Energetische Kernsanierung Kredit

  • Liebe Community,

    vorab: Dass ich keine eindeutige Antwort auf meine Fragen bekomme weiß ich. Ich hoffe lediglich auf ein paar Meinungen.

    Wir haben vor eine Doppelhaushälfte (140qm Wohnfläche) kernzusanieren. Eigenkapital ist 0 . Bonität sehr gut, Einkommen Netto zu zweit ca.5500€. Ich habe mich natürlich bei vielen Finanzdienstleistern (interhyp, dr klein) informiert. Hier bekam ich bei ca. 30 Jahren Laufzeit und 10 Jahren Zinsbindung die besten Konditionen zwischen 3,5 und 3,7 %. Natürlich ist mir bewusst, dass bei 15 Jahren Laufzeit der Zinssatz höher ist , ich dafür durch geringere Restschuld ein geringeres Risiko habe.

    Ich habe mal die Restschuld am Ende der 10 Jahre mit einem "Worst Case" Szenario von 8% Zinsen für weitere 20 Jahre gerechnet und diese Rate wäre zwar hart an der Grenze, dennoch irgendwie machbar für uns.

    Durch meine Vergleichsangebote hat mir meine Bank vor Ort jetzt einen Zins von 3,4% (5 % Sondertilgung p.a. ,Zinssatz gebunden10 Jahre,Laufzeit30 Jahre) vorgeschlagen.

    Hier nun die eigentlichen Fragen: 1.Wie ist die Meinung bei Experten, wie sich der Zinssatz die nächsten Jahre bewegt?

    2. Sind 3,4% für eine Hausbank momentan ein ordentliches Angebot?

    3. Kann man dieses Risiko eingehen?


    Nochmal: Das niemand hellsehen kann, ist mir bewusst. Es geht mit nur um ein paar andere Meinungen.


    Vielen Dank an die Community

  • Ich habe mal die Restschuld am Ende der 10 Jahre mit einem "Worst Case" Szenario von 8% Zinsen für weitere 20 Jahre gerechnet und diese Rate wäre zwar hart an der Grenze, dennoch irgendwie machbar für uns.

    Hast du an Instandhaltungsrücklagen gedacht? Was, wenn ein Gehalt mal wegfällt?

    Bin momentan nicht mehr wirklich im Zinssatzgeschäft, aber 3,4% klingt nicht schlecht für eine 100% Finanzierung. Da haben die anderen hier aber sich noch mehr Erfahrung.

    Meine Glaskugel sagt übrigens, dass die Zinsen erstmal weiter so bleiben wie sie sind, +-0,5%

  • Berti888

    Unabhängig von der finanziell-wirtschaftlichen Sinnhaftigkeit eines solchen Projekts

    Wir haben vor eine Doppelhaushälfte (140qm Wohnfläche) kernzusanieren.

    und der Tatsache, daß

    Darlehensbetrag sind 300000€

    kein Pappenstil sind (für den Durchschnittsbürger" jedenfalls) - und nicht ganz selten solche Kernsanierungen am Ende auch teurer werden, als am Anfang gedacht

    1.Wie ist die Meinung bei Experten, wie sich der Zinssatz die nächsten Jahre bewegt?

    Ein "Experte" bin ich leider nicht, sondern nur Finanz-Laie, wenn auch ein an solchen Themen Interessierter mit zudem ein bißchen eigenen Erfahrungen:

    Auch ein "Experte" wird Dir aber schwerlich bis kaum valide Zinsprognosen über "die nächsten Jahre" hinweg geben können. Die Zinsen für solche Darlehen haben mit dem Leitzins der EZB nur bedingt zu tun - sie hängen vielmehr über die Pfandbriefrendite an dem jeweiligen Zins der 10-jährigen Bundesanleihe. Da sind "Prognosen" schwierig, insbesondere solche über "Jahre hinweg", da auf diesen Zins diverse Faktoren einwirken (Inflation, Inflationserwartungen, wirtschaftliche Entwicklung hierzulande, Fiskalpolitik, Vertrauen der Märkte usw.). Beispiel: Die aktuelle Rekord-Neuverschuldung Deutschlands könnte (Konjunktiv) diesen Zins tendenziell auf dem jetzigen (relativ hohen) Niveau halten oder sogar noch etwas steigen lassen. Es sind aber natürlich auch (ganz) andere Szenarien denkbar (Stichworte: USA, Fed, als neuer Fed Chef Kevin Hasset auf Trumps Geheiß, lockerere Geldpolitik der Fed, Unabhängigkeit der Fed gerät stärker in Zweifel, ebenso US-Treasury als "sicherer Hafen", Run auf andere Staatsanleihen als Alternative, Folge: sinkender Zins für Bundesanleihe - um als Beispiel mal nur eine Kausalkette zu nennen).

    2. Sind 3,4% für eine Hausbank momentan ein ordentliches Angebot?

    Würde sagen eher ja - bei der Ausgangslage (so weit bekannt) für eine Finanzierung ohne EK und bei dem Einkommen (Kapitaldienstfähigkeit). Habe aber seit einigen Monaten kein Darlehen mehr prolongiert und daher den ganz aktuellen Marktzins nicht auf dem Schirm.

    3. Kann man dieses Risiko eingehen?

    Ob "man" das kann, da maße ich mir kein Urteil an.

    In "Deinem" Fall würde ich - neben der Frage der generellen finanziell-wirtschaftlichen Sinnhaftigkeit des Projekts (siehe oben) - die üblichen Themen beleuchtet (neben der "adäquaten Rücklage für Notfälle" auch eine "adäquate Rücklage für die Immobilie" vorhanden (Reparaturen, Instandhaltungen im weiteren Verlauf) ? Was passiert mit der "Kapitaldienstfähigkeit", wenn dauerhaft oder temporär ein Einkommen sinkt oder ganz wegfällt ? Kann eine längere Zinsfestschreibung trotz dann leicht höherem Zinssatz sinnvoll sein, da diese mehr Planungssicherheit bietet - und via § 489 BGB ein Ausstieg (einseitiges Kündigungsrecht des Darlehensnehmers ohne Vorfälligkeitsentschädigung) nach 10 Jahren (mit 6-monatiger Kündigungsfrist) ohnehin immer möglich ist ? Könnten für so ein Projekt (energetische Sanierung) auch besondere Förderungen, Darlehen und/oder Banken (wie die KfW) infrage kommen ?

    Neben der Zinskondition würde ich auch auf die Vertragskonstruktion achten (jährliche Sondertilgungsmöglichkeiten von 5 oder 10% der anfänglichen Darlehenssumme ohne VFE sind heute es fast schon Standard, die (einseitige) Möglichkeit des Darlehensnehmers während der Zinsbindungsfrist die Tilgung in der Annuität mehrfach ändern zu können (Tilgungssatzwechsel), dürfte in dem Fall ebenso ein sinnvoller Vertragsbestandteil sein).


    Dir/Euch gute Gedanken, ebensolche Entscheidungen und viel Erfolg dabei !