Achim Weiss wollte vor langer Zeit mal einen Erfahrungsbericht zu meiner Familienstiftung hören, hat das Forum aber mittlerweile verlassen.
Ich kann gerne jede allgemeine Frage zu Familienstiftungen beantworten, bei individueller Rechts- oder Steuerberatung ist aber leider keine konkrete Antwort möglich.
Das Stiftungsrecht sollte bundesweit vereinheitlicht werden, ist aber immer noch stark von den Landesbehörden geprägt. Berlin und Bayern haben hohe Kapitalanforderungen. RLP ist eines der freundlichsten Bundesländer um eine Stiftung zu gründen, geht dort teilweise auch innerhalb von 4 Wochen.
Neben Stifterreife ist folgende finanzielle Vorgehensweise optimal:
Man hat eine Einzelaktie mit hoher Rendite (mehrere Hundert Prozent Gewinn) im Depot. Damit kann man die Stiftung gründen durch Übertrag. Die Aktie kann man dann mit ca. 0,8% Steuer verkaufen anstatt von 25% Abgeltungsteuer.
Stiftungsberater verlangen in der Regel rund 15k Honorar für die Gründung einfacher Familienstiftungen.
Die meisten Stiftungsbehörden verlangen mindestens 2 Vorstände. Mehrere Gremien verursachen in der Regel nur Kopfschmerzen.
Eine Familienstiftung benötigt nur eine einfache EÜR und einen kleinen Stiftungsbericht pro Jahr. Der Verwaltungsaufwand hält sich in Grenzen. Das schwierigste für mich war ein passendes Bankkonto zu finden, da viele Banken keine Konten für Stiftungen anbieten. Volksbank, Sparkasse, GLS, Wise sind hierfür Möglichkeiten. LEI und Transparenzregistereintrag sind notwendig. Notar ist für die Gründung generell nicht notwendig.
Erbersatzsteuer wird oftmals als Nachteil genannt, diese dürften die meisten Stifter aber nur einmal im Leben erleben, maximal 2 mal, da alle 30 Jahre. Der Freibetrag beträgt 800k.
Diese kann in Raten abbezahlt werden. Umgerechnet sind das im Maximalfall (Multimillionenvermögen mit Maximalsteuersatz Erbschaftsteuer 30%) bei jährlicher Ratenzahlung zzgl Zinsen nach derzeitigen Steuerregeln etwa 1-1,5% pro Jahr. Bitte hier nicht totschlagen, habe den Wert aus der Literatur leider vergessen. Wenn man von 6-8% Rendite pro Jahr ausgeht, ist das langfristig allerdings vertretbar.
Hat man Betriebsvermögen oder macht man aus seiner Stiftung eine Bank oder ein Wohnungsunternehmen mit 301 Wohnungen oder eine Doppelstiftung mit Betriebsvermögen Ping-Pong kann man die ggf. vollständig Erbersatzsteuer vermeiden, ebenso mit einer liechtensteinischen Stiftung.
Eine Stiftung kann auch eine weitere Familienstiftung gründen. Mein persönlicher Plan sieht derzeit die Gründung von 9 weiteren Familienstiftungen vor - mit einer Einzelaktie mit mehreren Hundert Prozent Gewinn. Das ergibt insgesamt 8 Millionen, die nicht unter die Erbersatzsteuer fallen. Ggf. kann mit KI das ganze auf 100 Familienstiftungen gesteigert werden. Aber das ist Zukunftsmusik.
Manche Unternehmer nutzen die Familienstiftungen auch, um dort Patente/Lizenzen/Autos für ihre GmbH zu parken. Die GmbH kann diese Betriebsausgaben zu 30% absetzen, die Stiftung muss diese aber nur mit 15% versteuern. Ersparnis 15% nominal.
Alle Ausschüttungen an Destinatäre, die über dem Grundfreibetrag liegen müssen aber prinzipiell mit 25% versteuert werden. Hier gewinnt man also nur Zeit und spart nicht unbedingt viel Steuer. Teileinkünfteverfahren für Destinatäre ohne Entscheidungsgewalt mal außen vorgelassen.
Für Familien kann das ganze auch theoretisch noch sozialversicherungsrechtlich Vorteile ergeben:
Die Stiftung und ihr Einkommen muss außerhalb der bekannten 10 Jahre nach Gründung nicht für Pflege oder sonstiges geopfert werden. Hier gibt es zu viele Konstellationen um alles genau zu beleuchten.
Generell muss die Stiftung auch nicht unbedingt mit sehr hohem Vermögen gegründet werden, sondern kann auch als Vehikel zum Vermögenaufbau benutzt werden. Hier wird oftmals ein Buch von Nikolaus Braun als Negativbeispiel angeführt, wo ein Multimillionenvermögen "feststeckt".
Bei einer kleinen Familienstiftung mit 2 Vorständen hängt der Erfolg und das Überleben der Stiftung eben von den Qualitäten der Vorstände ab, eine Stiftung kann auch pleite gehen. In Deutschland sind in der Historie viele Stiftungen durch Kriege und Währungsreformen kaputt gegangen. Wie viele andere Vermögen aber auch. Ist ein allgemeines Lebensrisiko.
Nur ein grober Überblick, gerne Fragen zu allem stellen, ich versuche alles zu beantworten.