Ich halte es für bedauernswert, dass man sich daran erfreuen soll, dass
a) das AVD damit eine Lösung für Riester-Müll ist (und damit eben nur für die, die geriestert haben)
b) man es bereits als positiv ansieht, dass wenigstens a) als positiver Aspekt bleibt.
Die Grundidee die private Altersvorsorge zu reformieren hatte unglaublich viel potenziell, gerade angesicht der Bereitschaft sich dem Kapitalmarkt dazu zu öffnen. Anstatt sich an bewährten Modellen wie den der USA (insb. roth ira) zu orientieren und zu übernehmen, wurde und wird erneut eine übermäßig teure (Kosten ohne Grund) mit Zulagen besetzte (die keiner braucht) und steuerrechtlich katastrophal zu verstehende Konstruktion geschaffen.
Anstatt die Vorsorge zu vereinfachen sind die ohnehin damit überforderten Bürger jetzt im Zweifel auch noch darauf angewiesen eine Steuererklärung abzugeben, obschon das Gros dazu im Übrigen nicht verpflichtet ist. Aber nur dadurch können sie im Zweifel alle Vorteile erhalten, die damit geschaffen werden sollen. Dabei sind gerade die Bürger, denen das AVD helfen soll, in der Regel eben schon mit einer einfachen Steuererklärung überfordert. Es ist ein reinster Widerspruch von Zielsetzung und Umsetzung.
Natürlich hätte es einfachere und bessere Lösungen gegeben.
Das steht außer Frage.
Aber, leider (oder zum Glück) leben wir in Deutschland, und da kann es offensichtlich keine einfachen Lösungen geben. Immer muss es tausend Ausnahmen geben, und jede noch so marginale Möglichkeit muss betrachtet werden und möglichst alle müssen gleich behandelt werden. Und dann kommen halt komplizierte und schwer zu verstehende Konstrukte heraus.
Einfach geht in Deutschland nicht, weil da unter Garantie immer eine Schicht, Gruppe, Alterskohorte whatever auf die Barrikaden gehen wird. Schau in den Thread zum Ehegattensplitting, da wirst du merken, worauf ich hinauswill. Kosten senken? Ja, aber nur bei Sachen, die mich nicht betreffen. CO2 Neutral? Ja, aber keiner geht an meinen Verbrenner. Sozialsysteme reformieren? Ja, aber ich will mit 63 in Rente. Usw, usf.
Ich persönlich habe schlicht beschlossen, nicht mehr allzu negativ auf alles zu blicken. Insofern gehe ich jetzt einfach davon aus, dass der Bund ein gutes, einfach anzuwendendes Standard-Depot auf die Reihe bekommt, und so auf einen Schlag Millionen von Menschen einfach und transparent ihre Altersvorsorge zu annehmbaren Kosten (im Vergleich zu all den Renten- und Lebensversicherungen, den Bauspar- und den Riesterverträgen) mit einer "Aktienrendite" aufbessern können.
Das wäre, bei aller Kritik, eine deutliche Verbesserung zum Status Quo. Und ja, das stimmt mich positiv.
Die User hier sind nicht repräsentativ, und dieses Altersvorsorgedepot ist nicht für die Leute gemacht, die Seiten wie Finanztip regelmäßig besuchen. Ich kenne unzählige Menschen in meinem Umfeld, für die Aktien wahlweise böhmische Dörfer und oder Teufelzeug sind. Wenn die mittels des Altersvorsorgedepots an das Thema herangeführt werden, ist viel gewonnen.
Zahlen aus meiner Realität: wir haben 65 Mitarbeiter und ich überweise jeden Monat Geld für 40(!) Bausparverträge an die diversen Bausparkassen. Und nein, die wollen nicht alle bauen, und nein, das sind überwiegend keine Altverträge.