hypothetische technische Frage zu Index ETFs

  • Ein Gedankenexperiment:

    Nehmen wir einmal theoretisch an, dass z.B. aufgrund der politischen Situation die Rüstungsindustrie einen steigenden Anteil am weltweiten Wirtschaftsmarkt einnimmt. Würden dann entsprechende Unternehmen in die Indices aufgenommen werden? Ich denke ja, sofern der Index nicht ein "alles ausser Rüstung"-Index ist. Was passiert nun, wenn ein Land aber den Zugang zu Aktien eines solchen Marktes - bzw "kritischer" Unternehmen einschränkt? Werden die dann aus dem Index herausgenommen? So eine Art De-Listing? Oder würde man das ganze Land (seine Unternehmen) für den Index nicht mehr zulassen, weil es keinen freien Zugang zu seinem Markt erlaubt?

  • Im ersten Schritt würde ich vermuten, dass voll physisch replizierende Produkte auf diesen Index nicht mehr in diesem Land erwerbbar sind.

    Anbieter würden in der Folge wahrscheinlich ihre Produkte anpassen, um wieder gesetzeskonform zu sein. (z.B. synthetische Abbildung)

    Die Frage ob ein Land aufgrund von Einschränkungen des Kapitalverkehrs z.B. den Status Industrieland aberkannt bekommt und dann bei den Emerging Markets gelistet wird, ist davon unabhängig durch den Indexanbieter zu prüfen.


    Ergänzung:

    Je nach wirtschaftlicher Bedeutung des Landes, könnte es natürlich auch zu einem neuen oder angepassten Index kommen.

  • Hmm ich habe Dich so verstanden:

    Deutschland verbietet den Kauf und Besitz von NVIDIA-Aktien.

    Welche Auswirkungen hätte das auf den MSCI World.

    Damit würde eine Emittent mit Sitz in Deutschland auch keine NVIDIA Aktien besitzen dürfen. Einer im Ausland schon.

    Da man als Anleger ja streng genommen nur die ETF-Anteile hält, könnte es sogar für den Anleger egal sein. Nur würde ein inländischer Emittent benachteiligt sein gegenüber dem ausländischen.

  • Würden dann entsprechende Unternehmen in die Indices aufgenommen werden?

    Da sind sie doch schon enthalten! Und wenn zusätzliche, neue Unternehmen an die Börse gehen, werden sie - wenn sie die Größenhürden nehmen - auch in die Indices aufgenommen, wenn sie dort hineinpassen.


    Was passiert nun, wenn ein Land aber den Zugang zu Aktien eines solchen Marktes - bzw "kritischer" Unternehmen einschränkt? Werden die dann aus dem Index herausgenommen? So eine Art De-Listing? Oder würde man das ganze Land (seine Unternehmen) für den Index nicht mehr zulassen, weil es keinen freien Zugang zu seinem Markt erlaubt?

    Was für ein Szenario meinst Du?

  • Rein theoretisches Szenario: Deutschland schränkt die Erwerbsmöglichkeiten von Aktien eines deutschen Rüstungskonzerns durch ausländische Anteilseigner ein, um eine mögliche Einflussnahme durch ausländische Aktionäre zu vermeiden. Es sei bitte dahingestellt, ob das überhaupt eine sinnvolle/funktionierende Möglichkeit wäre, eine Einflussnahme zu vermeiden. Annahme: Politisch fällt so eine Entscheidung. Oder dürfte so ein deutsches Rüstungsunternehmen dann gar nicht mehr als AG aufgestellt sein? Müsste (kann?) die Rechtsform dann geändert werden? Mit entsprechenden Konsequenzen für die Mitgliedschaft in einem Aktienindex, auf dem wiederum ein ETF basiert?

  • Mit entsprechenden Konsequenzen für die Mitgliedschaft in einem Aktienindex, auf dem wiederum ein ETF basiert?

    Was hat ein Index (in dem Fall) mit einem konkret in einem Land/eine Region angebotenen ETF zu tun? Der ETF basiert auf dem Index, oft genug wird dieser bei größeren Indizes aber nicht zu 100% vollständig abgebildet.

    Es gibt den Index, den irgendwer (oft nicht nur für eine einzigen ETF, der nur an einer Börse gehandelt wird) pflegt. Ob der zu 100% identisch in allen Regionen der Welt so realisiert ist, entscheidet am Ende der ETF Emitent. Ob (jeweils mit optimiertem Sampling) ein MSCI World UCITES ETF exakt die selben Aktien enthält wie ein MSCI World ETF vom selben Emitenten in den USA?

    Was in Deinem Ausgangsposting passiert, haben wir m.M.n. vor ein paar Jahren "live" in Russland gesehen. Die Aktien sind für den Westen nicht mehr handelbar (warum, ist für den ETF irrelevant), also wurde entweder der Index angepasst (darf der, den es interessiert, sleber nachsehen) oder der Emitent eines phys. replizierenden ETFs entfernt die Aktien selber aus dem Index. Er ist schließlich nicht mehr in der Lage, den Index mit Russland phys. nachzubilden.

    Bei synthetischer Replikation darf sich der Emitent selber überlegen, ob er das ganze weiterhin nachbaut, so lange die Aktie(n) nicht aus dem Index gestrichen werden.

    Oder dürfte so ein deutsches Rüstungsunternehmen dann gar nicht mehr als AG aufgestellt sein?

    Die Frage ist eher, was er davon noch hätte. Wer hällt dann die Aktien, wer hat das Sagen und was machten diese verbliebenen Eigentümer mit dem Unternehmen? Und werden alle ausländischen Anteilseigener enteignet und/oder entschädigt (für mich ergibt nicht jedes Gedankeexperiment Sinn).

    Ohne eine Nacht-und-Nebel Aktion wäre es auch denkbar, dass sich die Firma aufspaltet und das deutsche Geschäft vom Rest der Welt trennt.

  • Rein theoretisches Szenario: Deutschland schränkt die Erwerbsmöglichkeiten von Aktien eines deutschen Rüstungskonzerns durch ausländische Anteilseigner ein, um eine mögliche Einflussnahme durch ausländische Aktionäre zu vermeiden. Es sei bitte dahingestellt, ob das überhaupt eine sinnvolle/funktionierende Möglichkeit wäre, eine Einflussnahme zu vermeiden. Annahme: Politisch fällt so eine Entscheidung. Oder dürfte so ein deutsches Rüstungsunternehmen dann gar nicht mehr als AG aufgestellt sein? Müsste (kann?) die Rechtsform dann geändert werden? Mit entsprechenden Konsequenzen für die Mitgliedschaft in einem Aktienindex, auf dem wiederum ein ETF basiert?

    Schau doch mal nach China. Das ist doch Dein Gedankenexperiment. Da gibt es auch starke staatliche Eingriffe. Trotzdem sind juristische Möglichkeiten entstanden, wie der Großteil des Marktes investierbar bleibt.