und die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB). Dort muss festgelegt sein, wann der Vertrag anläuft. Entspricht Beginn oder Ende der Vertragslaufzeit dem Beginn oder Ende der Lieferzeit für Strom, dann widersprich Deinem Lieferanten und beharre auf der Kündigungsfrist zum Ende eines Lieferjahres. Ob bei Stromverträgen die Laufzeit tatsächlich von der Lieferzeit abweichen kann, ist umstritten.

Grundsätzlich ist ein Lieferantenwechsel jederzeit möglich – zu Beginn eines Monats oder mitten im Monat. Will Dich ein Versorger nicht zu einem bestimmten Stichtag aus dem Vertrag lassen oder ein neuer Versorger die Belieferung mitten im Monat beginnen, hat das keine rechtlichen und auch keine technischen Gründe, sondern liegt eher in der firmeneigenen Verwaltung begründet. Falls Dich das stört: Mit einem Widerruf des neuen Vertrags fährst Du vermutlich besser, als wenn Du dem neuen Versorger ein anderes Datum für den Lieferstart schmackhaft machen willst.

Wer hilft bei Problemen mit dem Versorger?

Hält sich ein Versorger nicht an die gesetzlichen Regeln oder seinen eigenen Vertrag, so ist der erste Schritt, dass Du ihn darauf hinweist. Hilft das nicht, so kannst Du Dich an die Schlichtungsstelle Energie wenden. Auf diese müssen Stromversorger auf jeder Abrechnung, auf Schreiben zu Preiserhöhungen und bei Abschluss eines Liefervertrags hinweisen.

Kannst Du gegenüber der Schlichtungsstelle belegen, dass der Versorger auf Deine Forderungen nicht reagiert hat, eröffnet sie in der Regel ein Schlichtungsverfahren. Darauf ist kein Versorger erpicht, denn dafür stellt die Schlichtungsstelle dem entsprechenden Unternehmen eine Gebühr in Rechnung. Pro Fall berechnet sie gewöhnlich einen niedrigen dreistelligen Betrag.

Hast Du den Stromliefervertrag über einen Makler abgeschlossen, kannst Du Dich auch an diesen wenden. Verivox und Check24 beispielsweise vermitteln dann zwischen dem Anbieter und dem Kunden.

Gibt es dagegen Probleme mit dem Netzbetreiber, ist die Bundesnetzagentur die richtige Anlaufstelle bei Beschwerden. Ein Netzbetreiber muss alle Stromversorger gleich behandeln. Er darf kein Unternehmen bevorzugen oder benachteiligen. Gleiches gilt für die Betreiber von Stromzählern. Willst Du Deinen Mess­stel­len­be­trei­ber wechseln, so muss dies das bisherige Unternehmen mittragen.

Stufst Du das Verhalten Deines Versorgers als eine unseriöse Geschäftspraktik ein, sind die Verbraucherzentralen oder die Marktwächter Energie die richtige Anlaufstelle für Deine Kritik. Die Verbraucherschützer können Unternehmen abmahnen, ihnen Unterlassungserklärungen abringen oder sie verklagen. 

Kommt Dein Stromanbieter seinen Pflichten nur schwer nach, schickt er keine fristgerechte Abrechnung, antwortet er nicht auf Schreiben oder liefert er nicht zuverlässig Energie, kannst Du überlegen, die Bundesnetzagentur darüber zu informieren. Die Behörde kann gegen einen Versorger ein Aufsichtsverfahren einleiten, wenn der Verdacht besteht, dass das Unternehmen aus personellen, technischen oder wirtschaftlichen Gründen nicht mehr leistungsfähig ist. Zur Not kann die Behörde dem Anbieter seine Tätigkeit ganz oder teilweise untersagen. In den vergangenen Jahren leitete die Bundesnetzagentur eher selten ein Aufsichtsverfahren ein: Zwei prominente Fälle betrafen die heute insolventen Firmen Care Energy und Bayerische Energieversorgung (BEV). Beachte aber: Hat die Bundesnetzagentur ein Aufsichtsverfahren eingeleitet, ruhen alle Verfahren, die die Schlichtungsstelle Energie gegen denselben Versorger führt. 

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