Steuererklärung bei ETFs

  • Moin liebe Community,

    ich bin ganz neu hier und habe eine hoffentlich einfache Frage, die ich aber sonst mit dem Internet nicht mit 100% Sicherheit beantwortet bekomme:

    Muss ich mir beim Kauf von ETFs heutzutage (also nach 2018) überhaupt noch Gedanken um eine Steuererklärung machen?
    Oder kann ich getrost das Thema Steuererklärung abhaken / vergessen, ohne dass ich mich irgendwie strafbar mache, egal, ob es nun ein ausschüttender oder thesaurierender ETF ist, dieser sein Fondsdomizil in Deutschland, Luxemburg oder Irland hat oder dieser physisch oder synthetisch ist?
    Gibt es da Ausnahmen? Muss ich irgendetwas besonders beachten?

    Wie sieht es aus, wenn ich über den Sparer-Pauschbetrag komme?

    Vielen Dank
    NeatSparfuchs

  • Hallo @NeatSparfuchs, willkommen im Forum!

    Die ausführlichen Infos findest Du hier:
    https://www.finanztip.de/indexfonds-etf…erreformgesetz/

    Die Kurzversion heißt: Wenn Du das Depot bei einer deutschen Bank hast, führt diese alle erforderlichen Steuern direkt ab. Wenn Du einen Freistellungsauftrag erteilt hast, wird der berücksichtigt, und nur die Erträge oberhalb werden abgeführt. Deine Steuerpflicht ist damit abgegolten, d.h. Du musst in der Steuererklärung gar nichts mehr dazu angeben.

    Wenn die Erträge komplizierter werden (z.B. ausländische Dividenen mit Quellensteuer) oder Du individuelle Steuersparmodelle hast, musst/kannst Du dies in der Steuererklärung berücksichtigen. Dazu bekommst Du im Frühjahr eine Steuerbescheinigung der Bank fürs abgelaufene Jahr, in der alle relevanten Infos enthalten sind.

  • Zwei Anmerkungen zum umfassenden Kurzbeitrag von @tobiasweiss

    Wie sieht es aus, wenn ich über den Sparer-Pauschbetrag komme?

    Da sollte man beachten, dass man beim Thesaurierer Liquidität für die Vorabpauschale bereitstellen muss. Durch den derzeit niedrigen Zinssatz reden wir hier üblicherweise von Kleinstbeträgen, das könnte sich irgendwann mal ändern.

    Dann gab es hier schon erfrischende Diskussionen wie der Sparerpauschbetrag optimal ausgeschöpft wird. Wenn man sonst nichts hat sind je nach Ausschüttungshöhe 20 - 50 T€ im Ausschütter gut aufgehoben. Dagegen laufen ggf. erhöhte Transaktionskosten und etwas schlechtere Fondskosten. Ist also ein individuelles Rechenexempel.

  • Moin @tobiasweiss,

    Vielen dank für die schnelle Antwort!

    Also müsste ich, wenn ich bei der DKB diesen ETF kaufe, ISIN IE00B4X9L533, keine Steuererklärung ausfüllen?

    Was mich aber weiter verwirrt (und das war auch das Problem bei den anderen Artikeln im Internet), ist der von dir angesprochene Punkt "Wenn die Erträge komplizierter werden".

    - Was ist denn nun der Unterschied zwischen "ausländischen Dividenden" und den Dividenden / Ausschüttungen dieses ETFs mit Domizil im Ausland (Irland) bestehend aus vielen internationalen (ausländischen) Firmen? Das verstehe ich nicht und hat mich bisher verwirrt...

    - Was ist mit individuellen Steuersparmodellen gemeint?

    Vielen Dank
    NeatSparfuchs

  • Moin @tobiasweiss,

    Vielen dank für die schnelle Antwort!

    Also müsste ich, wenn ich bei der DKB diesen ETF kaufe, ISIN IE00B4X9L533, keine Steuererklärung ausfüllen?

    Was mich aber weiter verwirrt (und das war auch das Problem bei den anderen Artikeln im Internet), ist der von dir angesprochene Punkt "Wenn die Erträge komplizierter werden".

    - Was ist denn nun der Unterschied zwischen "ausländischen Dividenden" und den Dividenden / Ausschüttungen dieses ETFs mit Domizil im Ausland (Irland) bestehend aus vielen internationalen (ausländischen) Firmen? Das verstehe ich nicht und hat mich bisher verwirrt...

    - Was ist mit individuellen Steuersparmodellen gemeint?

    Vielen Dank
    NeatSparfuchs

  • Moin @ Kater.Ka,

    ja über dieses Thema habe ich auch schon sehr viel gelesen und weiß letztendlich immer noch nicht was das Richtige ist^^

    Ich habe jetzt knapp 60.000€ "Bar" zur Verfügung.
    Mein Plan war es jetzt eine einmal Investition zu machen von 10.000€ 70/30 in MSCI World/EM.
    Dazu wollte ich zwei Sparpläne erstellen mit 1400€ im Monat in der gleichen Aufteilung.
    So habe ich bis zu meinem Arbeitseintritt in ca. 2,33 Jahren 50.000€ ins Depot eingezahlt.
    Bis dahin werde ich noch ca. 10.000€ ansparen können, sodass dann 20.000€ auf dem Konto liegen.

    Da ich mein Einstiegsgehalt aufgrund der Branche schon kenne und ich auch weiß wie es sich im regulären Fall fest nach wie vielen Jahre wie entwickeln wird, weiß ich, dass ich die 1400€ sehr wahrscheinlich recht einfach weiter bis zum Renteneintritt (inflationsangepasst natürlich) beiseite legen kann.

    Dabei habe ich mich für die DKB entschieden, da es hier Festkosten gibt und ich mit diesen Beträgen einfach viel günstiger wegkomme als bei comdirect, obwohl mir das vom Interface und dem ganzen drum herum deutlich mehr zusagt.

    Jetzt habe ich immer wieder gelesen, dass wegen des Sparerpauschbetrags eine Anlage in Ausschütter am besten sei, um diesen mitzunehmen. Ich muss dazu aber sagen, dass ich nicht wirklich viel Lust habe regelmäßig in das Depot zu gehen, um diese Ausschüttungen dann alle 3 Monate anzupassen, das klingt nervig.

    Hast du da Erfahrungen mit? Wie gehst du da vor und wie gehst du dann mit den Ausschüttungen um?

    NeatSparfuchs

  • Was ist denn nun der Unterschied zwischen "ausländischen Dividenden" und den Dividenden / Ausschüttungen dieses ETFs mit Domizil im Ausland (Irland) bestehend aus vielen internationalen (ausländischen) Firmen? Das verstehe ich nicht und hat mich bisher verwirrt...

    Wenn Du z.B. ausländische Aktien hast wird die ausländische Quellensteuer abgeführt, die z.T. angerechnet wird, z.T. nur über komplizierte Antragsverfahren zurückkommen. Das umgehst Du mit dem ETF..

    Also müsste ich, wenn ich bei der DKB diesen ETF kaufe, ISIN IE00B4X9L533, keine Steuererklärung ausfüllen?

    s. https://www.finanztip.de/steuererklaerung-anlage-kap/

    - Was ist mit individuellen Steuersparmodellen gemeint?

    Das was der Name sagt. Konstruktionen, die darauf optimiert sind, Steuern zu sparen. Hat nichts m it Deiner geplanten ETF-Anlage zu tun.

    Wie gehst du da vor und wie gehst du dann mit den Ausschüttungen um?

    Man kann das umschiffen indem man die Sparrate nach Ausschüttung um den Ausschüttungsbetrag erhöht. Damit ist dann die Wiederanlage quasi kostenlos, da Du ja eine pauschale Transaktionsgebühr bei DKB zahlst.

    Jetzt habe ich immer wieder gelesen, dass wegen des Sparerpauschbetrags eine Anlage in Ausschütter am besten sei, um diesen mitzunehmen.

    Bei 50 T€ ist der Punkt, wo bei 2% Ausschüttung und 30% TFS die Steuergrenze liegt.
    Bei Thesaurierer zahlst Du aktuell nur 0,07% Basiszins * 0,7 * 0,7 also 0,343 Promille Vorabpauschale. Bei 50T€ also rund 17€, den Rest des Pauschbetrages verschenkst Du. 801€ Pauschbetrag sind über KapESt und Soli rund 211 € mehr Einkommen sind musst Du Dir das überlegen.

    Es gibt auch die Variante Sparplan mit Thesaurierer und Teilverkauf und Neukauf vor Jahresende, kostet bei der DKB je 10 €, wobei man den Neukauf ggf. über den Sparplan machen kann. Da musst Du nur einmal dran denken und kannst es gut steuern und wenn Du es vergisst passiert nix.

  • Du kommst ja mit Deiner geplanten monatlichen Sparrate von 1400 € schnell auf hohe Depotwerte. In gut 30 Jahren bei durchschnittlich 7% Rendite werden das 2 Mio. € nominal. Wenn Du das über Sparpläne abdeckst, würde ich bei der Auswahl der ETF immer auf die Aktionen der Banken achten.

    Die DKB hat derzeit 119 ETF von Amundi, Vanguard und Lyxor im Angebot. Zwar nicht kostenlos, aber immerhin mit 0,49 EUR pro Ausführung recht günstig:
    https://www.dkb.de/privatkunden/aktion-etf-sparplaene

    Andere Banken haben auch viele ETF komplett kostenlos im Sparplan. Dein o.g. ETF ist grundsätzlich gut, aber vielleicht wäre eine andere Bank und andere ETF wegen der Kaufkosten besser für Dich.

  • @Kater.Ka

    das Prinzip mit dem Umschiffen hätte ich jetzt tatsächlich auch so gemacht wie du es gesagt hast, nur habe ich ein bisschen bedenken was den Aufwand angeht. Ich muss dann also jedes Quartal einmal in mein Depot gucken und meine Sparpläne für einen Monat korrigieren? Weißt du, ob man die Erhöhung für nur den nächsten Monat einstellen kann, oder muss ich den Sparplan im Monat darauf wieder zurücksetzen? Sodass ich 8 Mal im Jahr mein Depot checken muss?

    Wie kann ich mir denn ungefähr ausrechnen wie viel ich bei der Thesaurierer-Teilverkauf-Variante am Jahresende verkaufen müsste? Denn diese Variante klingt eigentlich viel besser.

  • @tobiasweiss

    Das stimmt, das habe ich mir auch so ausgerechnet und bei mir kommen da noch 14 Jahre bis zum heutigen Renteneintrittsalter obendrauf.
    Aber was hat das mit den Sparplänen und möglichen Aktionen zu tun?

    Ich habe mir bereits zuvor die Aktionen angesehen, da ich neben der DKB schon mal ein Depot bei der comdirect eröffnet habe (was ich aber aus zeitlichen Gründen nicht genutzt habe).
    Bei diesen Aktionen finde ich aber immer nur ETFs, die von der TER deutlich teurer sind. Beim MSCI World lag die Differenz bei 0,15% zu meinem gewählten.
    Das heißt also, dass ich bei 1000€ Sparplan mit 1,5€ Fixpreis nach einem Jahr die Mehrkosten doch bereits wieder drin hab. Und auf 44 Jahre gesehen werden aus diesen 0,15% 6,8% und somit ca. 68€.
    Oder habe ich da einen Rechenfehler?

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