3 Themenvorschläge, z. B. wie verdienen Neo-Broker ihr Geld?

  • Themenvorschläge bzw. Fragen:

    Weshalb funktioniert bei einem passiven ETF die ETF-Strategie „verkaufen, wenn der Kurs der Aktie sinkt“?

    Wo kann ich mich über die genaue Kursentwicklung einer ETF-Klasse (z. B. MSCI world) oder eines speziellen ETFs informieren?

    Wie verdienen die Beteiligten ETF, Broker, Bank ihr Geld?

    Als ETF-Beginner und gleichzeitig nicht ganz finanziell Unbedarfter (Bankkaufmann->Bankfachwirt, mein Leben lang im Finanzwesen (Großbank, Versicherung) gearbeitet, dort aber eher auf der Darlehensgeber- statt der Kapitalanlageseite, mittlerweile in Rente) habe ich ein paar Gedanken/Themenvorschläge, die sicherlich auch für andere interessant sind.

    Selbst habe ich trotz meines „hohen Alters“ noch einen Teil in MSCI World und Euro Stoxx 600 investiert – wenn’s läuft ist schön, wenn nicht, ist’s auch kein Beinbruch. Die Idee Sachkapital breit gestreut über Branchen und Länder finde ich erstmal gut.

    Grundsätzlich ist mir das System schon einleuchtend = Risikostreuung über breite Verteilung (Länder, Branchen) und permanente Neujustierung (Anteil eines Unternehmens an am ETF richtet sich nach Wert des Unternehmens in dem abzubildenden Index).

    Der ETF muss also ständig Unternehmensanteile kaufen/verkaufen, je nachdem, wie sich die von ihm gehaltenen Unternehmen gegenüber den anderen Unternehmen entwickeln. Verkauft wird, wenn sich ein Unternehmen schlecht entwickelt (der Kurs und damit der Wert des Unternehmens fällt) und gekauft wird, wenn sich ein Unternehmen gut entwickelt (der Kurs und damit der Wert des Unternehmens steigt).

    Das widerspricht erstmal dem „normalen Instinkt“ eines Kapitalanlegers, der kauft, wenn er in dem Unternehmen positives Kurssteigerungspotential sieht und dessen Kurs eher schlecht ist bzw. verkauft, wenn er im Unternehmen kein großes Kurssteigerungspotential mehr sieht und der Kurs eher gut ist.

    Zumindest beim Verkauf handelt ein passiver ETF da antizyklisch: er verkauft, wenn die Kurse fallen.

    Trotzdem haben sich in der Vergangenheit solche „dummen“ passiven ETFs nicht schlechter (eher sogar besser) entwickelt, als aktiv gemanagte EFTs.

    Gibt es eine Erklärung dafür, warum diese eher unsinnige Strategie so gut funktioniert?

    Liegen die „Profis“ tatsächlich bei ihren Prognosen so oft daneben?

    Die Haltung der ETF-Investoren finde ich da vernünftiger: kaufen und vergessen (bzw. eigentlich ist buy and hold zu übersetzen mit kaufen und halten – vergessen statt halten finde ich da aber passender). Diese Strategie scheint mir deshalb sinnvoll, weil im Gegensatz zum Halten einer einzigen Firma der ETF kaum auf 0 sinken kann. Eine einzelne oder auch mehrere Unternehmen von vielleicht hunderten oder tausenden Unternehmen, die in einem ETF enthalten sind, können Pleite gehen - aber alle Unternehmen gleichzeitig werden es bestimmt nicht und schwache (im Ernstfall insolvente) Unternehmen werden in einem ETF durch andere Unternehmen ersetzt. Hält man selber die Aktien eines Unternehmens, ist das (fast immer) nicht der Fall, weil man keine Verluste realisieren möchte und glaubt, dass sich das schon irgendwie mit der Zeit regeln wird (tut es übrigens auch, das Geld ist dann weg).

    Die Webseite (und auch die Videos) von euch finde ich übrigens sehr gut. Kleine Einschränkung: ich habe mir nur die Geldanlageseite angeschaut, im Wesentlichen ETFs, nicht Versicherungen, Bankkonten usw.

    Etwas nervig finde ich dabei das Beharren auf „weltweite Anlage ist das Beste“ (in der Regel also MSCI world und ähnliches). Da spricht in der Tat zwar einiges für – aber weshalb sollte man „Andersdenkende“ (insbesondere diejenigen, die anderen Regionen wie die USA in der nächsten Zeit eine bessere Entwicklung zutrauen) so einschüchtern?

    Die USA sind ein großer Markt, aber Europa ist (gemessen an der Zahl der Einwohner) noch größer. Trotzdem hat sich Europa in den letzten (30) Jahren weniger gut entwickelt – insbesondere wegen der in den USA deutlich geringeren Scheu vor kreditfinanziertem Konsum. Dieses Leben über die eignen Verhältnisse wird meiner Meinung nach nicht ewig weitergehen können.

    Als Abhilfe sieht zum Beispiel der Mar a Lago Accord (ich bin alles Mögliche, aber bestimmt kein Trumpfan) vor, dass die Rückzahlung von US-Anleihen auf ewig (100 Jahre) gestreckt wird und die Verzinsung auf 0 gesenkt wird. Auch wenn mir das als Europäer (und damit eher Gläubiger) nicht gefällt: damit könnte die USA auf Kosten der anderen Länder mit Hilfe einer „ordentlichen“ Inflation und einem schwachen Dollar (auch die Währung US$ soll eher abgewertet werden) aus ihrem Zinstal der Tränen herauskommen.

    Trotzdem keine schönen Aussichten für normalsterbliche US-Bürger und aus Sicht der USA ausländische Investoren (also uns).

    Dazu kommt, dass für die aktuellen großen US-Unternehmen (KI) sehr hohe Investitionen anstehen, die mit Krediten finanziert werden. Wenn das über höhere Gewinne belohnt wird: prima. Wenn nicht: gute Nacht.

    Ob zum Beispiel Europa da weniger risikobehaftet ist, kann heute keiner sagen.

    Was ich von Finanztip in meiner Findungsphase „was kaufe ich mir denn so“ gefehlt hat, waren im Wesentlichen die Antwort auf 2 Fragen:

    Wo kann ich mir die Kursentwicklung einzelner ETFs genau ansehen?

    Wie sieht das Geschäftsmodell der Neo-Broker aus bzw. wie verdienen die ihr Geld?

    Ersteres habe ich bei fnanzen.net gefunden. Vermutlich gibt es da auch noch andere Quellen. Auch auf Finanzhtip.de werden einige ausgewählte ETFs aufgeführt, die sind aber stark gekürzt und nur dann zu finden, wenn sie in euren Empfehlungen enthalten sind (immerhin besser als nichts).

    Wertsteigerung lt. finanzen.net für

    MSCI Word allgemein / HSBC MSCI World UCITS ETF /

    Stoxx Euro 600 allgemein / Amundi Core Stoxx Europe Stoxx 600 ETF

    über 1/3/5 Jahre:

    1 Jahr 19,5% / 22,01% / 16% / 20,93%

    3 Jahre 69,9% / 79,76% / 38,12% / 52,14%

    5 Jahre 64,7% / 79,82% / 47,4% / 70,22%

    MSCI lief tatsächlich besser als Europa – aber der Euro Stoxx (konkret Amundi) lief gegenüber dem MSCI world (konkret HSBC) über 1 und 5 Jahre nur geringfügig (rd. 10%) schlechter.

    Letztlich ist das Kaffeesatzleserei: keiner kann heute sagen, ob und wie sich die Märkte entwickeln, wir kennen nur die Daten aus der Vergangenheit.

    Letzteres (Geschäftsmodell Neo-Broker) ist nur mit viel Suche und dann auch nur indirekt (keiner wird da seine Geschäftsgeheimisse so ganz exakt ausplaudern wollen) zu finden.

    Letztlich (über)lebt der Neo-Broker anscheinend durch Seilschaften (Verträge) mit Emittenten (ETFs z. B.), Börsen, konto- und deopotführenden Kreditinstituten. Vielleicht könntet ihr da etwas Licht ins Dunkle bringen. Für mich als Anleger ist es schon wichtig, ob alle Beteiligten (ETF, Broker, Bank) ein tragfähiges Geschäftsmodell haben oder ob ich mit deren wirtschaftlichem Exitus ggf. verbunden mit kriminellen Handlungen rechnen muss.

    Ich finde den Spruch „Investiere nur in das, was du verstehst“ oder allgemein „erst denken, dann handeln“ auch heute noch für sinnvoll.

    Ihr macht da übrigens sehr gute Aufklärungsarbeit - vielen Dank dafür.

    vlG

    Manfred

  • Kater.Ka 2. Januar 2026 um 08:45

    Hat das Thema freigeschaltet.
  • Willkommen im Forum.

    In dem langen Beitrag teile ich einige Aussagen nicht, wobei es dann eher um Meinungen als Fakten geht, z.B. ob Trendfolge (ETF nach Börsenkapitalisierung) oder Contrarian-Ansatz besser ist.

    Die Aussage zu den Kursentwicklungen Welt vs. Europa kann ich nicht nachvollziehen; ich vermute, dass hier der Währungseffekt fehlt.

    Vergleich auf €-Basis hier https://www.fondsweb.com/de/vergleichen…33,LU0908500753 wobei hier gut sichtbar ist, dass Welt langfristig besser performte als Europa, in 2025 aufgrund der Dollar-Schwäche dies sich umkehrte.

    Zum Thema Payment for orderflow möchte ich anmerken, dass das Arbeiten mit Provisionen etc. im Finanzgewerbe nicht unüblich ist. Das Beratungsgeschäft der Banken finanziert sich z.B. aus Verkaufs- und Halteprovisionen, wober der Kunde beim Abschluss dann dazu gezwungen wird, auf die Weitergabe der Provisionen zu verzichten. Insofern ist die Kritik an den Neobrokern mMn insoweit nicht angebracht. Hinsichtlich Sicherheit liegen zur Abwicklung Banken dahinter oder die Neobroker sind selbst regulierte Banken. Verwahrung erfolgt an anderer Stelle, wodurch das Risiko nicht grundsätzlich anders sein sollte als bei einer üblichen Bank. Unabhängig davon würde ich einer Bank nie trauen und habe daher meine Anlagen auch über die Depotanbieter stark gestreut.

  • Kater.Ka 2. Januar 2026 um 08:46

    Hat den Titel des Themas von „3 Tehmenvorschläge, z. B. wie verdienen Neo-Broker ihr Geld?“ zu „3 Themenvorschläge, z. B. wie verdienen Neo-Broker ihr Geld?“ geändert.
  • Der ETF muss also ständig Unternehmensanteile kaufen/verkaufen, je nachdem, wie sich die von ihm gehaltenen Unternehmen gegenüber den anderen Unternehmen entwickeln.

    Jein.

    Das hängt davon ab, wie der ETF "repliziert". Physisch (also wirklich die zugrunde liegenden Wertpapiere kauft) oder synthetisch (mit Swaps). Dann gibt es auch noch das "Sampling", d.h. es werden gar nicht alle Papiere dies zugrunde liegenden Index gekauft, sondern nur eine Auswahl.

    Zudem kann ein ETF auch intern Cash-Positionen haben, muss also nicht fortwährend kaufen und verkaufen.

    Zitat

    Verkauft wird, wenn sich ein Unternehmen schlecht entwickelt (der Kurs und damit der Wert des Unternehmens fällt) und gekauft wird, wenn sich ein Unternehmen gut entwickelt (der Kurs und damit der Wert des Unternehmens steigt).

    Warum sollte das der Fall sein? Angenommen, an einem ETF werden weder Anteile gekauft noch verkauft, so muss der ETF eigentlich gar nichts kaufen oder verkaufen, um die Kursentwicklung der Wertpapiere abzubilden.

  • Bezugnehmend auf diese Frage: Weshalb funktioniert bei einem passiven ETF die ETF-Strategie „verkaufen, wenn der Kurs der Aktie sinkt“?

    Diese Formulierung bringt meiner Meinung nach ein gewisses Miss- oder Unverständnis zum Ausdruck.
    Zwei Punkte sollten klar werden:

    1. der zugrundeliegende Index hat eigene Regeln (z.B. die definiert größten Unternehmen einer Region). Die meisten Indizes werden vierteljährlich aktualisiert. Die Änderungen sind meist eher gering bis moderat. Der ETF Anbieter muss also jedes Viertel Jahr prüfen, ob bzw. Wie er auf die Änderungen reagiert um weiterhin sein Ziel den Index abzubilden zu erreichen. Ein Grund, warum das erfolgreich ist langfristig, ist einfach die Tatsache, dass langfristig so immer die größten und damit erfolgreichsten Unternejmen abgebildet sind ohne Bias. Das läuft statistisch wissenschaftlich im Schnitt besser als aktives Management.

    2. wie der Anbieter das abbildet ist technisch variabel. Physisch, Swap basiert oder gemischt. Das hat etwas damit zu tun, wie der Anbieter sein Ziel einen ETF, der den Kurs abbildet des Index, praktisch umsetzt. Das hat aber nichts damit zu tun, warum ETF auf Indices im Schnitt besser laufen als gemanagte Fonds der gleichen Region.