… um es nochmal zu konkretisieren: Auch das Vorgehen der Fondsgesellschaften bzw. Indexanbieter ist doch im Kern bei beiden Baustellen wirklich identisch:
Was macht die Fondsgesellschaft mit dem Index (MSCI-World)? Sie kauft eine Anzahl an Aktien, die regelmäßig kleiner ist, als die Anzahl der Aktien des Index selbst und lässt die teuersten (Transaktionskosten), am schwersten zu handelnden Aktien und i.d.R auch kleinsten Unternehmen tendenziell raus. Die Liste der verbleibenden Unternehmen wird dann so über Sektoren, Branchen, Regionen, etc. gewichtet, dass man den Indexverlauf trotzdem ziemlich genau trifft. Das ist gar nicht so trivial, funktioniert aber, wenn man’s richtig macht, regelmäßig ziemlich gut, was man an den Tracking-Differenzen der guten ETF sieht!
Was macht MSCI beim Erstellen eines SRI-Index (MSCI-World-SRI)? Man wirft ebenfalls eine gewisse Anzahl an Unternehmen aus der Ursprungsliste (MSCI-World) raus (diesmal nicht zum Kostensparen sondern aus ethisch/moralischen Gründen) und gewichtet ebenfalls die verbleibenden Unternehmen so, dass man den Ursprungsindex (MSCI-World) möglichst genau trifft. Im Grunde also genau das gleiche Vorgehen wie das der Fonds-Anbieter bei der Auflage der konkreten ETF, nur eben mit mehr Ausschlüssen, bevor man dann gewichtet, um den Zielindex zu treffen…
Ich dachte vor meiner ersten Beschäftigung mit SRI-ETFs auch, dass ein Ausschluss von mehr als der Hälfte der Unternehmen aus einem Index einen stärkeren Einfluss auf den Kursverlauf und Risiken haben müsste. Aber man unterschätzt dabei, wie gut die Streuung bereits ab 400, 500 Unternehmen und mehr ist. Wenn man durch die Kombination von SRI-ETFs auf über 1.000 unterschiedliche Unternehmen gestreut ist, ist das m.E. wirklich ziemlich ordentlich und funktioniert!
Anders herum gedacht: Die Krise, die diese 1.000 Unternehmen in den Abgrund reißt, wäre so groß, dass es mit Sicherheit auch einen ACWI-IMI-ETF in den Abgrund reißen würde, selbst wenn der über 5.000 Unternehmen des investierbaren Weltmarktes (ganz grob ca. 10.000 Unternehmen) streuen würde. Letztlich haben die SRI-Fondsanbieter geringfügig höhere Index-Kosten, da MSCI sich ordentlich für die Selektion und Indexerstellung bezahlen lässt. Durch die geringere Unternehmensanzahl auf der anderen Seite aber auch etwas geringere Transaktionskosten und man ist durch die SRI-Selektionslogik ja trotzdem gestreut über alle Branchen, Regionen, etc., was sich vom Risiko dann eben auch nicht sonderlich stark in Richtung Klumpenrisiken auswirken wird.
Mein Fazit daher: Eine Streuung mit SRI-ETFs über mehr als 1.000 Unternehmen weltweit ist wirklich ausreichend! Wenn man dem nicht traut, dann dürfte man dem standard MSCI-World mit 1.500 Unternehmen mengenmäßig auch nicht richtig trauen, da beides eben immer nur eine gewichtete Auswahl der investierbaren Unternehmen der Weltwirtschaft (10.000+) ist.
Ich würde mich bei einem Investment allein in den MSCI-World neben den ethisch/moralischen Gesichtspunkten eher fragen, ob eine Mittelallokation von 70% des investierten Geldes auf nur ein Land (USA, gerade in der aktuellen Verfassung) so geschickt ist. Aber das ist dann wieder eine andere Diskussion… 