Guten Abend liebe Finanztip-Foristen,
nachdem ich schon eine ganze Weile regelmäßig hier mitlese, habe ich nun selbst ein recht komplexes Anliegen und hoffe, ihr könnt mir weiterhelfen.
Mich beschäftigt gerade sehr, wie ich jetzt noch die Weichen stellen kann, um meine sehr geringe gesetzliche Rente aufzustocken
Zu mir:
61 Jahre, angestellt in Teilzeit (60%). Daneben seit mehr als 20 Jahren freiberuflich in eigener Praxis im therapeutischen Bereich selbständig tätig (keine Sozialversicherungspflicht), aktuell zwei Nachmittage/Woche, ca. 12-14 h.
Meine „Vision“:
Mit ca. 63 (spätestens 64) in Rente, in meiner Praxis weiterhin selbständig weiterarbeiten (Vorteil: ich kann mir meine Klienten aussuchen, Arbeitszeit und -umfang flexibel gestalten – das könnte ich mir bis mindestens 70 vorstellen)
Finanzielle Situation/Vermögen:
- Eigentumswohnung (BJ 1984, gut in Schuss, 3-Familienhaus, nur von Eigentümern bewohnt, im nächsten Monat komplett abbezahlt), selbst bewohnt. Die freiwerdenden Kreditraten von ca. 650 € mtl. könnte ich zusätzlich investieren
- ca. 30.000 € zu 2/3 in ETFs (FTSE All World, SPDR ACWI IMI, Kommer, Stoxx 600) und zu 1/3 in Einzelaktien (Allianz, Siemens, SAP, Münchner Rück), monatl. Sparrate aktuell 550 €.
- Betriebliche Altersvorsorge in Form einer vom AG bezahlten Lebensversicherung (1996), kann zwischen 60 und 65 abgerufen werden , möchte ich behalten bis ich in Rente gehe, jährliche Einzahlung 747 € durch AG
aktueller Wert: ca. 37.000 €, bei Abruf 2030: 47.000 € - private LV, ebenfalls seit 1996, war Teil der Vereinbarung mit AG: Dieser zahlt 4,6% aufs Brutto, wenn ich selbst im Umfang von 2,3% etwas bespare (über mein priv. Konto), kann ebenfalls zwischen 60 und 65 abgerufen werden
aktueller Wert: 30.000 €, bei Abruf 2030: 39.600 (mtl. Einzahlung 72,55 €) - 2 fondsgebundene Rentenversicherungen (2017) über Gehaltsumwandlung (einmal zahlt AG, einmal ich) als Aufstockung (Gehaltssteigerung ) der o.g. LV, da AG keine Dynamik im Vertrag wollte
aktueller Wert für beide: mtl. Rente 28 €, Einmalbetrag 10.500 €; bei Ablauf 2032 für beide: mtl. Rente mind. 54,70 € bis 58,40 €)
oder Einmalzahlung für beide: mind. 17.050 € (möglich 18.240 €) - Elternhaus (BJ 1965, 2 ETW, stark renovierungsbedürftig), aktuell und hoffentlich noch lange von meiner Mutter bewohnt
Gesetzliche Rentenversicherung:
aktueller Rentenwert: ca. 1050 €, bei Erreichen der Regelaltersrente (2032) ca. 1.270 € - beides jeweils abzüglich KV, RV, bei gewünschter Rente mit 63 natürlich auch noch abzüglich max. 14,4%
Mindestens 500-600 € im Monat bräuchte ich zusätzlich
Grobe Zeit- und Finanzplanung:
1. bis 63/64:
Die ab Mai frei werdenden Kreditraten + aktuelle Sparraten = insges. gut 1.000 € weiter in ETFs investieren, bis Mitte/Ende 2028 kämen nochmal ca. 30.000-35.000 € dazu
Nach Ende Angestelltentätigkeit: Auszahlung Betriebl. LV (und ggf. auch die beiden betriebl. Rentenversicherungen) --> hälftig sicher in TG o.ä. und hälftig in ausschüttende ETFs oder Dividendentitel
2. bis ca. 67/70
Rente + freiberuflich weiterarbeiten --> ich müsste selbst bei niedriger gesetzl. Rente bis dahin nicht an meine Rücklagen und könnte meine ETFs/Aktien weiterlaufen lassen
3. ab ca. 67/70:
Entnahme aus Rücklagen: kurzfristig Tagesgeld u.ä. (ca. 5 Jahresrücklagen); mittelfristig risikoärmere ETFs (z.B. Vanguard LifeStrategy 60) + Dividenden- (bzw. ausschüttende) ETFs/Aktien; langfristig breit gestreute globale ETFs (FTSE All World, ACWI IMI)
Mögliche Ansätze, um die Finanzlücke auszugleichen
- Ausgleichszahlungen an die gesetzliche Rentenversicherung. Ich hatte vor ein paar Tagen eine online-Beratung bei der RV und bräuchte ca. 45.000 €, um 168 € auszugleichen.
Hier könnte ich die private LV gestaffelt über die nächsten drei Jahre verwenden, was steuerlich auch günstiger wäre - Altersteilzeit ab 63 ohne angestellt weiterzuarbeiten (nur noch freiberuflich) – Idee: Zumindest teilweise Abschläge bei RV vermeiden. Hier muss ich noch klären, inwiefern sich meine freiberuflichen Einkünfte auswirken (Anrechnung auf Rente? Versicherungsstatus? Wäre mind. 50% Rente ratsam, um hauptsächlich als Rentner mit zusätzlichem Einkommen zu gelten?)
- Altersteilzeit und noch eine Weile weiterarbeiten --> zusätzliches Geld investieren
- Teilweise Abdeckung des zusätzlichen monatl. Bedarfs durch Dividendenzahlungen
Das war jetzt doch arg lange. Danke an alle, die bis hierhin gelesen haben. 
Ich würde mich sehr über eure Einschätzung freuen. Sind meine Ausführungen stimmig oder habe ich etwas nicht oder falsch bedacht? Gibt es alternative Ideen?
Ich freue mich auf eure Rückmeldungen und Anregungen.