Immer wieder stellen sich Sparer die Frage, nach welchen Kriterien sie Indexfonds (ETFs) auswählen sollen. Ein häufig gehegter Wunsch: ETF-Anleger wollen Indexaktien tatsächlich besitzen und Vermögen aufbauen, gleichzeitig aber möglichst wenig Arbeit mit der Steuererklärung haben. Diese Anleger hatten bislang die Qual der Wahl: Denn beides zusammen ging nicht.

Die gute Nachricht: Ab 2018 tritt die Reform zur Besteuerung von Investmentfonds in Kraft. Ab dann sind alle Fonds und ETFs gleich „steuereinfach“. Sie werden künftig alle jährlich und nach nach derselben Systematik besteuert: ausschlaggebend ist eine Pauschale, die sich u.a. nach der Wertentwicklung des Fonds im betrachteten Jahr richtet (mehr dazu lesen Sie auch im Artikel zum Investmentsteuerreformgesetz und im Blogbeitrag vom August 2016). In jedem Fall fällt keine Extra-Arbeit mehr mit der Steuererklärung an.

Für Sparer bedeutet das:

– Wer neu ansparen will, kann künftig den ETF zum Vermögensaufbau wählen, der am besten passt – etwa den, den er günstig bei seiner Depotbank kaufen kann. Für den Sparplan bieten viele Onlinebanken und Broker ETFs kostenlos an.

– Wer schon ETFs hat, kann einfach dabeibleiben (das gilt auch für Sparer, die einen ausschüttenden Fonds haben, der Teile der Dividende thesauriert) oder bewusst zu einem ETF wechseln, der Dividenden wiederanlegt. Im besten Fall fällt Arbeit weg.

– Wer im Sparplan mit einem ausschüttenden Fonds anspart, kann darüber nachdenken, den Sparplan ruhen zu lassen und einen neuen zu beginnen, bei dem die Raten in einen wiederanlegenden Fonds fließen.

– Um zu vermeiden, dass jährlich Abgeltungssteuer (im Zweifel vom Depotkonto) abgeführt wird, sollten Sparer ihrer Depotbank einen ausreichenden Freistellungsauftrag erteilen. Wer keine Steuererklärung abgeben will, sollte ganz besonders darauf achten.

Was war bisher das Problem?

Um Vermögen aufzubauen, eignen sich besser solche breit gestreuten Indexfonds, die Dividenden wiederanlegen (thesaurieren). Die Dividenden werden also ins Fondsvermögen reinvestiert und verzinsen sich so, wie sich der Fonds an Wert entwickelt. Sofern der ETF über die Jahre an Wert zulegt, kommt so ein ordentlicher Zinseszinseffekt zusammen. Ein thesaurierender ETF auf den Weltaktienindex MSCI World hätte zwischen Ende 2010 und 2015 beispielsweise gut zwei Prozent Rendite mehr pro Jahr erzielt als ein ausschüttender.

Problem: Solche thesaurierenden Fonds verlangen Sparern bis dato einiges an Initiative bei der Steuererklärung ab. Sofern die Fonds die Indexaktien tatsächlich halten (physisch replizieren) und im Ausland aufgelegt sind, müssen Sparer aktuell den Dividendenersatz („ausschüttungsgleiche Erträge“) jedes Jahr aufs Neue in die Steuererklärung übertragen und die Unterlagen bis zum Verkauf der Fondsanteile aufheben. Den Freistellungsauftrag können Sparer nicht anwenden.

Um mit der Steuererklärung keinen Aufwand zu haben, braucht es bislang dagegen ausschüttende Fonds. Diese Fonds schreiben Anlegern einmal im Jahr Dividenden auf dem Konto gut – und werden eben gerade nicht dem Fondsvermögen zugeschlagen. Wer unbedingt einen „steuereinfachen“ wiederanlegenden Fonds haben wollte, musste einen finden, der in Deutschland aufgelegt war.

Diese Fonds tragen bis dato das Label „steuereinfach“, weil in beiden Fällen der Fiskus die Abgeltungssteuer direkt einbehält, sofern Anleger keinen Freistellungsauftrag erteilt hat. Bei ausschüttenden Fonds wird die Steuer direkt von der Dividende, bei deutschen Thesaurierern vom Fondsvermögen abgezogen. Wer keine Steuererklärung abgeben will, muss das auch nicht.

Wie läuft es künftig?

Ab 2018 werden alle Fonds und ETFs jährlich und nach derselben Systematik besteuert. Die Abgeltungssteuer fällt dann jährlich auf eine Pauschale an, deren Höhe sich aus der Wertentwicklung des Fonds und einem Basiszins ergibt (Beispiele finden Sie im Artikel zur Investmentsteuerreform und im Blogbeitrag von August).

Die Steuer auf die Pauschale wird von der Depotbank direkt an den Fiskus abgeführt. Sparer können Ihrer Bank aber einen Freistellungsauftrag erteilen und zahlen dann bestenfalls gar nichts. Für alle, die freiwillig eine Steuererklärung abgeben können, bleibt es künftig in jedem Fall dabei. (Mehr dazu lesen Sie auch im Artikel zum Investmentsteuerreformgesetz).

Für Anleger bedeutet das: Sie können künftig in alle Bauarten von ETFs investieren – auch in physisch-replizierende Fonds, Die Ausschüttungen wiederanlegen und mit denen sich leichter Vermögen aufbauen lässt. Dabei haben sie keinen zusätzlichen Aufwand mit der Steuererklärung. Das gilt auch dann, wenn diese Fonds im Ausland aufgelegt sind.

Das können Sparer tun

Konkret dürften daher die ETFs von iShares und db x-trackers für Anleger wieder ins Auge rücken. Diese beiden Anbieter setzen seit geraumer Zeit auf ETFs, die Indexaktien zum großen Teil nachkaufen. Viele Anleger fühlen sich damit wohler, weil sie diese ETF-Bauart besser nachvollziehen können. Künftig sind auch diese Fonds in der steuerlichen Handhabe „einfach“.

Finanztip empfiehlt physische und synthetische ETFs (wie beispielsweise die von Comstage) allerdings gleichermaßen. Wir sehen die Risiken beider Bauarten eher als theoretische Risiken. (Im Ratgeber ETFs haben wir physische und synthetische ETFs im Detail verglichen).

Im Grunde können Sparer künftig bei der Wahl der ETFs –steuerlich gesehen – nichts falsch machen: Wer ausschüttende Fonds besitzt, kann dabeibleiben – oder darüber nachdenken, zu einem thesaurierenden Fonds zu wechseln. Vor allem für Sparplan-Sparer könnte es lohnen, den Sparplan mit ausschüttenden Fonds ruhen zu lassen und einen zu eröffnen, bei dem die Monatsraten in einen thesaurierenden ETF fließen.

Wichtig ist in jedem Fall: Vergessen Sie nicht, Ihrer Bank einen ausreichenden Freistellungsauftrag zu erteilen! Dann wird die Abgeltungssteuer gar nicht einbehalten. Wenn Sie zu der Gruppe Arbeitnehmer gehören, die eine Steuererklärung nur freiwillig abgeben, kommen Ihnen die ETFs dann nicht mehr in die Quere.

Sonderfall: verloren in zu vielen Freistellungsaufträgen … 

Vor allem für Sparer mit mehreren Konten und/oder Depots kann es schwer sein, die Höhe der erteilten Freistellungsauftrag bei den einzelnen Instituten zu überblicken. Leider lässt sich dies bislang nirgends zentral abfragen. Sparer müssten also einzeln nachkontrollieren. Vor allem wenn Konten nicht mehr existieren, kann dies kompliziert werden.

Wer den Überblick nicht hat und vermeiden will, dass ihm jährlich geringe Beträge an Abgeltungssteuer abgezogen werden, kann für einen ausschüttenden Fonds wählen – dann wird die Steuer mit der Dividende verrechnet und nicht vom Depotkonto abgezogen.

Möglicherweise tut sich in die Richtung auch etwas am Markt. Anbieter könnten sich zum Beispiel überlegen, nur in der Höhe auszuschütten, dass die Steuerlast gerade gedeckt ist. Der Rest der Dividende würde dann angespart. … Wir warten es ab!

 

17 KOMMENTARE

  1. Hallo Frau Zinnecker,

    kurze Frage:
    Wovon genau wird die Abgeltungssteuer einbehalten, wenn ich keinen Freistellungsauftrag erteile?
    Wird dann der Buchwert meines ETF, also der Gewinn, reduziert?

    Danke!
    Andreas L.

  2. Hallo Frau Zinnecker,

    wenn sich die Besteuerung zukünftig zum Teil nach der jährlichen Wertentwicklung des Fonds richtet, was passiert dann bei einem späteren Verkauf? Werden die vorher einbehaltenen Steuern dann berücksichtigt? Ansonsten käme es ja zu einer Doppelbesteuerung.

    Danke und Gruß
    Götz

  3. sg fr zinnecker,

    was geschieht mit den 100.000 freibetrag bei uebertragung von zb 1.000.000 an 4 emfaenger zu je 250.000 durch:
    1. schenkung in 2017
    2. erbe durch todesfall in 2017
    3. schenkung in 2018 ff
    4. erbe in 2018 ff

    erhaelt jeder 100.000 frei oder nur je 25.000 in jedem der 4 faelle,
    oder inwiefern ist das jahr entscheidend u machen schenkung oder erbe einen unterschied?

    mfg dietmar

    • Hallo Herr Weber,

      das sind interessante Fälle, die ich allerdings ad hoc nicht beantworten kann. Ich werde zu dem Thema weiter recherchieren, da verschiedene Quellen unterschiedliches behaupten. Wenn Sie schnell Bescheid wissen müssen, kontaktieren Sie am besten einen guten Steuerberater …

      Danke für Ihr Verständnis,
      Sara Zinnecker

      • s g fr zinnecker,
        sie schreiben am ende ihres aktualisierten artikels ueber altfonds:
        uebertrag nuetzt nichts, besitzerwechsel gilt als neu angeschafft, freibetrag dahin!
        gilt das tatsaechlich auch in schon 2017 ???
        was bleibt einem schon sehr kraenkelnden 90-jaehrigen altfondsbesitzer dann anderes uebrig, als sofort zu verkaufen, um wenigstens den gewinn der letzten 10 jahre steuerfrei zu retten?
        mfg dietmar

        • Hallo Herr Weber,

          ich habe die Antwort auf Ihren letzten Post noch einmal angepasst. Im Anschluss an Ihre Frage hatte ich bei diversen Stellen recherchiert und die Antwort bekommen, dass übertragene Altfonds stets als neu angeschafft gelten. Nun höre ich von anderer (ebenso renommierter) Seite das Gegenteil. Es beweist einmal mehr, dass Steuerfragen nicht trivial sind und mindestens ein Doppelcheck nötig ist.

          Ich bitte Sie daher um noch etwas Geduld – ich versuche die Frage zeitnah und verbindlich zu klären. Gleichwohl gilt: Finanztip kann nicht die Rolle eines Steuerberaters übernehmen. Wenn Sie schnell eine verbindliche Antwort brauchen, bitte ich Sie, einen Steuerberater zu kontaktieren.

          Vielen Dank für Ihr Verständnis,
          beste Grüße,

          Sara Zinnecker

          • s g fr zinnecker,

            vielen dank fuer ihre muehe, bitte dranbleiben.
            fuer verbindlich habe ich gerne geduld.

            zusatzfrage:
            was passiert, wenn meine erben nach meinem tod die altfonds in meinem depot lassen und dieses zwar ohne uebertrag
            als erbengemeinschaft (aber = besitzerwechsel) weiterfuehren?
            ist es dabei egal, ob ich schon 2017 oder erst 2018 ff versterbe?

            mfg dietmar

          • Hallo Herr Weber,

            bis auf Weiteres gehen wir bei Finanztip jetzt mit der Aussage des Deutschen Fondsverbands BVI: Beim Vererben oder einer Schenkung bleibt die steuerliche Qualifikation der Fondsanteile als „Alt-Anteile“ erhalten; der Erbe bzw. Beschenkte tritt in die Rechtsposition des Erblassers/Zuwendenden ein. Bei Schenkungen zwischen nahen Angehörigen ist aber zu beachten, dass diese ertragsteuerlich nur anerkannt werden, wenn sie wirksam vereinbart und tatsächlich durchgeführt werden. Sowohl Erbschaften als auch Schenkungen können Erbschaftsteuer bzw. Schenkungsteuer auslösen. Ggf. sollte ein Steuerberater hinzugezogen werden.

            Etwaige Einzelfragen kann ich – wie gesagt – bestenfalls im Lauf der kommenden Wochen klären.

            Danke für Ihr Verständnis.

            Beste Grüße,
            Sara Zinnecker

          • Hallo Herr Weber,

            ich habe jetzt die offizielle Aussage vom BMF:

            Hat der Privatanleger die Alt-Anteile bereits vor dem 1. Januar 2009 erworben und seit der Anschaffung nicht im Betriebsvermögen gehalten (sog. bestandsgeschützte Alt-Anteile), sind bei tatsächlicher Veräußerung dieser Anteile die bis zum 31. Dezember 2017 eingetretenen Wertveränderungen steuerfrei (§ 56 Absatz 6 Satz 1 Nummer 1 InvStG 2018). Die ab dem 1. Januar 2018 eingetretenen Wertveränderungen sind bei einer Veräußerung bis zu einem Freibetrag von 100 000 € steuerfrei (§ 56 Absatz 6 Satz 1 Nummer 2 InvStG 2018).

            Eine Erbschaft oder eine Schenkung begründen steuerrechtlich beim Erben oder Beschenkten keinen Anschaffungstatbestand (vgl. auch § 2 Absatz 13 InvStG 2018 zur Definition der Veräußerungstatbestände). Der Erbe/Beschenkte tritt als (Gesamt-)Rechtsnachfolger in die Rechtsstellung des Erblassers/Schenkers, so dass insbesondere der Status der Investmentanteile als bestandsgeschützte Alt-Anteile übergeht. Der konkrete Zeitpunkt der Schenkung oder Erbschaft ist daher unbeachtlich.

            Werden diese übergegangenen Investementanteile vom (Gesamt-)Rechtsnachfolger bis zum Veräußerungszeitpunkt im Privatvermögen gehalten, kann der Erbe/Beschenkte den Freibetrag nach § 56 Absatz 6 Satz 1 Nummer 2 InvStG 2018 bei Veräußerung der Investmentanteile geltend machen. Dies setzt jedoch voraus, dass der Erbe/Beschenkte seinen eigenen Freibetrag noch nicht vollständig durch andere Veräußerungsgeschäfte ausgeschöpft hat.

            Das ist doch deutlich :) Insbesondere ist doch interessant, dass demnach der Zeitpunkt des Erbes / der Schenkung unerheblich ist.

            Beste Grüße,
            Sara Zinnecker

  4. Hallo zusammen,

    ich würde gerne wissen, wie es sich aktuell steuerlich bei dem ETF110 von Comstage verhält?

    Sie haben ja den höheren Aufwand für die Steuererklärung bei thesaurierenden Fonds im Beitrag erwähnt. Muss ich da auch „ausschüttungsgleich Erträge“ in meiner Steuererklärung eintragen?

    Wenn ich den Fonds richtig verstanden habe, kauft dieser ja nicht direkt die Aktien. Und er ist in Luxemburg aufgelegt.

    Gruß

    Markus

    • Hallo Markus,

      synthetisch Fonds haben aktuell noch den Vorteil, dass man Erträge erst bei Verkauf besteuert (ausschüttungsgleiche Erträge müssen Sie aktuell nur bei ausländischen, physisch-replizierenden thesaurierenden Fonds angeben). Künftig wird aber auch für synthetische ETFs jährlich Steuer auf die Vorabpauschale fällig. Sie können bei dem ETF bleiben, sollten aber künftig darauf achten, einen Freistellungsauftrag in ausreichender Höhe zu erteilen.

      Viele Grüße,
      Sara Zinnecker

  5. Hallo Frau Zinnecker,

    eine Sache ist mir unklar bez. der zukünftigen Besteuerung von nichtauschüttenden Fonds, falls der Freibetrag bereits ausgeschöpft worden ist. Wie soll denn die Depotbank Steuern abführen? Es gibt ja keine Einnahmen. Bestimmt nicht einfach vom Girokonto, oder?

    Viele Grüße,
    Michael

    • Hallo Michael,

      das ist tatsächlich ein Punkt: Wenn Sie den Freibetrag ausgeschöpft haben, geht die Steuer auf die Vorabpauschale bei Thesaurierern vom Konto ab, das dem Depot zugewiesen ist. Das kann ein Girokonto sein, ein Verrechnungkonto, ein Cashkonto beim Broker etc.

      Die Banken freuen sich schon: Wenn das Konto nämlich nicht gedeckt ist, um die Steuer abzuführen, müssen die Banken dem Kunden „hinterherlaufen“ und ihn ermahnen, das Konto zu decken :)

      Viele Grüße,
      Sara Zinnecker

  6. Altfonds werden am 31.12.2017 fiktiv verkauft und wiederangeschaftt. Das ist unproblematisch, wenn der Fonds Gewinne seit 1.1.2009 gemacht hat. Anschaffung: 100 €, Wert 31.12.2017 150 €, wieder angeschaftt zu 150 €, von diesem Ausgangswert wird der zukünftige Kursgwinn versteuert.
    Was aber, wenn der Fonds Verluste gemacht: angeschafft zu 100 €, Wert 31.12.2017 50€, wieder angeschafft zu 50€. Wird dann wirklich der zukünftige Kursgewinn von dem Wert 50 € ab besteuert?

    • Hallo Gustav,

      danke für Ihre gute Frage. Es ist leider in diesem Zusammenhang sehr schwer, von offizieller Stelle verbindliche Antworten zu erhalten. Ggf. gibt es auch noch ein Schreiben des BMF, das bestimmte Zweifel klarstellt. Ich bitte daher noch um ein wenig Geduld. Demnächst werde ich die Möglichkeit haben, einige Veranstaltungen zu besuchen, in der sich die Fachwelt trifft und Streitpunkte diskutiert. Ggf. kann ich dann auch daraus Informationen mitnehmen. Sobald konkrete Dinge bekannt werden, werde ich dies an gegebener Stelle im Ratgeber zur Investmentsteuerreform finanztip.de/indexfonds-etf/investmentsteuerreformgesetzt veröffentlichen.

      Beste Grüße,
      Sara Zinnecker

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