Giagos747 tut mir sehr leid für die unglückliche Situation...es ist aktuell tatsächlich die Zeit, wo breitflächig qualifizierte Menschen freigesetzt werden, selbst Ingenieure, die früher als extrem rar und gesucht angesehen wurden. Dies ist vor allem der Krise im Automobilbau geschuldet, hat aber Auswirkungen auf die gesamte Zulieferindustrie, wo auch viele Hidden Champions enthalten sind.
Zum Thema: Ich habe exakt Deinen Weg gerade eben durchgemacht, bin allerdings ca. 20 Jahre älter als Du. Entlassung, Abwicklungsvereinbarung, 7 Monate Kündigungsfrist, Abfindung in satt 6-stelliger Höhe. Was tun?
Zunächst habe ich versucht, und das würde ich jedem raten, sein "berufliches Profil" auf Vordermann zu bringen. LinkedIn, eventuell XING, ordentliches und charaktertypisches Bild, klare und prägnante Darstellung der eigenen Skills (weniger der beruflichen Historie, sondern mehr, was eine künftige Firma von Dir kurz- und mittelfristig erwarten kann). Ganz wichtig: Lebenslauf aktualisieren, optisch ansprechend, Fokus ebenfalls nicht auf Deine Historie, sondern vor allem auf das, was Du erreicht hast (Kennzahlen!), es muss ersichtlich sein, was Du fähig und willens bist, in Deiner nächsten Tätigkeit zu erreichen.
Die Arbeitsagentur wird wenig für Dich tun als Akademiker, deren Fokus ist auf anderen Bereichen (auch wenn der MA dort sehr freundlich und bemüht war), ALG1 muss natürlich beantragt werden, nur für den Fall, dass Du bis dahin nichts findest. Die Hauptarbeit bei der Suche nach einer neuen Position wird aber bei Dir verbleiben.
Als sehr hilfreich habe ich den "Premium Career" Status bei LinkedIn erlebt, da hast Du einen Blick auf Firmen, potentielle Positionen, Deine Passung auf diese Positionen und den Vergleich mit anderen Bewerbern auf diese Position. Sehr hilfreich auch der Zugriff auf LinkedIn Learnings, welche hervorragend zur Weiterbildung geeignet sind.
Finanziell würde ich die Kohle zusammenhalten, solange Du noch regulär bezahlt wirst, kannst Du ja Deine Sparpläne weiterlaufen lassen, sobald Du in ALG1 fällst, würde ich die Sparpläne aussetzen, da brauchst Du alle Einkünfte inkl. einer Abfindung zur Bewältigung des Lebensunterhalts (Prio hat sicher auch die Bedienung Deiner Hypothek). Das "Hineinstecken" von Kapital in AV-Verträge, um diese vor dem Staat zu schützen, halte ich für wenig zielführend, Du brauchst Deine Kohle verfügbar, auch wirst Du so vielleicht in Verträge investieren, die Dir später leid tun.
Sei bei der Arbeitsplatzsuche flexibel. Du erhöhst Deine Chancen, wenn Du örtlich flexibel bist, Dich fachlich auch in benachbarten Gebieten umtust, auch zu Gehaltseinbußen bereit bist (Du kannst Dich dort später wieder entwickeln, außerdem hast Du ja zur Kompensation noch Deine Abfindung). Ich drück' Dir die Daumen dafür!
Apropos: nach ca. 5 Monaten Suchaktivität, ca. 50 Bewerbungen, davon ca. 25 % Kontakte mit Firmen, habe ich tatsächlich wieder eine Position gefunden, ab 1. Mai werde ich wieder beruflich tätig sein. Die fachliche Ausrichtung ist etwas anders als vorher, die Arbeitsstelle ist ca. 100 km von meinem Standort (Eigenheim) entfernt - dazu werde ich eine Unterkunft während der Woche beziehen, auch wird das Gehalt um einiges niedriger als vor der Kündigung sein, werde ich aber durch die Abfindung sehr gut kompensieren können. Meine Sparpläne habe ich reduziert, diese sind aber aus der Vergangenheit auch schon recht gut bestückt...
Streng Dich an, Du kannst das auch!