Lebensversicherung kündigen

Wer kündigt, verschenkt Geld

Sara Zinnecker
& Co-Autor
09. November 2018
Das Wichtigste in Kürze
  • Die Kündigung ist die teuerste Möglichkeit, um aus einer Lebens- oder Rentenversicherung auszusteigen: Kosten gibt es nicht zurück, Überschüsse und der Schlussbonus fallen weg.
  • Meist gibt es bessere Alternativen: etwa den Vertrag verkaufen, die Laufzeit verkürzen, den Vertrag beleihen oder Beiträge aussetzen.
  • Was am besten ist, hängt davon ab, warum Du aus dem Vertrag herauswillst: Brauchst Du das Ersparte früher? Kannst Du Beiträge nicht mehr aufbringen? Hältst Du den Vertrag für unrentabel?
  • Bei sehr unrentablen Verträgen oder wenn Du kurz nach Vertragsschluss die Beiträge nicht mehr zahlen kannst, bleibt oft nur die Kündigung.
So gehst Du vor
  • Prüfe, warum Du aus Deiner Versicherung aussteigen willst. Folge je nach Situation unserem Wegweiser.
  • Bist Du nicht sicher, ob sich Dein Vertrag lohnt, nutze unseren Fragebogen und Excel-Rechner.
     
  • Kommt ein Verkauf infrage, hole unbedingt mehrere Angebote ein. Wir empfehlen Cumerius (CFI Fairpay), Partner in Life, Policen Direkt, Winninger und Cashlife.
  • Ist das Beleihen eine Alternative, empfehlen wir LV-Kredit der Volksbank Weschnitztal und die SWK Bank.
  • Willst oder kannst Du Raten nicht bedienen, stelle den Vertrag beitragsfrei. Das lohnt vor allem bei Verträgen von vor 2005.
  • Bleibt nur die Kündigung, nutze unser Musterschreiben und schicke es an die Versicherung.
     

Veränderte Lebensumstände, ein finanzieller Engpass, zu hohe Beiträge oder ein zu teurer Vertrag: Es gibt viele Beweggründe, warum Sparer aus ihrer privaten Lebens- oder Rentenversicherung aussteigen. Für viele ist die Kündigung ihres Vertrags die naheliegende Lösung – allein 2017 haben Sparer Verträge im Wert von etwa 12,7 Milliarden Euro abgebrochen. Meist ist die Kündigung aber nicht die beste Wahl.

Wann kommt eine Kündigung infrage?

Eine Kündigung Deiner privaten Lebens- oder Rentenversicherung bietet sich nur an, wenn Du eine ganze Reihe von Alternativen für Dich ausschließen kannst. Je nach Situation lohnt es oft mehr.

  • den Vertrag zu verkaufen,
  • die Laufzeit zu verkürzen,
  • das Guthaben zu beleihen oder
  • Beiträge vorübergehend oder dauerhaft auszusetzen.

Von allen Möglichkeiten, aus einem Vertrag auszusteigen, ist die Kündigung am teuersten, denn bereits angefallene Kosten, zum Beispiel für den Abschluss der Versicherung, bekommst Du nicht erstattet. Überschüsse für die verbliebene Laufzeit und der Schlussbonus entfallen. Und im Zweifel fällt auch eine gute Sparverzinsung weg. Mehr dazu liest Du weiter unten.

Wenn Du kein Geld verschenken willst, solltest Du Dir die Zeit nehmen und prüfen, ob und welche Alternativen zur Kündigung für Dich möglich sind. Entscheidend dafür ist, warum Du Deine Lebensversicherung kündigen willst. 

Welche Alternativen zur Kündigung bieten sich an?

Schaue die folgenden Abschnitte durch. Dort nennen wir die wichtigsten Beweggründe für eine Kündigung – und stellen ein alternatives Vorgehen vor. Lies das Kapitel, das zu Deiner Situation passt und folge dann den Links.    

Du benötigst das Geld  kurzfristig und endgültig 

Brauchst Du das Geld aus der Lebensversicherung einmalig und kannst es nachträglich nicht ersetzen? Vielleicht, weil sich Deine Lebensumstände stark verändert haben? Oder weil Du einen Kredit tilgen willst, dessen Zinsbelastung deutlich höher ist als die Verzinsung Deines Sparguthabens in der Versicherung? 

Dann versuche, Deine Lebensversicherung an einen sogenannten Policen-Ankäufer zu verkaufen. Das bringt meist einige Prozentpunkte mehr ein als der Rückkaufswert, den Dir die Versicherung bietet. Nur wenn das nicht klappt, nutze unser Musterschreiben und kündige. Mehr Details liest Du im Kapitel zum Verkauf

Wichtig: Bei Verträgen kurz vor der Auszahlung solltest Du versuchen durchzuhalten, Du kannst auch die Laufzeit verkürzen

Du brauchst eine größere Summe zum Überbrücken 

Benötigst Du das gesamte Geld aus der Lebensversicherung einmalig, um Ausgaben zu überbrücken, und kannst es nachträglich ersetzen? 

Dann wäre es schade, den Vertrag zu beenden. Vor allem ältere Verträge bieten noch gute Garantiezinsen von 2,75 oder mehr Prozent. Das ist mehr, als Du heute auf Sparguthaben bekommst. Und die Auszahlung ist häufig steuerfrei. Die beste Alternative in diesem Fall: Beleihe Deinen Vertrag vorübergehend.

Du willst Beiträge vorübergehend einsparen

Kannst Du Dir die Raten für die Versicherung vorübergehend nicht leisten oder brauchst Du diese, um etwas anderes zu finanzieren? 

Dann unterbrich Deine Zahlungen für einige Monate. In der Fachsprache: Stelle den Vertrag vorübergehend beitragsfrei. Alternativ kannst Du auch vereinbaren, dass Beiträge aus Überschüssen weiterbezahlt werden. Lies mehr Details im Kapitel zur Beitragsfreistellung

Du musst Beiträge dauerhaft einsparen 

Brauchst Du akut kein Geld, kannst aber Deine Beiträge dauerhaft nicht weiterbezahlen? 

Dann überlege, ob es helfen würde, die Beiträge dauerhaft zu reduzieren. Das geht zum Beispiel, indem Du Zusatzversicherungen, etwa eine Unfallversicherung, kündigst. Allerdings verlierst Du dann auch den Risikoschutz. 

Kommt das nicht infrage, hängt das weitere Vorgehen davon ab, wie gut sich Dein Sparguthaben verzinst: Hast Du einen Altvertrag mit Garantiezinsen von 2,75 Prozent oder mehr, lass den Vertrag weiterlaufen, aber stelle Beiträge ganz ein. Du profitierst weiter von der Verzinsung und sicherst Dir den Schlussbonus und gegebenenfalls eine steuerfreie Auszahlung bei Renteneintritt.

Ist der Vertrag noch nicht so alt – also etwa erst nach 2004 geschlossen –, könnte es sein, dass die laufenden Verwaltungskosten die Verzinsung aufzehren, sich Dein Guthaben also verringert. Lass Dir vom Versicherer durchrechnen, wie sich Dein Guthaben im Fall einer Beitragsfreistellung weiterentwickelt und wäge dies gegen die Kündigung ab.

Du hältst Deinen Vertrag für zu teuer 

Brauchst Du gar kein Geld, aber hältst Deinen Vertrag für zu teuer? 

Dann vergewissere Dich zunächst, ob sich Dein Vertrag nicht doch rechnet. Frage zuerst mithilfe unseres Formulars alle nötigen Daten bei Deinem Versicherer ab und bemühe dann unseren Excel-Rechner. Details dazu findest Du weiter unten im Ratgeber im Kapitel Wie viel Rendite bringt Deine Lebensversicherung? Ist Dein Vertrag tatsächlich unrentabel, versuche dennoch zunächst, ihn zu verkaufen

Hinweis: Vor allem dann, wenn Du Deinen Vertrag erst in den vergangenen zwei, drei Jahren abgeschlossen hast, ist ein Verkauf nicht möglich. Stellt sich der Vertrag als unrentabel heraus, solltest Du in den sauren Apfel beißen und kündigen.

Zwar zahlst Du am meisten drauf, weil Teile der Abschlusskosten verloren sind. Dazu unten mehr. Doch in ein schlechten Produkt noch mehr Geld zu investieren, ergibt noch weniger Sinn. Investiere künftige Beiträge besser in alternative Sparformen. Im Ratgeber Altersvorsorge findest Du einen Entscheidungsbaum, der Dir aufzeigt, welche Sparmöglichkeiten in Deiner Situation am besten passen.

Wie viel Rendite bringt Deine Kapitallebensversicherung?

Die Entscheidung, die Lebensversicherung zu kündigen oder fortzuführen, hängt auch von der Rendite des Vertrages ab. Wenn Du eine kapitalgebundene Lebensversicherung besitzt, kannst Du diese mit unserem Rechner und Fragebogen überprüfen.

Schritt 1: Rückkaufswert der Versicherung bestimmen

Finde als erstes heraus, ob Du Anspruch auf einen höheren Rückkaufswert hast, als in Deiner letzten Mitteilung ausgewiesen ist. Das kann der Fall sein, wenn Du Deinen Vertrag zwischen 1994 und Ende 2007 abgeschlossen hast. Denn in diesen Verträgen finden sich häufig unwirksame Klauseln zur Berechnung des Rückkaufswerts. Viele Anbieter haben ihre Rechnung bereits angepasst. Wenn Du unsicher bist, kannst Du Dich an die Verbraucherzentralen wenden.

Schritt 2: Daten sammeln per Fragebogen

Fülle anhand Deiner Versicherungsunterlagen unseren Fragebogen aus. Setze nur die Werte ein, bei denen Du Dir sicher bist. Du brauchst nicht zwingend alle Angaben. Je mehr Daten Du hast, desto genauer wird die Rechnung allerdings. Du solltest mindestens die Angaben zu den garantierten Werten des Vertrags parat haben. Frage im Zweifel bei der Versicherung nach oder bitte sie direkt, die fehlenden Angaben zu ergänzen. Die Antwort kann nach unserer Erfahrung aber einige Zeit auf sich warten lassen.

Schritt 3: Renditen mit unserem Excel-Rechner bestimmen

Unser Excel-Rechner macht es leicht, die Rendite zu ermitteln. Du gibst im Reiter „Rechner“ die entsprechenden Angaben aus dem ausgefüllten Fragebogen oder Deinen Versicherungsunterlagen ein.

Der Excel-Rechner ermittelt, wie viel der Vertrag wahrscheinlich einbringt. Dazu rechnet es aus, was im schlechtesten Fall, was im besten Fall und was in einem dazwischenliegenden Fall herauskommt. Darauf basierend gibt Dir der Rechner direkt eine Handlungsempfehlung. Insbesondere der schlechteste Fall gibt Auskunft darüber, welche Rendite in Deiner Versicherung tatsächlich garantiert ist und wie diese im Vergleich zu anderen sicheren Anlagen einzuschätzen ist.

Download Excel-Rechner (.xlsx)

Was gibt es bei den Kündigungsalternativen zu beachten?

Sollte eine Alternative zur Kündigung für Dich infrage kommen, achte auch dabei auf die genauen Bedingungen. 

Lebensversicherung verkaufen 

Wer seine Lebensversicherung endgültig loswerden möchte – sei es aus Geldnot oder weil sich der Vertrag nicht rentiert –, kann versuchen, sie an spezialisierte Ankäufer zu verkaufen.

Alle Rechte auf Auszahlungen aus dem Vertrag gehen auf einen sogenannten Policen-Ankäufer über. Der Kaufpreis, den Du für Deinen Vertrag bekommst, ist meist um 3 bis 5 Prozent höher als der Rückkaufswert. Denn der Ankäufer behält den Vertrag in der Regel bis zum Ende, streicht weitere Verzinsung, Überschüsse und Boni ein – und beteiligt Dich anteilig daran.

Nicht jede Lebensversicherung lässt sich verkaufen. Es hängt vom Wert des Vertrags ab, bei welchem Versicherungsunternehmen Du den Vertrag abgeschlossen hast und seit wann Dein Vertrag schon läuft. Jüngere Verträge, die Du erst vor ein paar Jahren abgeschlossen hast, wirst Du häufig nicht los. Fondsgebundene Lebensversicherungen nehmen nur wenige Käufer an.

Die meisten Ankäufer setzen zudem einen Mindestrückkaufswert voraus. Meistens muss Dein Vertrag bereits einen Wert von 10.000 Euro haben. Für mehr Details, etwa zu den genauen Ankaufbedingungen, lies unseren Ratgeber Lebensversicherung verkaufen

Weitere Tipps im Ratgeber Lebensversicherung verkaufen

Zum Ratgeber 

Hinweis: Sofern Du zwischen 1994 und 2007 eine Police abgeschlossen hast, solltest Du prüfen, ob auch ein Widerruf möglich ist. Das ist der Fall, wenn Deine Versicherung Dich bei Vertragsabschluss einst nicht richtig über Dein Recht des Widerspruchs oder Rücktritts belehrt hat. Dann zahlt die Lebensversicherung die gezahlten Beiträge samt Zinsen zurück. Bei neueren Policen kann dieser Betrag über dem Rückkaufswert liegen. Mehr Details liest Du im Ratgeber Lebensversicherung widerrufen.

Laufzeit verkürzen

Eine kürzere Laufzeit ist eine Lösung, wenn Du nicht akut, sondern erst in einigen Jahren Geld brauchst. 

Beim Verkürzen der Laufzeit kommt es auf das Entgegenkommen der Versicherung an. Diese muss dazu bereit sein und den Vertrag dann auch noch möglichst ohne steuerlichen Nachteil umstellen. Idealerweise läuft der Vertrag danach noch weitere drei bis fünf Jahre. Wenn Du nicht mehr einzahlen möchtest, kannst Du die Lebensversicherung anschließend beitragsfrei stellen.

Lebensversicherung beleihen 

Eine Lebensversicherung zu beleihen ist eine Möglichkeit, um vorübergehend an Geld zu kommen. Du nimmst ein Darlehen auf, als Sicherheit dient Dein Vertrag. Sparst Du in einem klassischen Vertrag an, kannst Du bis zu 100 Prozent des Rückkaufswerts beleihen, bei fondsgebundene Verträgen bis 60 Prozent. Meist ist der Kredit auch mit schlechter Bonität möglich.

Die Zinsen für ein sogenanntes Policendarlehen sind in der Regel höher als die laufende Verzinsung der Lebensversicherung. Unter dem Strich bedeutet das Darlehen also einen Verlust – er wird umso größer, je länger der Kredit läuft. Nimm das Darlehen deshalb nur auf, wenn Du das Geld wirklich brauchst und es in wenigen Jahren zurückzahlen kannst.

Achtung: Auf den ersten Blick wirken die Zinsen für ein Policendarlehen meist niedriger als für einen Ratenkredit. Doch das Darlehen wird im Normalfall während der Laufzeit nicht getilgt – man spricht daher von einem endfälligen Kredit. So summieren sich die Zinszahlungen über die gesamte Laufzeit.

Worauf Du ansonsten achten solltest, liest Du im Ratgeber Lebensversicherung beleihen.

Weitere Tipps im Ratgeber Lebensversicherung beleihen

  • Eine Alternative zu teuren Policendarlehen ist der Ratenkredit. Prüfen Sie, was für Sie passt.
  • Von uns empfohlene Anbieter: SWK Bank, LV-Kredit (Volksbank Weschnitztal)

Zum Ratgeber  

Lebensversicherung beitragsfrei stellen 

Vielleicht willst Du Deine Lebensversicherung gar nicht loswerden, sondern Dir nur vorübergehend den Beitrag sparen, weil Du etwas anderes finanzieren musst. Dann hast Du folgende Möglichkeiten:

Stundung - Viele Versicherungen bieten an, die Beiträge für einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren zu stunden. In dieser Zeit brauchst Du keine Prämien überweisen, nach Ablauf der Frist sind aber alle gestundeten Prämien fällig. Du musst diese also nachzahlen.

Beiträge aus Überschüssen - Sofern die Police schon seit längerer Zeit läuft, besteht die Möglichkeit, Beiträge für einige Zeit aus den angesammelten Überschüssen zu bezahlen. Der Versicherungsschutz besteht dadurch weiter, und Du musst diese Beiträge später nicht nachzahlen.  

Beiträge aussetzen - Oder Du setzt Beiträge ganz aus. Die meisten Versicherer bieten an, den Vertrag ein oder zwei Jahre beitragsfrei zu stellen. Oft geht das erst ab einer bestimmten Summe, die Du bereits angespart hast. Und: Verwaltungskosten laufen weiter, verringern also den Wert Deines Vermögens.

Theoretisch ist es auch möglich, eine Lebensversicherung bis zum Ende beitragsfrei zu stellen – also einmal auszusetzen und Beiträge nie wieder aufzunehmen. Das empfiehlt sich aber nur in seltenen Fällen. Denn neben laufenden Kosten berechnet der Versicherer ähnlich wie bei der Kündigung eine Stornogebühr. In dem Fall bekommst Du bei einem Verkauf wahrscheinlich mehr Geld zurück.

Mehr Details dazu, was es zu beachten gibt, wenn Du Beiträge aussetzt, liest Du in unserem Ratgeber Beitragsfreistellung bei der Lebensversicherung

Warum ist das Kündigen ein Verlustgeschäft?

Kündigt ein Versicherter seinen Vertrag, erhält er nur den sogenannten Rückkaufswert seiner Police. Dieser ist vor allem in den ersten Jahren der Laufzeit sehr niedrig und liegt längere Zeit deutlich unter dem, was der Versicherte bisher an Beiträgen eingezahlt hat.

Im Beispiel in der Grafik nehmen wir an, dass sich Sparbeiträge mit 4 Prozent verzinsen und von jedem Euro nach Kosten noch 80 Cent im Vertrag landen.

Der Grund: Nur ein Teil des gezahlten Beitrags fließt auch wirklich in den Wert der Lebensversicherung. Das ist der sogenannte Sparanteil. Der Rest des Geldes geht für Abschluss- und Verwaltungskosten sowie den Todesfallschutz ab. In den ersten Jahren finanziert der Beitrag zum Beispiel die Abschlussprovision, die der Versicherungsvermittler erhält. Erst am Ende der Vertragslaufzeit legt die Entwicklung des Rückkaufswerts richtig zu.

Ein großer Teil des Wertzuwachses stammt aus dem Schlussüberschuss, den es erst ganz am Ende der vereinbarten Laufzeit gibt. Er beträgt laut Analysehaus Assekurata bei klassischen Verträgen durchschnittlich 20 Prozent der gesamten Verzinsung. Wer vorher kündigt, verzichtet auf einen Teil oder auf den gesamten Schlussüberschuss. Zusätzlich fällt bei jüngeren Verträgen in der Regel ein Stornoabschlag an.

Welche Lebensversicherungen kannst Du nicht kündigen?

Manche Verträge kommen als Lebens- oder Rentenversicherung daher, zählen aber nicht zur ungeförderten privaten Vorsorge. Dabei handelt es sich um Verträge der betrieblichen Altersvorsorge oder um Riester- beziehungsweise Rürup-Verträge, die staatlich gefördert sind. Solche Verträge kannst Du entweder gar nicht kündigen – oder nur zu einem hohen Preis. Im Detail betrifft das:

Direktversicherungen - So bezeichnet man über den Arbeitgeber abgeschlossene Lebens- oder Rentenversicherungen. Einen solchen Vertrag zu kündigen ist in der Regel nicht möglich. Wechselst Du den Arbeitgeber, solltest Du versuchen, Deinen Vertrag mitzunehmen oder im Notfall Guthaben zu übertragen.

Hat Deine Direktversicherung noch Garantiezinsen von zwei oder mehr Prozent und ist der Vertrag auch ansonsten günstig, kannst Du überlegen, den Vertrag aus privaten Mitteln weiterzubesparen. Immer möglich ist eine Beitragsfreistellung. Mehr dazu liest Du in unseren Ratgebern Direktversicherung und Betriebsrente. Mit unserem Excel-Rechner kannst Du prüfen, ob sich Dein Vertrag auch ohne Zuschuss vom Arbeitgeber lohnt. Lies im Unterkapitel des Ratgebers zur Betriebsrente nach, wie Du den Excel-Rechner befüllen musst.

Rürup-Verträge - Bei einer Rürup-Rentenversicherung lassen sich im gleichen Rahmen wie bei der gesetzlichen Rentenversicherung Beiträge von der Steuer absetzen. Rürup-Verträge sollen es Selbstständigen und Freiberuflern ermöglichen, mit den gleichen Vorteilen wie Angestellte für das Alter vorzusorgen. Eine Kündigung ist ausgeschlossen. Der Vertrag lässt sich höchstens beitragsfrei stellen. Mehr Informationen findest Du in unserem Ratgeber zur Basisrente

Riester-Verträge - Ein Riester-Vertrag lässt sich zwar kündigen, aber Du musst die gesamten Zulagen und auch die Steuervorteile zurückzahlen. Besser ist daher, ihn beitragsfrei zu stellen oder auf einen anderen, kostengünstigeren Riester-Vertrag zu wechseln – das heißt, das Guthaben zu übertragen. Die Gebühr dafür beträgt höchstens 150 Euro. Der neue Vertrag sollte keine Abschlusskosten enthalten, sonst lohnt sich der Wechsel praktisch nie. Infrage kommt zum Beispiel ein Riester-Fondssparplan ohne Abschlusskosten. Mehr Details findest Du in unserem Ratgeber Riester wechseln.

Wo bekommst Du Hilfe bei der Entscheidung?

Niemand muss die Entscheidung für oder gegen eine Kündigung der Lebens- oder Rentenversicherung alleine treffen. Es gibt Hilfe von verschiedenen Stellen.
Die Verbraucherzentrale Hamburg prüft gegen eine Gebühr von 85 Euro Lebensversicherungen. Darunter fällt die Renditeberechnung oder die Prüfung des Rückkaufswerts. Die Prüfung kann rund drei Wochen dauern.  

Auch Versicherungsberater helfen bei der Berechnung. Geh von einer Beratungsdauer von um die vier Stunden aus – in komplizierten Fällen auch mehr. Dabei ist ein Stundensatz von 150 Euro üblich. Versicherungsberater erhalten ein Honorar anstelle von Provisionen. Daher kannst Du eine unabhängige und objektive Beratung erwarten. Damit sich die Ausgabe lohnt, sollte der Vertrag mindestens 30.000 Euro wert sein.

Wie Du einen guten Versicherungsberater findest, erfährst Du in unserem Ratgeber zum Honorarberater.

Autor
Sara Zinnecker
& Co-Autor
Annika Krempel

09. November 2018


* Was der Stern bedeutet:

Wir wollen mit unseren Empfehlungen möglichst vielen Menschen helfen, ihre Finanzen selber zu machen. Daher sind unsere Inhalte kostenlos im Netz verfügbar. Wir finanzieren unsere aufwändige Arbeit mit sogenannten Affiliate Links. Diese Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen (*).

Bei Finanztip handhaben wir Affiliate Links aber anders als andere Websites. Wir verlinken ausschließlich auf Produkte, die vorher von unserer unabhängigen Experten-Redaktion empfohlen wurden. Nur dann kann der entsprechende Anbieter einen Link zu diesem Angebot setzen lassen. Geld bekommen wir, wenn Du auf einen solchen Link klickst oder beim Anbieter einen Vertrag abschließt.

Ob und in welcher Höhe uns ein Anbieter vergütet, hat keinerlei Einfluss auf unsere Empfehlungen. Was Dir unsere Experten empfehlen, hängt allein davon ab, ob ein Angebot gut für Verbraucher ist.

Mehr Informationen über unsere Arbeitsweise findest Du auf unserer Über-uns-Seite.