Du lebst offenbar in einer sehr privilegierten Situation, die mit Sicherheit nicht repräsentativ für die ganz große Mehrheit der Menschen ist.
Bei der Zinsentwicklung in den letzten Jahren? Wie das? Wie gesagt, Du musst eine enorm hohe Finanzierungssumme haben, und dazu anscheinend in einem anderen Zinsumfeld gelebt haben in den letzten Jahren. Die konkreten Zahlen würden mich wirklich interessieren.
Ja und nein: War ne Festanstellung in einem Dax-Konzern und insofern priviligiert, ja, auch weil ich beruflich wechseln wollte, Abfindungen/Aufhebungsverträge die Regel waren und ich das Timing dafür in einem gewissen Rahmen steuern konnte, was mir entgegen kam. Die Zahlen dazu hatte ich doch oben geschrieben: Wenn finanzierst/prolongierst zu einem Zeitpunkt, wo der Sollzins bei fast 4% liegt, der Guthabenszins aber noch nicht nachgezogen hat und deutlich darunter liegt, nutzt du die Sondertilgungsoption, die sich daudurch ergibt. Da geht die Ersparnis auch bei überschaubaren Summen schnell in den 4-stelligen Bereich, auch vom psychologischen Aspekt abgesehen, die Schulden loszuwerden bzw. losgeworden zu sein! Und nein bezüglich anderer Szenarien im Leben: Angenommen das Zinsniveau bliebe einfach konstant und auf Grund einer Scheidung (auch ohne Erbe und Abfindung) muss die Immobilie verkauft werden: Siehst du dann nicht den Nachteil, 10Tausende Euro an Vorfälligkeitsentschädigung zahlen zu müssen, blos weil man alles in einem Block sehr lange festgeschrieben hat?
Ihr tut immer so, als wäre eine lange Zinsfestschreibung immer sicherer, immer vorteilhafter und immer günstiger. Das ist je nach Szenario an den Finanzmärkten oder im eigenen Leben mitnichten so und diese Szenarien sollte man m.E. in die Planungen mit einbeziehen....
Die meisten Leute, die derzeit in einer 10-Jahres-Finanzierung oder gar noch länger "gefangen" sind, sind darüber froh und glücklich, weil die festgeschriebenen Zinsen um ein Vielfaches günstiger sind als die aktuellen.
Mal logisch und grundsätzlich gedacht: Was willst du damit aussagen? Vorher war es über 15 Jahre genau umgekehrt und alle haben sich geärgert über ihre langen Zinsfestschreibungen in einem immer weiter fallenden Zinsumfeld zwischen 2008 und 2022. So what? Was sagt das aus? Doch eigentlich überhaupt nichts: Zinsen können in einer gewissen Bandbreite völlig unvorhersehbar steigen und fallen und lassen sich nicht prognostizieren....
Aber nur, wenn Du blind unterschreibst, was "Deine Bank" Dir hinlegt. Wenn "Deine Bank" Dir ein Angebot über z.B. 4,5% Zinsen macht, woher weißt Du, ob das "fair" und "angemessen" ist, wenn Du nicht weitere Angebote einholst (und zwar mit allen Randbedingungen - Anschlussfinanzierung im zweiten oder dritten Rang, nur kleine Finanzierungssumme usw...)?
Ganz einfach: Man nehme das Angebot der Bank, vergleiche es mit den für die Laufzeit üblichen Konditionen, die z.B. Vermittler aufrufen und Vergleicht das mit der Zinsstruktur insgesamt (https://www.ecb.europa.eu/stats/financia…l/index.en.html) In meinem Fall war es praktisch so, dass die Bank immer ziemlich transparent eine fixe Marge auf das Marktzinsniveau aufgeschlagen hat. Ich konnte mir also den Laufzeitbereich der Zinskurve der EZB nehmen, die Marge draufschlagen und bin praktisch immer bei dem gelandet, was die Bank mir angeboten und auch auf deren Homepage (dann ggf. für andere Laufzeitbereiche) angeboten hat.
Mein Ziel war hierbei auch nicht, die dritte Nachkommastelle auszuverhandeln, sondern das Zinsniveau am kurzen Ende der Strukturkurve mitzunehmen. Fast immer habe ich hierbei logischerweise deutlich weniger Zinsen gezahlt (+ Flexibilität und andere Vorteile), als ich es bei einer längerfristigen Festschreibung getan hätte (= "normale" Zinsstruktur).
Auch darum muss man sich kümmern. Zwei Jahre sind keine lange Zeit, bei den meisten Leuten kommt das sonstige Leben dazwischen, wenn man wirklich die Chance haben möchte, von besseren Zinsen zu profitieren, muss man sich damit mit Vorlauf auseinandersetzen, Angebote einholen usw...
Ihr macht aus einer Mücke echt einen Elefanten: Hast du in zwei Jahren keine 10 Minuten Zeit, um kurz bei der Bank anzurufen und zu entscheiden, ob du bei gegebenem Zins und den konkreten Lebensumständen jetzt ein oder zwei Jahre festschreiben willst? Falls du selbst das verbaseln solltest: Bei meiner Bank (glaube ich völlig branchenüblich) wird der Kreditbaustein dann variabel verzinst weitergeführt, ohne dass du da irgendwas für tun musst. Kann teurer sein, kann aber auch günstiger sein und wäre so gesehen eine Motivation, dann mal wieder bei der Bank anzurufen um die Zinsen z.B. nochmal für ein Jahr festzuschreiben...
Und woran ich festmache, dass 0% Zins unwahrscheinlicher sind als 6%? Schlicht und einfach daran, dass es in der Vergangenheit schon häufig Immobilienzinsen >=6% gab und zu teilen auch sehr weit drüber war. Aber noch nie hat man als Privatkunde seine Immobilie für 0% finanziert (also auf dem freien Markt, subventionierte Förderkredite mal ausgenommen)
Jetzt wird's aber nostalgisch!
Würdes du die realen Wirtschaftswachstumsraten auch damit begründen? War früher alles höher und das Wirtschaftswachstum nach dem 2. Weltkrieg verhältnismäßig hoch. Ist leider seitdem nur ziemlich kontinuierlich gefallen insb. wenn man die Staatsschulden als Stütze der Konjunktur in den letzten Dekaden rausrechnet.
Eine ähnliche Logik würde ich bei den Zinsen sehen, da durch die Leitzinsentscheidungen langfristig ein Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum/Inflation und Zinsniveau besteht. Mein Fazit wäre daher eher: Die Zeiten der zweistelligen Zinsen sind Geschichte und spätestens in der nächsten Realwirtschaftskrise sind wir wieder bei einem Nullzinsniveau!
Aber: Ich kann mich auch irren und es kommt ganz anders, nur was heißt das für Zinsprognosen? Genau, sie sind praktisch unmöglich, deswegen sollte man sich mit einer Finanzierung unabhängig davon aufstellen. Und eben nicht den einen Zinssatz, der gerade zufällig herrscht als den historisch besten, einmaligen u.s.w. ansehen und ewig festschreiben, sondern besser bis zu einem sinnvoll gewählten Maß felxibel bleiben für alle möglichen Szenarien des Zinsmarktes und des Lebens. Aber ich glaube, das sagte ich bereits...
