Kapitalerträge in der Steu­er­er­klä­rung

Wer die Anlage KAP ausfüllen muss und wer es sollte

Udo Reuß
Finanztip-Experte für Steuern
13. August 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Zinsen, Dividenden und Gewinne aus Wertpapier- und Fondsverkäufen sind steuerpflichtige Kapitalerträge. Davon zieht Deine Bank die 25-prozentige Abgeltungssteuer ab.
  • Kapitalerträge bis 801 Euro im Jahr je Person sind steuerfrei (Sparerfreibetrag). Mit Freistellungsaufträgen oder einer Nicht­ver­an­la­gungs­be­schei­ni­gung können Sparer verhindern, dass die Bank Abgeltungssteuer abführt.
  • Die meisten Anleger müssen in ihrer Steu­er­er­klä­rung keine Angaben über ihre Kapitalerträge machen und können auf die Anlage KAP verzichten.
So gehst Du vor
  • Die Anlage KAP musst Du beispielsweise ausfüllen, wenn Du noch nicht in Deutschland versteuerte Kapitalerträge auf ausländischen Konten und Depots, Zinsen aus Privatdarlehen oder Erstattungszinsen vom Finanzamt erhalten hast.
  • Du solltest die Anlage KAP abgeben, wenn Du zum Beispiel den Sparerpauschbetrag nicht ausgeschöpft hast oder Dein persönlicher Grenzsteuersatz unter 25 Prozent liegt (Günstigerprüfung). So holst Du Dir zu viel bezahlte Kapitalertragsteuer und Soli zurück.
  • Die Anlage solltest Du auch einreichen, wenn Du Gewinne und Verluste auf mehreren Depots miteinander verrechnen oder zu viel bezahlte Abgeltungssteuern korrigieren lassen willst. 
  • Der Bundesfinanzhof hält die beschränkte Verlustverrechnung für Ak­tien­ver­äu­ße­rungs­ver­luste für verfassungswidrig. Gegen einen Steuerbescheid kannst Du Dich innerhalb eines Monats mit unserem Mustereinspruch wehren (siehe Kapitel 5).

Wer Kapitalerträge erzielt, muss darauf ab einer bestimmten Höhe Steuern zahlen. Seit 2009 werden Zinsen, Dividenden und Gewinne aus Wertpapier- und Fondsverkäufen aber anders besteuert als die anderen Einkunftsarten, beispielsweise das Gehalt. Damals wurde zur Steuervereinfachung das System der Abgeltungssteuer eingeführt.

Wie hoch sind die Steuern auf Kapitalerträge?

Fast alle Kapitalerträge unterliegen pauschal 25 Prozent Abgeltungssteuer, zuzüglich 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag. Das sind insgesamt 26,375 Prozent. Für Kirchenmitglieder ist außerdem Kirchensteuer fällig (9 Prozent, in Bayern und Baden-Württemberg 8 Prozent als Zuschlag auf die Steuer). Gesetzlich geregelt ist die Kapitalertragsteuer in Paragraf 32d Einkommensteuergesetz (EStG), die Einkünfte aus Kapitalvermögen in Paragraf 20 EStG

Banken und Versicherungen in Deutschland führen diese Steuern anonym an das zuständige Betriebsfinanzamt ab. In diesen Fällen sind die Zinsen, Dividenden und Gewinne aus Aktien- sowie Fondsverkäufen abgeltend versteuert. Das heißt: Viele Steuerzahler brauchen sie nicht extra in ihrer Steu­er­er­klä­rung anzugeben und müssen daher auch nicht die Anlage KAP ausfüllen.

Aber es gibt auch Fälle, in denen die Anlage KAP erforderlich ist oder Du sie ausfüllen solltest, um Dir zu viel bezahlte Abgeltungssteuer vom Finanzamt zurückzuholen.

Das System mit Abgeltungssteuer und Freistellungsaufträgen funktioniert nur mit Erträgen, die Deinem Depot oder Konto in Deutschland gutgeschrieben werden. Ausländische Finanzinstitute führen für Dich keine Steuern an den deutschen Fiskus ab. Wohnst Du in Deutschland und erzielst Kapitalerträge bei ausländischen Banken, dann musst Du diese selbst in Deiner Steu­er­er­klä­rung angeben, damit das Finanzamt nachträglich Kapitalertragsteuer abziehen kann.

Hast Du ausländische Aktien oder Fonds, dann kommt es oft vor, dass der ausländische Staat Quellensteuer einbehält. Diese fällt von Land zu Land unterschiedlich hoch aus. Deine deutsche Depotbank darf in vielen Fällen davon 15 Prozentpunkte auf die deutsche Abgeltungssteuer anrechnen. Den restlichen Betrag kannst Du Dir unter Umständen vom ausländischen Staat erstatten lassen.

Bis zu welcher Höhe sind Kapitalerträge steuerfrei?

Jedem Bürger steht ein Sparerpauschbetrag von 801 Euro im Jahr zu, einem zusammenveranlagten Ehepaar 1.602 Euro. Bis dahin sind die Kapitalerträge steuerfrei. Nur der Betrag oberhalb des Freibetrags ist steuerpflichtig.

Mit einem Freistellungsauftrag bis zu dieser Höhe kannst Du verhindern, dass Deine Bank in Deutschland Abgeltungssteuer abführt. Führst Du mehrere Konten oder Depots, dann solltest Du den Betrag dementsprechend aufteilen. Jedes Institut benötigt einen eigenen Freistellungsauftrag, dabei darf der Sparerpauschbetrag insgesamt nicht überschritten werden.

Oft passiert es jedoch, dass Anleger die Aufträge ungeschickt verteilt haben und einen Steuerabzug hatten – trotz eines nicht ausgeschöpften Sparerpauschbetrags. Die zu viel bezahlte Abgeltungssteuer können sie sich dann mit der Anlage KAP zurückholen.

Tipp: Hast Du mehreren Finanzinstituten Freistellungsaufträge erteilt? Erhältst Du Zinsen, Dividenden und realisierte Kursgewinne auf mehreren Konten und Depots? Damit Du den Überblick bewahrst und die freigestellten Beiträge möglichst optimal verteilst, stellen wir Dir eine kostenlose Excel-Vorlage zur Verfügung. 

Mustervorlage Freistellungsaufträge

Hier kannst Du Dir unsere kostenlose Excel-Vorlage zur Kontrolle erteilter Freistellungsaufträge herunterladen:

Zum Download

Übrigens: Der Sparerpauschbetrag zählt im Steuerrecht zu den Werbungskosten. Wenn Du den Pauschalbetrag nutzt, kannst Du darüber hinaus keine weiteren Werbungskosten für Deine Einkünfte aus Kapitalvermögen absetzen.

Nicht­ver­an­la­gungs­be­schei­ni­gung vor allem für Rentner und Studenten

Sofern Du mit Deinem insgesamt zu versteuernden Einkommen nicht über den Grundfreibetrag (2020: 9.408 Euro, 2021: 9.744 Euro, 2022: 9.984 Euro) kommst, musst Du keine Steuern darauf zahlen – auch nicht auf Kapitalerträge. Dies betrifft insbesondere Studenten, Kinder mit eigenem Vermögen, Rentner, Minijobber und andere Geringverdiener. Hier kommt noch der Sparerpauschbetrag von 801 Euro und der Sonderausgaben-Pauschbetrag von 36 Euro hinzu.

Falls Du darunter fällst, kannst Du beim Finanzamt eine Nicht­ver­an­la­gungs­be­schei­ni­gung beantragen. Die Bescheinigung gilt bis zu drei Jahre; Du musst sie der Bank vorlegen. Diese zieht dann von Deinen Kapitalerträgen keine Abgeltungssteuer ab. Ändern sich Deine persönlichen Verhältnisse, musst Du das dem Finanzamt mitteilen. Dann verliert die sogenannte NV-Bescheinigung ihre Gültigkeit.

Mit einem Freistellungsauftrag oder einer NV-Bescheinigung kannst Du den Abzug der Abgeltungssteuer vorweg verhindern.

Solltest Du das versäumt haben, kannst Du Dir mit einer Steu­er­er­klä­rung die einbehaltene Abgeltungssteuer zurückholen.

Welche Anlagen für Kapitalerträge gibt es?

Seit 2018 werden Erträge aus Investmentfonds grundlegend anders besteuert als zuvor. Die Investmentsteuerreform hat erstmals Auswirkungen in der Steu­er­er­klä­rung 2018.

Neben der entschlackten Anlage KAP gibt es jetzt zwei neue Formulare: Die Anlage KAP-INV musst Du ausfüllen, wenn Du Investmentanteile hältst, die bei einer ausländischen Bank oder Fondsgesellschaft verwahrt werden. Denn das ausländische Finanzinstitut führt keine Abgeltungssteuer an den deutschen Fiskus ab.

Die neue Anlage KAP-BET müssen nur Anleger ausfüllen, die Kapitalerträge oder anrechenbare Steuern aus der Beteiligung an einer Personengesellschaft haben.

Die meisten Anleger müssen in ihrer Steu­er­er­klä­rung keine Angaben über ihre Kapitalerträge machen und können auf die Anlage KAP verzichten. Hast Du nur Erträge aus einem inländischen Depot oder Konto, dann kümmert sich die Bank um die korrekte Besteuerung. Sie führt die Abgeltungssteuer ab, die eben eine abgeltende Wirkung hat. Und damit ist für Dich steuerlich alles erledigt.

Außerdem erhältst Du zu Jahresbeginn für das Vorjahr eine Steuerbescheinigung. Diese beinhaltet alle Werte: Höhe der Kapitalerträge, abgeführte Kapitalertragsteuer, Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag. Zudem kannst Du ihr entnehmen, in welche Zeilen der Anlage KAP Du diese Werte eintragen musst – für den Fall, dass Du diese ausfüllen möchtest. Eine Arbeitshilfe für die Steu­er­er­klä­rung 2020 hat das Bayerische Landesamt für Steuern zur Verfügung gestellt.

In manchen Situationen kann sich das lohnen. Denn nur so kannst Du Dir vom Finanzamt zu viel bezahlte Abgeltungssteuern zurückholen. Ehepaare müssen beachten, dass für jeden Partner eine Anlage KAP auszufüllen ist.

Die Reform der Fondsbesteuerung sorgt dafür, dass die meisten Steuerzahler weniger Arbeit mit der Steu­er­er­klä­rung haben, weil in- und ausländische Fonds gleichbehandelt werden. Wenn Du aber ein Auslandsdepot hast, dann musst Du Dich weiterhin selbst um die korrekte Besteuerung Deiner Kapitalerträge kümmern.

Unser Podcast zum Thema

Wann musst Du eine Anlage KAP abgeben?

Wenn von Deinen Kapitalerträgen noch keine Abgeltungssteuer einbehalten und ans Finanzamt abgeführt wurde, dann musst Du diese grundsätzlich in der Anlage KAP aufführen. Dies ist beispielsweise in folgenden Fällen erforderlich.

Auslandsdepot

Du hast das Geld in einem ausländischen Depot oder Konto angelegt. Ausländische Banken und Fondsgesellschaften behalten keine Abgeltungssteuer ein. Daher musst Du diese Kapitalerträge in Zeile 19 und in der Anlage KAP-INV detailliert eintragen. Angeben musst Du dort Deine kompletten Ausschüttungen (ab Zeile 4) und Ver­äuß­er­ungs­ge­winne für jeden einzelnen Fonds. Denn die Gewinnermittlung erfolgt fondsbezogen. Hast Du Fondsanteile zu unterschiedlichen Zeitpunkten gekauft, dann musst Du jede Tranche in einer eigenen Spalte erfassen.

Hinweis: Jedes Jahr gibt es neue Steuerformulare. Die Zeilenangaben in diesem Ratgeber beziehen sich auf die Steu­er­er­klä­rung 2020. Gute Steuerprogramme unterstützen Dich beim Ausfüllen Deiner Steu­er­er­klä­rung.

Mehr dazu im Ratgeber Steuersoftware

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Privatdarlehen

Du hast Zinsen aus einem Privatdarlehen eingenommen? Die Abgeltungssteuer gilt auch bei Geschäften unter Angehörigen, wenn sie so abgewickelt werden, wie es unter Fremden üblich ist. Fällt eine Forderung endgültig aus, kann dies zu einem steuerlich anzuerkennenden Verlust führen (Bundesfinanzhof, Urteil vom 24. Oktober 2017, Az. VIII R 13/15).

Erstattungszinsen vom Finanzamt

Hast Du im letzten Jahr Zinsen vom Finanzamt erhalten, dann musst Du ebenfalls die Anlage KAP abgeben. Mit 0,5 Prozent monatlich, also 6 Prozent im Jahr, verzinst das Finanzamt nach einer Karenzzeit von 15 Monaten Steuerrückerstattungen. Doch auch darauf ist Abgeltungssteuer fällig. Deshalb musst Du die Erstattungszinsen in der Zeile 18 als „Kapitalerträge, die nicht dem inländischen Steuerabzug unterlegen haben“ eintragen.

Dass Du Steuern auf Zinsen vom Finanzamt zahlen musst, ist unbestritten. Ob die Versteuerung tatsächlich in dieser Höhe rechtmäßig ist, muss das Bundesverfassungsgericht aber noch entscheiden (Az. 2 BvR 482/14). Deshalb setzen die Finanzämter in neuen Steuerbescheiden die Zinsen nur vorläufig fest (Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 2. Mai 2019). Ein Einspruch gegen den Steuerbescheid ist dann nicht erforderlich.

Übrigens: Wenn Du Zinsen vom Finanzamt erhalten hast, dann musst Du eine Steu­er­er­klä­rung 2020 bis zum 31. Oktober 2021 beim Finanzamt abgeben.

Kirchensteuer auf Kapitalerträge noch nicht abgeführt

Anleger, die Kirchenmitglieder sind, müssen auf ihre Erträge zusätzlich Kirchensteuer zahlen. In der Regel führt sie die Bank ab. Wer dem widersprochen hat, der muss seine Kapitalerträge in der Anlage KAP angeben. Die Kirchensteuer wird dann über die Steu­er­er­klä­rung festgesetzt.

Um die Anlage KAP richtig ausfüllen zu können, benötigst Du Informationen von Deiner Bank. Kreditinstitute müssen jedem Anleger jährlich eine kostenlose Steuerbescheinigung ausstellen. Darin ist unter anderem aufgelistet:

  • die Höhe der Kapitalerträge,
  • Gewinne aus Aktienveräußerungen,
  • Er­satz­be­mes­sungs­grund­la­ge,
  • Höhe des nicht ausgeglichenen Verlustes,
  • Höhe des in Anspruch genommenen Sparerpauschbetrags,
  • Kapitalertragsteuer,
  • Solidaritätszuschlag,
  • Kirchensteuer zur Kapitalertragsteuer,
  • Summe der angerechneten ausländischen Steuer,
  • Summe der anrechenbaren noch nicht angerechneten ausländischen Steuer sowie
  • Informationen zu ausländischen thesaurierenden Investmentfonds – inklusive der jeweils relevanten Zeile in der Anlage KAP.

Solltest Du Konten und Depots bei mehreren Banken und dadurch mehrere Steuerbescheinigungen haben, zähle die Beträge zusammen und trage die Summen ein.

Helfer für die Steu­er­er­klä­rung

In welchen Fällen solltest Du die Anlage KAP einreichen?

Es gibt auch Situationen, in denen Du zwar die Anlage KAP nicht ausfüllen musst, es aber trotzdem tun solltest, um zu viel bezahlte Steuern zurückzubekommen.

Sparerpauschbetrag nicht ausgeschöpft

Hast Du entweder keinen oder zu niedrige Freistellungsaufträge gestellt und insgesamt nicht mehr als 801 Euro an Kapitalerträgen im Jahr eingenommen, dann kannst Du die darauf einbehaltene Abgeltungssteuer zurückbekommen. Dafür musst Du in Zeile 7 die Kapitalerträge angeben. Gewinne aus Aktienverkäufen müssen zusätzlich noch in Zeile 8 eingetragen werden.

Ab Zeile 37 trägst Du die einbehaltene Abgeltungssteuer, den Solidaritätszuschlag und die Kirchensteuer ein. Damit das Finanzamt diese anrechnet, musst Du diese mit Deinen Original-Steuerbescheinigungen nachweisen.

In Zeile 16 gehört der in Anspruch genommene Sparerpauschbetrag. Falls dieser überhaupt nicht berücksichtigt wurde, trage dort 0 ein.

Der Fall, dass der Sparerpauschbetrag nicht ausgeschöpft wurde, kommt häufiger bei Frischverheirateten vor. Gemeinsam stehen beiden 1.602 Euro zu. Hatte der eine Partner beispielsweise 1.600 Euro Kapitalerträge und der andere keine, so lässt sich der Abzug von Abgeltungssteuer nachträglich über die gemeinsame Steu­er­er­klä­rung korrigieren. Jeder Partner muss eine eigene Anlage KAP ausfüllen.

Niedrigverdiener sollten Günstigerprüfung beantragen

Der Abgeltungssteuersatz von 25 Prozent ist für manche Steuerzahler zu hoch, zum Beispiel für viele Rentner. Liegt Dein Grenzsteuersatz darunter, solltest Du mit der Anlage KAP in Zeile 4 die Günstigerprüfung beantragen. Die bereits von der Bank mit Abgeltungssteuer einbehaltenen Kapitalerträge werden dann stattdessen mit Deinem niedrigeren persönlichen Steuersatz versteuert. Das Finanzamt zahlt dann zu viel bezahlte Abgeltungssteuer zurück.

Davon profitierst Du, wenn Dein gesamtes zu versteuerndes Einkommen 2020 – also einschließlich der Kapitalerträge – unter 16.950 Euro lag. Für zusammen veranlagte Ehepartner gilt der doppelte Betrag, also zirka 33.900 Euro.

Steuerzahler, die vor dem 2. Januar 1956 geboren wurden, können mit dem Antrag auf Günstigerprüfung zudem vom Al­ters­ent­las­tungs­be­trag für Nebeneinkünfte wie Kapitalerträge profitieren. Das Finanzamt berücksichtigt diesen Freibetrag automatisch im Steuerbescheid.

Übrigens: Die Günstigerprüfung ist für Dich ohne Risiko. Sollte Dein zu versteuerndes Einkommen höher sein, dann bleibt es dabei, dass Deine Kapitalerträge mit 25 Prozent abgeltend besteuert wurden. Der höhere persönliche Steuersatz gilt nur für die anderen Einkünfte.

Verluste geltend machen

Die Anlage KAP solltest Du auch ausfüllen, wenn Du Gewinne und Verluste bei verschiedenen Banken miteinander verrechnen willst (Zeilen 12 und 13). Dafür benötigst Du eine Verlustbescheinigung der Bank. Beantragen musst Du diese bei Deiner Bank bis zum 15. Dezember des Steuerjahres.

Hast Du den Termin verpasst, musst Du mit der Verlustverrechnung warten. Die Bank schreibt den Verlust im Folgejahr fort und verrechnet diesen zunächst mit neuen Gewinnen. Verbleibt ein Verlust, kannst Du diesen im Folgejahr nutzen.

Für Verluste aus dem Verkauf von Aktien gilt, dass Du diese nur mit Gewinnen aus Aktiengeschäften verrechnen darfst. Ansonsten werden Verluste aus Kapitalanlagen mit anderen Kapitalerträgen verrechnet.

Diese Ungleichbehandlung bei der Verlustverrechnung hält der Bundesfinanzhof für verfassungswidrig (Beschluss vom 17. November 2020, Az. VIII R 11/18; veröffentlicht am 4. Juni 2021). Nun muss das Bundesverfassungsgericht (Az. 2 BvL 3/21) über die Verlustverrechnungsbeschränkung für Ak­tien­ver­äu­ße­rungs­ver­luste entscheiden (§ 20 Abs. 6 Satz 4 EStG). Das wird sicherlich einige Jahre dauern. 

Erzielst Du aber Aktienverluste und möchtest diese mit anderen Kapitalerträgen wie Zinsen, Dividenden oder Fondserträgen verrechnen lassen, dann benötigst Du

  1. grundsätzlich eine Verlustbescheinigung Deiner Bank und musst
  2. die Verlustverrechnung in der Anlage KAP beantragen, indem Du dort alle Kapitalerträge und Verluste eines Jahres einträgst.

Sowohl die Bank als auch das Finanzamt werden die bisherigen Regeln der Verlustverrechnung weiterhin unverändert anwenden. Folglich wird das Finanzamt in Deinem Steuerbescheid einen Aktienverlust nur mit einem Aktiengewinn saldieren. Falls Du eine Verrechnung mit anderen Kapitalerträgen wünschst, musst Du Dich selbst darum kümmern, dass Dein Steuerbescheid in diesem Punkt offen bleibt. Sollte es in einigen Monaten von Amts wegen einen Vorläufigkeitsvermerk dazu geben, dann bleibt der Bescheid automatisch abänderbar; ein Einspruch wäre nicht nötig. Bis dahin solltest Du auf Nummer sicher gehen und selbst aktiv werden.

Mustereinspruch bei Aktienverlusten


Du kannst Dich gegen Deinen Steuerbescheid innerhalb eines Monats mit einem Einspruch wehren. Verwende hierfür einfach unseren Mustereinspruch.


Zum Download

Der Einspruch kann sich lohnen. Denn sollte das Bundesverfassungsgericht in mehreren Jahren die Regel als verfassungswidrig einstufen, kannst Du dann mit einer Erstattung von zu viel bezahlter Abgeltungssteuer, Solidaritätszuschlag, gegebenenfalls Kirchensteuer zuzüglich Erstattungszinsen vom Finanzamt rechnen.

Folgendes Zahlenbeispiel zeigt Dir, dass die Verlustverrechnungsbeschränkung bei Aktienverlusten nachteilig sein kann:

Als Ehepaar führt Ihr ein gemeinsames Konto und Depot bei einer Bank. Ihr habt dort einen Freistellungsauftrag über 1.602 Euro eingerichtet, also über Euren gesamten Sparerpauschbetrag. Ihr wohnt in Nordrhein-Westfalen und seid kirchensteuerpflichtig. Ihr erzielt 2021 insgesamt 

  • Dividenden von 1.600 Euro,
  • Zinsen von 500 Euro und
  • nach dem Verkauf von Aktien einen Verlust von 800 Euro.

Weil Eure Bank den Aktienverlust nur mit einem im Jahr 2021 erzielten Aktiengewinn verrechnen darf, rechnet sie folgendermaßen:

1.600 Euro (Dividenden) + 500 Euro (Zinsen) – 1.602 Euro (Sparerpauschbetrag) = 498 Euro

Davon zieht die Bank 26,375 Prozent Abgeltungssteuer (inklusive Solidaritätszuschlag) ab, also: 131,35 Euro zuzüglich 11,82 Euro Kirchensteuer, insgesamt 143,17 Euro.

Ändern wir das Beispiel an zwei Stellen: Ihr bekommt die 500 Euro als Aktiengewinn statt als Zinsen, denn Eure gut laufenden VW-Aktien brachten Euch einen Ver­äuß­er­ungs­ge­winn von 500 Euro. Und die 800 Euro Verlust resultieren nicht aus dem Verkauf von Aktien, sondern weil Ihr Euren Investmentfonds mit 800 Euro Verlust verkauft habt. Dann rechnet die Bank folgendermaßen:

500 Euro (Aktiengewinn) + 1.600 Euro (Dividenden) – 800 Euro (Verlust aus Verkauf des Investmentfonds) = 1.300 Euro (Kapitalerträge bei dieser Bank); in Anspruch genommener Sparerpauschbetrag: 1.300 Euro. Die Bank zahlt Eure kompletten Kapitalerträge ohne steuerliche Abzüge aus. Ihr hättet beim Sparerfreibetrag noch 302 Euro freies Volumen, zum Beispiel für einen weiteren steuerfreien Aktiengewinn in dieser Höhe.

Die einkommensteuerlichen Regeln beim Verlustabzug und der Verlustverrechnung erklären wir Dir in einem eigenen Ratgeber.

Steuerabzug bei einer Ka­pi­tal­le­bens­ver­si­che­rung korrigieren 

Hast Du eine Ka­pi­tal­le­bens­ver­si­che­rung vor 2005 (Altverträge) abgeschlossen, dann ist die Versicherungsleistung steuerfrei, wenn

  • die Vertragslaufzeit mindestens zwölf Jahre beträgt,
  • Du mindestens fünf Jahre lang Beiträge gezahlt hast und
  • der Todesfallschutz mindestens 60 Prozent der Beitragssumme umfasst.

Bei einem Neuvertrag (also ab 2005), bei dem die Leistung nach Ablauf von zwölf Jahren und frühestens zum 60. Lebensjahr (für Verträge ab 2012: ab dem 62. Lebensjahr) ausgezahlt wird, musst Du die Hälfte des Unterschiedsbetrags zwischen der Versicherungsleistung und der Summe Deiner eingezahlten Versicherungsbeiträge versteuern (sogenannte Halbeinkünfteregelung). 

Die Versicherung behält aber die Abgeltungssteuer immer vom vollen Unterschiedsbetrag ein. Weil Du aber nur die halben Kapitalerträge mit Deinem persönlichen Steuersatz versteuern musst, kannst Du das über die Steu­er­er­klä­rung korrigieren. Dazu trägst Du die Kapitalerträge in Zeile 30 der Anlage KAP ein. Eine deutsche Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft weist diese in einer Steuerbescheinigung aus. Das Finanzamt kürzt die Erträge für die hälftige Steuerfreistellung. Die bereits einbehaltene Abgeltungssteuer (eintragen in den Zeilen 43 bis 45 der Anlage KAP) verrechnet es als Steuervorauszahlung mit Deiner Steuerschuld.

Verkauf von ausländischen thesaurierenden Fonds

Hast Du in einen ausländischen thesaurierenden Fonds oder Exchange Traded Fund (ETF) investiert, so musstest Du Deine bis Ende 2017 angefallenen und wiederangelegten Dividenden (sogenannte „ausschüttungsgleiche Erträge“) Jahr für Jahr selbst in der Steu­er­er­klä­rung angeben. Das galt sogar, wenn Du das Depot in Deutschland führst.

Diese grundsätzliche jährliche Steu­er­er­klä­rungspflicht entfällt für Erträge ab 2018, weil nun Vorabpauschalen greifen. Die Bank ermittelt jetzt auch die Steuer für im Ausland aufgelegte Fonds, die ihre Erträge nicht ausschütten, sondern im Fondsvermögen wieder anlegen (thesaurierende Auslandsfonds).

Hast Du aber einen solchen Fonds verkauft, dann musst Du dem Finanzamt nachweisen, dass Du in den Vorjahren Deine ausschüttungsgleichen Erträge bereits versteuert hast. In der Anlage KAP beantragst Du in der Zeile 5 „eine Überprüfung des Steuereinbehalts für bestimmte Kapitalerträge“. In Zeile 7 korrigierst Du Deine Kapitalerträge. Übernimm aus der Steuerbescheinigung die „Höhe der Kapitalerträge“. In die Korrekturspalte trägst Du den Wert ein, der sich nach Abzug der bereits versteuerten Dividenden ergibt.

An- und Verkaufsabrechnungen, Steuerbescheinigungen, Depotauszüge und die jeweiligen Anlagen KAP der vorherigen Steuerjahre solltest Du aufbewahren, bis Du alle Fondsanteile verkauft und mit dem Finanzamt abgerechnet hast.

Wenn Du den thesaurierenden Fonds erst ab dem Jahr 2018 gekauft hast, dann musst Du in der Steu­er­er­klä­rung nichts mehr angeben.

Der Fiskus hat sich ein neues System ausgedacht, um sicherzustellen, dass Du während der Zeit, in der Du den thesaurierenden Fonds hältst, einen Mindestertrag versteuerst – sofern sich der Fonds im Jahr zuvor positiv entwickelt hat. Für alle thesaurierenden Fonds gilt: Statt der ausschüttungsgleichen Erträge gibt es jetzt eine Vorabpauschale, die einen fiktiven Mindestertrag darstellt.

Auf dieser Basis hat Deine Bank möglicherweise zu Jahresbeginn 2019 für die Vorabpauschale 2018 erstmals Abgeltungssteuer einbehalten. Diese wurde dann in der Steuerbescheinigung 2019 ausgewiesen. Die Vorabpauschale 2019 wurde dementsprechend Anfang 2020 besteuert und wurde in der Steuerbescheinigung 2020 dargestellt.

Teilfreistellung und Quellensteuer

Abgeltungssteuerpflichtige Kapitalerträge bei Fonds sind Dividenden, Vorabpauschalen und Ver­äuß­er­ungs­ge­winne. Deine deutsche Depotbank berücksichtigt bei der Berechnung auch die neue Teilfreistellung. So werden bei einem Aktienfonds mit einem mindestens hälftigen Aktienanteil 30 Prozent aller Erträge steuerfrei gestellt. Die Bank führt die Abgeltungssteuer nur auf den steuerpflichtigen Teil der Erträge ab – also auf 70 Prozent der Erträge bei Aktienfonds und Aktien-ETFs. Das Teilfreistellungssystem löst auch die komplizierte Anrechnung von ausländischen Quellensteuern ab.

Freibetrag sichern, wenn Du Fonds von vor 2009 verkauft hast

Fonds, die Du vor 2009 gekauft hast, gelten als bestandsgeschützte Alt-Anteile. Eine Wertsteigerung bis Ende 2017 ist komplett steuerfrei; für die Zeit danach nur bis zu einem persönlichen Freibetrag von 100.000 Euro. Wie für alle Fonds hat Deine Bank zum 31. Dezember 2017 einen fiktiven Ver­äuß­er­ungs­ge­winn festgestellt, der dauerhaft steuerfrei ist.

Die danach aufgelaufenen Wertsteigerungen musst Du bei einem Verkauf nach der neuen Rechtslage zunächst versteuern. Die Bank stellt also einen Teil des Ver­äuß­er­ungs­ge­winns frei und führt Abgeltungssteuer auf den verbleibenden Betrag ab. Hast Du ab 2018 einen bestandsgeschützten Alt-Fonds verkauft, dann hat die Bank auf die ab Jahresbeginn 2018 aufgelaufene Wertsteigerung dementsprechend Abgeltungssteuer abgeführt.

Wichtig: Den Freibetrag von 100.000 Euro berücksichtigt jedoch nicht die Bank, sondern nur das Finanzamt. Du bekommst ihn nur angerechnet, wenn Du Deine Kapitalerträge aus der Steuerbescheinigung in die Zeile 7 einträgst und die Zeile 10 der Anlage KAP ausfüllst. Dahin gehört Dein Gewinn aus dem Verkauf bestandsgeschützter Alt-Anteile nach der Teilfreistellung. Du findest diesen im nachrichtlichen Teil der Steuerbescheinigung. Lohn der Mühe: Das Finanzamt erstattet Dir die abgeführte Abgeltungssteuer.

Korrekturen bei falscher Abrechnung der Bank

Es kann sein, dass Deine Bank beim Steuerabzug Fehler gemacht hat. Prüfe daher Deine Steuerbescheinigung genau. Wenn Dein Finanzinstitut zum Beispiel die fondsspezifische Teilfreistellung von Erträgen nicht korrekt berücksichtigt hat, dann trage den richtigen Betrag in die Korrekturspalte der Zeile 7 in der Anlage KAP ein. Du musst aber nachweisen, dass Dein Fonds die Voraussetzung für die entsprechende Teilfreistellung erfüllt.

Ähnliche Überlegungen gelten, wenn Du im vergangenen Jahr Fondsanteile verkauft haben, bei denen die Depotbank geschätzte Werte (Er­satz­be­mes­sungs­grund­la­ge) verwendet und diese auch nicht korrigiert hat. Über die Steu­er­er­klä­rung kannst Du eine Neuberechnung beantragen.

Es kann vorkommen, dass die Bank beim Wertpapierverkauf den Anschaffungspreis nicht kennt – zum Beispiel im Fall eines Depotwechsels. Sie wendet dann für die Versteuerung eine Er­satz­be­mes­sungs­grund­la­ge an. Meistens beträgt diese 30 Prozent. Die Abgeltungssteuer fällt dann aber zu hoch aus. Dies kannst Du mit einem Antrag auf „Überprüfung des Steuereinbehalts für bestimmte Kapitalerträge“ (Zeile 5) korrigieren lassen.

In diesem Fall sind weitere Einträge in der Anlage KAP nötig (zum Beispiel die Kapitalerträge in Zeile 7, die Er­satz­be­mes­sungs­grund­la­ge in Zeile 11, der verbrauchte Sparerpauschbetrag ab Zeile 16 und die gezahlten Steuern ab Zeile 37).

Wie funktioniert die Verlustverrechnung?

Die Besteuerung der Kapitalerträge fällt im Vergleich zu den anderen sechs Einkunftsarten aus dem Rahmen. Es gibt nicht nur einen pauschalen Steuersatz, auch im Verlustfall gibt es einige Besonderheiten: Die Verrechnung von Verlusten ist für bestimmte Kapitalerträge eingeschränkt. Bei den anderen Einkunftsarten (zum Beispiel „Einkünfte aus nichtselbstständiger Tätigkeit“) werden alle Gewinne und Verluste miteinander verrechnet und nur ein Überschuss oder Gewinn muss versteuert werden.

Und eine weitere Besonderheit: Ähnlich wie die Lohnsteuer für Arbeitnehmer ist auch die Abgeltungssteuer eine Steuer, die an der Quelle erhoben und abgeführt wird – im Fall von Zinsen, Dividenden und Ver­äuß­er­ungs­ge­winnen ist also die Bank dafür zuständig.

Sieben Regeln bei der Verlustverrechnung

Nicht nur Du, auch Finanzämter und Banken müssen bei der Verlustverrechnung die geltenden gesetzlichen Vorgaben einhalten. Und das sind die recht komplizierten Regeln:

  1. Verkaufst Du eine Anlage mit Verlust, so kannst Du diesen niemals mit anderen Einkünften, beispielsweise Arbeitslohn, Rente oder aus einer Vermietung, verrechnen.
  2. Verkaufst Du Aktien mit Verlust, kann dieser nur mit einem Gewinn aus Aktiengeschäften saldiert werden. Diese Regel ist jedoch umstritten. Der BFH meint, sie sei verfassungswidrig.
  3. Verkaufst Du Anlagen (außer Aktien und Termingeschäfte) mit Verlust, kannst Du diesen mit anderen Kapitalerträgen verrechnen – auch mit einem Gewinn aus dem Verkauf von Aktien.
  4. Neue Beschränkungen gibt es bei wertlosen Forderungen (Totalverlust) – zum Beispiel, wenn Aktien nach der Unternehmensinsolvenz nichts mehr wert sind, ein Privatdarlehen oder eine stille Beteiligung ausfallen. Eine Verrechnung ist für jeden Anleger nur mit anderen Kapitalerträgen möglich und ab 2020 begrenzt auf 20.000 Euro im Jahr. Ein übersteigender Verlust muss auf Folgejahre vorgetragen werden. Erstmals betrifft dies die Anlage KAP des Jahres 2020. Entsprechende Angaben machst Du in den Zeilen 15 und/oder 25 (das gilt zum Beispiel für private Forderungen im Ausland). Am besten nutzt Du aber ein Steuerprogramm.
  5. Ab 2021 wird diese auf 20.000 Euro pro Jahr begrenzte Verlustverrechnung auf Verluste aus Termingeschäften ausgeweitet, zum Beispiel bei Derivaten wie Differenzkontrakte (sogenannte CFDs = Contracts for Difference). Optionsscheine und Zertifikate gehören nicht dazu. Dies legte das Bundesfinanzministerium in einem Schreiben vom 3. Juni 2021 fest. Die Verlustverrechnungsbeschränkung (Regel 4) könnte dennoch bei einem völlig wertlosen Knock-out-Zertifikat greifen. Verluste aus Geschäften mit CFDs, Futures, Forwards und Optionen kannst Du ausschließlich mit Gewinnen aus Termingeschäften verrechnen; bis 2020 war noch eine Verrechnung mit anderen Kapitalerträgen möglich. Folglich müssen Banken für Termingeschäfte einen vierten Verlustverrechnungstopf führen.
  6. Die Bank verrechnet in jedem Verrechnungstopf Gewinne und Verluste vor einem freigestellten Sparerfreibetrag (zum Beispiel 500 Euro laut Freistellungsauftrag). Im Steuerbescheid saldiert das Finanzamt zunächst Gewinne und Verluste bei den Einkünften aus Kapitalvermögen und zieht dann den Sparerpauschbetrag von 801 Euro (bei einer Zu­sam­men­ver­an­la­gung: 1.602 Euro) ab. Ein bereits auf Bankebene verbrauchter Teilbetrag (zum Beispiel 400 Euro bei Freistellungsauftrag über 500 Euro) verrechnet es entsprechend.
  7. Deine positiven Kapitalerträge darfst Du mit anderen negativen Einkünften verrechnen, beispielsweise mit dem Lohn, einem Gewinn aus einer gewerblichen Tätigkeit oder Vermietung.

Banken führen bis zu vier Verlustverrechnungstöpfe

Wegen dieser Regeln muss Deine Bank bis zu vier Verlustverrechnungstöpfe führen:

  1. Verrechnungstopf für Aktien
  2. Verrechnungstopf allgemein
  3. Verrechnungstopf für wertlose Kapitalforderungen (wertlos gewordene Aktien, Anleihen, Zertifikate oder andere Wertpapiere)
  4. Verrechnungstopf für Termingeschäfte (an der Eurex gehandelte Optionen, Forwards, Futures, Swaps, Devisentermingeschäfte und CFDs)

Im ersten Topf landen die Aktiengewinne und Aktienverluste. Die Verlustverrechnung erledigt zunächst Deine Depotbank. Sie muss Gewinne und Verluste aus allen Wertpapiergeschäften verrechnen – bereits während des Jahres. Ein verbleibender Verlust aus Aktiengeschäften wird aufs nächste Jahr vorgetragen. Sobald Du bei Deiner Bank steuerpflichtige Gewinne aus Aktienverkäufen erzielst, verrechnet sie dann den alten Verlust mit dem neuen Gewinn. Sobald Du aber eine Verlustbescheinigung beantragst, stellt sie den Verlust auf null.

Für den Fall, dass Du einen Aktiengewinn erzielst, fließt dieser in den zweiten Topf, den allgemeinen Verrechnungstopf. Darin werden alle Gewinne und Verluste aus Fonds, Anleihen und anderen Anlagen gesammelt. Der Aktiengewinn wird mit diesem Ergebnis verrechnet. Bleibst Du unterm Strich im positiven Bereich muss die Bank darauf Abgeltungssteuer samt Soli und gegebenenfalls Kirchensteuer einbehalten. Verbleibt hingegen ein Verlust, überträgt ihn die Bank ins nächste Jahr.

Wertlose Kapitalforderungen sammelt die Bank in einem dritten Verrechnungskreis. Dies soll nach dem BMF zutreffen, wenn die Veräußerungskosten die Verkaufserlöse übersteigen.

Wegen der neuen Beschränkungen bei Termingeschäften gibt es jetzt hierfür einen vierten Verlustverrechnungstopf. Hier werden die Gewinne und Verluste aus Termingeschäften gesammelt. Verluste können steuerlich nur noch mit Gewinnen aus Termingeschäften oder Erträgen aus Stillhaltergeschäften verrechnet werden. Wobei die Bank pro Anleger nur Verluste bis insgesamt 20.000 Euro pro Jahr sofort berücksichtigen darf, den Rest trägt sie ins Folgejahr vor. Wenn dann der Verlust ebenfalls nicht komplett verrechenbar ist, dann wird der Überschuss immer weiter vorgetragen. 

Bezüglich der Regeln 3 und 4 gilt: Du kannst den Verlust mit der Begrenzung auf 20.000 Euro erst mit der Steu­er­er­klä­rung im Folgejahr geltend machen.

Bei Ehepaaren mit Einzelkonten oder Einzeldepots bei einer Bank ist eine bankinterne Verlustverrechnung dann möglich, wenn ein gemeinsamer Freistellungsauftrag vorliegt. Der könnte auf 0 Euro lauten. Diese ehegattenübergreifende Verlustverrechnung führt sie zum Jahresende durch. Die Bank berücksichtigt hierbei den Freistellungsauftrag. Ohne diesen kann das Paar die Verlustverrechnung nur über eine gemeinsame Steu­er­er­klä­rung erreichen.

Du hast mehrere Konten oder Depots mit Gewinnen und Verlusten? Eine bankübergreifende Verlustverrechnung kannst Du nur über einen Weg erreichen: Du solltest dann die Anlage KAP im Rahmen Deiner Steu­er­er­klä­rung vollständig ausfüllen.

Bei den hier dargestellten Prinzipien der Verlustverrechnung geht es ausschließlich um Verluste aus seit 2009 erworbenen Kapitalanlagen. Seitdem gibt es das System der Abgeltungssteuer.

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