Kapitalerträge in der Steuererklärung

Wer die Anlage KAP ausfüllen muss und wer es sollte

Udo Reuß Stand: 24. Mai 2019
Das Wichtigste in Kürze
  • Zinsen, Dividenden und Gewinne aus Wertpapier- und Fondsverkäufen sind steuerpflichtige Kapitalerträge. Sie unterliegen der 25-prozentigen Abgeltungssteuer.
  • Kapitalerträge bis 801 Euro im Jahr je Person sind steuerfrei (Sparerfreibetrag). Neben diesem Sparerpauschbetrag ist kein Werbungskostenabzug möglich.
  • Mit Freistellungsaufträgen oder einer Nichtveranlagungsbescheinigung können Sparer verhindern, dass die Bank Abgeltungssteuer abführt.
  • Die meisten Anleger müssen in ihrer Steuererklärung keine Angaben über ihre Kapitalerträge machen und können auf die Anlage KAP verzichten.
  • Die Anlage KAP muss ausfüllen, wer Kapitalerträge bezogen hat, die in Deutschland noch nicht versteuert worden sind.
So gehen Sie vor
  • Eine Anlage KAP ausfüllen müssen Sie beispielsweise, wenn Sie noch nicht in Deutschland versteuerte Kapitalerträge auf ausländischen Konten und Depots, Zinsen aus Privatdarlehen oder Erstattungszinsen vom Finanzamt erhalten haben.
  • Die Anlage KAP sollten Sie unter Umständen abgeben, zum Beispiel, wenn Sie den Sparerpauschbetrag nicht ausgeschöpft haben oder Ihr persönlicher Grenzsteuersatz unter 25 Prozent liegt (Günstigerprüfung). So holen Sie sich zu viel bezahlte Kapitalertragsteuer zurück.
  • Sie sollten die Anlage auch einreichen, wenn Sie Gewinne und Verluste auf mehreren Depots miteinander verrechnen, im Ausland gezahlte Quellensteuern anrechnen oder zu viel bezahlte Abgeltungssteuern korrigieren lassen wollen.
  • Nutzen Sie Steuerbescheinigungen der Banken, um die Anlage KAP auszufüllen. Dort finden Sie die Informationen, die Sie in das Formular eintragen müssen.

Wer Kapitalerträge erzielt, muss darauf ab einer bestimmten Höhe Steuern zahlen. Seit 2009 werden Zinsen, Dividenden und Gewinne aus Wertpapier- und Fondsverkäufen aber anders besteuert als die anderen Einkunftsarten, beispielsweise das Gehalt. Damals wurde zur Steuervereinfachung das System der Abgeltungssteuer eingeführt.

Wie hoch sind die Steuern auf Kapitalerträge?

Fast alle Kapitalerträge unterliegen pauschal 25 Prozent Abgeltungssteuer, zuzüglich 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag. Das sind insgesamt 26,38 Prozent. Für Kirchenmitglieder ist außerdem Kirchensteuer fällig. Gesetzlich geregelt ist die Kapitalertragsteuer in Paragraf 32d Einkommensteuergesetz.

Banken und Versicherungen in Deutschland führen diese Steuern anonym an das zuständige Betriebsfinanzamt ab. In diesen Fällen sind die Zinsen, Dividenden und Gewinne aus Aktien- sowie Fondsverkäufen abgeltend versteuert. Das heißt: Viele Steuerzahler brauchen sie nicht extra in ihrer Steuererklärung angeben und müssen daher auch nicht die Anlage KAP ausfüllen.

Aber es gibt auch Fälle, in denen die Anlage KAP erforderlich ist oder Sie sie ausfüllen sollten, um sich zu viel bezahlte Abgeltungssteuer vom Finanzamt zurückzuholen.

Das System mit Abgeltungssteuer und Freistellungsaufträgen funktioniert nur mit Erträgen, die Ihrem Depot oder Konto in Deutschland gutgeschrieben werden. Ausländische Finanzinstitute führen für Sie keine Steuern an den deutschen Fiskus ab. Wohnen Sie in Deutschland und erzielen Kapitalerträge bei ausländischen Banken, dann müssen Sie diese selbst in Ihrer Steuererklärung angeben, damit das Finanzamt nachträglich Kapitalertragsteuer abziehen kann.

Haben Sie ausländische Aktien oder Fonds, dann kommt es oft vor, dass der ausländische Staat Quellensteuer einbehält. Diese fällt von Land zu Land unterschiedlich hoch aus. Ihre deutsche Depotbank darf in vielen Fällen davon 15 Prozentpunkte auf die deutsche Abgeltungssteuer anrechnen. Den restlichen Betrag können Sie sich unter Umständen vom ausländischen Staat erstatten lassen.

Bis zu welcher Höhe sind Kapitalerträge steuerfrei?

Jedem Bürger steht ein Sparerpauschbetrag von 801 Euro im Jahr zu, einem zusammenveranlagten Ehepaar 1.602 Euro. Bis dahin sind die Kapitalerträge steuerfrei. Nur der Betrag oberhalb des Freibetrags ist steuerpflichtig.

Mit einem Freistellungsauftrag bis zu dieser Höhe können Sie verhindern, dass Ihre Bank in Deutschland Abgeltungssteuer abführt. Führen Sie mehrere Konten oder Depots, dann sollten Sie den Betrag dementsprechend aufteilen. Jedes Institut benötigt einen eigenen Freistellungsauftrag, dabei darf der Sparerpauschbetrag insgesamt nicht überschritten werden.

Oft passiert es jedoch, dass Anleger die Aufträge ungeschickt verteilt haben und einen Steuerabzug hatten – trotz eines nicht ausgeschöpften Sparerpauschbetrags. Die zu viel bezahlte Abgeltungssteuer können sie sich dann mit der Anlage KAP zurückholen.

Tipp: Haben Sie mehreren Finanzinstituten Freistellungsaufträge erteilt? Erhalten Sie Zinsen, Dividenden und realisierte Kursgewinne auf mehreren Konten und Depots? Damit Sie den Überblick bewahren und die freigestellten Beiträge möglichst optimal verteilen, stellen wir Ihnen eine kostenlose Excel-Vorlage zur Verfügung. 

Hier können Sie sich unsere kostenlose Excel-Vorlage zur Kontrolle erteilter Freistellungsaufträge herunterladen:

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Übrigens: Der Sparerpauschbetrag zählt im Steuerrecht zu den Werbungskosten. Wenn Sie den Pauschalbetrag nutzen, können Sie darüber hinaus keine weiteren Werbungskosten für Ihre Einkünfte aus Kapitalvermögen absetzen.

Nichtveranlagungsbescheinigung vor allem für Rentner und Studenten

Sofern Sie mit Ihrem insgesamt zu versteuernden Einkommen nicht über den Grundfreibetrag (2018: 9.000 Euro, 2019: 9.168 Euro) kommen, müssen Sie keine Steuern darauf zahlen – auch nicht auf Kapitalerträge. Dies betrifft insbesondere Studenten, Rentner, Minijobber und andere Geringverdiener.

Falls Sie darunter fallen, können Sie beim Finanzamt eine Nichtveranlagungsbescheinigung beantragen. Die Bescheinigung gilt bis zu drei Jahre; Sie müssen sie der Bank vorlegen. Diese zieht dann von Ihren Kapitalerträgen keine Abgeltungssteuer ab. Ändern sich Ihre persönlichen Verhältnisse, müssen Sie das dem Finanzamt mitteilen. Dann verliert die sogenannte NV-Bescheinigung ihre Gültigkeit.

Mit einem Freistellungsauftrag oder einer NV-Bescheinigung können Sie den Abzug der Abgeltungssteuer im Vorhinein verhindern.

Welche Anlagen für Kapitalerträge gibt es?

Seit 2018 werden Erträge aus Investmentfonds grundlegend anders besteuert als zuvor. Die Investmentsteuerreform hat erstmals Auswirkungen in der Steuererklärung 2018.

Neben der entschlackten Anlage KAP gibt es jetzt zwei neue Formulare: Die Anlage KAP-INV müssen Sie ausfüllen, wenn Sie Investmentanteile halten, die bei einer ausländischen Bank oder Fondsgesellschaft verwahrt werden. Denn das ausländische Finanzinstitut führt keine Abgeltungssteuer an den deutschen Fiskus ab.

Die neue Anlage KAP-BET müssen nur Anleger ausfüllen, die Kapitalerträge oder anrechenbare Steuern aus der Beteiligung an einer Personengesellschaft haben.

Die meisten Anleger müssen in ihrer Steuererklärung keine Angaben über ihre Kapitalerträge machen und können auf die Anlage KAP verzichten. Haben Sie nur Erträge aus einem inländischen Depot oder Konto, dann kümmert sich die Bank um die korrekte Besteuerung. Sie führt die Abgeltungssteuer ab, die eben eine abgeltende Wirkung hat. Und damit ist für Sie steuerlich alles erledigt.

Außerdem erhalten Sie zu Jahresbeginn für das Vorjahr eine Steuerbescheinigung. Diese beinhaltet alle Werte: Höhe der Kapitalerträge, abgeführte Kapitalertragsteuer, Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag. Zudem können Sie ihr entnehmen, in welche Zeilen der Anlage KAP Sie diese Werte eintragen müssen – für den Fall, dass Sie diese ausfüllen möchten. In manchen Situationen kann sich das lohnen. Denn nur so können Sie sich vom Finanzamt zu viel bezahlte Abgeltungssteuern zurückholen.

Die Reform der Fondsbesteuerung sorgt dafür, dass die meisten Steuerzahler weniger Arbeit mit der Steuererklärung haben, weil in- und ausländische Fonds gleichbehandelt werden. Wenn Sie aber ein Auslandsdepot haben, dann müssen Sie sich weiterhin selbst um die korrekte Besteuerung Ihrer Kapitalerträge kümmern.

Wann müssen Sie eine Anlage KAP abgeben?

Wenn von Ihren Kapitalerträgen noch keine Abgeltungssteuer einbehalten und ans Finanzamt abgeführt wurde, dann müssen Sie diese grundsätzlich in der Anlage KAP aufführen. Dies ist beispielsweise in folgenden Fällen erforderlich.

Auslandsdepot

Sie haben das Geld in einem ausländischen Depot oder Konto angelegt. Ausländische Banken und Fondsgesellschaften behalten keine Abgeltungssteuer ein. Daher müssen Sie diese Kapitalerträge in Zeile 15 und in der neuen Anlage KAP-INV detailliert eintragen. Angeben müssen Sie dort Ihre kompletten Ausschüttungen (ab Zeile 4) und Veräußerungsgewinne für jeden einzelnen Fonds. Denn die Gewinnermittlung erfolgt fondsbezogen. Haben Sie Fondsanteile zu unterschiedlichen Zeitpunkten gekauft, dann müssen Sie jede Tranche in einer eigenen Spalte erfassen.

Hinweis: Jedes Jahr gibt es neue Steuerformulare. Die Zeilenangaben in diesem Ratgeber beziehen sich auf die Steuererklärung 2018.

Privatdarlehen

Sie haben Zinsen aus einem Privatdarlehen eingenommen? Die Abgeltungssteuer gilt auch bei Geschäften unter Angehörigen, wenn sie so abgewickelt werden, wie es unter Fremden üblich ist. Fällt eine Forderung endgültig aus, kann dies zu einem steuerlich anzuerkennenden Verlust führen (Bundesfinanzhof, Urteil vom 24. Oktober 2017, Az. VIII R 13/15).

Erstattungszinsen vom Finanzamt

Haben Sie 2018 Zinsen vom Finanzamt erhalten, dann müssen Sie ebenfalls die Anlage KAP abgeben. Mit 0,5 Prozent monatlich, also 6 Prozent im Jahr, verzinst das Finanzamt nach einer Karenzzeit von 15 Monaten Steuerrückerstattungen. Doch auch darauf ist Abgeltungssteuer fällig. Deshalb müssen Sie die Erstattungszinsen in der Zeile 14 als „Kapitalerträge, die nicht dem inländischen Steuerabzug unterlegen haben“ eintragen.

Die Steuerpflicht steht zwar im Einkommensteuergesetz. Ob die Versteuerung tatsächlich in dieser Höhe rechtmäßig ist, muss das Bundesverfassungsgericht aber noch entscheiden (Az. 2 BvR 482/14).

Deshalb setzen die Finanzämter in neuen Steuerbescheiden die Zinsen nur vorläufig fest (Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 2. Mai 2019). Ein Einspruch gegen den Steuerbescheid ist dann nicht erforderlich.

Kirchensteuer auf Kapitalerträge noch nicht abgeführt

Anleger, die Kirchenmitglieder sind, müssen auf ihre Erträge zusätzlich Kirchensteuer zahlen. In der Regel führt sie die Bank ab. Wer dem widersprochen hat, der muss seine Kapitalerträge in der Anlage KAP angeben. Die Kirchensteuer wird dann über die Steuererklärung festgesetzt.

Um die Anlage KAP richtig ausfüllen zu können, benötigen Sie Informationen von Ihrer Bank. Kreditinstitute müssen jedem Anleger jährlich eine kostenlose Steuerbescheinigung ausstellen. Darin ist unter anderem aufgelistet:

  • die Höhe der Kapitalerträge,
  • Gewinne aus Aktienveräußerungen,
  • Ersatzbemessungsgrundlage,
  • Höhe des nicht ausgeglichenen Verlustes,
  • Höhe des in Anspruch genommenen Sparerpauschbetrags,
  • Kapitalertragsteuer,
  • Solidaritätszuschlag,
  • Kirchensteuer zur Kapitalertragsteuer,
  • Summe der angerechneten ausländischen Steuer,
  • Summe der anrechenbaren noch nicht angerechneten ausländischen Steuer sowie
  • Informationen zu ausländischen thesaurierenden Investmentfonds – inklusive der jeweils relevanten Zeile in der Anlage KAP.

Sollten Sie Konten und Depots bei mehreren Banken und dadurch mehrere Steuerbescheinigungen haben, zählen Sie die Beträge zusammen und tragen die Summen ein.

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In welchen Fällen sollten Sie die Anlage KAP einreichen?

Es gibt auch Situationen, in denen Sie zwar die Anlage KAP nicht ausfüllen müssen, es aber trotzdem tun sollten, um zu viel bezahlte Steuern zurückzubekommen.

Sparerpauschbetrag nicht ausgeschöpft

Haben Sie entweder keinen oder zu niedrige Freistellungsaufträge gestellt und insgesamt nicht mehr als 801 Euro an Kapitalerträgen im Jahr eingenommen, dann können Sie die darauf einbehaltene Abgeltungssteuer zurückbekommen. Dafür müssen Sie in Zeile 7 die Kapitalerträge angeben.

Ab Zeile 48 tragen Sie die einbehaltene Abgeltungssteuer, den Solidaritätszuschlag und die Kirchensteuer ein. In Zeile 12 gehört der in Anspruch genommene Sparerpauschbetrag. Falls dieser überhaupt nicht berücksichtigt wurde, tragen Sie dort 0 ein.

Der Fall, dass der Sparerpauschbetrag nicht ausgeschöpft wurde, kommt häufiger bei Frischverheirateten vor. Gemeinsam stehen beiden 1.602 Euro zu. Hatte der eine Partner beispielsweise 1.600 Euro Kapitalerträge und der andere keine, so lässt sich der Abzug von Abgeltungssteuer nachträglich über die gemeinsame Steuererklärung korrigieren. Jeder Partner muss eine eigene Anlage KAP ausfüllen.

Niedrigverdiener sollten Günstigerprüfung beantragen

Der Abgeltungssteuersatz von 25 Prozent ist für manche Steuerzahler zu hoch, zum Beispiel für viele Rentner. Liegt Ihr Grenzsteuersatz darunter, sollten Sie mit der Anlage KAP in Zeile 4 die Günstigerprüfung beantragen. Die bereits von der Bank mit Abgeltungssteuer einbehaltenen Kapitalerträge werden dann stattdessen mit Ihrem niedrigeren persönlichen Steuersatz versteuert. Das Finanzamt zahlt dann zu viel bezahlte Abgeltungssteuer zurück.

Davon profitieren Sie, wenn Ihr gesamtes zu versteuerndes Einkommen 2018 – also einschließlich der Kapitalerträge – unter 16.336 Euro lag (Verheiratete: 32.672 Euro). Für zusammen veranlagte Ehepartner gilt der doppelte Betrag.

Übrigens: Die Günstigerprüfung ist für Sie ohne Risiko. Sollte Ihr zu versteuerndes Einkommen höher sein, dann bleibt es dabei, dass Ihre Kapitalerträge mit 25 Prozent abgeltend besteuert wurden. Der höhere persönliche Steuersatz gilt nur für die anderen Einkünfte.

Verluste geltend machen

Die Anlage KAP sollten Sie auch ausfüllen, wenn Sie Gewinne und Verluste bei verschiedenen Banken miteinander verrechnen wollen (Zeilen 10 und 11). Dafür benötigen Sie eine Verlustbescheinigung der Bank. Beantragen müssen Sie diese bei Ihrer Bank bis zum 15. Dezember des Steuerjahres.

Haben Sie den Termin verpasst, müssen Sie mit der Verlustverrechnung warten. Die Bank schreibt den Verlust im Folgejahr fort und verrechnet diesen zunächst mit neuen Gewinnen. Verbleibt ein Verlust, können Sie diesen im Folgejahr nutzen.

Für Verluste aus dem Verkauf von Aktien gilt, dass Sie diese nur mit Gewinnen aus Aktiengeschäften verrechnen dürfen.

Verkauf von ausländischen thesaurierenden Fonds

Haben Sie in einen ausländischen thesaurierenden Fonds oder Exchange Traded Fund (ETF) investiert, so mussten Sie Ihre bis Ende 2017 angefallenen und wiederangelegten Dividenden (sogenannte „ausschüttungsgleiche Erträge“) Jahr für Jahr selbst in der Steuererklärung angeben. Das galt sogar, wenn Sie das Depot in Deutschland führen.

Diese grundsätzliche jährliche Steuererklärungspflicht entfällt für Erträge ab 2018, weil nun Vorabpauschalen greifen. Die Bank ermittelt jetzt auch die Steuer für im Ausland aufgelegte Fonds, die ihre Erträge nicht ausschütten, sondern im Fondsvermögen wieder anlegen (thesaurierende Auslandsfonds).

Haben Sie aber im Jahr 2018 einen solchen Fonds verkauft, dann müssen Sie dem Finanzamt nachweisen, dass Sie in den Vorjahren Ihre ausschüttungsgleichen Erträge bereits versteuert haben. In der Anlage KAP beantragen Sie in der Zeile 5 „eine Überprüfung des Steuereinbehalts für bestimmte Kapitalerträge“. In Zeile 7 korrigieren Sie Ihre Kapitalerträge. Übernehmen Sie aus der Steuerbescheinigung die „Höhe der Kapitalerträge“. In die Korrekturspalte tragen Sie den Wert ein, der sich nach Abzug der bereits versteuerten Dividenden ergibt.

An- und Verkaufsabrechnungen, Steuerbescheinigungen, Depotauszüge und die jeweiligen Anlagen KAP der vorherigen Steuerjahre sollten Sie aufbewahren, bis Sie alle Fondsanteile verkauft und mit dem Finanzamt abgerechnet haben.

Wenn Sie den thesaurierenden Fonds erst ab dem Jahr 2018 gekauft haben, dann müssen Sie in der Steuererklärung nichts mehr angeben.

Der Fiskus hat sich ein neues System ausgedacht, um sicherzustellen, dass Sie während der Zeit, in der Sie den thesaurierenden Fonds halten, einen Mindestertrag versteuern – sofern sich der Fonds im Jahr zuvor positiv entwickelt hat. Für alle thesaurierenden Fonds gilt: Statt der ausschüttungsgleichen Erträge gibt es jetzt eine Vorabpauschale, die einen fiktiven Mindestertrag darstellt. Auf dieser Basis hat Ihre Bank möglicherweise zu Jahresbeginn 2019 erstmals Abgeltungssteuer einbehalten. Diese wird erst in der Steuerbescheinigung 2019 ausgewiesen und gehört daher in die Steuererklärung 2019.

Teilfreistellung und Quellensteuer

Abgeltungssteuerpflichtige Kapitalerträge bei Fonds sind Dividenden, Vorabpauschalen und Veräußerungsgewinne. Ihre deutsche Depotbank berücksichtigt bei der Berechnung auch die neue Teilfreistellung. So werden bei einem Aktienfonds mit einem mindestens hälftigen Aktienanteil 30 Prozent aller Erträge steuerfrei gestellt. Die Bank führt die Abgeltungssteuer nur auf den steuerpflichtigen Teil der Erträge ab – also auf 70 Prozent der Erträge im Falle von Aktienfonds und Aktien-ETFs. Das Teilfreistellungssystem löst damit die komplizierte Anrechnung von ausländischen Quellensteuern ab.

Haben Sie im Ausland Quellensteuern bezahlt, die noch nicht angerechnet wurden, können Sie diese in den Zeilen 51 bis 53 der Anlage KAP eintragen. Das Finanzamt verrechnet diese zumindest teilweise – abhängig vom Land, aus dem die Erträge stammen. 

Freibetrag sichern, wenn Sie Fonds von vor 2009 verkauft haben

Fonds, die Sie vor 2009 gekauft haben, gelten als bestandsgeschützte Alt-Anteile. Eine Wertsteigerung bis Ende 2017 ist komplett steuerfrei; für die Zeit danach nur bis zu einem persönlichen Freibetrag von 100.000 Euro. Wie für alle Fonds hat Ihre Bank zum 31. Dezember 2017 einen fiktiven Veräußerungsgewinn festgestellt, der dauerhaft steuerfrei ist.

Die danach aufgelaufenen Wertsteigerungen müssen Sie bei einem Verkauf nach der neuen Rechtslage zunächst versteuern. Die Bank stellt also einen Teil des Veräußerungsgewinns frei und führt Abgeltungssteuer auf den verbleibenden Betrag ab. Haben Sie 2018 einen bestandsgeschützten Alt-Fonds verkauft, dann hat die Bank auf die ab Jahresbeginn 2018 aufgelaufene Wertsteigerung dementsprechend Abgeltungssteuer abgeführt.

Wichtig: Den Freibetrag von 100.000 Euro berücksichtigt jedoch nicht die Bank, sondern nur das Finanzamt. Sie bekommen ihn nur angerechnet, wenn Sie Ihre Kapitalerträge aus der Steuerbescheinigung in die Zeile 7 eintragen und die neue Zeile 8a der Anlage KAP ausfüllen. Dahin gehört Ihr Gewinn aus dem Verkauf bestandsgeschützter Alt-Anteile nach der Teilfreistellung. Sie finden diesen im nachrichtlichen Teil der Steuerbescheinigung 2018. Lohn der Mühe: Das Finanzamt erstattet Ihnen die abgeführte Abgeltungssteuer.

Korrekturen bei falscher Abrechnung der Bank

Es kann sein, dass Ihre Bank beim Steuerabzug Fehler gemacht hat. Prüfen Sie daher Ihre Steuerbescheinigung genau. Wenn Ihr Finanzinstitut zum Beispiel die fondsspezifische Teilfreistellung von Erträgen nicht korrekt berücksichtigt hat, dann tragen Sie den richtigen Betrag in die Korrekturspalte der Zeile 7 in der Anlage KAP ein. Sie müssen aber nachweisen, dass Ihr Fonds die Voraussetzung für die entsprechende Teilfreistellung erfüllt.

Ähnliche Überlegungen gelten, wenn Sie im vergangenen Jahr Fondsanteile verkauft haben, bei denen die Depotbank geschätzte Werte (Ersatzbemessungsgrundlage) verwendet und diese auch nicht korrigiert hat. Über die Steuererklärung können Sie eine Neuberechnung beantragen.

Es kann vorkommen, dass die Bank beim Wertpapierverkauf den Anschaffungspreis nicht kennt – zum Beispiel im Fall eines Depotwechsels. Sie wendet dann für die Versteuerung eine Ersatzbemessungsgrundlage an. Meistens beträgt diese 30 Prozent. Die Abgeltungssteuer fällt dann aber zu hoch aus. Dies können Sie mit einem Antrag auf „Überprüfung des Steuereinbehalts für bestimmte Kapitalerträge“ (Zeile 5) korrigieren lassen.

In diesem Fall sind weitere Einträge in der Anlage KAP nötig (zum Beispiel die Kapitalerträge in Zeile 7, die Ersatzbemessungsgrundlage in Zeile 9, der verbrauchte Sparerpauschbetrag in Zeile 12 und die gezahlten Steuern in den Zeilen 48 bis 50).

Autor
Udo Reuß

Stand: 24. Mai 2019


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