Ich fände es nach wie vor hilfreich, wenn dabeistünde, warum Du das Video teilst, was die Quintessenz ist und was Du selbst daraus folgersz.
Vielleicht möchtest Du darauf hinaus, dass der 2011 im großen Konsens beschlossene Atomausstieg (im Kern die Rücknahme der Laufzeitverlängerung) und der 2020 von der Großen Koalition beschlossene Kohleausstieg ein Fehler waren. Beim Atomausstieg war es alerdings eine Risikoabwägung, die sich nicht abschließend auflösen lässt: Ob ein Unfall wie in Fukushima bei uns hätte passieren können, bleibt hypothetisch. Und beim Kohleausstieg gilt umgekehrt: Jetzt hat es ein paar Tage geregnet, und schon ist dieser Sommer fast wieder vergessen — aber genau diese kurze Erinnerung ist ein Argument für den Austieg, nicht dagegen.
Ich war seinerzeit auch gegen den Atomausstieg. Aber das ist eine Rückschau, die niemanden einen Millimeter weiterbringt.
Daher die Frage: Was ziehst Du aus der Info? Was ist Deine Empfehlung für die Zukunft?
Ich hatte auf derselben Erwartung im Kontext zu einem anderen Thema schon einmal gesagt, dass ich auch einmal unbewertet einen - wie ich finde - interessanten Beitrag poste - ohne ihn mit meiner Meinung einzufärben. Weil dann nämlich der Fokus ganz schnell auf irgendwelche Einzelaspekte gelenkt wird und die Diskussionen dann hier enger gefaßt werden als es ein fremder, zitierter Beitrag es verdient.
Aber Du hast natürlich auf der anderen Seite recht: Warum postet jemand eine Quelle, ohne zu sagen, warum er sie zur Diskussion stellt. Irgendeine Absicht muss ja dahinter stecken.
Erst einmal: Bezug zum Strang:
"Flexible Stromtarife" sind eine Reaktion auf eine knapper und teurer werdenden Resource. Bzw. sie werden als Lösungsansatz angeboten, mit der knappen/teuren Resource durch Verhaltensanpassung besser umgehen zu können. Der Atomausstieg und der Kohleausstieg haben einen Einfluss auf den Strompreis. Ich hoffe, damit ist die Verbindung dem Strang-Thema hergestellt.
Inhaltlich:
Was den Atomausstieg betrifft, finde ich den von Dr. Jochen Andritzky genannten Hinweis der damalig hinzugezogenen Ethikkomission interessant, dass sich die Risiken für den Betrieb der deutschen Atomkraftwerke nicht geändert haben, "wohl aber die Risikowahrnehmung in der Bevölkerung". Er und Dr. Andreas Beck sprechen dann von einer Art Abkehr von wissenschaftlichen Daten hin zur einer demgegenüber höher bewerteten "Risiko-Wahrnehmung" und deren Konsequenzen (nebenbei: das erinnert frappierend an die "gefühlte Inflation"). Damit hat aber keiner von beiden (Beck, Andritzky) das Risiko selbst quantitativ bewertet. Vielleicht lag die "kollektive Wahrnehmung des Risikos in der Bevölkerung" vorher ja auch unterhalb des tatsächlichen Risikos und wurde durch Fukushima nur auf ein realistischeres Niveau gebracht. Wer weiß. D.h. rein "wissenschaftlich" betrachtet finde ich diese Aussage von Beck/Andritzky "nicht greifbar". Genauso sieht es übrigens mit den Kosten für Atomstrom aus. Vielleicht wurden hier die tatsächlichen Kosten auch nur in die Zukunft geschoben.
(Ich bin kein kompromissloser Fan dieses Videos und all seiner Inhalte.)
Interessant finde ich auch den Hinweis, das Politiker sich ggf. schwer damit tun (oder es einfach schwer haben), einen Fehler einzuräumen und den Kurs zu ändern. Und dann u.U. lieber
bei der Auswahl ihrer Berater so verfahren, dass ihr alter Kurs bestätigt wird.
Ich finde auch den Hinweis hilfreich, auf die sozialen Medien und der dadurch ergebenden "Notwendigkeit schnell und kurz kommunizieren zu müssen". Und das das schwer mit detaillieren wissenschaftlichen Information in Einklang zu bringen ist. Deswegen fand ich die Aussage von Dr. Jochen Andritzky nachvollziehbar, dass das nicht die primäre Aufgabe des Sachverständigenrates ist. Andererseits: wenn man in einer Sprache spricht, die keiner versteht, dann darf man sich nicht wundern, wenn entweder a) keiner zuhört oder b) ein anderer die Übersetzung übernimmt und dann nicht unbedingt das dabei herauskommt, was man selber eigentlich sagen wollte.
Dr. Beck spricht dann später auch von einer "Geisterfahrt der Deutschen Politik". Sinngemäß: die Kosten für die Bevölkerung stünden in keine Verhältnis zum Nutzeffekt für das globale Klima. Wenn ich ihn richtig verstanden habe, ist Deutschland hier in einer Form vorgeprescht, die für Deutschland erheblichen wirtschaftlichen Schaden angerichtet hat. Insbesondere was die Beibehaltung von nationalen Klimazielen, nach Verfügbarkeit der europäischen Klimaziele angeht.
In den Dilbert Comics wurde einmal von einem "Paradigmenwechsel ohne Kupplung" gesprochen. Das dürfte es so ziemlich treffen.