Nebenkostenabrechnung

  • Guten Tag liebe Forumsgemeinde !

    Ich bin aus gegebenem Anlass neu hier. 10 Jahre lang haben wir die Nebenkostenabrechnungen klaglos geschluckt ("Wird schon alles stimmen"), aber nun ist uns der Kragen geplatzt.

    Denn 2024 sollen wir die knapp 3-fachen verbrauchsabhängigen Heizkosten (Verdunstungsröhrchen) wie der Durchschnitt der übrigen 15 Mieter verursacht haben. Wir lüften ordnungsgemäß (je nach Außentemperatur 1-3 x täglich Stoßlüftung für wenige Minuten), heizen aber etwas mehr, als üblich (Raumtemperatur 23 - 24°C). Alle 16 Wohnungen (Bj. 1998) sind etwa gleich groß und unsere ist eine Innenwohnung. 1 Außenwand, weder im DG noch im EG liegend und links sowie rechts befinden sich andere Wohnungen.

    Meine Frage: Ist ein 3-facher Wärmeverbrauch gegenüber dem übrigen Hausdurchschnitt möglich?

    Ich sage NEIN, begründete das gegenüber dem Vermieter - der sich dazu leider nicht äußerte - gleich dreifach und würde gerne eure Meinung dazu wissen, denn ich bin kein Fachmann (alles nur angelesen).

    1.) Faustformel: Die 6 % Methode
    1°C Temperaturabsenkung bzw. -erhöhung verursacht nach einer Faustregel Minder- bzw. Mehrkosten von rund 6 %. Davon ausgehend, dass wir unsere Wohnung bei normaler Stoßlüftung um maximal 3 °C höher beheizen als der Durchschnitt aller übrigen Mieter (24°C anstatt 21°C), können unsere verbrauchsabhängigen Heizkosten demnach allenfalls 3 x 6 = 18 % und selbst bei ungünstigster Annahme nicht mehr als 1/3 über dem Durchschnitt liegen. Wir sollen 2024 aber nicht die 1,18-fachen oder 1,33-fachen sondern die 2,83-fachen Durchschnittskosten verursacht haben.

    2.) Thermodynamische Überlegungen

    Der Heizenergiebedarf ist proportional zur Temperaturdifferenz zwischen außen und innen. Das ergibt sich aus dem Wärmedämmwert U [W/(m²·K], der sich auf 1°C Temperaturunterschied bezieht, wobei es egal ist, wie hoch die Innen- oder Außentemperatur ist. Das heißt, bei einer Aufheizung von 7°C auf 21°C (14°C Differenz) ist dieselbe Wärmeenergie nötig, wie sie von 21°C auf 35°C zu heizen (ebenfalls 14°C Differenz). Um sie von 7°C auf 35°C zu überhitzen wird somit die doppelte Heizenergie benötigt, als sie von 7°C auf 21°C zu erhitzen. Um die 2,83-fache Heizenergie des übrigen Hausdurchschnittes zu verbrauchen, müssten wir die Wohnung nach Adam Riese also um 14°C x 2,83 = 39,6°C auf 7,0 + 39,6 = rund 47°C heizen. Das wäre mehr, als der deutsche Temperaturrekord (41,2 °C).

    3.) Kaltverdunstung

    Verbrauchsabhängig abgerechnet wurden “Einheiten“, und zwar bei uns auf der Basis von 36 Ableseeinheiten 79 Abrechnungseinheiten. Der Multiplikator ist 2,2 und berücksichtigt unterschiedliche Heizkörpergrößen. Für das gesamte Haus wurden 528 "Einheiten" angesetzt. Da fast alle 16 Wohnungen 2-Zimmer-Wohnungen mit 4 Heizkörpern sind, kann bei rund 70 Heizkörpern ebenfalls ein Multiplikator von im Mittel etwa 2,2 unterstellt werden, so dass sich je Heizkörper lediglich ca. 3,43 Ableseeinheten ergeben (528 / 2,2 = 240 E. / 70 Hk. = 3,43 E.). Doch schon die Kaltverdunstung (Verdunstung ohne zu heizen) der Heizkörpermessröhrchen beläuft sich auf 3-4 Ableseeinheiten. Das konnten wir feststellen, weil wir die Heizkörper im Schlafzimmer und in der Küche grundsätzlich nicht benutzen. Das heißt, wenn die für das gesamte Haus angesetzten 528 "Einheiten" richtigerweise Abrechnungseinheiten sein sollen, hätte die Heizung den ganzen Winter außer Betrieb bleiben müssen, um 3,43 Ableseeinheiten zu erzeugen.

    Freundliche Grüße
    Maninweb

  • Kater.Ka 7. Februar 2026 um 16:39

    Hat das Thema freigeschaltet.
  • Ist ein 3-facher Wärmeverbrauch gegenüber dem übrigen Hausdurchschnitt möglich?

    Ja, definitiv. Ich habe den Einblick in ein MFH mit 12 Wohnungen. Zwischen dem Bewohner mit dem höchsten Wärmebedürfnis und dem mit dem geringsten liegt sogar mehr als Faktor 3. Wir haben sogar die Zähler prüfen lassen.

    Also ja, das geht. Da du selber sagst das ihr es sehr warm habt, sehe ich hier die Ursache.

  • Definitiv ja, aber nur unter ganz speziellen Bedingungen.

    Der mit dem geringsten Wärmebedarf war vielleicht ein Rentner, der auf Mallorca überwinterte und seine Heizung abstellte oder einer, der auf Montage ist und nur am Wochenende heizt, oder jemand wie bei uns, der die Wohnung kaum nutzt, weil er fast nur bei seiner Freundin wohnt. So kann es durchaus passieren, dass solche Mieter nur 1/3 der Heizkosten haben. Maßgeblich ist deshalb kein Einzelfall, sondern der Hausdurchschnitt.

    Wie gesagt, eine 3°C höhere Raumtemperatur zieht Mehrkosten von rund 18 % nach sich. Deshalb kann die Ursache unseres angeblichen Verbrauchs nicht darin liegen, dass wir es 24°C warm haben.

    Kannst du dich zu meinen drei Gegenargumrenten äußern?

  • Maninweb

    Schön, dass du/ihr brav lüftet. Das freut den Vermieter, da sich das positiv auf die Bausubstanz auswirkt.

    Generell wäre es hilfreich, wenn du die - anonymisierte - NKA hier hoch lädst. Und ggfs. auch noch die vorige Abrechnung.

    Verdunstungsröhrchen sind arg ungenau. Mich wundert, dass die immer noch im Einsatz sind. Ab 01.01.2027 dürfte Schluss damit sein. Denn dann sind (an sich?!?!) fernablesbare (digitale) Zähler vorgeschrieben.

    (Btw., als man bei mir digitale Zähler verbaut hat (vor 12 Jahren oder so), hat man gleichzeitig den Schlüssel von 50:50 zu 30:70 geändert. Hätte ich die Wahl, ich würde zu Verdunstungsröhrchen zurück wechseln.)

    1.) Diese Faustformel gibt es. Du machst trotzdem einen Denkfehler. Denn du gehst davon aus, dass deine 'Mitbewohner' heizen wie bisher. Vielleicht haben die aber, bedingt durch die ja nun (leider) gestiegenen Heizkosten, ihre Heizungen um einige Grad runter gedreht, so dass sich eine noch höhere Differenz zu den in deiner Wohnung üblichen Temperaturen ergibt.

    Davon ab 23-24°, dass wäre mir ja nackig schon zu warm. 8)

    2.) Deine Ausführungen mögen im Hinblick auf (die) Thermodynamik korrekt sein. So werden aber die Heizkosten nicht berechnet. Wie oben geschrieben, werden 30-50 % über die anteilige Fläche aufgeteilt. Während 50-70 % über den anteiligen Verbrauch verteilt werden.

    3.) Deine Beschreibung ist ein wenig diffus und ich kann nicht so ganz folgen. Die sog. Kaltverdunstung betrifft alle Bewohner bzw. Heizkörper. Wenn man nicht gerade einen zusätzlichen Heizlüfter in Betrieb hat, der (ausgerechnet) genau auf das Verdunstungsröhrchen eine Heizkörpers pustet, ist das vernachlässigbar.

    Verdunstungsröhrchen mögen "unterschiedlich" funktionieren. Bei mir war es so, dass die Skala, abhängig von der Größe des jeweiligen Heizköpers unterschiedlich war. D.h. wenn die Flüssigkeit bei einem kleinen HK z.B. im Gäste-WC um 1 cm gesunken ist, das vielleicht 5 VE (Verbrauchs-Einheiten) entsprach. Während 1 cm, im großen Wohnzimmer ggfs. 45 VE entsprach. (Werte fiktiv, zu lange her).

    Btw., 16 Wohnungen x 4 HK = 64 != 70.

    => Ohne weitere Details, ist es schwierig einzuschätzen im Hinblick auf deine NKA.

  • Kannst du dich zu meinen drei Gegenargumrenten äußern?

    Das ist unerheblich. Relevant ist ob das Messverfahren zulässig ist, korrekt angewendet wurde und die Zähler korrekt arbeiten. Kannst du davon etwas durch Fakten erschüttern, wird ersatzweise geschätzt. Auch dafür gibt es klar festgelegte Verfahren.

  • @ Balu
    Vielen Dank füf das Feedback. Ich komme bis Ende der Woche darauf zurück.

    @ Micha-1
    Wenn das Messverfahren zulässig ist, korrekt angewendet wurde und die Zähler korrekt arbeiten, kann es nach den in #1 Ziff. 2 dargelegten physikalischen Gesetzen der Thermodynamik nicht zu dem geschilderten Ergebnis kommen. Vorliegend wurde das Messverfahren (Verdunstungsröhrchen) vermutlich zwar korrekt angewendet (korrekte Ablesung), aber wohl nicht korrekt ausgewertet, indem die in Rechnung gestellten Einheiten des Gesamthauses Ableseeinheiten sind und keine mit einem Faktor multiplizierten Abrechnungseinheiten Ob es so ist, werde ich zur Freude des Vermieters durch Einsichtnahme in die Abrechnungsunterlagen aller Mieter - dieses Recht hat ein Mieter - noch herausbekommen.

  • Stehen vllt andere Wohnungen durch Mieterwechsel häufiger/länger leer? Vllt zur entspannung: ich wohne in ner 80er Jahre Bruchbude und komme gar nicht über 20°C trotz sehr viel heizen^^ CO2 zahlen wir trotzdem zu 100% alleine da anscheinend das Gebäude angeblich wenig verbrauch hat, vllt aus den genannten gründen am Anfang :/

  • @ Micha-1
    Genau das habe ich ja schon getan, nämlich die verbrauchsabhängigen reinen kWh-Kosten (ohne unsere Wohnung) durch die Quadratmeter (ohne unsere Wohnung) geteilt = spezifische Kosten (ohne unsere Wohnung) und sie mit den Quadratmeterkosten unserer Wohnung verglichen. Das Ergebnis siehst du in #1. Danach sollen wir das 2,83-fache des übrigen Durchschnitts verbraten haben und das ist nach meiner festen Überzeugung aus den in #1 genannten Gründen unmöglich.

  • Genau das habe ich ja schon getan, nämlich die verbrauchsabhängigen reinen kWh-Kosten (ohne unsere Wohnung) durch die Quadratmeter (ohne unsere Wohnung) geteilt = spezifische Kosten (ohne unsere Wohnung) und sie mit den Quadratmeterkosten unserer Wohnung verglichen. Das Ergebnis siehst du in #1.

    Habe ich in dieser wall of text auch beim 2. Mal nicht gefunden. Bitte einfach mal beide Zahlen nochmal posten. Und du darfst deine Wohnung natürlich nicht raus rechnen.

  • @ Finanzinvestor
    Ich werde um Belegeinsicht bitten, "fordern" wäre mir momentan noch zu hart formuliert. Wenn der Vermieter nicht will, kann ja der Miererverein oder, wenn das immer noch nichts nützt, der Anwealt von der Rechtsschutzversicherung etwas fordernder auftreten.
       
    Mein Eingangspost ist zu verwirrend? Oh je. Wie soll es dann ein Richter verstehen? Wenn man sich der Mühe unterzieht, es verständig zu lesen, ist es meines Erahtens klar und nachvollziehbar. Ich beschreibe ja nur die Thermodynamik und dass beim Gesamthaus anstatt Abrechnungseinheiten mit hoher Wahrscheinlichkeit nur Ableseeinheiten angesetzt wurden. Denn lediglich 1/3 so viel heizen wie ich (1 / 2,83 = 35 %) kann der Durchschnitt gar nicht, weil dann alle übrigen Wohnungen nur 12 °C warm wären (durchschnittliich 14° Temperaturdifferenz zwischen außen und innen mal 1/3 = ungefähr 5° --> 7° + 5° = 12°C.), zzgl. der selbst produzierten Wärme (Kochen, Duschen, PC und auch 1 Person gibt 100 - 120 Watt ab. Macht zusammen dann vielleicht 14°C Raumtemperatur.

    @ Micha-1
    #1 Ziffer 1 letzte und Ziffer 2 drittletzte Zeile fett 2,83-fache Energie / Kosten.
    By the way: Natürlich muss ich meine Wohnung rausrechnen, um mich mit den übrigen Mietern vergleichen zu können. Anderenfalls vergleiche ich mich ja teilweise mit mir selbst.

  • Ein Richter interessiert das überhaupt nicht. Wie gesagt, es gibt etablierte Verfahren, deren Ungenauigkeiten und Ungerechtigkeit gerichtlich anerkannt sind.


    Und ich fragte nach kWh / m2

    Wenn du keine Fakten liefern willst, kann man dir allerdings nicht helfen.

  • Ich werde um Belegeinsicht bitten, "fordern" wäre mir momentan noch zu hart formuliert. Wenn der Vermieter nicht will, kann ja der Miererverein oder, wenn das immer noch nichts nützt, der Anwealt von der Rechtsschutzversicherung etwas fordernder auftreten.

    Mach es so, wie du es für richtig hältst. Euch ist doch der „Kragen geplatzt“, warum möchtest du dann nicht fordernd auftreten?

    Mein Eingangspost ist zu verwirrend?

    Ja, auch der Text nach Deiner Frage. Ggf bist Du in einem reinem „Vermietungsforum“ oder beim Mieterschutzbund oder was es da auch immer gibt, besser aufgehoben. 😉

  • Moin,

    ich gebe zu, dass die Heizkostenmaterie nicht ganz einfach ist, bin mit etwas Vorbildung in Bauphysik in letzter Zeit tiefer eingestiegen und versuche nochmal, es so einfach wiet möglich zu erklären:

    #1 Ziffer 1
    Nach der 6%-Regel spart man je 1°C Raumtemperaturabsenkung rund 6 % verbrauchsabhängige Heizkosten bzw. zahlt je 1°C Raumtemperaturerhöhung 6 % mehr.

    #1 Ziffer 2
    Der Wärmedurchgangskoeffizient (Wärmedämmwert) U = W/(m2*K) von Bauteilen gibt an, wieviel Energie durch 1 m2 Fläche bei 1°K (Kelvin) Temperaturunterschied zwischen außen und innen fließt, wobei diese Energie (erkennbar an der Dimension K, die nicht quadratisch ist) proportional, also linear zum Temperaturunterschied steigt. Das heißt: Beträgt der Temperaturunterschied z.B. 14°C, spielt es keine Rolle, ob es außen 7°C und innen 21°C oder außen 21°C und innen 35°C warm ist. In beiden Fällen ist der Unterschied 14°C und wird die gleiche Heizenergie benötigt. Bei einer Heizung von 7°C auf 35°C ist somit die doppelte Energie erforderlich, wie bei einer Heizung von 7°C auf 21°C. Deshalb würde unsere Raumtemperatur bei dem vom Vermieter behaupteten 2,83-fachen Energiebedarf während der Heizperiode im Durchschnitt auf rund 47°C steigen.

    #1 Ziffer 3
    In unserer Heizungsabrechnung sind viel zu wenig Abrechnungseinheiten angegeben, so dass die Kosten je Einheit enorm steigen. Teilt man nämlich die angeblichen Einheiten durch die Anzahl der im Haus vorhandenen Heizkörper, ergibt sich je Heizkörper eine Verdunstung von rund 3 Striche an den Verdunstungsröhrchen. Soviel beträgt jedoch (wie an den ganzjährig unbenutzten Heizkörpern in Schlafzimmer und Küche festgestellt) bereits die Kaltverdunstung (die Überfüllung der Röhrchen, welche die Kaltverdunstung berücksichtigen soll, reicht nicht ganz aus), so dass, wenn der Vermieter Recht hätte, das komplette Haus während der gesamten Heizperiode unbeheizt bleiben müsste.

    Gruß
    Maninweb

  • Also, du hast das Problem, nicht wir.

    Die Physik ist hier irrelevant, wie ich schon mal versucht habe zu erklären. Es geht um Abrechnung nach §§§

    Und du hast immer noch nicht die kWh/m2 angegeben. Wieso willst du theoretische Überlegungen diskutieren, aber keine konkreten Daten liefern?

    Angst vor Erkenntnis Gewinn?

  • Totschlagargumente aus dem Bauch heraus sind nicht hilfreich. Wenn du nicht mitdenken willst, macht es keinen Sinn zu diskutieren.
    Maninweb

    Wenn du hier nicht mittun willst, worum du mehrfach gebeten wurdest, wird hier auch niemand weiter mitdenken wollen. Da hilft auch nicht eine neue Version in Schönschrift. Diskutieren ist doch kein Selbstzweck. Mach nun mal los und begib dich in die aktive Spur.

  • Wurden in der Zeit irgendwelche Heizkörper getauscht?

    Ansonsten sehe ich es wie meine Vorschreiber: Viele Mieter haben ihren Verbrauch massiv gesenkt, auch dank digitaler Heizkörperthermostate.

    Da wird kein Raum geheizt, wenn er nicht genutzt wird.

    Und wenn du, wie gewohnt, permanent die ganze Wohnung heizt, wird dein Anteil entsprechend höher. Die Röhrchen dienen ja nur dem Vergleich und nicht den absoluten Verbrauch.