Investmentsteuerreformgesetz

So funktioniert die Steuer auf Aktienfonds und ETFs ab 2018

Das Wichtigste in Kürze

  • Ab 1. Januar 2018 ändert sich die Besteuerung von Fonds und Indexfonds (ETFs): Sie soll einfacher werden und Steuerschlupflöcher schließen.
  • Inländische und ausländische Fonds, die Dividenden ansparen oder ausschütten, werden künftig nach derselben Systematik besteuert.
  • Abgeltungssteuer fällt künftig jährlich auf eine Pauschale an. Die Steuer wird von der Depotbank direkt abgeführt. Die Pauschale orientiert sich am Wert des Fonds und einem Basiszins.
  • Für synthetische ETFs fällt die Steuerstundung weg. Physisch-replizierende ETFs, die im Ausland aufgelegt sind, machen bei der Steuer künftig weniger Arbeit.
  • Sparer, deren Erträge unter dem Jahresfreibetrag von 801 Euro (1.602 Euro bei Verheirateten) bleiben, zahlen keine Steuern.
  • Der Bestandsschutz fällt weg: Wer Fonds vor 2009 gekauft hat, muss Erträge ab 2018 versteuern. Bei Verkauf gibt es einen Freibetrag von 100.000 Euro.

So gehen Sie vor

  • Bei der Wahl des richtigen Fonds oder ETFs sind steuerliche Kriterien künftig weniger relevant.
  • Kaufen Sie den ETF, der am besten zu Ihnen passt (ob synthetisch, physisch, wiederanlegend oder ausschüttend) – zum Beispiel den, den Sie günstig bei Ihrer Depotbank bekommen.
  • Finanztip empfiehlt grundsätzlich die Anlage in ETFs, die den MSCI World abbilden oder alternativ europäische Aktienindizes.
  • Wenn Sie schon ETFs haben, bleiben Sie einfach dabei. Denken Sie nur daran, Ihrer Depotbank einen Freistellungsauftrag zu erteilen. Das gilt auch für den Sparplan.
  • Wenn Sie vor 2009 Fonds erworben haben, sollten Sie ebenfalls dabeibleiben. Beim Verkauf nutzen Sie den Freibetrag von 100.000 Euro.
  • Haben Sie einen Riester- oder Rürupvertrag, müssen Sie nichts befürchten. Steuerlich ändert sich nichts. Die Steuerstundung bei fondsgebundenen Lebensversicherungen bleibt erhalten.

Jahrelang haben sich die Finanzminister der Länder darum gestritten – im Juli 2016 wurde sie letztlich verabschiedet: die Reform der Investmentbesteuerung (InvStRefG). Sie betrifft insbesondere Aktienfonds, Mischfonds und Immobilienfonds und tritt am 1. Januar 2018 in Kraft.

Für Sparer ändern sich dann ein paar Dinge, wenn es um die Besteuerung ihrer Anlagen in Indexfonds (ETFs) oder Fonds geht. Das sollten Sparer wissen:

  • Künftig werden alle Fonds nach der gleichen Systematik besteuert: anhand einer jährlichen Pauschale. Sparer müssen sich bei der Steuererklärung keine Gedanken mehr darum machen, wo der Fonds angesiedelt ist und ob er Dividenden ausschüttet. Wer überlegt, welchen Fonds er kaufen soll, kann statt der steuerlichen Behandlung künftig andere Kriterien einbeziehen.
  • Wer vor 2009 Fonds gekauft und seitdem in seinem Depot hat, muss ab 2018 mit einer Steuer rechnen. Der sogenannte Bestandsschutz fällt weg. Allerdings gibt es für Sparer einen Freibetrag von 100.000 Euro. Für die allermeisten Privatanleger dürften die Gewinne aus Altanlagen also bei einem zukünftigen Verkauf steuerfrei bleiben.
  • Bei Riester- oder Rürupverträgen ändert sich bei der Besteuerung nichts. Wer im Rahmen einer fondsgebundenen Lebens- oder Rentenversicherung anspart, hat weiterhin den Vorteil, dass Dividenden und Zinsen während der Ansparphase beim Anleger steuerfrei sind.


Finanztip hat sich die Änderungen bei Aktienfonds und Aktien-ETFs genauer angeschaut, da diese nach unserer Ansicht Teil einer ausgewogenen Geldanlage sein sollten. In den folgenden Abschnitten erklären wir, worauf die Investmentsteuerreform abzielt, wie die neue Besteuerung genau funktioniert und was sich für Sparer im Detail ändert.

Investmentsteuerreform: Das steckt dahinter

Wie unter anderem das Bundesfinanzministerium ausführt, soll die Investmentsteuerreform gleich mehrere Punkte angehen:

Weniger Arbeit für Depotbanken und Finanzverwaltung - Statt 33 sollen 4 Rechengrößen ab 2018 ausreichen, um die Höhe der Abgeltungssteuer zu bestimmen. Das spart Aufwand und Zeit.

Weniger Arbeit für den Sparer - Die Steuer auf Investmentfonds wird künftig von der Depotbank berechnet und direkt einbehalten. Das gilt auch für thesaurierende Fonds, die im Ausland aufgelegt sind. Sparer müssen keine Extra-Angaben mehr in der Steuererklärung machen und keine Unterlagen mehr aufheben.

Schließen von Steuerschlupflöchern - Unabhängig davon, ob Fonds und/oder Anleger im Ausland oder Inland sitzen: Grob gesprochen fallen auf die Aktien im Fonds künftig 15 Prozent Steuer an. (Neu sind insbesondere die 15 Prozent Körperschaftssteuer auf deutsche Dividenden in deutschen Fonds. Bei ausländischen Fonds und/oder Dividenden fällt weiterhin Quellensteuer an). Systematische Leihgeschäfte bringen Profis dann keinen Vorteil mehr.

Steuerstundung vermeiden - Bei manche Fonds fielen beim Sparer erst Steuern an, wenn er den Fonds verkauft hat (zum Beispiel bei synthetischen ETFs, die den Index über ein Tauschgeschäft mit einer Bank abbilden). Diese Steuerstundung wird künftig durch eine jährliche, pauschale Besteuerung abgelöst. 

Einmal zusammengefasst: Was sich für Anleger ändert

Für Sparer wirken sich die neuen Besteuerungsregeln an mehreren Stellen aus. Wichtig zu wissen ist, dass künftig alle Investmentfonds (Publikumsfonds) grundsätzlich jährlich und anhand einer Pauschale besteuert werden. Quellensteuer auf ausländische Dividenden können Anleger nicht länger auf die Abgeltungssteuer anrechnen. Stattdessen sind bei Aktienfonds ab 2018 pauschal 30 Prozent aller Erträge steuerfrei (Teilfreistellung). Zu den Erträgen zählen Pauschalen, Dividenden und auch der Verkaufserlös. Bei Mischfonds sind 15 Prozent der Erträge steuerfrei. 

Auf alle nicht befreiten Erträge zahlen Anleger dann 26,375 Prozent Abgeltungssteuer inklusive Solidaritätszuschlag (Soli). Bei manchen kommt noch die Kirchensteuer dazu. Praktisch ist: Die Depotbank führt die Steuer direkt an den Fiskus ab. Wer einen Freistellungsauftrag einrichtet und den Freibetrag von 801 Euro beziehungsweise 1.602 Euro bei Verheirateten im Jahr nutzt, zahlt gar keine Steuern.

Das ist neu bei ausländischen thesaurierenden Fonds
Anleger, die thesaurierende Fonds oder ETFs beispielsweise auf den Weltaktienindex MSCI World gewählt haben, sollten außerdem diese Neuerungen kennen:

  • Bislang haben Anleger mit ausländischen thesaurierenden ETFs Mehrarbeit bei der Steuererklärung. Sie müssen Jahr für Jahr die wiederangelegten Dividenden (im Steuerdeutsch „ausschüttungsgleiche Erträge“) aus der Jahressteuerbescheinigung der Depotbank und die zugehörige „anrechenbare Quellensteuer“ in die Steuererklärung übertragen.
  • Bislang müssen Anleger alle Unterlagen als Beleg bis zum Verkaufstag aufheben. Die auf die Abgeltungssteuer anrechenbare Quellensteuer müssen sie ebenfalls Jahr für Jahr händisch übertragen. Der Freistellungsauftrag ist nicht anwendbar.
  • Künftig fallen all diese Umstände weg.
  • Wer in ETFs investiert hat, die den Index über ein Tauschgeschäft mit einer Bank abbilden (synthetische ETFs), muss jenseits des Freibetrags künftig jährlich Abgeltungssteuer bezahlen. Eine komplette Steuerstundung bis zum Verkauf ist dann nicht mehr möglich. Synthetische und physische ETFs werden dann gleich behandelt.


Alle Fonds gleichermaßen „steuereinfach“

Manche Anleger haben bislang absichtlich einen ausschüttenden Fonds gewählt oder einen thesaurierenden Fonds nur dann, wenn er in Deutschland aufgelegt war. Solche Anlagen galten auch als „steuereinfach“:

  • In beiden Fällen wurde Abgeltungssteuer auf Dividenden beziehungsweise ausschüttungsgleiche Erträge erhoben. Sparer konnten aber einen Freistellungsauftrag stellen und damit vermeiden, dass Steuer abgeführt wurde. Sie hatten keine Arbeit mit der Steuererklärung.
  • Künftig sind alle Fonds gleichermaßen „steuereinfach“. Ob der Fonds Dividenden ausschüttet oder anspart und wo der Fonds angesiedelt ist, spielt keine Rolle mehr. Wer einen ausreichenden Freistellungsauftrag erteilt, hat keine Arbeit mit der Steuererklärung.
  • Die neue Gleichbehandlung bei der Steuer hat zur Folge, dass Sparer auch problemlos jeden ETF-Typ für den Sparplan nutzen können. Solange sie der Onlinebank einen Freistellungsauftrag erteilen, haben sie keine Mehrarbeit. Mehr dazu lesen Sie auch in unserem Blogbeitrag.


Folgende Tabelle vergleicht die aktuelle und künftige Besteuerung von Aktienfonds. Dabei unterscheiden wir zwischen Fonds, die Dividenden wiederanlegen (thesaurieren) und ausschütten. Deutlich wird, dass künftig für alle Fondstypen die gleiche Logik der Besteuerung angewendet wird.

Besteuerung von Aktienfonds – bislang und ab 2018

    bis 31. Dezember 2017   ab 1. Januar 2018
inländische thesaurierende Fonds / physisch-thesaurierende ETFs   In der Regel 26,375 % Abgeltungssteuer inkl. Soli auf alle Dividenden (ggf. nach Anrechnung von Quellensteuern) und Zinsen.   26,375 % Abgeltungssteuer inkl. Soli von 70 % der Vorabpauschale (Teilfreistellung). Die Steuer wird von der Depotbank abgeführt. Bei gleicher oder negativer Wertentwicklung des Fonds zum Jahresende entfällt die Steuer. Anleger können einen Freistellungsauftrag stellen. Die Anrechnung der Quellensteuer beim Anleger (bei physischen Fonds) entfällt.
    Steuern werden vom Fondsvermögen abgezogen. Freistellungsauftrag möglich.    
ausländische thesaurierende Fonds / physisch-thesaurierende ETFs   In der Regel 26,375 % Abgeltungssteuer inkl. Soli auf alle Dividenden (ggf. nach Anrechnung von Quellensteuern) und Zinsen.   s. oben
    Steuern werden nicht direkt abgeführt. Anleger müssen die Angaben von der Jahressteuerbescheinigung der Bank in die Steuererklärung übertragen. Freistellungsauftrag greift nicht.    
synthetisch-thesaurierende ETFs   26,375 % Abgeltungssteuer inkl. Soli werden erst bei Verkauf fällig.   s. oben
         
ausschüttende Fonds / ETFs   In der Regel 26,375 % Abgeltungssteuer inkl. Soli auf alle Dividenden (ggf. nach Anrechnung von Quellensteuern)   26,375 % Abgeltungssteuer inkl. Soli von 70 % der Vorabpauschale, gemindert um Dividenden (Teilfreistellung). Bei gleicher oder negativer Wertentwicklung des Fonds zum Jahresende werden nur 70 % der Dividenden besteuert. Anleger können einen Freistellungsauftrag stellen. Die Anrechnung der Quellensteuer beim Anleger entfällt.
    Steuern werden dem Anleger vom Dividendenertrag abgezogen. Freistellungsauftrag möglich.    

Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: 14. Februar 2017)

Die neue Investmentbesteuerung Teil I – die Vorabpauschale

Künftig werden alle Investmentfonds grundsätzlich jährlich und anhand einer Pauschale besteuert. In der Praxis dürfte diese Pauschale und die darauf anfallende Steuer Privatanleger kaum kümmern. 801 Euro an Kapitalerträgen im Jahr (1602 Euro für Verheiratete) sind für sie frei. Und sollten doch Steuern fällig werden, so würden diese von der Depotbank ausgewiesen und direkt an den Fiskus abgeführt.

Der Anleger muss diese Berechnung also nicht selbst anstellen. Wer die neue jährliche Bemessungsgrundlage für die Abgeltungssteuer bei Aktien- und Mischfonds dennoch besser verstehen möchte, findet in den folgenden Abschnitten die notwendigen Informationen. Anleger könnten so beispielsweise die Jahressteuerbescheinigung von ihrer Bank besser nachvollziehen.

Vorabpauschale und Basisertrag
Um die Vorabpauschale zu bestimmen, errechnet Ihr Fondsanbieter künftig zunächst den sogenannten Basisertrag. Dafür muss er den Wert der Fondsanteile zum Beginn des Steuerjahres kennen und diesen mit einem risikolosen Zins (Basiszins) sowie dem Faktor 0,7 multiplizieren. Also:

Basisertrag = Wert der Fondsanteile zum 1. Januar 2018 * Basiszins * 0,7

Der Basiszins hieß bislang auch „Zins für das vereinfachte Ertragswertverfahren nach § 203 Absatz 2 BewG“. Versicherer und Pensionsfonds brauchen ihn zum Beispiel, um ihre Risiken auszurechnen. Anfang des Jahres veröffentlichte das Finanzministerium den Zins. 2016 lag der Basiszins bei 1,1 Prozent, in der Vergangenheit war er deutlich höher.

2017 können Sparer den Basiszins der entsprechenden Zeitreihe der Bundesbank direkt entnehmen. Er liegt bei 0,59 Prozent.

Der Basisertrag entspricht der Vorabpauschale, wenn er niedriger ist als die Wertsteigerung, die der Fonds innerhalb eines Jahrs gut gemacht hat. Für einen thesaurierenden Fonds, der Dividenden mit anspart, könnte dies so aussehen:

Beispiel große Wertsteigerung:

Wert der Fondsanteile zum 1. Januar 2018: 10.000 €
Wert der Fondsanteile zum 1. Januar 2019: 10.500 €
Wertsteigerung: 500 €
Basisertrag = 10.000 € * 1,1 % * 0,7 = 77 € 

Weil der Basisertrag (77 €) kleiner ist als der Wertzuwachs der Fondsanteile in einem Jahr (500 €), dient der Basisertrag gleich als zu versteuernde Vorabpauschale (77 €).

Sollte die Wertsteigerung dagegen geringer ausfallen als der Basisertrag, gilt sie als Vorabpauschale.

Beispiel geringe Wertsteigerung:

Wert der Fondsanteile zum 1. Januar 2018: 10.000 €
Wert der Fondsanteile zum 1. Januar 2019: 10.050 €
Wertsteigerung: 50 €
Basisertrag = 10.000 € * 1,1 % * 0,7 = 77 €

Weil der Basisertrag (77 €) größer ist als der Wertzuwachs der Fondsanteile in einem Jahr (50 €), dient die Wertsteigerung als zu versteuernde Vorabpauschale (50 €).

Sollten die Fondsanteile zum Jahresende so viel wert sein wie am Anfang oder an Wert verlieren, so ist die Vorabpauschale gleich null.

Beispiel keine Wertsteigerung:

Wert der Fondsanteile zum 1. Januar 2018: 10.000 €
Wert der Fondsanteile zum 1. Januar 2019: 10.000 €
Wertsteigerung: 0 €
Basisertrag = 10.000 € * 1,1 % * 0,7 = 77 €

Der Wertzuwachs der Fondsanteile in einem Jahr beträgt 0 €. Er ist damit kleiner als der Basisertrag (77 €). Die Vorabpauschale beträgt 0 €. Es fällt keine Steuer an. Gleiches gilt bei einer negativen Wertentwicklung.

Vorabpauschale bei ausschüttenden Fonds
Formal etwas anders sieht es aus, wenn ein Fonds Dividenden ausschüttet, Anlegern also zu festen Terminen im Jahr auf dem Depotkonto gutschreibt.

Auch hier dienen Basisertrag und Vorabpauschale als Bemessungsgrundlagen. Im Unterschied zu thesaurierenden Fonds werden aber auch die Dividenden mit einbezogen. Sie werden auf die Vorabpauschale angerechnet.

Beispiel mit Dividenden:

Wert der Fondsanteile zum 1. Januar 2018: 10.000 €
Wert der Fondsanteile zum 1. Januar 2019: 10.500 €
Wertsteigerung: 500 €
Dividendenerträge: 50 €
Basisertrag = 10.000 € * 1,1 % * 0,7 = 77 €

Weil der Basisertrag (77 €) kleiner ist als der Wertzuwachs der Fondsanteile in einem Jahr (500 €), dient der Basisertrag gleich als zu versteuernde Vorabpauschale (77 €). Auf die Vorabpauschale werden nun die 50 € Dividendenerträge angerechnet. Versteuert werden daher wie bislang die Dividende (50 €) und die verbleibende Differenz zur Vorabpauschale (77 € - 50 € = 27 €).

Sollte die Dividende größer sein als die Vorabpauschale, wird nur die Dividende besteuert. Dies passiert regelmäßig, wenn der Fonds oder ETF in einem Jahr auf der Stelle getreten ist oder an Wert verloren hat.

Vorabpauschale beim Sparplan
Für Anleger, die einen Fondsanteil erst im Lauf des Jahres kaufen oder regelmäßig im Sparplan ansparen, berechnet sich auch die Vorabpauschale anteilig: Für jeden vollen Monat, der dem Kaufdatum des Fondsanteils vorangeht, verringert sich die Pauschale um ein Zwölftel. 

Die neue Investmentbesteuerung Teil II – die Teilfreistellung

Je nach Fondsart wird nun nicht die gesamte Vorabpauschale oder Dividende versteuert, sondern nur ein Teil. Man spricht auch von Teilfreistellung.

Für Aktienfonds beträgt die Teilfreistellung 30 Prozent, für Mischfonds (mindestens 25 Prozent der Anlagen müssen Aktien sein) 15 Prozent. Die Teilfreistellung ersetzt die bisherige Praxis, dass sich Anleger auf Dividenden Teile der Quellensteuer auf die Abgeltungssteuer anrechnen lassen können.

Beispiel Teilfreistellung bei Aktienfonds:

Die errechnete Vorabpauschale eines thesaurierenden Aktienfonds oder Aktien-ETFs beträgt 100 Euro. Anleger zahlen die 26,375 Prozent Abgeltungssteuer aber nur auf 70 Prozent der Pauschale, in diesem Fall also auf 70 Euro.

Die Steuerlast beträgt dann 0,26375 * (0,7 *100 €) = 0,26375 * 70 € = 18,45 €.

Bei einem ausschüttenden Aktienfonds mindern 70 Euro Dividendenerträge die Vorabpauschale von 100 Euro auf 30 Euro. Besteuert werden in beiden Fällen nur 70 Prozent.

Die Steuerlast beträgt dann

für die Dividende: 0,26375 * (0,7* 70 €) = 0,26375 * 49 € = 12,90 €,
für die verbleibende Pauschale: 0,26375 * (0,7* 30 €) = 0,26375 * 21 € = 5,55 €.

Am Ende führt die Depotbank in beiden Fällen den gleichen Betrag an Abgeltungssteuer, 18,45 Euro, an den Fiskus ab. Sparer können den Steuerabzug vermeiden, wenn sie den Freibetrag von 801 Euro nicht überschreiten und ihrer Depotbank einen ausreichenden Freistellungsauftrag erteilen. Dies gilt auch für den Sparplan.

Die neue Investmentbesteuerung Teil III – Verkauf

Schließlich ändert sich auch die Systematik der Besteuerung bei Verkauf des Investmentfonds. Die wichtigsten Neuerungen: Alle Vorabpauschalen, die während der Haltedauer des Fonds angesetzt wurden, werden auf den Verkaufserlös in voller Höhe angerechnet. Diese Erträge müssen Sparer somit kein zweites Mal besteuern. Vom verbleibenden Verkaufserlös sind dann bei Aktienfonds 30 Prozent steuerfrei, bei Mischfonds 15 Prozent.

Die neue Steuermethodik bewirkt, dass ausschüttende und thesaurierende Fonds während der Haltedauer steuerlich unterschiedlich belastet werden können, spätestens aber bei Verkauf gleichgestellt sind. Dies könnte Anleger interessieren, die noch überlegen, ob sie größere Beträge in einen thesaurierenden oder ausschüttenden Fonds stecken sollen und sich jenseits des steuerlichen Freibetrags bewegen.

Folgende Tabelle zeigt, wie sich thesaurierende und ausschüttende Fonds während der Haltedauer in der Besteuerung ab 2018 unterscheiden: 

Künftige Besteuerung von Aktienfonds während der Haltedauer

    thesaurierender Fonds         ausschüttender Fonds        
Jahr   Wertentwicklung Fondsanteile¹ in €   Vorabpauschale in €   Steuer auf Vorabpauschale in €       Wertentwicklung Fondsanteile¹ in €   Dividende in €   Steuer auf Dividende in €
    10.000               10.000        
1   10.700   77   14       10.400   300   55
2   11.449   82   15       10.816   312   58
3   12.250   88   16       11.249   324   60
4   13.108   94   17       11.699   337   62
5   14.026   101   19       12.167   351   65
6   15.007   108   20       12.653   365   67
7   16.058   116   21       13.159   380   70
8   17.182   124   23       13.686   395   73
9   18.385   132   24       14.233   411   76
10   19.672   142   26       14.802   427   79
    Summe   1.064   196       Summe   3.602   665

¹ Wir unterstellen eine jährliche Wertentwicklung der Fondsanteile von 7 Prozent – 3 Prozent sind den Dividenden geschuldet. Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand: 26. Januar 2017)

Im Beispiel steigen die Fondsanteile jedes Jahr 7 Prozent im Wert. 3 Prozent davon steuern die Dividenden bei. Nach zehn Jahren hat der Anleger im thesaurierenden Fonds 9.672 Euro Gewinn auf sein Anfangsinvestment von 10.000 Euro erzielt. Beim Anleger des ausschüttenden Fonds sind es 8.404 Euro (4.802 Euro plus 3.602 Euro Dividenden). Der Gewinn ist niedriger als im thesaurierenden Fonds, da der Ausschütter keine Zinseszinsen auf Dividenden anspart.

Wir nehmen an, dass die Dividende immer höher ist als die Vorabpauschale. Während der Anleger des ausschüttenden Fonds damit jedes Jahr 70 Prozent der Dividende mit Abgeltungssteuersatz inklusive Soli von 26,375 Prozent versteuern muss, sind es beim Anleger des thesaurierenden Fonds nur 70 Prozent der Vorabpauschale. Am Ende bezahlt der Anleger des ausschüttenden Fonds so über die Jahre mehr Abgeltungssteuer als der Anleger des thesaurierenden Fonds (665 Euro versus 196 Euro).

Bei Verkauf hebt sich dieser Unterschied aber auf, wie folgende Gegenüberstellung zeigt.

Gleiche Steuerbelastung für Aktienfonds bei Verkauf ¹

    thesaurierender Fonds   ausschüttender Fonds
Wertsteigerung nach 10 Jahren   9.672 €   4.802 €
bei Verkauf zu versteuern, nach Anrechnung der Pauschalen   8.608 €   4.802 €
bei Verkauf zu versteuern, nach Teilfreistellung von 30 %   6.025 €   3.362 €
Steuer bei Verkauf   1.589 €   887 €
Steuerlast insgesamt (inkl. bereits jährlich bezahlte auf Pauschalen / Dividenden)   1.786 €   1.552 €
Ertrag gesamt²   9.672 €   8.404 €
Steuern / Ertrag   18,46 %   18,46 %

¹ Die Rechnung berücksichtigt keine Freibeträge.
² Zur Wertsteigerung beim Ausschütter nach 10 Jahren kommen noch die Dividenden i.H.v. 3.602 Euro.
Quelle: Finanztip-Berechnungen (Stand: 26. Januar 2017)

In der Tabelle wird deutlich, dass der thesaurierende Fonds nach 10 Jahren einen etwas höheren Ertrag aufweist (9.672 Euro) als der Ausschütter (8.404 Euro). Das liegt an den Zinseszinsen auf die angesparten Dividenden. Insgesamt liegt die Steuerlast beim Thesaurierer daher auch etwas höher (1.786 Euro) als beim Ausschütter (1.552 Euro).

Beim thesaurierenden Fonds fällt der größere Anteil an Steuern (1.589 der 1.786 Euro) allerdings erst bei Verkauf an. Die bereits besteuerten Pauschalen werden angerechnet, machen aber betragsmäßig wenig aus. Beim Ausschütter ist es umgekehrt: Die bei Verkauf fällige Steuer (887 der 1.552 Euro) ist niedrig, weil über alle Jahre bereits die gesamte Ausschüttung besteuert wurde.

Setzt man die gesamte Steuerlast ins Verhältnis zum gesamten Ertrag, ist das Ergebnis bei beiden Fonds gleich: Der Steuersatz, der rein auf Anlegerebene anfällt, liegt in beiden Fällen bei rund 18,5 Prozent.

Besteuerung auf Fondsebene kommt hinzu
In der Rechnung unberücksichtigt bleiben die Quellensteuern auf ausländische Dividenden (und gegebenenfalls Körperschaftsteuer auf inländische Dividenden), die direkt in den Quellenstaaten einbehalten werden. Für die allermeisten Länder betragen diese Steuern nach Doppelbesteuerungsabkommen 15 Prozent. Würde man diese Steuer auf Fondsebene in der Rechnung berücksichtigen, so ergäbe sich im Beispiel ein Gesamtsteuersatz des Anlegers von grob 26 Prozent. Die Belastung läge damit in der Nähe der Abgeltungssteuer inklusive Soli.

Wichtig ist: Der Gesamtsteuersatz, den ein Anleger am Ende auf seine Fondsanteile bezahlt, kann variieren: Nach der neuen Besteuerungssystematik ist er umso höher, je mehr die Dividenden zum Gesamtertrag beitragen. Die Abzüge aus Quellen- und Körperschaftsteuer fallen dann stärker ins Gewicht. Die Teilfreistellung der verbleibenden Dividende kann dies nicht ausgleichen.

Besteuerung bei Verlusten

Bislang sind wir davon ausgegangen, dass der Aktienfonds kontinuierlich an Wert gewinnt, Dividenden ausschüttet und der Anleger am Ende mit Gewinn verkauft. Natürlich ist aber auch denkbar, dass der Fonds im ein oder anderen Jahr an Wert verliert oder Anleger ihn mit Verlust verkaufen. In einem solchen Fall ändert sich die Methodik der Besteuerung nicht.

Wie geschildert, müssen Anleger bei einem ausschüttenden Fonds laufend Dividenden versteuern – auch in einem Verlustjahr. Anleger thesaurierender Fonds zahlen im Verlustjahr keine Steuern. Sollte der Fonds einen Zickzack-Kurs einschlagen, also beispielsweise in einem Jahr gewinnen und den Gewinn im nächsten Jahr wieder einbüßen, so würde der Anleger im Gewinnjahr normal die Vorabpauschale versteuern.

Verluste vortragen
Im Falle, dass ein thesaurierender Fonds zum Verkaufszeitpunkt keine Wertsteigerung aufweist oder gar Verlust gemacht hat, fallen bei Verkauf keine neuen Steuern an. Bereits bezahlte Steuern auf Vorabpauschalen werden dennoch angerechnet. Ein Nullertrag wird dadurch zum Verlust oder der Verlust vergrößert sich. Anleger können den Verlust ins nächste Steuerjahr vortragen.

Die neue Investmentbesteuerung Teil IV – Bestandsschutz

Anleger, die Fonds noch vor der Einführung der Abgeltungssteuer im Jahr 2009 gekauft haben, konnten sich bislang darauf verlassen, bei Verkauf keine Steuern auf Gewinne zahlen zu müssen. Mit der Investmentsteuerreform fällt dieser sogenannte Bestandsschutz allerdings weg. Alle Gewinne, die ab 2018 anfallen, müssen nun besteuert werden. Allerdings soll ein Freibetrag von 100.000 Euro Kleinsparer entlasten. Jeder Anleger hat die 100.000 Euro einmalig zur Verfügung, kann sie aber auf mehrere Fonds anwenden.

So funktioniert die Steuer auf Altfonds ab 2018
Die Gewinne von Altfonds, die bis 31. Dezember 2017 anfallen, bleiben steuerfrei. Um dies festzuhalten, tut der Gesetzgeber so, als würden Altfonds Ende 2017 fiktiv verkauft und wiederangeschafft. Alle Gewinne, die ab 2018 anfallen, werden dann nach der neuen Methodik versteuert: jährlich anhand einer Pauschale. Dabei greifen die jährlichen Freibeträge für Sparer.

Spannend wird es schließlich beim Verkauf des Fonds. Von der Wertsteigerung ab 1. Januar 2018 bis zum Verkaufstag gehen zunächst die bereits angesetzten Pauschalen ab. Anschließend fällt Abgeltungssteuer auf 70 Prozent des verbleibenden Gewinns an (Teilfreistellung).

Nun kommt der Freibetrag für Sparer von 100.000 Euro ins Spiel. Stand Januar 2017 ist noch nicht geklärt, ob der volle um die Pauschalen geminderte Gewinn den 100.000 Euro gegengerechnet wird oder der zusätzlich um die Teilfreistellung geminderte Gewinn. Letzterer Fall wäre für Sparer vorteilhafter. Um den Sachverhalt zu klären, braucht es gegebenenfalls noch ein Schreiben des Bundesfinanzministeriums.

Beispiel: Besteuerung eines Fonds 2007 bis 2027
Angenommen, ein Anleger hätte mit einem ETF auf den MSCI World seit 2007 eine jährliche Rendite von 6 Prozent erzielt. Aus 50.000 Euro im Jahr 2007 wären Ende 2017 knapp 90.000 Euro geworden. Ende 2017 wird der Fonds nun fiktiv verkauft und der Gewinn von knapp 40.000 Euro steuerfrei eingeloggt.

Ab 2018 gelingt es dem Anleger, für weitere zehn Jahre 5 Prozent Rendite im Jahr zu erzielen. Ende 2028 hätte er dann weitere knapp 71.000 Euro Gewinn gemacht. Nach Anrechnung aller Pauschalen blieben ihm noch knapp 62.000 Euro als Bemessungsgrundlage für die Abgeltungssteuer, nach Teilfreistellung noch gut 43.000 Euro. Es würden gut 11.000 Euro Abgeltungssteuer anfallen.

Besteuerung von Fondsanteilen (Altbestand)

Wert der Fondsanteile beim Kauf am 1. Januar 2008   50.000 €
Wert der Fondsanteile beim fiktiven Verkauf am 31. Dezember 2017¹   89.542 €
Wert der Fondsanteile beim Verkauf am 31. Dezember 2027   160.357 €
Gewinn gesamt   110.357 €
     
davon steuerfreier Gewinn zum 31. Dezember 2017   39.542 €
     
Gewinn seit 1. Januar 2018   70.815 €
Gewinn nach Anrechnung der Vorabpauschalen   70.815 € - 9.088 € = 61.727 €
Gewinn nach Anrechnung der Vorabpauschalen und Teilfreistellung   61.727 € * 0,7 = 43.209 €
darauf fällige Abgeltungssteuer   11.396 €

¹ Wir unterstellen eine jährliche Rendite auf das Fondsvermögen von 6 Prozent.
Quelle: Finanztip (Stand. 27. Januar 2017)

Diese Steuer muss der Sparer in letzter Instanz nicht bezahlen, sondern kann in der Steuererklärung den Freibetrag anteilig dafür geltend machen. Unklar ist aber noch, was er den 100.000 Euro gegenrechnen muss: die 62.000 Gewinn (nach Anrechnung der Pauschalen) oder die 43.000 Euro Gewinn (nach Pauschalen und Teilfreistellung).

Der zweite Fall wäre für ihn besser: Dann würden von den 100.000 Euro Freibetrag 57.000 Euro verbleiben. Den verbleibenden Freibetrag kann der Anleger einsetzen, sollte er weitere Altfonds im Depot haben und diese zu einem späteren Zeitpunkt verkaufen wollen.

Verluste können den Freibetrag wieder erhöhen
Sollte der Anleger zu einem späteren Zeitpunkt einen Fonds mit Verlusten verkaufen, so sieht es nach jetzigem Stand (Februar 2017) danach aus, als könnte dieser Verlust auch nachträglich noch mit bereits geltend gemachten Gewinnen verrechnet werden. Der Freibetrag könnte so wieder steigen.

Bloß keine Panikverkäufe!
Wie wir beschrieben haben, fällt Abgeltungssteuer auf Altfonds erst ab 2018 an. Es ergibt daher für Sparer keinen Sinn, Ihren Fonds noch vorher zu verkaufen und dann neu anzusparen. Im Gegenteil. Wer 2018 neu anspart, hat keinen Anspruch auf den Freibetrag von 100.000 Euro. Bleiben Sie also unbedingt dabei, wenn Sie das Geld nicht ohnehin noch 2017 abrufen wollten, weil Sie eine Anschaffung planen.

Wenn Sie darüber nachdenken, Ihre Fonds zu vererben oder zu verschenken, so bleibt die steuerliche Qualifikation der Fondsanteile als Alt-Anteile grundsätzlich erhalten: Der Erbe/Beschenkte tritt als (Gesamt-)Rechtsnachfolger in die Rechtsstellung des Erblassers/Schenkers, so dass der Status der Investmentanteile als bestandsgeschützte Alt-Anteile übergeht. Der konkrete Zeitpunkt der Schenkung oder Erbschaft ist unbeachtlich.

Allerdings muss etwa die Schenkung wirksam vereinbart und tatsächlich durchgeführt werden. Und je nach Betrag und Verwandtschaftsverhältnis können Erbschaftssteuer oder Schenkungssteuer anfallen. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten Sie im Einzelfall auf jeden Fall Rat vom Steuerberater einholen.

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Sara Zinnecker
von Finanztip,
Expertin für Geldanlage

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Artikel verfasst von

Sara Zinnecker

Finanztip-Expertin für Bankprodukte

Sara Zinnecker ist Redakteurin im Team Bank & Geldanlage. Nach ihrem Volontariat an der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten schrieb sie beim Handelsblatt über Geldanlage und Altersvorsorge. Zuvor studierte Sara Zinnecker in Nürnberg, Italien und Portugal internationale Volkswirtschaftslehre mit Diplom-Abschluss, arbeitete bei Lokalzeitungen sowie der Süddeutschen Zeitung.