Nebenkostenabrechnung

  • Ist zwar sehr unwahrscheinlich, dass das hier der Fall ist, aber ich hatte ml folgenden Fall bei einem Heizkörper mit Verdunstungsröhrchen.

    War eine DG Wohnung in einem MFH und der Heizkörper war nicht entlüftet.

    Die Mieter haben den Heizkörper dann immer "volle Pulle" angehabt und trotzdem wurde es (logischerweise, wenn der Heizkörper halt nicht vollständig entlüftet ist) in dem Raum nicht warm.

    An der Stelle, wo sich das Verdunstungsröhrchen befand, war der Heizkörper noch warm bzw heiß.

    Entsprechend hoch war dann die berechnete Heizleistung für diesen Heizkörper.


    Aber wie gesagt, das war schon ein sehr "spezieller" Fall. Viele Mieter hätten schon längst gecheckt, dass sie mal die Heizkörper entlüften sollten 😉

  • Moin Maninweb

    ich möchte Dir zu Deinem Problem einmal die Erläuterung zu dem geben, was Du übersiehst.

    Du beschreibst gut und richtig die proportionale Abhängigkeit des Wärmeverlustes von der Differenztemperatur innen/außen (und natürlich dem U-Wert). Sehr gut; mit Deinen Vorkenntnissen wird Dir ein Nachvollziehen meiner Erläuterungen nicht schwerfallen.

    Wenn Du in dem Zahlenbeispiel Innen-Temp. = 21 °C und Außen-Temp. = 7 °C nun Deine Innentemp. um 1 °C erhöhst, hast Du somit eine von 14 °C auf 15 °C erhöhte Differenz-Temp. und somit einen um ca. 7 % (15/14 = 1,07) erhöhten Wärmeverlust (aber das kennst Du ja schon).

    Diesen erhöhten Wärmeverlust hast Du jetzt in Deinem Einfamilienhaus im Vergleich zu Deinem Nachbarn im genau gleichen Einfamilienhaus, der seine Innentemp. nicht erhöht.

    Merkst Du etwas?

    Du wohnst nicht im Einfamilienhaus, sondern im Mehrfamilienhaus, und da sind die Zusammenhänge ganz, ganz, ganz anders.

    Jetzt geht es daher ans Rechnen, was Dir nicht also nicht schwerfällt.

    Wir kommen um das Betrachten der Einzel-Wärmeflüsse der Wände nämlich nicht drumrum. Es genügt aber, wenn wie einmal total vereinfachte, fiktive Darstellungen mit grob geschätzten Dämmwerten wählen, nur um das grundsätzliche Problem zu verstehen.

    Wir betrachten den Fall, dass in einem 3-stöckigen Haus jede Wohnung vereinfacht einen gleichen quadratischen Grundriß hat mit jeder Wandseite 8 m lang (Wohnfläche 64 qm). Wir nehmen weiter an, dass auf den beiden Längsseiten des Hauses je 3 Whg. hintereinander liegen, also 6 Whg. pro Stockwerk (384 qm Wohnfläche pro Stockwerk).

    Deine Whg nehmen wir als mittig liegend an; Du hast somit 1 Außenwand 8 m lang und 3 Innen-Wohnungs-Trennwände mit ebenfalls je 8 m lang. Die Höhe der Wände rechnen wir hier mit 2,5 m.

    Wir gehen in unserem fiktiven Beispiel weiter davon aus, dass Du im mittleren Stockwerk wohnst und lassen Wärmeverluste nach oben und unten daher mal außen vor, als weitere Vereinfachung.

    Der Wärmedämmwert U einer Gebäude-Außenhülle ist gerechnet über Fassade und Fenster bei Altbauten bei etwas über 1,0 (W/qmK), relativ gute Werte liegen bei ca. 0,5 W/qmK (nur Fassade ohne Fenster bei Renovierungen 0,24 W/qmK vorgeschrieben).

    Ich rechne jetzt hier im Beispiel mal mit 0,8 W/qmK für die Außenwand.

    Der Gesamt-Wärmeverlust dieses mittleren Stockwerkes beläuft sich somit mit einer Gesamt-Wandfläche von 10 (Anzahl Einzel-Außenwände) x 8 (Einzelwandlänge) x 2,5 (Höhe) = 200 qm sowie dem U-Wert 0,8 W/qmK und der Temperaturdifferenz 20 °C (alle Whg.) zu außen 7 °C = 13 °C auf:

    200 x 0,8 x 13 = 2.080 W = 2,08 KW (über die Zeit ergeben sich KWh).

    Für diese 2,08 KW müssten bei gleichen Innentemperaturen alle 6 Stockwerkwohnungen aufkommen, im Durchschnitt 0,35 KW pro Whg.

    Wie hoch ist nun Dein Wert mit der angehobenen Temperatur?

    Deine fiktive Whg. hat die 0,8 W/qmK an der 1 Außenwand, und die 3 gleich großen Innenwände haben welchen U-Wert? Googeln liefert uns diese Aussage: „Typische Werte: Eine massive 11,5 cm Innenwand aus Mauerziegeln hat einen hohen U-Wert von ca. 3,0 W/qmK“. Zitat Ende.

    Wir machen nun die Rechnung mit 24 °C nur DEINER Whg. gegenüber 20 °C aller Nachbarwhg.

    Für die eine Außenwand (bei Daten: Fläche 8 x 2,5 = 20 qm; Temp.-Differenz = 17 °C [24 zu 7]; U-Wert 0,8 W/qmK): 20 x 17 x 0,8 = 272 W.

    Für die 3 Innenwände (bei Daten: Fläche 3 x 8 x 2,5 = 60 qm; Temp.-Differenz = 4 °C [24 zu 20]; U-Wert 3,0 W/qmK): 60 x 4 x 3 = 720 W.

    Dein Gesamtverlust beträgt also 272 + 720 = 992 W = 0,99 KW

    Diese 0,99 KW für Deine Whg. sind also rund 3 x so hoch wie der rechnerische Durchschnittswert 0,35 KW der sonstigen Whg., die um die 4 °C kühler sind als Deine.

    Somit sind für mich solche nur scheinbaren Verzerrungen in einer Heizkostenabrechnung durchaus plausibel, denn die Dämmwerte von Innenwänden sind eben schlecht (ohne Vorschriften) und Du heizt hier praktisch auch die Nachbarwohnungen auf.

    Deren durchschnittliche 0,35 KW (nur bei gleichen Temperaturen in allen Whg.) fallen nun so zum Bezahlen gar nicht mehr an, denn sie haben über die Innenwände den positiven Wärmefluss von Dir.

    Deren Neuberechnung über Deinen Wärmefluss können wir uns hier jetzt aber sparen.

    Du kannst die Rechnung nun auch selbst durchführen mit Deiner Whg. als angenommen Eck-Whg. (2 Außenwände) und/oder realistischeren U-Werten, es wird sich am Prinzip nie viel an dieser Aussage ändern: Dass Du nämlich mit den 4 °C mehr als die anderen nicht ein paar Prozent höher liegst, wie Du geschrieben hast („……können unsere verbrauchsabhängigen Heizkosten demnach allenfalls 18 % ….. über dem Durchschnitt liegen“), sondern Du liegst also gleich mit Faktor 2 bis 3 über den anderen.

    Das Ganze bedeutet auch, dass diese übliche „Faustformel“ zu den 6 % Heizkosten, wenn man um 1 °C mehr oder weniger heizt, für den Fall einer Einzel-Whg. in einem Mehrfamilienhaus totaler Quatsch sind. Das gilt nur im Einfamilienhaus oder wenn ALLE Whg. in einem Mehrfamilienhaus das Gleiche machen. Leider wird dieser Quatsch seit 50 Jahren jedes Jahr aufs Neue in „Film, FunK und Fernsehen“ und den Printmedien wiederholt. Tatsächlich wirken sich 1 °C Änderung also relativ zu den anderen um ein Vielfaches höher aus als nur die 6 % („dank“ der sehr schlechten Dämmwerte von Innenwänden).

    Übrigens scheint es sich bei Dir ja noch nicht um eine Abrechnung nach heutiger Heizkostenverordnung (HKV) zu handeln. Wenn demnächst Deine Röhrchen auf neuere elektronische Funk-Heizkostenverteiler umgestellt werden (Vorschrift), dann muss auch ein Anteil 30 bis 50 % der Haus-Heizkosten auf die Wohnflächen (oder Miteigentumsanteile) umgelegt werden. Damit wird genau Dein Problem etwas gemildert, und das ist ja viel gerechter. Möglicherweise hat Deine Abrechnung ohne Flächen-Berücksichtigung aber im Moment noch so etwas wie „Bestandsschutz“, bis es soweit ist.

    Gib doch noch mal Rückmeldung, ob die Betrachtungen für Dich jetzt nachvollziehbar sind.