Es ist aber doch auffällig, dass es gewisse argumentative Überschneidungen gibt mit z.B. einem (natürlich etwas klischeehaft) 19jährigen, der zwischen Abitur, Langzeitstudium und Job erst noch ein Auslandsreisejahr macht und sich das Berufsleben mit Teilzeit, 4Tage-Woche aber bitte Vollzeitgehalt und -absicherung vorstellt. Er lebt immerhin ja auch nur einmal, und ist doch auch nur einmal jung...
So lange die jungen Leute, ebenso wie die älteren, in der Lage sind, ihr Leben auf eigene Kosten zu finanzieren (wozu für mich auch selber gezahlte Versicherungen wie ALG und BU zählen) und nicht mit Grundsicherung oder andere Sozialleistungen, bleibt es denen ihre Sache.
Aber was soll immer dieses "Langzeitstudium"? Das habe ich als (offiziell nicht mehr) Boomer auch hinter mir. Das muss(te) halt irgendwer finanzieren. ALH war auch nach dem Studium niemals eine denkbare Option für mich.
Und wenn es meinetwegen schlichtweg aus Gründen der Gerechtigkeit ist, weil sehr viele Arbeitnehmer überhaupt keine Möglichkeit auf ATZ haben.
Das habe ich im Verwandten und Kollegenkreis eher anders mitbekommen.
Bei der einen reichte das Vermögen nicht, um ATZ bis 63 (und Rente mit Abschlägen) zu machen. Und jetzt macht sie ATZ im Teilzeitmodell, weil der Konzern es ihr anders nicht zugesteht (könnte man auch auf den Fachkräftemangel zurück führen, hier halt überwiegend in Form eines bereits eingearbeiteten Nachfolgers).
Und viele meiner Kollegen mit jüngeren und ebenfalls arbeitenden Frauen reduzieren eher ihre Arbeitszeit wie ein ATZ Blockmodell zu wählen.
Im Idealfall ist diese Beschäftigung im Alter mit Entlohnung. Dann erübrigen sich viele Rechnungen mit spitzem Bleistift und die Zufriedenheit steigt merklich an.
Entlohnung bedeutet meist genau das, was ich am Berufsleben zuletzt gehasst habe und der Grund für die ATZ war: massive ext. Vorgaben oder gar Vorschriften.
Das ist dann auch ein Grund, eines meiner Hobbies nicht zum Nebenerwerb auszubauen. Dann habe ich wieder massive Zeitvorgaben, gängelnde Kunden usw. Dieses Hobby läuft so weiter wie bisher (so lange die Verantwortlichen und meine Gesundheit es noch mitmachen) und ansonsten werden Hobbies, deren Projekte ich aus Zeitmangel seit Jahren liegen gelassen habe, wieder gestartet. Die Ergebnisse davon bringen außer mir niemandem etwas, müssen sie auch nicht.
Hätte ich so spitz rechnen müssen, hätte ich das ganze nicht gemacht. Die Absicherung meiner Lebenshaltungskosten durch sichere Zahlungen (wobei ich auch die Rente als sicher ansehe) war der Auslöser für mich, damals intensiver nachzurechnen, wie sich das ganze mit 65 oder 63 verhält.
Nein, sag doch mal. Der Fachkräftemangel ist ausgedacht?
An einigen Stellen ja.
In der IT gibt es viele Betriebe, die von Fachkräftemangel reden, die am Ende aber nur nicht gewillt sind, branchenübliches Gehalt zu zahlen oder schon nur die Arbeitsbedingungen für die vorhandenen Fachkräfte anzupassen.
Und in der IGBCE braucht kein Betrieb in Bayern etwas von Fachkräftemangel zu sagen. Ca. 5% bis 11% weniger Entgelt für exakt die selbe Arbeit, die der identische Konzern seinen MA in BaWü zahlt.
Wer nicht gewillt ist, marktüblichen Lohn zu zahlen, hat wohl keine Kunden, die ihm diese Arbeitskraft vergüten. Also am Ende keinen Grund, überhaupt Leute einzustellen. Und wer, als Konzern an anderen Standorten in D, bedeutend mehr zahlt darf erst dann von Fachkräftemangel in D reden, wenn er auch am besser bezahlten Standort keine Leute findet.