Reformgesetz Bewertungsreserven

Bewertungsreserven retten

München, 9. Juli 2014 – Bisher unbekannt: Auch nach Inkrafttreten des Reformgesetzes zu Le­bens­ver­si­che­rung­en (LVRG) können Kunden noch einen Großteil der Bewertungsreserven retten. Das haben Recherchen der Verbraucher-Webseite Finanztip ergeben. Das Gesetz tritt zwar in den nächsten Wochen in Kraft, davon ist aber nur ein kleiner Teil der Bewertungsreserven unmittelbar betroffen. Der überwiegende Teil ist in der Jahresdeklaration der Versicherer bereits für 2014 festgelegt und kann erst ab nächstem Jahr aus den Verträgen gekürzt werden. Das bestätigen schriftliche Aussagen des Bundesfinanzministeriums und des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gegenüber der Finanztip-Redaktion. „Kunden haben damit doch noch Zeit, ihre Police zu prüfen und mit einer Kündigung möglicherweise mehrere Tausend Euro für sich zu retten“, sagt Versicherungsexperte Saidi Sulilatu.

Der Bundestag hat vergangene Woche das LVRG beschlossen, dem der Bundesrat voraussichtlich am 11. Juli zustimmen wird. Mit dem Gesetz können Le­bens­ver­si­che­rung­en deutlich an Wert verlieren. Bisher ist man davon ausgegangen, dass es für eine Kündigung jetzt zu spät ist. Doch das stimmt nicht: Die Finanztip-Experten haben herausgefunden, dass mit Inkrafttreten des Gesetzes zunächst nur ein kleiner Teil der Bewertungsreserven gekürzt werden kann, nämlich die sogenannten freien Bewertungsreserven. Ein Großteil der Bewertungsreserven, die Mindest- oder Sockelbeteiligung, wird dem Kunden bei einer Kündigung bis zum 1. Dezember noch ausbezahlt. Das Finanzministerium erklärte gegenüber Finanztip: „Die Unternehmen legen die Sockelbeteiligung im Rahmen ihrer Jahresdeklaration fest. Daran sind die Unternehmen gebunden.“ Auch die Aufsichtsbehörde BaFin könne daran nichts ändern.

Im Jahr 2013 enthielt jede Lebensversicherung laut Finanztip durchschnittlich 930 Euro an Bewertungsreserven, im Einzelfall sogar sehr viel mehr. Rund vier Millionen Verträge seien betroffen. „Insgesamt geht es hier um Milliardenbeträge, die sich Versicherte noch auszahlen lassen könnten. Die Versicherungswirtschaft hat daher kein Interesse daran, bekannt zu machen, dass sich eine Kündigung auch nach Inkrafttreten des Gesetzes noch lohnen könnte“, sagt Sulilatu. „Nehmen wir an, ein Vertrag hat aktuell einen Wert von 40.000 Euro. Darin enthalten sind 2.000 Euro Bewertungsreserven. Von diesen fallen circa 400 Euro dem Gesetz zum Opfer. Die restlichen 1.600 Euro muss der Versicherer noch ausbezahlen, wenn der Kunde vor Ende des Jahres kündigt.“ Für wen sich allerdings eine Kündigung lohnt, müsse man im Einzelfall genau prüfen. Dafür stellt Finanztip auf seiner Internetseite einen Fragebogen und einen kostenlosen Excel-Rechner zur Verfügung.

Weitere Informationen in unserem aktuellen Artikel zum Thema und in unserem Ratgeber.

* Was der Stern bedeutet:

Finanztip gehört zu 100 Prozent der gemeinnützigen Finanztip Stiftung. Die hat den Auftrag, die Finanzbildung in Deutschland zu fördern. Alle Gewinne, die Finanztip ausschüttet, gehen an die Stiftung und werden dort für gemeinnützige Projekte verwendet – wie etwa unsere Bildungsinitiative Finanztip Schule.

Wir wollen mit unseren Empfehlungen möglichst vielen Menschen helfen, ihre Finanzen selber zu machen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos im Netz verfügbar. Wir finanzieren unsere aufwändige Arbeit mit sogenannten Affiliate Links. Diese Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*).

Bei Finanztip handhaben wir Affiliate Links aber anders als andere Websites. Wir verlinken ausschließlich auf Produkte, die vorher von unserer unabhängigen Experten-Redaktion empfohlen wurden. Nur dann kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Geld bekommen wir, wenn Du auf einen solchen Link klickst oder beim Anbieter einen Vertrag abschließt.

Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Dir unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Verbraucher ist.

Mehr Informationen über unsere Arbeitsweise findest Du auf unserer Über-uns-Seite.