Warum Tagesgeld als Notgroschen zusätzlich zu ETFs?

  • Warum braucht man dazu eine Formel? Ich kenne keine, die für mich sinnvoll wäre.

    Wenn Du so etwas möchtest, solltest Du Dir anhand Deiner Vermögenshöhe ausrechnen, wie sehr Dich der so "beliebte" Markteinbruch um 50% beunruhigt oder Dein Leben beeinflussen würde.

    Das Geld in meinen Aktien-ETF ist gedanklich für mich bis zum Rentenbeginn genauso unantastbar wie es meine LV ist. Selbst im Vorruhestand plane ich nur, die Ausschüttungen der ETFs in unplanbarer Höhe zu nuzten anstatt diese wieder zu investieren.

    Etwas plakativ: habe ich als junger Familienvater mit 30 "nur" 20.000€ Rücklagen, dann müsste ich schon einen bombensicheren und sehr gut bezahlten Job haben um davon 110-30 = 80% in Aktien anzulegen. Selbst als Single mit 30 wären mir längerfristig 4000€ Rücklage auf dem Tagesgeld zu wenig gewesen.

    Habe ich aber 200.000€ Rücklagen mit 60 und einen relativ sicheren Job (Kündigungsfrist + ALG1 reichen nahezu bis zum möglichen Rentenbeginn, wenn ich bei einer Kündigung nichts Neues finde), dann sind für mich persönlich nur 110-60 = 50% Aktienquote viel zu niedrig und eine vertane Chance für meine Rente.

    In dem Alter, auch schon mit 50 ohne versorgungspflichtige Kinder, und dem Betrag bin ich persönlich ganz schnell bei mind. 80% Aktienanteil, da mir 40k€ risikoarme Rücklage mehr wie ausreichen würden (selbst mit ETW und den potentiellen Instandhaltungskoste). Womit sich bei höherem Vermögen (invest der zukünftigen Sparrate in Aktien-ETFs) automatisch die Aktienquote erhöhen würde.

    Ich kenne nur die Höhe meiner privaten Anlagen, meine Einnahmen und meinen (nur bedingt von der Marklage abhängigen) Finanzbedarf aus beiden. Warum sollte ich bis zu Start meiner Entnahmephase nicht den gesamten Rest in Aktien-ETFs stecken, wenn die risikoarme Rücklage vorhanden ist? Eine Aufteilung nach 110-Alter würde die risikoarme Rücklage erhöhen, ohne dass ich einen Mehrwert davon habe.

    Möchte ich die Entnahmephase selber organisieren aber einfach gestalten, dann würde ich alles in einen einzigen Multi-Asset ETF umgeschichtet und diesen automatisch entsparen. Dieser hat aber ab Kaufzeitpunkt eine feste Aufteilung von Aktien/Anleihen, was nicht zu einer festen Formel der Asset-Aufteilung passt.

  • Warum braucht man dazu eine Formel? Ich kenne keine, die für mich sinnvoll wäre.

    Das Menschenleben ist zu vielfältig für eine Faustformel.

    Wenn Du so etwas möchtest, solltest Du Dir anhand Deiner Vermögenshöhe ausrechnen, wie sehr Dich der so "beliebte" Markteinbruch um 50% beunruhigt oder Dein Leben beeinflussen würde.

    Das Geld in meinen Aktien-ETF ist gedanklich für mich bis zum Rentenbeginn genauso unantastbar, wie es meine LV ist. Selbst im Vorruhestand plane ich nur, die Ausschüttungen der ETFs in unplanbarer Höhe zu nutzen, anstatt diese wieder zu investieren.

    Etwas plakativ: habe ich als junger Familienvater mit 30 "nur" 20.000€ Rücklagen, dann ... wären mir längerfristig 4000€ Rücklage auf dem Tagesgeld zu wenig gewesen.

    Habe ich aber 200.000€ Rücklagen mit 60 und einen relativ sicheren Job (Kündigungsfrist + ALG1 reichen nahezu bis zum möglichen Rentenbeginn, wenn ich bei einer Kündigung nichts Neues finde), dann sind für mich persönlich nur 110-60 = 50% Aktienquote viel zu niedrig und eine vertane Chance für meine Rente.

    Der Notgroschen des 30jährigen sollte sich nicht am Sparvermögen orientieren, sondern am Einkommen. Im Vergleich zu üblichen Gehältern sind 4000 € nicht besonders viel.

    Bist Du 60, willst Du mehr Liquidität (etwa um unproblematisch ein neues Auto kaufen zu können), aber mehr als 20.000 € müssen es für mich auch nicht sein, wenn man 200.000 € im Depot hat.

    Wieviel Aktien man toleriert, hängt vom Nervenkostüm ab. Wer mit 60 schon 20 Jahre Börsenerfahrung hat, dürfte mindestens einen Einbruch schon erlebt haben und sollte sich noch daran erinnern, wie er darauf reagiert hat.

    Ich kenne nur die Höhe meiner privaten Anlagen, meine Einnahmen und meinen (nur bedingt von der Marktlage abhängigen) Finanzbedarf aus beiden. Warum sollte ich bis zu Start meiner Entnahmephase nicht den gesamten Rest in Aktien-ETFs stecken, wenn die risikoarme Rücklage vorhanden ist? Eine Aufteilung nach 110-Alter würde die risikoarme Rücklage erhöhen, ohne dass ich einen Mehrwert davon habe.

    Der Eintritt in den Ruhestand ist finanziell ein erheblicher Sprung - aber auch er ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Der eine hat nur eine gesetzliche Rente (vielleicht eine besonders magere, weil er viel Teilzeit gearbeitet hat), der andere hat eine schöne Beamtenpension zu erwarten. Auch Betriebsrenten etc. machen einen Unterschied. Eine mittelfristige Finanzplanung ist immer schlau - der Ruhestand fällt ja nicht vom Himmel, und man weiß typischerweise, was man als Alterseinkünfte zu erwarten hat. Man kann auch peilen, wieviel Geld man wohl für seinen Lebensunterhalt verbrauchen möchte und kann das zu den Alterseinkünften in Beziehung setzen.

    Wer nur wenig Einkommen aus seinem Vermögen substituieren muß, kann aggressiver investieren (sprich: einen größeren Teil des Vermögens an der Börse lassen).

    Mit gefällt das Prinzip "safe asset floor". Man hält von dem, was man zusätzlich zum Alterseinkommen verbrauchen möchte, 5 Jahresbedarfe in Renten und läßt den Rest in Aktien stehen.

    Möchte ich die Entnahmephase selber organisieren aber einfach gestalten, dann würde ich alles in einen einzigen Multi-Asset ETF umgeschichtet und diesen automatisch entsparen. Dieser hat aber ab Kaufzeitpunkt eine feste Aufteilung von Aktien/Anleihen, was nicht zu einer festen Formel der Asset-Aufteilung passt.

    So lange ich das kann, möchte ich keinen Automaten agieren lassen. Du hast ja gesehen, was in der Corona-Zeit damit passiert ist.

  • Warum braucht man dazu eine Formel? Ich kenne keine, die für mich sinnvoll wäre.

    Das sehe ich genauso.

    Ich kenne nur die Höhe meiner privaten Anlagen, meine Einnahmen und meinen (nur bedingt von der Marklage abhängigen) Finanzbedarf aus beiden. Warum sollte ich bis zu Start meiner Entnahmephase nicht den gesamten Rest in Aktien-ETFs stecken, wenn die risikoarme Rücklage vorhanden ist? Eine Aufteilung nach 110-Alter würde die risikoarme Rücklage erhöhen, ohne dass ich einen Mehrwert davon habe.

    Ich mache das auch so. Bis auf eine Rücklage auf dem Tagesgeld (die nicht % des Gesamtvermögens definiert ist sondern als absoluter Geldbetrag) steckt alles andere an frei verfügbarem Geld in Aktien-ETFs.

    Irgendwelche Faustformeln sind da Quatsch. Es fängt ja schon damit an, dass man sehr unterschiedlich rechnen kann, was man alles in das Vermögen reinrechnet. Nur das liquide Geldvermögen? Was ist mit dem Wert einer selbstgenutzten Immobilie? Was ist mit Rentenanwartschaften? Was mit Riester-/Lebensversicherungen? Je nach Ansatz können da bei identischem Gesamtvermögen komplett unterschiedliche Prozentsätze rauskommen. Wer (zwecks einfacher Rechnung) ein Gesamtvermögen von einer Million hat (mit Immobilie, Rentenanwartschaft etc.) und von seinen liquiden Mitteln von 100.000 EUR einen Teil von 80.000 EUR in Aktien-ETF steckt und 20.000 EUR aufs Tagesgeld legt, hat der jetzt eine Aktienquote von 80% (weil 80% von 100.000 EUR in Aktien) oder eine Aktienquote von nur 8% (weil 8% von 1.000.000 EUR Gesamtvermögen)?

    In den meisten Ratgebern, in denen solche plakativen Faustformeln wie "Aktienanteile = 100 minus Lebensalter" steht, steht auch überhaupt nicht, wie das genau berechnet werden soll und was man alles einrechnet (bzw. mit welchem Wert man Dinge wie eine Rentenanwartschaft einrechnen soll).