Dip-Ausstieg & Crash-Einstieg" Strategie

  • Was ich an dem Artikel aber noch interessant fand ist, dass auch Rebalancung bei einer nicht 100% Aktien Strategie als aktive Strategie aufgeführt wird. Hier wird davon ausgegangen, dass ein Rebalancing immer dann ausgeführt wird, wenn die Abweichung zur angestrebten Aktienquote einen gewissen Wert überschreitet, also z.B. bei einer Sollquote von 50% sobald diese unter 40% fällt bzw. über 60% steigt.

    Ich dachte irgendwie immer, dass die meisten Rebalancing zyklisch ausführen, also z.B. einmal im Jahr am Jahresende und nicht, wenn bestimmte Schranken gerissen werden.

    Wie seht ihr das? Macht ihr Rebalancing und wenn ja, nach welchen Regeln?

    Ist Rebalancing somit auch schon eine aktive Strategie?

  • Macht ihr Rebalancing und wenn ja, nach welchen Regeln?

    Mit neuem Geld gleiche ich es aus, wenn ein Asset besser läuft als das andere. Ver- und gekauft wird bei Abweichungen von der Soll-Verteilung.

    Ist Rebalancing somit auch schon eine aktive Strategie?

    Keine Ahnung … kommt wohl auch auf die Definition an. Es ist jedenfalls aktiver als das, was vielfach propagiert wird. Andererseits passiver - im Sinne von regelbasierter - als das, was vielfach gemacht wird. Ich finde aber auch, das Passivinvestieren kein Dogma und kein Fetisch sein sollten.

  • Ist Rebalancing somit auch schon eine aktive Strategie?

    Ich würde sagen nein, denn die Allokation (inkl. Wiederherstellung) ist dem Investieren vorgelagert und deshalb nicht aktiver als der Akt einer Einmalzahlung. Aber das kann man vielleicht besser in einem neuen Thread behandeln, oder mal die Archivsuche bemühen.

  • Streng genommen ist schon die Aufteilung in Large Caps, Mid Caps und Small Caps eine aktive Strategie - wenn man einen Teil davon weglässt (siehe die unterschiedlichen Regeln von MSCI und FTSE). Profitabilitätskriterien sind auch eine aktive Strategie (siehe die unterschiedlichen Regeln von S&P und Stoxx). Jeder Index ist nur ein Modell des Marktes oder eines Teils davon. Das relativiert die Aktiv/Passiv-Debatte.

  • Streng genommen ist schon die Aufteilung in Large Caps, Mid Caps und Small Caps eine aktive Strategie - wenn man einen Teil davon weglässt (siehe die unterschiedlichen Regeln von MSCI und FTSE).

    Beim MSCI World ist dann der Kauf eines MSCI Small Cap -ETF eigentlich schon zwingend.

  • Warum sollte ich in small caps investieren wollen? Genauso mit EM. Ich sehe nicht das sich die Märkte anders entwickeln als der MSCI World. Oder gar besser

    Der Chart, den du hier postest, zeigt aber für Letztes bei EM was anderes.

    Es ist auch eine Art Glaubensfrage, ob man „Alles“ glaubt dabei haben zu müssen.

  • Warum sollte ich in small caps investieren wollen? Genauso mit EM. Ich sehe nicht das sich die Märkte anders entwickeln als der MSCI World. Oder gar besser

    Das ist klassischer Recency Bias. Historisch schneiden Small Caps, Emerging Markets und Value-Aktien langfristig besser ab als Aktien aus Industrieländern. Dafür gibt es eine breite empirische Evidenz, vor allem wegen höherer Risiken und entsprechender Faktorprämien. Außerdem wirkt die Rückkehr zum Mittelwert: Gerade nach langer Underperformance ganzer und breiter Marktsegmente ist der Ausstieg oder ,,Nicht-Einstieg" häufig der schlechteste Zeitpunkt.

    Small Caps und Emerging Markets lassen sich heute sehr günstig ins Portfolio integrieren. Es gibt daher keinen guten Grund, auf das einzige „Free Lunch“ des Marktes zu verzichten: Diversifikation.

  • Braucht man wirklich noch das 3.000ste Mini-Unternehmen im Portfolio? Außerdem wenn die Small Caps nicht mehr Small sind und die EM nicht mehr emerging, dann laden die doch automatisch in einem anderen Index.

    Und ob historische Betrachtungen noch helfen? Die Welt wandelt sich. Ich zumindest bn da skeptisch. Allerdings kann ich mir das auch leisten, da meine Ansparphase nur noch 5 JAhre dauert.

  • Braucht man wirklich noch das 3.000ste Mini-Unternehmen im Portfolio?

    Gegenfrage: Gibt es neben dem erhöhten Risiko und der höheren zu erwartenden Rendite einen Grund kleine Unternehmen nicht im Portfolio zu haben?

    Zitat von Micha-1

    Außerdem wenn die Small Caps nicht mehr Small sind und die EM nicht mehr emerging, dann laden die doch automatisch in einem anderen Index.

    Und wenn große Unternehmen kleiner werden, landen sie bei den Small-Caps. Hat das eine Relevanz zu der Feststellung, dass kleine Unternehmen Teil des Marktes sind, ein höheres Risiko haben und somit langfristig mehr rentieren? Ich denke nicht.

    Zitat von Micha-1

    Und ob historische Betrachtungen noch helfen? Die Welt wandelt sich. Ich zumindest bn da skeptisch. Allerdings kann ich mir das auch leisten, da meine Ansparphase nur noch 5 JAhre dauert.

    Die Daten aus der Vergangenheit sind die einzigen Daten, die wir haben. Die Welt wandelt sich kontinuierlich. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich so wandelt oder gewandelt hat, dass mehr systematisches Risiko langfristig nicht prämiert wird bzw. nicht prämiert werden muss und, dass die Rückkehr zum Mittelwert aufhört zu existieren, ist praktisch Null. Dabei spielt es keine Rolle, ob man noch 5 Jahre oder 50 Jahre investiert.

  • Hallo zusammen,

    ich habe versucht alles einzuarbeiten. Fehlt noch etwas? Was kann ich ändern/ergänzen?

    Vielen Dank für die Rückmeldung.

    Schreiben an Stiftung Finanztest:

    Entwurf 2

    Sehr geehrter Herr …,

    vielen Dank für Ihre ausführliche und differenzierte Rückmeldung sowie die Zeit, die Sie sich für meine Anmerkungen genommen haben. Ihre Einordnung hilft, den Artikel und die Intention dahinter besser zu verstehen.

    Ich stimme Ihnen ausdrücklich zu, dass Sie Buy & Hold, breite Diversifikation und Rebalancing weiterhin als zentrale und bewährte Vorgehensweise darstellen und dass Absicherungsansätze klar als zusätzliche Überlegungen für bestimmte Selbstentscheider eingeordnet werden. Diese Differenzierung halte ich für wichtig.

    Gleichzeitig möchte ich meinen Kernpunkt noch einmal präzisieren: Mein Unbehagen richtet sich weniger gegen die Existenz solcher Überlegungen an sich, sondern gegen das Risiko, dass deren praktische Umsetzbarkeit und ihr langfristiger Mehrwert von vielen Privatanlegern überschätzt werden könnten.

    Aus meiner Sicht zeigen langfristige Auswertungen realer Anlegerergebnisse immer wieder mehrere wiederkehrende Aspekte:

    Regelbasierte Ausstiegs- und Wiedereinstiegsüberlegungen reduzieren zwar einzelne Extremverluste, führen aber häufig zu einer strukturellen Renditeminderung, weil Phasen schneller Erholung nur teilweise oder gar nicht mitgenommen werden. Hinzu kommt, dass starke Erholungstage statistisch oft in zeitlicher Nähe zu deutlichen Markteinbrüchen auftreten und damit bei Ausstiegsüberlegungen systematisch gefährdet sind. Bereits das Verpassen weniger dieser Tage kann über Jahre zu einer signifikanten Underperformance gegenüber einem disziplinierten Buy-and-Hold-Ansatz führen.

    Der größte Renditeunterschied entsteht in der Praxis weniger durch das zugrunde liegende Konzept als durch konsequentes Durchhalten. Je komplexer und eingriffsintensiver eine Vorgehensweise ist, desto höher ist die Gefahr von Abweichungen – gerade in Stressphasen.

    Ein weiterer Punkt, der meines Erachtens stärker berücksichtigt werden sollte, sind steuerliche Effekte. Vorzeitige Verkäufe lösen regelmäßig Steuerzahlungen aus, die dem Zinseszinseffekt dauerhaft entzogen werden. Diese impliziten Kosten werden in vielen theoretischen Betrachtungen nicht ausreichend abgebildet, wirken sich in der Praxis jedoch spürbar auf die Nettorendite aus.

    Darüber hinaus stellt sich die Frage der realistischen Umsetzbarkeit solcher Überlegungen bei größeren Depots. Wer bei einer definierten Schwelle sein gesamtes Aktienportfolio veräußert, muss das Kapital zwischenzeitlich parken – unter Berücksichtigung von Einlagensicherung, Produktwahl und Liquidität. Gleichzeitig lassen sich automatisierte Wiedereinstiege in der Praxis oft nur eingeschränkt oder gar nicht umsetzen. Auch hier besteht die Gefahr, dass Theorie und tatsächliches Anlegerverhalten auseinanderfallen.

    Ihr Argument, dass Verluste mathematisch stärker wirken als einzelne gute Tage, ist selbstverständlich korrekt. In der praktischen Anwendung zeigt sich jedoch, dass viele Anleger auf sehr tiefe Einstiegsschwellen warten, die historisch selten erreicht werden. Wer auf einen erneuten massiven Einbruch spekuliert, verbringt unter Umständen lange Zeit außerhalb des Marktes und nimmt in dieser Phase weder Markterholungen noch laufende Renditen mit – bei gleichzeitigem Opportunitätsverlust durch niedrig verzinste Liquidität.

    Besonders wichtig erscheint mir der psychologische Aspekt: Während Buy & Hold vor allem Disziplin beim Nicht-Handeln erfordert, verlangen solche Absicherungsüberlegungen wiederholte aktive Entscheidungen unter Unsicherheit. Auch wenn diese regelbasiert formuliert sind, bleibt der mentale Druck beim Wiedereinstieg erheblich – und genau hier scheitern aus meiner Beobachtung viele Privatanleger.

    Ich finde es daher gut, dass Sie die Asset-Allokation klar an erste Stelle setzen. Mein Anliegen war vor allem, die Relation der verschiedenen Ansätze für die Leser einzuordnen: Als robuste Basis erscheint mir ein langfristiges, einfaches Portfolio mit angemessener Aktienquote und regelmäßigem Rebalancing weiterhin überlegen. Rebalancing verstehe ich dabei weniger als taktisches Timing, sondern als regelgebundene Wiederherstellung der ursprünglich gewählten Allokation.

    Meine konkrete Anregung wäre daher, solche Ansätze nicht als eigenständige Anlagestrategie und nicht als sinnvolle Alternative zu Buy & Hold darzustellen, sondern ausdrücklich als theoretische Überlegungen einzuordnen. Aus meiner Sicht führen diese Überlegungen in vielen Fällen gerade zu der Erkenntnis, dass sich auf diesem Weg langfristig kein verlässlicher Vermögensaufbau erreichen lässt.

    Vielen Dank nochmals für den offenen Austausch. Ich begrüße es sehr, dass Sie die Rückmeldungen der kommenden Jahre abwarten und das Thema weiter kritisch begleiten wollen.

    Mit freundlichen Grüßen“

    LG

  • Hört sich alles richtig an. Nur die reale Entwicklung sieht anders aus.

    Nein, das ist nicht korrekt. Du betrachtest einen zu kurzen Zeitraum und bei Aktien ist das ein erheblicher Fehler. Aus solchen Zeitfenstern lässt sich zudem nicht ableiten, wie sich Small Caps und Emerging Markets in den kommenden 5 oder 10 Jahren entwickeln werden.

    Der MSCI World Small Cap Index erzielte beispielsweise zwischen 2001 und 2023 eine nominale Rendite von 7,9 % p.a. Large Caps kamen im selben Zeitraum lediglich auf 5,4 %, Large und Mid Caps auf 5,6 %. Der MSCI Equal Weight Index lag bei 6,6 % (Daten von MSCI).

    Eine Small-Cap-Prämie ist damit klar erkennbar, ebenso das höhere Risiko. Volatilität und maximaler Drawdown waren bei Small Caps in diesem Zeitraum deutlich höher. Betrachtet man noch längere Zeiträume, fällt dieser Effekt sogar noch stärker aus.