Honorarberatung in Deutschland

  • Seit dem 1. August ist gesetzlich geregelt, dass man sich nur als Honorarberater oder Honoraranlageberater bezeichnen darf, wenn man keine Provisionen annimmt. Gut und schön, diese Initiative. Das Gesetz dazu wurde aber von vielen Seiten kritisiert: Es sei nicht umfassend genug, es regele die Tätigkeit nur oberflächlich, es verfehle das eigentliche Ziel.

    Gesetz hin oder her: Honorarberatung ist in Deutschland nicht weit verbreitet. Das dazugehörige Register hat gerade mal ein paar Einträge: https://portal.mvp.bafin.de/database/HABInfo/ Ob sich das in naher Zukunft ändern wird, ist fraglich.

    Widerstrebt es uns, eine Rechnung zu zahlen, die wir sonst "versteckt" in Form der Provision begleichen? Oder ist es einfach nur Gewohnheit, zu einem Vermittler bzw. Makler zu gehen? Muss / wird ein Umdenken stattfinden?

    • Offizieller Beitrag

    Honorarberatung ... ein spannendes und interessantes Thema:.

    Nur was versteckt sich hinter dem Begriff ¨Honorarberatung¨, es gibt in Deutschland keine allgemeingültige Definition. Manche verstehen darunter eine Mischung von Provision und Honorar andere die Einstellung das es keinerlei Abschluß- und Bestandsprovision fließen darf.

    Auch das Gesetz vom 01.08. ist leider nicht vollkommen gelungen, anbei ein Artikel der dies thematisiert:

    http://www.cash-online.de/berater/2014/h…k-gesetz/200769

    Zusammengefasst:

    Es ist nicht nachvollziehbar warum ein Honorarberater nicht rundumfassend beraten darf, sondern lediglich Teilgebiete.

    Ich freue mich auf eine rege Diskussion.

    "Man kann die raffiniertesten Computer der Welt benutzen und Diagramme und Zahlen parat haben, aber am Ende muss man alle Informationen auf einen Nenner bringen, muss einen Zeitplan machen und muss handeln."

    Lee Iacocca, amerik. Topmanager

    • Offizieller Beitrag

    Und wenn selbst im Ministerium von Frau Nahles nicht bekannt ist, was ein Makler oder Finanzvermittler ist.
    Wie soll das ein unbedarfter Bürger wissen?

    http://www.versicherungsbote.de/id/4802541/Rie…rge-Broschuere/

  • Habe ich auch gesehen!!!! Interessant zu wissen: In Großbritannien, den Niederlanden, Norwegen, Schweden, Litauen, Finnland und Dänemark gibt es keine Proviosnberatung (mehr). In GB war es wohl so schlimm mit der Falschberatung, dass es grobe Lücken in der Altersvorsorge gab. Der Artikel den ich dazu gelsen habe behauptet. dass sich das nicht stark auf die Industrie ausgewirkt hat.

    Aber: In Deutschland gibt es viele Makler! Die würden mit einem Verbot zunächst ihre Lebensgrundlage verlieren. Auchwenn ich nicht glaube, dass das in Deutschland bald Umsetzung findet, bräuchten wir für den Fall doch einen handfesten Umstrukturierungsplan. Der Fall "Schlecker-Frauen" ist dann gar nichts im Vergleich dazu.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Heiner,

    bisher sind die Erfahrungen aus Großbritannien meiner Ansicht nach noch nicht repräsentativ, auch wenn hier der Beratermarkt deutlich kleiner geworden ist. Daher gilt es abzuwarten und neue Entwicklungen und Studien zu lesen und zu bewerten.

    Ich glaube das viele Makler den Schritt in die Honorarberatung schaffen können. Ich denke das ein Provisionsverbot eher das Aus für viele Versicherungs- und Finanzvermittler wird (inkl. der Freizeitberater).

    Hier könnte ein größeres Säbelrasseln kommen.

    • Offizieller Beitrag

    Diese Blöße geben sich aktuell wohl viele ...

    Denn wie sonst kann es ein Honorar-Gesetz zum 01.08. geben, bei dem Versicherungen und Kredit nicht mitinbegriffen ist?

    Und der Begriff ¨Honorarberater¨ist nicht geschützt, somit kann sich jeder Honorarberater auf seine Visitenkarte kleben, aber wäre doch mal interessant zu erfahren wie viele Steuergelder in diese Broschüre geflossen sind.

    Vermutlich wurde noch die ein oder andere Consultingfirma für dieses ¨Projekt¨ engagiert :(

    • Offizieller Beitrag

    Heute im Handelsblatt ist ein Artikel erschienen:

    "Schleichwerbung für Honorarberater"

    Dort wird das neue Portal zum Thema Finanzberater als Schleichwerbung bezeichnet. So nach dem Motto "Bekannt machen, aber bloß nicht bewerben." Die Vebraucherschützer fordern aber eine direkte Empfehlung.

    Stellt sich mir die Frage:

    Ist ein Honorarberater besser wie ein Finanzberater, nur weil er ein Honorarberater ist?
    Und was ist eigentlich ein Honorarberater?

    Meines Wissens nach gibt es keine einheitliche Definition in Deutschland und auch das neue Gesetz was zum 01.08. kam, ist leider mangelhaft geblieben.

  • Ich bin bei Henning. Das Gesetz ist schlecht gemacht - wie leider so oft, wenn nicht Volksvertreter fürs Volk entscheiden, sondern Lobbyisten für Ihre Zunft.

    Natürlich ist der Honorarberater nicht automatisch ein besserer Finanzberater nur weil er Honorarberater ist. Ich verstehe einfach nicht, was daran so schwer sein soll, eine staatlich anerkannte Ausbildung mit klaren Namensbezeichnungen und Qualifikationsnachweisen zu schaffen? Dann hätte man eine klare Abgrenzung, aber auch dann gibt es natürlich gute und schlechte. Wie überall.

    Das grundlegende Argument für die Honorarberatung bleibt dennoch: Nur auf diese Weise können Interessenskonflikte ausgeschlossen werden.

  • Die Ausbildungsstrukturen sind tatsächlich verwirrend! Von IHK-Abschlüssen über firmeninterne Weiterbildungen oder sogar Corporate Universities wie bei MLP. Von der Ausbildung der Freizeitberater gar nicht zu sprechen... Aktuelles Beispiel aus meinem erweiterten Umfeld:

    Jemand möchte nebenbei Geld verdienen, eine größere deutsche Versicherungsgesellschaft meldet sich. Dieser jemand geht an Samstagen und unter der Woche zum Unterricht. Jemand lernt alles über die Produkte des Anbieters - aus Anbietersicht. Vorherige Kenntnis der Produkte und des Marktes: gegen 0. Jemand absolviert eine interne Prüfung und darf dann Produkte an die Menschen da draußen verkaufen.

    Bei mir stellt sich da die Frage, inwiefern so jemand gut beraten kann. Wenn man sich schon gut auskennt oder sich unabhängig vor- und weiterbildet, zweifele ich das gar nicht an. Aber wenn er mit limitierten Grundkenntnissen Verbraucher beraten soll? Schwierig...

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