Beiträge von St. Irving

    War jetzt paar Tage nicht online und habe einige Seiten im Thread nach-gelesen; schon traurig, wie sich teilweise inhaltlicher Austausch zu persönlichen Grabenkämpfen entwickelt.

    Na ja. Gerade in diesem speziellen Thread sollten wir den Begriff „inhaltlicher Austausch“ vielleicht nicht allzu inflationär bemühen. Dieser Thread und sein Vorgänger bewegen sich, was Sinn und Lernfaktor angeht, doch eher am unteren Ende der Skala und sind wohl am ehesten als schlechter Scherz zu verstehen.

    Sich ausgerechnet hier in Traurigkeit über den Irrsinn zu verlieren, erscheint mir dann doch etwas überzogen und hochtrabend. Ich glaube, viele nehmen dieses Forum und die Auswirkungen des eigenen Tuns hier schlicht ein bisschen zu wichtig.;)

    Wo behaupte ich das? Oder ist das nur dein übliches Ad-hominem-Argument?

    Nein, Rating und CDS-Level sind zwei verschiedene Dinge.

    Zitat von Hornie

    Daher halte ich eine pauschale Aussage, dass Staatsanleihen sicherer als Unternehmensanleihen sind, für falsch.

    Der Markt zahlt für eine Unternehmensanleihe eine Risikoprämie im Vergleich zu einer Staatsanleihe bei gleichen Kriterien. Ich denke, dass selbst du das akzeptieren kannst. Wäre sie nicht riskanter, gäbe es keine Risikoprämie. Wenn du jetzt behauptest, dass dies nicht unbedingt der Fall sein müsse, denkst du, dass der Markt falsch liegt. Ich bezweifle, dass dies strukturell der Fall ist und spreche dir die Fähigkeit ab, etwas erkannt zu haben, dass die Gesamtheit der anderen Marktteilnehmer nicht sieht.

    Für Ratingunternehmen gilt generell die Regel, dass ein Unternehmensrating nicht besser sein kann, als das Rating des Staats, in dem das Unternehmen seinen Sitz hat. Dahinter steht die Annahme, dass alles pleite ist, wenn der Staat pleite ist.

    Eine Staatspleite ist jedoch etwas anderes, als eine Unternehmenspleite. Ein Staat wird nicht durch einen Insolvenzverwalter verwertet. Das konnte man am Beispiel Griechenland sehen. Die Staatsanleihen hatten einen Default und wurden zu schlechten Bedingungen umgeschuldet (Haircut deutlich über 50%). Die Kurse von griechischen Unternehmensanleihen sind massiv eingebrochen bzw. wurden praktisch nicht mehr gehandelt. Aber sie hatten keinen Default oder Haitcut. Die Anleihen aller großen Konzerne wie PPC (Public Power Corporation, überwiegend in Staatsbesitz!), OTE (Telekom), Hellenic Petroleum oder Motor Oil Hellas wurden vollständig zurückgezahlt.

    Daher halte ich eine pauschale Aussage, dass Staatsanleihen sicherer als Unternehmensanleihen sind, für falsch.

    Das ist schlichtweg Unfug was du da schreibst. Beim Rating spielt auch die Ausfallwahrscheinlichkeit eine Rolle und die ist nun mal bei Unternehmen deutlich höher als bei Staaten. Risikoprämien werden nicht umsonst gezahlt. Das ändert auch diese anekdotische Evidenz nicht. Im Endeffekt behauptest du hier, dass du schlauer bist als der Markt und dieser Risiko falsch bepreist. Das bezweifle ich.

    Ich persönlich finde das ja ganz amüsant - aber wenn das jetzt in jedem Thread so ausartet, kann man das Forum eigentlich dicht machen, da es dann keinerlei Mehrwert für andere User mehr bringt, die sich hier in erster Linie nur informieren wollen und keine Schlammschlachten einzelner Poweruser lesen wollen ... Vielleicht findet sich irgendein passender Ort in der Gesprächsecke dieses Forums.

    Das war in diesem Forum noch nie anders, weil es keine inhaltliche Moderation gibt. Dein Versuch ist zwar ehrenwert und irgendwie süß, bringt aber nix. Ohne eine Moderation, die über das bloße Schwingen der Peitsche nach einer Denunziation hinausgeht, bekommt man das nicht in den Griff.

    Zudem ist das Thema ,,Finanzen“ ziemlich ausgelutscht. Insbesondere in einem Forum, dessen Betreiber sich das Motto ,,Welt-ETF und gut ist“ auf die Fahne geschrieben hat. Auf das läuft nämlich so gut wie jeder Thread und jede ,,neue“ Frage hinaus. Deshalb wird von vielen jede Ablenkung dankbar angenommen und/oder sich wiederholende Grabenkämpfe geführt. Kein Stöckchen ist zu niedrig für einen echten Finanztipforum-User…;)

    Aha weil wir mit Weltpolitik nicht umgehen können schauen wir jetzt in den Sandkasten.

    Wir zwei sind gar nicht weit auseinander. Es warst allerdings du und nicht ich, der das Thema Wokeness und Gendern als relevant eingeführt hat, als ich es gewagt habe zu behaupten, dass Menschen mit existenziellen Problemen das anders sehen. Meine These war und ist, dass es eben keine Relevanz für die meisten Menschen hat und in der Tat ein Randthema ist und bleiben soll. Es ist wie gesagt eine Debatte, die geführt werden kann, weil es uns (noch) sehr gut geht und verschwinden wird, wenn sich das ändert.

    Das wird übrigens von der Mehrheit so gesehen. Von einer kleinen lauten Minderheit halt nicht. Und genau daran stören sich die Menschen, weil sie das Gefühl vermittelt bekommen, dass ihre (echten) Probleme nicht angegangen werden. Wokeness ist nur ein Beispiel. Es gibt viele weitere.

    Wo soll das noch hinführen?

    Externer Inhalt youtube.com
    Inhalte von externen Seiten werden ohne deine Zustimmung nicht automatisch geladen und angezeigt.
    Durch die Aktivierung der externen Inhalte erklärst du dich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu haben wir in unserer Datenschutzerklärung zur Verfügung gestellt.

    Ja die Wahlergebnisse auf die Genderdebatte runterzukürzen ist natürlich perfekt. Ich denke das spielt alles mögliche rein, die genderdebatte wird nur sehr gerne vorgeschoben. Es gibt sehr viel größere Mängel in der Politik als ein Randthema. Das aber immer wieder in den Fokus zu zerren hilft genau niemandem. Die Schwarzmalerei auch nicht. Lieber mal anpacken und was tun wäre hilfreicher.

    Ich habe mit keinem Wort behauptet, dass Wahlergebnisse nicht von zahlreichen Faktoren beeinflusst werden. Das legst du mir in den Mund, weil du offenbar lieber polterst, als dich mit meinen tatsächlichen Aussagen auseinanderzusetzen. Deine „Herangehensweise“ ist für mich eher Teil des Problems als ein Lösungsansatz.
    Fakt ist: Immer mehr Menschen können mit zahlreichen Themen, die in Berlin, Washington und Co. für besonders relevant gehalten werden, wenig anfangen. Gendern und Wokeness sind dafür zwei Beispiele. Und das zeigen u.a. Wahlergebnisse (leider) sehr deutlich. Ob dir diese Entwicklung gefällt, ist dabei irrelevant.


    ,,Viel größere Mängel“, „anpacken“ und „etwas tun“ klingen zwar gut, bleiben aber inhaltsleere Phrasen, solange du nicht erklärst, was konkret dahintersteckt. Wenn du tatsächlich etwas zur Diskussion beitragen möchtest, dann werde bitte konkret: Was genau soll getan werden, wie soll es umgesetzt werden und welches Problem wird dadurch gelöst? Auf Dingen zu beharren, die nachweislich von der Mehrheit nicht gewollt sind, scheint mir jedenfalls nicht der richtige Weg zu sein. :/

    Ein wunderbares Argument wirklich alles Wichtige und Unwichtige, außer das nackte Überleben zu diskreditieren. Ein wertvoller Beitrag für uns alle....

    Ich denke es lohnt sich eine gesunde Perspektive zu entwickeln was wirklich wichtig ist und was außerhalb seiner eigenen Blase gedacht und gelebt wird. Die Wokeness- und Gender-Debatte, die bei uns geführt wird, ist eine Wohlstandsdebatte, die bei sinkendem Wohlstand und existentiellen Problemen aufhört zu existieren. Die meisten Menschen hier und anderswo sehen darin keine Priorität. Das zeigen mittlerweile auch sehr eindrucksvoll Wahlergebnisse. Ob man das akzeptiert oder nicht ist irrelevant.

    Ich gehe davon aus, dass dieses Land und seine Bevölkerung sehr bald und mit viel Schmerz von ganz alleine darauf kommen wird wie wichtig diese Debatte wirklich ist.

    Ich darf einen netten Kollegen zitieren:

    Zitat

    When excrement interfaces with the ventilation system, the aesthetic imperfection of a misaligned picture frame becomes decidedly inconsequential.

    Bis jetzt hat noch keiner der (erz)konservativen Geister das "woke" bashing schlüssig erklären können.

    Liegt bei vielen vielleicht einfach daran, dass sie andere Probleme haben und z.B. von der politischen Führung aber auch ihren Mitmenschen erwarten über andere Probleme zu reden und sie zu lösen. Es ist allerdings schon schön, dass es uns offenbar (noch) so gut geht, dass wir uns darüber Gedanken machen können. Ich habe den Verdacht, dass Wokeness, Gendern und Co. in ukrainischen Wohnzimmern gerade nicht auf Prio 1 steht.

    Du musst aber auch bedenken, dass die "paar Euro", die ihr auf dem Girokonto habt, mehr sind als anderer Leute "Sicherheitspuffer".

    Haben wir das? :/ Auf unserem Girokonto liegt Geld, das wir in den nächsten Wochen und Monaten ausgeben. Mehr nicht. Benötigen wir mehr, verkaufen wir Anteile. Wird es zu viel Geld, kaufe ich Anteile. Im Grunde ist der ETF die ,,Spardose“ und das Girokonto und die Kreditkarte/n für den Zahlungsverkehr.

    So ein Konstrukt steht und fällt mit der notwendigen Entnahmerate und notwendigen Anschaffungen (nicht aufschiebbarem Liquiditätsbedarf). Ich kann einen Neuwagenkauf auch mal 5 oder 10 Jahre verschieben und brauche auch kein neues Dach oder eine neue Heizungsanlage. Wer das nicht kann, muss sehr wahrscheinlich anders rechnen.

    Wer in der Krise seine Entnahmerate senken kann, zahlt die Opportunitätskosten des schwankungsarmen Teils nur für den Seelenfrieden. Kann man machen. Mir ist das allerdings zu teuer.

    Wir haben keinen ,,Sicherheitspuffer“, weil dieser eigentlich ziemlich riskant ist. Unsere Aktienquote beträgt 100%. Das ist für (extrem) emotional stabile Anleger, die mit realen Renditen rechnen und alle Risiken mit einbeziehen, die rationalste Asset Allokation. Auch in der Entnahmephase.

    Es gibt nur ein sehr kleines Zeitfenster wenige Jahre vor und nach Eintritt des Ruhestandes in dem es aus Sicht eines homo oeconomicus sinnvoll ist einen geringen Geldmarktanteil zu halten. Die Betonung liegt bei dieser Aussage auf: emotional stabil.


    Externer Inhalt youtu.be
    Inhalte von externen Seiten werden ohne deine Zustimmung nicht automatisch geladen und angezeigt.
    Durch die Aktivierung der externen Inhalte erklärst du dich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu haben wir in unserer Datenschutzerklärung zur Verfügung gestellt.

    Externer Inhalt youtu.be
    Inhalte von externen Seiten werden ohne deine Zustimmung nicht automatisch geladen und angezeigt.
    Durch die Aktivierung der externen Inhalte erklärst du dich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu haben wir in unserer Datenschutzerklärung zur Verfügung gestellt.

    Spannend, die TE hat maximal bis #32 gelesen. Das Perpetuum mobile der Diskussion rast und rast.

    Finanztip will das wohl so. Bringt Klicks und Reichweite. Anders kann man es sich nicht erklären weshalb die Moderation in diesem Forum so unterirdisch schlecht bzw. faktisch nicht existent ist. Jedes poplige Autoforum wird besser moderiert. Übrigens auch ehrenamtlich. Sobald man allerdings inhaltliche Verfehlungen und Themenfremdes sanktioniert, sinkt der Traffic gewaltig. Ein Dilemma.

    Ich halte das 3-Topf Modell für sinnvoll,da ich dann je nach Marktlage aus Topf 1 oder 2 entnehmen und rebalancen kann.

    In der Theorie klingt das gut. In der Praxis wirst du schnell an deine Grenzen kommen, weil die Definition ,,je nach Marktlage“ ziemlich schwierig ist und viel Spielraum lässt. Ich persönlich halte das für den durchschnittlichen Privatanleger für nicht leistbar und denke, dass so ein Plan bei richtigen und langwierigen Marktturbulenzen mit hoher Wahrscheinlichkeit schief gehen wird. Insbesondere im Alter mit viel Zeit für Gedanken.

    Vielleicht kannst du ein bisschen darüber schreiben warum du 3,5% entnehmen willst. Ist das dein elementarer Bedarf oder ist das eine theoretische Zahl, weil sie eine Pleite unwahrscheinlich macht?

    Die mächtigste ,,Waffe“, die du in der Entnahmephase hast ist die Fähigkeit variabel zu entnehmen. Hast du diese Möglichkeit? Falls ja, würde ich eine sehr einfache Strategie bevorzugen. Hast du sie nicht, wird es deutlich komplizierter.

    Ach ja, zum Thema Laufzeit-ETF würde ich mir das mal durchlesen.

    Es handelt sich eben um eine persönliche „Hoffnung“ und Überzeugung. Nicht mehr und nicht weniger. Ich WEISS nicht, was in 15 bis 20 Jahren ist.

    Du weißt genauso wenig, ob der nach Marktkapitalisierung gewichtete Aktienmarkt in 15–20 Jahren höher stehen wird als heute. Du vertraust auf empirische Evidenz und Wahrscheinlichkeiten. Genau wie ich. Der Unterschied: Du wendest sie selektiv an.

    Zitat von Tomarcy

    Wieder das Schema. Dieser Avantis ETF (IE0003R87OG3) „in ein paar Jahrzehnten“ ? Ich weiß ja nicht mal, ob Avantis in ein paar Jahren überhaupt noch ETFs in Europa hat.

    Du weißt auch nicht, ob du in ein paar Jahren russisch reden musst. Das Leben ist voller Unwägbarkeiten. Die Wahrscheinlichkeit , dass ein Fonds mit fast 1,5 Mrd. Euro geschlossen wird, ist auf jeden Fall sehr gering. Und selbst wenn, wäre das kein Beinbruch und ändert nichts an der extrem robusten Evidenz, dass SM+Value die stärkste Faktorprämie ist.