Sind negative Preise überhaupt ein Problem?
Ja natürlich. Erstens ruinieren die negativen Preise nachhaltig den Anreiz für alle, die zu Marktpreisen arbeiten. Zweitens zahlt man bei negativen Preisen mehr als wenn man die Anlagen einfach für die Abschaltung und entgangenen Strom bezahlen würde. Das Geld ist schlicht und einfach verschwendet und könnte viel besser investiert werden. Selbst wenn man nichts investiert...das wäre alles viel billiger zu haben.
Schlecht ist's natürlich für den, der es zahlt. Das dürfte zum größten Teil der Bund sein
"Der Bund" sind wir alle. Gerade ist ja Saison für Steuererklärungen...denk dann daran, dass Kleinvieh auch Mist macht und diese Einstellung dich jedes Jahr eine nicht geringe Summe kosten dürfte
Erste Maßnahmen wurden ja auch schon ergriffen (keine Vergütung bei negativen Preisen)
Das reicht aber nicht. 0c Vergütung sind auch massiv über Marktpreis, wenn der im negativen ist. Wenn du eine Anlage nach der aktuellen Regelung hast, speist die trotzdem ein und macht das zum Problem für andere. Man hat jetzt den schwarzen Peter an die Netzbetreiber weitergeschoben und erwartet, dass die abregeln. Die dürfen das meinem Wissen nach aber nur bei Netzüberlastung, nicht wegen negativen Preisen. Das Problem wird so kaum gelöst.
Alleine durch die geplante Abschaffung der Einspeisevergütung dürften dieses Jahr noch massenhaft Anlagen ans Netz gehen, bei denen eine teilweise Einspeisung zum Nulltarif fest eingeplant ist. Diese Anlagen machen dann für 20 Jahre weiter Probleme, da sie nicht zu Marktpreisen arbeiten. Meine PV-Erweiterung eingeschlossen, sofern ich einen Elektriker finde, der mir was anschließt, was er weder verkauft noch durch einen Subunternehmer montiert hat. Das wären dann 10kWp und eine Erweiterung um das 1,5-fache der Bestandsanlage. Zwar Ost-West, aber im Sommer steht die Sonne hoch und da kommen auch ganz ordentliche Erträge zusammen, wenn sie keiner braucht.
und da die Regierung m.e. gerade den weiteren Ausbau abwürgt (statt sich um Netze, Speicher, Strompeiszonen und Nachfrage zu kümmern)
Es ist einfach, auf der Politik rumzuhacken. Die kann es nur falsch machen. Ist sie für Subvention in Form von Einspeisevergütungen über Marktpreis, entstehen die diskutierten Fehlanreize. Schafft sie Subventionen ab, redet jeder vom Abwürgen. Eine Aufteilung in mehrere Strompreiszonen würde garantiert zum Kleinkrieg um die Frage, wo die Grenzen denn konkret verlaufen. Denn keiner will 20km auf der "falschen Seite" sein. Und die Aufteilung in mehr Strompreiszonen löst das zugrundeliegende Problem nicht...der Süden ist eher windarm. Alle hacken gerne auf Söder rum, aber nach 15 Jahren mit grünem Ministerpräsidenten ist BW bei der Windkraft kaum besser als Bayern. Es liegt nicht nur am Parteibuch. Und wenn die Politik die Nachfrage z.B. durch Wärmepumpenpflicht und Verbrennerverbot erhöhen will...die Konsequenzen sind bekannt.
Das Kernproblem ist nicht, ob die Politik einen guten oder schlechten Job macht. Das Kernproblem ist, dass das Ziel nicht realistisch ist. Eine Netto-Null bis 2045 würde voraussetzen, dass wir ab jetzt alles elektrifizieren, was bei 3 nicht auf den Bäumen ist und dabei auf Effizienz achten. Sanierungspflichten für Bestandsimmobilien, Wärmepumpen statt fossiler Heizungen, Wärmepumpen statt Infrarot, sparsame Autos statt fetter Elektro-SUV mit der Aerodynamik einer Schrankwand, Verkehrswende statt reiner Antriebswende, Flüge werden wieder ein seltenes Privileg für wichtige Fälle statt einer Woche Gran Canaria in den Osterferien. Und selbst dann ist fraglich, ob die Netto-Null wirklich erreichbar ist, denn wir haben nur noch 19 Jahre. Es gibt nur begrenzt viele Handwerker für die energetische Sanierung. Industrieanlagen werden auf viele Jahrzehnte geplant. Bereits existierende Heizungen und Autos werden in größerer Anzahl auch 2045 noch laufen