Meinungen zu zwei R&V Rentenversicherungen

  • Hallo geschätztes Forum,

    ich würde euch gerne um Meinungen zu bzw. Vorschläge bzgl. weiterem Vorgehen zu zwei R&V Rentenversicherungen bitten, die sich mein Vater in Folge einer Erbschaft 2018/2019 vom Volksbank-Verkäufer hat andrehen lassen. Wir sind mit der vollständigen Bestandsaufnahme noch nicht fertig, aber in der Kurzfassung: es bestehen weitere ähnliche Produkte (die seit 20+ Jahren laufen), Eigenheim und vernünftige gesetzliche Rentenansprüche. Wobei wir gerade auch Rentenstart (67 wird er Ende 2030) und mögliche Abschläge, ATZ besprechen. Daher seht mir nach, dass ich euch hier noch kein Gesamtbild geben kann.

    Vertrag 1

    Meine Gedanken:

    • lässt man das weiterlaufen?
    • zumindest bis zur hälftigen Steuerbefreiung?
    • Verrenten (lohnt sich nach meiner bisherigen Recherche ja selten) oder auszahlen (=kündigen)?
    • Fond wechseln? Der UniRBA Welt 38/200 -net- hat dieses Jahr seine große Schwäche bewiesen: den Trump-Crash voll mitgenommen, umgeschichtet und nachdem die Märkte sich im August erholt hatten erst wieder teuer eingestiegen (aktuell sind es statt 152k zu Jahresbeginn nur noch 136k Vertragswert)


    Vertrag 2

    Meine Gedanken:

    • ich habe ehrlicherweise den Vertrag noch nicht verstanden. Vertrag 1 ist eine fondsgebundene RV, richtig? Was ist dann Vertrag 2? Außer dem Versicherungsschein finden sich auch keine weiteren Informationen dazu
    • laufen lassen?
    • Verrenten oder auszahlen (=Rückkauf)?


    Bin über euren Input dankbar, den ich mit meinen Eltern teilen kann, bzw. eine Diskussionsgrundlage ("wenn xy gewünscht ist dann A, wenn yz gewünscht ist eher B").

    Danke & Gruß

  • Dein Vater ist jetzt 61.

    Was sagt er eigentlich zu den Verträgen?

    Hat er eine Meinung dazu?

    Noch ein Hinweis zur Versteuerung:

    Das Halbeinkünfteverfahren gilt für Verträge ab 2005, bei älteren Verträgen können andere Regeln gelten. Diese Altersgrenze von 62 Jahren und die Mindestlaufzeit von 12 Jahren sind also die wesentlichen Voraussetzungen für die Steuervergünstigung bei Kündigung einer vorgebundenen Rentenversicherung.

    Also schau dir mal die Mindestlaufzeit an.

  • Dein Vater ist jetzt 61.

    Was sagt er eigentlich zu den Verträgen?

    Hat er eine Meinung dazu?

    Er hinterfragt, ob sie sich lohnen - wie mittlerweile bei vielem, das ihm die Volksbank verkauft hat. Das Thema Immobiliefonds war da glaube ich ein Auslöser., nachdem ich ihm den Finanztip Artikel zur Lektüre gegeben haben. Aber das war deutlich einfacher, mit klaren Konsequenzen was zu tun ist.

    Sein erster Gedanke bzgl. der RV war, nachdem ich ihm etwas zum Thema Verrentung und den unvorteilhaften Sterbetafeln der Versicherungen gezeigt habe, "dann lassen wir das auf jeden Fall auszahlen".

    Ich würde natürlich gerne etwas differenzierter drauf schauen, mir fehlt aber eine valide Einschätzung im konkreten Fall, die wir besprechen können.

    Also schau dir mal die Mindestlaufzeit an.

    Für Vertrag 1 wird das ja auf Seite 1 erwähnt, das wäre 2030 der Fall. Bei Vertrag 2 wird es nicht erwähnt, 12 Jahre wären aber 2031 um.

  • Meine Gedanken:

    lässt man das weiterlaufen?

    Nur Dinge die laufen würde ich weiterlaufen lassen.


    Die Abschlusskosten sind sowieso schon weg. Die kommen auch nicht wieder.

    Wenn sich dein Vater langsam zum Mündigen Selbstentscheider entwickelt wird er schon selber zu dem Schluss kommen das solche Verträge nicht dienlich für den Versicherten sind.

    Die Steuern würde ich ganz zum Schluss betrachten.

    Vorher die laufenden Kosten der Verträge nachrechnen. 1,5% sind jetzt nicht so wenig.

    Eine Alternative Geldanlage gibt´s schon für 0,2%.

    Rechne diese 1,3% für den Rest der Laufzeit hoch.

    Der Rentenfaktor von 33,16 bedeutet das man mindestens 25 Jahre eine Rente beziehen um sein Kapital ausbezahlt zu bekommen.

    Die Beispielrechnung geht von einem Rentenbeginn in 2048 aus. Da müsste dein Vater 85 sein. Und dann wird ein Rentenfaktor von 45,39 angegeben. Somit müsste dein Vater dann noch über 18 Jahre Rente beziehen um überhaupt das Kapital zurück zu bekommen.

    Wäre dein Vater eine Schildkröte und 180 Jahre alt werden...... dann vielleicht.

    Der 2te Vertrag dürfte eine einfache Rentenversicherung mit Garantie Verzinsung sein.

    Der Rentenfaktor liegt bei 30 ist somit noch schlechter als bei den anderen Verträgen.

    Bei Zinsen berechnen gibts ein Rechner für solche Fälle bzw. Versicherungen.

    Rechnet noch ein bisschen zusammen, dann werdet ich schon zum richtigen Entschluss kommen was mit diesen Finanzprodukten zu tun ist.


    Viel Erfolg.

  • So ganz schlau bin ich jetzt nicht aus deiner wagen Antwort geworden. Ich habe mal Excel bemüht und für verschiedene Renteneintrittsalter anhand der Rentenfaktoren im Versicherungsschein gerechnet. Bei Vertrag 1 muss er in jedem Szenario >100 (103-110) Jahre alt werden, bei Vertrag 2 "nur" 95 Jahre, zum break even. Damit scheint (Steuern mal vernachlässigt, aber vermutlich auch vernachlässigbar) Verrentung die schlechteste Option.

    Stellt sich noch die Frage Kündigung sofort oder später (zum Rentenbeginn). Ich finde es enorm unübersichtlich, die jährlichen Kosten, das Risiko oder überhaupt worin investiert wird herauszufinden.

    Bei Vertrag 1 läuft der UniRBA Welt 38/200 -net- ja wie gesagt sehr unterdurchschnittlich. Wenn ich den Einbruch im April sehe, schwankt er trotz der 38/200 Mechanik kaum weniger. Und die Kosten sind natürlich deutlich überhöht. Ist das jetzt als (schwankender) Sicherheitsbaustein oder als (unterperformanter) Rentitebaustein zu verstehen? Gibt es überhaupt irgendein Argument dafür, nicht sofort zu kündigen?

    Wenn Vertrag 2 eine Garantieverzinsung hat, wieso finde ich diese nirgends? Dann könnte ich das wenigsten als (vermutlich zinsschwachen) Sicherheitsbaustein verbuchen und nachrechnen, ob der Steuervorteil irgendwann etwas rausreißt...


    Also wirklich beide schnellstmöglichen kündigen, meint ihr? Und dann - je nach Ergebnis unserer Gesamtaufstellung und entsprechend Allokation - natürlich neu anlegen.

  • Jetzt kommt wieder mal eine Meinung gegen den Mainstream. :(

    Ich halte von Rentenversicherungen nichts, und zwar von allen. Warum? Eine Rentenversicherung ist ein Instrument, das das Langlebigkeitsrisiko abdecken soll. Schaut man sie genauer an, ist sie ein Hybrid, nämlich eine Kombination aus einem Auszahlplan und einer Versicherung. Eine typische Versicherung ist gedacht für einen Fall, der möglichst selten eintritt (und dann möglicherweise teuer ist. Bei vielen Versicherungen tritt der Versicherungsfall niemals ein.

    Wer hatte denn schon mal einen Haftpflichtschaden? Wenige, beim Auto häufiger. :(
    Wer hatte denn schon mal einen Hausratschaden? Ganz wenige.

    Bei einer Rentenversicherung aber tritt der Leistungsfall geradezu regelmäßig ein: Fast alle Kunden einer Rentenversicherung kommen in die Leistungsphase.

    Man kann etwa eine Riesterrente ganz gut als Kombination zweier Finanzinstrumente darstellen (siehe oben), nämlich also Kombination eines Auszahlplans mit einer Versicherung. Die durchschnittliche fernere Lebenserwartung eines 65jährigen Neuruheständlers beträgt etwa 20 Jahre (Variationen des Eintrittsalters und Unterschiede der Geschlechter lasse ich hier mal weg). Also bekommt jeder Riesterer erstmal 20 Jahre seine monatliche Auszahlung. Stirbt einer in dieser Zeit (das betrifft etwa die Hälfte des Kollektivs!) fällt der Rest in den Topf zurück.

    Mit 85 ist die Hälfte des Kollektivs noch da und kregel. Für diese Hälfte muß die Auszahlung weitergehen. Damit die Auszahlungen nun weitergehen können, hat die Versicherungsgesellschaft vorab etwa 30% des Kapitals zur Seite gelegt (was ich für zuviel halte). In diesem Topf ist jetzt aber mehr drin als diese 30%, denn etliche sind ja schon gestorben. Was sie nicht verbraucht haben, ist jetzt zusätzlich im Topf. Gehen die Auszahlungen jetzt unvermindert weiter, so reicht das (grobe) Drittel des Geldes für die Hälfte des Kollektivs grob überschlagen nochmals 20 Jahre. Am Ende dieses Zeitraums wären die Überlebenden dann 105 Jahre alt. Das schaffen allerdings höchstens einzelne. Sprich: Dieses Geld wird nach dieser Methode nicht aufgebraucht werden. Die Kalkulation war zum Schaden der Riesterer zu vorsichtig.

    Ich habe keinen Kapitalertrag einberechnet! Erwirtschaftet die Versicherungsgesellschaft einen Ertrag, kann sie die Auszahlungen mit dem gleichen Prozentsatz erhöhen, und die obige Rechnung bleibt gültig.

    Die Statistik gilt für ein Kollektiv. Der einzelne entzieht sich aber der Statistik.

    Erwägte ich, mein Kapital selbst zu verrenten, also selbst dieses fürchterliche Langlebigkeitsrisiko zu tragen, dann könnte ich auch zwei Drittel für einen Auszahlplan für die Zeit zwischen 65 und 85 reservieren und ein weiteres Drittel für danach. Das würde ohne Statistik, nur als Auszahlplan dann sicher weitere zehn Jahre reichen, also bis zu meinem 95. Lebensjahr. Ein Problem könnte ich bekommen, wenn ich älter werde als 95. Die Wahrscheinlichkeit dafür beträgt für mich als Mann aktuell 4,8%. Jedes weitere Jahr von dort an reduziert die Überlebenswahrscheinlichkeit deutlich. Lege ich auch nur 2 Jahre drauf, reduziert das die Überlebenswahrscheinlichkeit auf 2,1%. In diesem Fall müßte ich meinen Auszahlplan also nicht auf 95-65=30 Jahre dimensionieren, sondern auf 97-65=32 Jahre. Oder ich lege noch 2 Jahre drauf, dann sind es 0,85%.

    Ich halte es somit für überschaubar, mein Langlebigkeitsrisiko jenseits des 85. Lebensjahres zu übernehmen (zumal eine private Rentenversicherung ja ohnehin nur das Sahnehäubchen ist. Praktisch jeder Ruheständler hat ja Einkünfte, die wirklich lebenslang gezahlt werden. Für deutlich größer als das pure Langlebigkeitsrisiko halte ich die Wahrscheinlichkeit, daß ich pflegebedürftig werde - und das würde mir meine Finanzplanung total verhageln. Auch eine wirklich lebenslange Privatrente würde mir dann nichts helfen.

    Eben drum halte ich das fürchterliche Langlebigkeitsrisiko für überschaubar und werde es in meinem Fall ohne Bedenken selbst übernehmen. Rechne ich die Auszahlungen meines Auszahlplans gegen das, was die Finanzindustrie mir als Rentenversicherung anbietet, bin ich mit meinem Auszahlplan allemal besser dran.

    Rentenversicherung, nein danke.

    :)

  • Rentenversicherung, nein danke.

    Da bin ich ganz bei Dir. Ich würde heute weder eine selbst abschließen (ich schleppe dafür seit 13 Jahren so ein BU Kombi Produkt mit, aber das ist ein anderes Thema...) noch meinen Eltern empfehlen, eine abzuschließen.

    Leider ändert das Wissen im Jahr 2025 nichts an den Entscheidungen in 2018/19, bzw. dem Vertrauen in die "Beratung" der Volksbank :|

  • Die Frage ist eher ob du dem schlechten Geld noch gutes hinterher werfen möchtest.

    Steig von deinem Pferd wenn du merkst das es tot ist.

    Es geht vielen Menschen so. Frühere Kauf-Entscheidungen werden mit neuem Wissen nicht kritisch hinterfragt.

    Du weißt heute einfach viel mehr als 2018. Du bist damals unwissend in die Verkäuferfalle getappt. Du hattest aufgrund deiner fehlenden Finanzkompetenz überhaupt keine Chance eine für dich richtige und gute Entscheidung zu treffen.

    Du befindest dich auf einem schiefen Spielfeld welches stark zur Versicherung geneigt ist. Du kannst dieses Spiel nicht gewinnen. Die Frage ist eher wieviel setzt du noch auf dieses Spiel.

    Wenn ich merken würde das ich nicht gewinnen kann würde ich meine Chipse vom Spielfeld nehmen und woanders mit für mich besseren Regeln neu starten.

    Dein verlorenes Geld kommt nicht zurück. Nie wieder, es ist einfach mit der Unterschrift unter den Vertragen verschwunden.

    Nicht ärgern, sondern jetzt klug und besonnen den für dich richtigen Weg weitergehen.