Kapitalerträge in der Steuererklärung

Wer die Anlage KAP ausfüllen muss und wer es sollte

Udo Reuß 22. April 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Zinsen, Dividenden und Gewinne aus Wertpapier- und Fondsverkäufen sind steuerpflichtige Kapitalerträge. Sie unterliegen der 25-prozentigen Abgeltungssteuer.
  • Kapitalerträge bis 801 Euro im Jahr je Person sind steuerfrei (Sparerfreibetrag). Neben diesem Sparerpauschbetrag ist kein Werbungskostenabzug möglich.
  • Mit Freistellungsaufträgen oder einer Nichtveranlagungsbescheinigung können Sparer verhindern, dass die Bank Abgeltungssteuer abführt.
  • Die meisten Anleger müssen in ihrer Steuererklärung keine Angaben über ihre Kapitalerträge machen und können auf die Anlage KAP verzichten.
So gehst Du vor
  • Eine Anlage KAP ausfüllen musst Du beispielsweise, wenn Du noch nicht in Deutschland versteuerte Kapitalerträge auf ausländischen Konten und Depots, Zinsen aus Privatdarlehen oder Erstattungszinsen vom Finanzamt erhalten hast.
  • Die Anlage KAP solltest Du unter Umständen abgeben. Zum Beispiel, wenn Du den Sparerpauschbetrag nicht ausgeschöpft hast oder Dein persönlicher Grenzsteuersatz unter 25 Prozent liegt (Günstigerprüfung). So holst Du Dir zu viel bezahlte Kapitalertragsteuer zurück.
  • Du solltest die Anlage auch einreichen, wenn Du Gewinne und Verluste auf mehreren Depots miteinander verrechnen oder zu viel bezahlte Abgeltungssteuern korrigieren lassen willst.
  • Nutze Steuerbescheinigungen der Banken, um die Anlage KAP auszufüllen. Dort findest Du die Informationen, die Du in das Formular eintragen musst.

Wer Kapitalerträge erzielt, muss darauf ab einer bestimmten Höhe Steuern zahlen. Seit 2009 werden Zinsen, Dividenden und Gewinne aus Wertpapier- und Fondsverkäufen aber anders besteuert als die anderen Einkunftsarten, beispielsweise das Gehalt. Damals wurde zur Steuervereinfachung das System der Abgeltungssteuer eingeführt.

Wie hoch sind die Steuern auf Kapitalerträge?

Fast alle Kapitalerträge unterliegen pauschal 25 Prozent Abgeltungssteuer, zuzüglich 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag. Das sind insgesamt 26,38 Prozent. Für Kirchenmitglieder ist außerdem Kirchensteuer fällig. Gesetzlich geregelt ist die Kapitalertragsteuer in Paragraf 32d Einkommensteuergesetz.

Banken und Versicherungen in Deutschland führen diese Steuern anonym an das zuständige Betriebsfinanzamt ab. In diesen Fällen sind die Zinsen, Dividenden und Gewinne aus Aktien- sowie Fondsverkäufen abgeltend versteuert. Das heißt: Viele Steuerzahler brauchen sie nicht extra in ihrer Steuererklärung angeben und müssen daher auch nicht die Anlage KAP ausfüllen.

Aber es gibt auch Fälle, in denen die Anlage KAP erforderlich ist oder Du sie ausfüllen solltest, um Dir zu viel bezahlte Abgeltungssteuer vom Finanzamt zurückzuholen.

Das System mit Abgeltungssteuer und Freistellungsaufträgen funktioniert nur mit Erträgen, die Deinem Depot oder Konto in Deutschland gutgeschrieben werden. Ausländische Finanzinstitute führen für Dich keine Steuern an den deutschen Fiskus ab. Wohnst Du in Deutschland und erzielst Kapitalerträge bei ausländischen Banken, dann musst Du diese selbst in Deiner Steuererklärung angeben, damit das Finanzamt nachträglich Kapitalertragsteuer abziehen kann.

Hast Du ausländische Aktien oder Fonds, dann kommt es oft vor, dass der ausländische Staat Quellensteuer einbehält. Diese fällt von Land zu Land unterschiedlich hoch aus. Deine deutsche Depotbank darf in vielen Fällen davon 15 Prozentpunkte auf die deutsche Abgeltungssteuer anrechnen. Den restlichen Betrag kannst Du Dir unter Umständen vom ausländischen Staat erstatten lassen.

Bis zu welcher Höhe sind Kapitalerträge steuerfrei?

Jedem Bürger steht ein Sparerpauschbetrag von 801 Euro im Jahr zu, einem zusammenveranlagten Ehepaar 1.602 Euro. Bis dahin sind die Kapitalerträge steuerfrei. Nur der Betrag oberhalb des Freibetrags ist steuerpflichtig.

Mit einem Freistellungsauftrag bis zu dieser Höhe kannst Du verhindern, dass Deine Bank in Deutschland Abgeltungssteuer abführt. Führst Du mehrere Konten oder Depots, dann solltest Du den Betrag dementsprechend aufteilen. Jedes Institut benötigt einen eigenen Freistellungsauftrag, dabei darf der Sparerpauschbetrag insgesamt nicht überschritten werden.

Oft passiert es jedoch, dass Anleger die Aufträge ungeschickt verteilt haben und einen Steuerabzug hatten – trotz eines nicht ausgeschöpften Sparerpauschbetrags. Die zu viel bezahlte Abgeltungssteuer können sie sich dann mit der Anlage KAP zurückholen.

Tipp: Hast Du mehreren Finanzinstituten Freistellungsaufträge erteilt? Erhältst Du Zinsen, Dividenden und realisierte Kursgewinne auf mehreren Konten und Depots? Damit Du den Überblick bewahrst und die freigestellten Beiträge möglichst optimal verteilst, stellen wir Dir eine kostenlose Excel-Vorlage zur Verfügung. 

Hier können Sie sich unsere kostenlose Excel-Vorlage zur Kontrolle erteilter Freistellungsaufträge herunterladen:

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Übrigens: Der Sparerpauschbetrag zählt im Steuerrecht zu den Werbungskosten. Wenn Du den Pauschalbetrag nutzt, kannst Du darüber hinaus keine weiteren Werbungskosten für Deine Einkünfte aus Kapitalvermögen absetzen.

Nichtveranlagungsbescheinigung vor allem für Rentner und Studenten

Sofern Du mit Deinem insgesamt zu versteuernden Einkommen nicht über den Grundfreibetrag (2019: 9.168 Euro, 2020: 9.408 Euro) kommst, musst Du keine Steuern darauf zahlen – auch nicht auf Kapitalerträge. Dies betrifft insbesondere Studenten, Rentner, Minijobber und andere Geringverdiener.

Falls Du darunter fällst, kannst Du beim Finanzamt eine Nichtveranlagungsbescheinigung beantragen. Die Bescheinigung gilt bis zu drei Jahre; Du musst sie der Bank vorlegen. Diese zieht dann von Deinen Kapitalerträgen keine Abgeltungssteuer ab. Ändern sich Deine persönlichen Verhältnisse, musst Du das dem Finanzamt mitteilen. Dann verliert die sogenannte NV-Bescheinigung ihre Gültigkeit.

Mit einem Freistellungsauftrag oder einer NV-Bescheinigung kannst Du den Abzug der Abgeltungssteuer im Vorhinein verhindern.

Welche Anlagen für Kapitalerträge gibt es?

Seit 2018 werden Erträge aus Investmentfonds grundlegend anders besteuert als zuvor. Die Investmentsteuerreform hat erstmals Auswirkungen in der Steuererklärung 2018.

Neben der entschlackten Anlage KAP gibt es jetzt zwei neue Formulare: Die Anlage KAP-INV musst Du ausfüllen, wenn Du Investmentanteile hältst, die bei einer ausländischen Bank oder Fondsgesellschaft verwahrt werden. Denn das ausländische Finanzinstitut führt keine Abgeltungssteuer an den deutschen Fiskus ab.

Die neue Anlage KAP-BET müssen nur Anleger ausfüllen, die Kapitalerträge oder anrechenbare Steuern aus der Beteiligung an einer Personengesellschaft haben.

Die meisten Anleger müssen in ihrer Steuererklärung keine Angaben über ihre Kapitalerträge machen und können auf die Anlage KAP verzichten. Hast Du nur Erträge aus einem inländischen Depot oder Konto, dann kümmert sich die Bank um die korrekte Besteuerung. Sie führt die Abgeltungssteuer ab, die eben eine abgeltende Wirkung hat. Und damit ist für Dich steuerlich alles erledigt.

Außerdem erhältst Du zu Jahresbeginn für das Vorjahr eine Steuerbescheinigung. Diese beinhaltet alle Werte: Höhe der Kapitalerträge, abgeführte Kapitalertragsteuer, Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag. Zudem kannst Du ihr entnehmen, in welche Zeilen der Anlage KAP Du diese Werte eintragen musst – für den Fall, dass Du diese ausfüllen möchtest.

In manchen Situationen kann sich das lohnen. Denn nur so kannst Du Dir vom Finanzamt zu viel bezahlte Abgeltungssteuern zurückholen. Ehepaare müssen beachten, dass für jeden Partner eine Anlage KAP auszufüllen ist.

Die Reform der Fondsbesteuerung sorgt dafür, dass die meisten Steuerzahler weniger Arbeit mit der Steuererklärung haben, weil in- und ausländische Fonds gleichbehandelt werden. Wenn Du aber ein Auslandsdepot hast, dann musst Du Dich weiterhin selbst um die korrekte Besteuerung Deiner Kapitalerträge kümmern.

Wann musst Du eine Anlage KAP abgeben?

Wenn von Deinen Kapitalerträgen noch keine Abgeltungssteuer einbehalten und ans Finanzamt abgeführt wurde, dann musst Du diese grundsätzlich in der Anlage KAP aufführen. Dies ist beispielsweise in folgenden Fällen erforderlich.

Auslandsdepot

Du hast das Geld in einem ausländischen Depot oder Konto angelegt. Ausländische Banken und Fondsgesellschaften behalten keine Abgeltungssteuer ein. Daher musst Du diese Kapitalerträge in Zeile 15 und in der neuen Anlage KAP-INV detailliert eintragen. Angeben musst Du dort Deine kompletten Ausschüttungen (ab Zeile 4) und Veräußerungsgewinne für jeden einzelnen Fonds. Denn die Gewinnermittlung erfolgt fondsbezogen. Hast Du Fondsanteile zu unterschiedlichen Zeitpunkten gekauft, dann musst Du jede Tranche in einer eigenen Spalte erfassen.

Hinweis: Jedes Jahr gibt es neue Steuerformulare. Die Zeilenangaben in diesem Ratgeber beziehen sich auf die Steuererklärung 2019.

Privatdarlehen

Du hast Zinsen aus einem Privatdarlehen eingenommen? Die Abgeltungssteuer gilt auch bei Geschäften unter Angehörigen, wenn sie so abgewickelt werden, wie es unter Fremden üblich ist. Fällt eine Forderung endgültig aus, kann dies zu einem steuerlich anzuerkennenden Verlust führen (Bundesfinanzhof, Urteil vom 24. Oktober 2017, Az. VIII R 13/15).

Erstattungszinsen vom Finanzamt

Hast Du im letzten Jahr Zinsen vom Finanzamt erhalten, dann musst Du ebenfalls die Anlage KAP abgeben. Mit 0,5 Prozent monatlich, also 6 Prozent im Jahr, verzinst das Finanzamt nach einer Karenzzeit von 15 Monaten Steuerrückerstattungen. Doch auch darauf ist Abgeltungssteuer fällig. Deshalb musst Du die Erstattungszinsen in der Zeile 19 als „Kapitalerträge, die nicht dem inländischen Steuerabzug unterlegen haben“ eintragen.

Dass Du Steuern auf Zinsen vom Finanzamt zahlen musst ist unbestritten. Ob die Versteuerung tatsächlich in dieser Höhe rechtmäßig ist, muss das Bundesverfassungsgericht aber noch entscheiden (Az. 2 BvR 482/14).

Deshalb setzen die Finanzämter in neuen Steuerbescheiden die Zinsen nur vorläufig fest (Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 2. Mai 2019). Ein Einspruch gegen den Steuerbescheid ist dann nicht erforderlich.

Übrigens: Wenn Du Zinsen vom Finanzamt erhalten hast, dann musst Du eine Steuererklärung 2019 bis zum 31. Juli 2020 beim Finanzamt abgeben.

Kirchensteuer auf Kapitalerträge noch nicht abgeführt

Anleger, die Kirchenmitglieder sind, müssen auf ihre Erträge zusätzlich Kirchensteuer zahlen. In der Regel führt sie die Bank ab. Wer dem widersprochen hat, der muss seine Kapitalerträge in der Anlage KAP angeben. Die Kirchensteuer wird dann über die Steuererklärung festgesetzt.

Um die Anlage KAP richtig ausfüllen zu können, benötigst Du Informationen von Deiner Bank. Kreditinstitute müssen jedem Anleger jährlich eine kostenlose Steuerbescheinigung ausstellen. Darin ist unter anderem aufgelistet:

  • die Höhe der Kapitalerträge,
  • Gewinne aus Aktienveräußerungen,
  • Ersatzbemessungsgrundlage,
  • Höhe des nicht ausgeglichenen Verlustes,
  • Höhe des in Anspruch genommenen Sparerpauschbetrags,
  • Kapitalertragsteuer,
  • Solidaritätszuschlag,
  • Kirchensteuer zur Kapitalertragsteuer,
  • Summe der angerechneten ausländischen Steuer,
  • Summe der anrechenbaren noch nicht angerechneten ausländischen Steuer sowie
  • Informationen zu ausländischen thesaurierenden Investmentfonds – inklusive der jeweils relevanten Zeile in der Anlage KAP.

Solltest Du Konten und Depots bei mehreren Banken und dadurch mehrere Steuerbescheinigungen haben, zähle die Beträge zusammen und trage die Summen ein.

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In welchen Fällen solltest Du die Anlage KAP einreichen?

Es gibt auch Situationen, in denen Du zwar die Anlage KAP nicht ausfüllen musst, es aber trotzdem tun solltest, um zu viel bezahlte Steuern zurückzubekommen.

Sparerpauschbetrag nicht ausgeschöpft

Hast Du entweder keinen oder zu niedrige Freistellungsaufträge gestellt und insgesamt nicht mehr als 801 Euro an Kapitalerträgen im Jahr eingenommen, dann kannst Du die darauf einbehaltene Abgeltungssteuer zurückbekommen. Dafür musst Du in Zeile 7 die Kapitalerträge angeben. Gewinne aus Aktienverkäufen müssen zusätzlich noch in Zeile 8 eingetragen werden.

Ab Zeile 48 trägst Du die einbehaltene Abgeltungssteuer, den Solidaritätszuschlag und die Kirchensteuer ein. In Zeile 12 gehört der in Anspruch genommene Sparerpauschbetrag. Falls dieser überhaupt nicht berücksichtigt wurde, trage dort 0 ein.

Der Fall, dass der Sparerpauschbetrag nicht ausgeschöpft wurde, kommt häufiger bei Frischverheirateten vor. Gemeinsam stehen beiden 1.602 Euro zu. Hatte der eine Partner beispielsweise 1.600 Euro Kapitalerträge und der andere keine, so lässt sich der Abzug von Abgeltungssteuer nachträglich über die gemeinsame Steuererklärung korrigieren. Jeder Partner muss eine eigene Anlage KAP ausfüllen.

Niedrigverdiener sollten Günstigerprüfung beantragen

Der Abgeltungssteuersatz von 25 Prozent ist für manche Steuerzahler zu hoch, zum Beispiel für viele Rentner. Liegt Dein Grenzsteuersatz darunter, solltest Du mit der Anlage KAP in Zeile 4 die Günstigerprüfung beantragen. Die bereits von der Bank mit Abgeltungssteuer einbehaltenen Kapitalerträge werden dann stattdessen mit Deinem niedrigeren persönlichen Steuersatz versteuert. Das Finanzamt zahlt dann zu viel bezahlte Abgeltungssteuer zurück.

Davon profitierst Du, wenn Dein gesamtes zu versteuerndes Einkommen 2019 – also einschließlich der Kapitalerträge – unter 16.636 Euro lag. Für zusammen veranlagte Ehepartner gilt der doppelte Betrag, also zirka 33.272 Euro.

Steuerzahler, die vor dem 2. Januar 1955 geboren wurden, können zudem vom Altersentlastungsbetrag für Nebeneinkünfte wie Kapitalerträge profitieren. Das Finanzamt berücksichtigt diesen Freibetrag automatisch im Steuerbescheid.

Übrigens: Die Günstigerprüfung ist für Dich ohne Risiko. Sollte Dein zu versteuerndes Einkommen höher sein, dann bleibt es dabei, dass Deine Kapitalerträge mit 25 Prozent abgeltend besteuert wurden. Der höhere persönliche Steuersatz gilt nur für die anderen Einkünfte.

Verluste geltend machen

Die Anlage KAP solltest Du auch ausfüllen, wenn Du Gewinne und Verluste bei verschiedenen Banken miteinander verrechnen willst (Zeilen 10 und 11). Dafür benötigst Du eine Verlustbescheinigung der Bank. Beantragen musst Du diese bei Deiner Bank bis zum 15. Dezember des Steuerjahres.

Hast Du den Termin verpasst, musst Du mit der Verlustverrechnung warten. Die Bank schreibt den Verlust im Folgejahr fort und verrechnet diesen zunächst mit neuen Gewinnen. Verbleibt ein Verlust, kannst Du diesen im Folgejahr nutzen.

Für Verluste aus dem Verkauf von Aktien gilt, dass Du diese nur mit Gewinnen aus Aktiengeschäften verrechnen darfst.

Verkauf von ausländischen thesaurierenden Fonds

Hast Du in einen ausländischen thesaurierenden Fonds oder Exchange Traded Fund (ETF) investiert, so musstest Du Deine bis Ende 2017 angefallenen und wiederangelegten Dividenden (sogenannte „ausschüttungsgleiche Erträge“) Jahr für Jahr selbst in der Steuererklärung angeben. Das galt sogar, wenn Du das Depot in Deutschland führst.

Diese grundsätzliche jährliche Steuererklärungspflicht entfällt für Erträge ab 2018, weil nun Vorabpauschalen greifen. Die Bank ermittelt jetzt auch die Steuer für im Ausland aufgelegte Fonds, die ihre Erträge nicht ausschütten, sondern im Fondsvermögen wieder anlegen (thesaurierende Auslandsfonds).

Hast Du aber einen solchen Fonds verkauft, dann musst Du dem Finanzamt nachweisen, dass Du in den Vorjahren Deine ausschüttungsgleichen Erträge bereits versteuert hast. In der Anlage KAP beantragst Du in der Zeile 5 „eine Überprüfung des Steuereinbehalts für bestimmte Kapitalerträge“. In Zeile 7 korrigierst Du Deine Kapitalerträge. Übernimm aus der Steuerbescheinigung die „Höhe der Kapitalerträge“. In die Korrekturspalte trägst Du den Wert ein, der sich nach Abzug der bereits versteuerten Dividenden ergibt.

An- und Verkaufsabrechnungen, Steuerbescheinigungen, Depotauszüge und die jeweiligen Anlagen KAP der vorherigen Steuerjahre solltest Du aufbewahren, bis Du alle Fondsanteile verkauft und mit dem Finanzamt abgerechnet hast.

Wenn Du den thesaurierenden Fonds erst ab dem Jahr 2018 gekauft hast, dann musst Du in der Steuererklärung nichts mehr angeben.

Der Fiskus hat sich ein neues System ausgedacht, um sicherzustellen, dass Du während der Zeit, in der Du den thesaurierenden Fonds hältst, einen Mindestertrag versteuerst – sofern sich der Fonds im Jahr zuvor positiv entwickelt hat. Für alle thesaurierenden Fonds gilt: Statt der ausschüttungsgleichen Erträge gibt es jetzt eine Vorabpauschale, die einen fiktiven Mindestertrag darstellt.

Auf dieser Basis hat Deine Bank möglicherweise zu Jahresbeginn 2019 für die Vorabpauschale 2018 erstmals Abgeltungssteuer einbehalten. Diese wurde dann in der Steuerbescheinigung 2019 ausgewiesen. Die Vorabpauschale 2019 wurde dementsprechend Anfang 2020 besteuert und wird in der Steuerbescheinigung 2020 dargestellt.

Teilfreistellung und Quellensteuer

Abgeltungssteuerpflichtige Kapitalerträge bei Fonds sind Dividenden, Vorabpauschalen und Veräußerungsgewinne. Deine deutsche Depotbank berücksichtigt bei der Berechnung auch die neue Teilfreistellung. So werden bei einem Aktienfonds mit einem mindestens hälftigen Aktienanteil 30 Prozent aller Erträge steuerfrei gestellt. Die Bank führt die Abgeltungssteuer nur auf den steuerpflichtigen Teil der Erträge ab – also auf 70 Prozent der Erträge bei Aktienfonds und Aktien-ETFs. Das Teilfreistellungssystem löst auch die komplizierte Anrechnung von ausländischen Quellensteuern ab.

Freibetrag sichern, wenn Du Fonds von vor 2009 verkauft hast

Fonds, die Du vor 2009 gekauft hast, gelten als bestandsgeschützte Alt-Anteile. Eine Wertsteigerung bis Ende 2017 ist komplett steuerfrei; für die Zeit danach nur bis zu einem persönlichen Freibetrag von 100.000 Euro. Wie für alle Fonds hat Deine Bank zum 31. Dezember 2017 einen fiktiven Veräußerungsgewinn festgestellt, der dauerhaft steuerfrei ist.

Die danach aufgelaufenen Wertsteigerungen musst Du bei einem Verkauf nach der neuen Rechtslage zunächst versteuern. Die Bank stellt also einen Teil des Veräußerungsgewinns frei und führt Abgeltungssteuer auf den verbleibenden Betrag ab. Hast Du ab 2018 einen bestandsgeschützten Alt-Fonds verkauft, dann hat die Bank auf die ab Jahresbeginn 2018 aufgelaufene Wertsteigerung dementsprechend Abgeltungssteuer abgeführt.

Wichtig: Den Freibetrag von 100.000 Euro berücksichtigt jedoch nicht die Bank, sondern nur das Finanzamt. Du bekommst ihn nur angerechnet, wenn Du Deine Kapitalerträge aus der Steuerbescheinigung in die Zeile 7 einträgst und die neue Zeile 8a der Anlage KAP ausfüllst. Dahin gehört Dein Gewinn aus dem Verkauf bestandsgeschützter Alt-Anteile nach der Teilfreistellung. Du findest diesen im nachrichtlichen Teil der Steuerbescheinigung. Lohn der Mühe: Das Finanzamt erstattet Dir die abgeführte Abgeltungssteuer.

Korrekturen bei falscher Abrechnung der Bank

Es kann sein, dass Deine Bank beim Steuerabzug Fehler gemacht hat. Prüfe daher Deine Steuerbescheinigung genau. Wenn Dein Finanzinstitut zum Beispiel die fondsspezifische Teilfreistellung von Erträgen nicht korrekt berücksichtigt hat, dann trage den richtigen Betrag in die Korrekturspalte der Zeile 7 in der Anlage KAP ein. Du musst aber nachweisen, dass Dein Fonds die Voraussetzung für die entsprechende Teilfreistellung erfüllt.

Ähnliche Überlegungen gelten, wenn Du im vergangenen Jahr Fondsanteile verkauft haben, bei denen die Depotbank geschätzte Werte (Ersatzbemessungsgrundlage) verwendet und diese auch nicht korrigiert hat. Über die Steuererklärung kannst Du eine Neuberechnung beantragen.

Es kann vorkommen, dass die Bank beim Wertpapierverkauf den Anschaffungspreis nicht kennt – zum Beispiel im Fall eines Depotwechsels. Sie wendet dann für die Versteuerung eine Ersatzbemessungsgrundlage an. Meistens beträgt diese 30 Prozent. Die Abgeltungssteuer fällt dann aber zu hoch aus. Dies kannst Du mit einem Antrag auf „Überprüfung des Steuereinbehalts für bestimmte Kapitalerträge“ (Zeile 5) korrigieren lassen.

In diesem Fall sind weitere Einträge in der Anlage KAP nötig (zum Beispiel die Kapitalerträge in Zeile 7, die Ersatzbemessungsgrundlage in Zeile 9, der verbrauchte Sparerpauschbetrag in Zeile 12 und die gezahlten Steuern in den Zeilen 48 bis 50).

Autor
Udo Reuß

22. April 2020


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