Lebensversicherung kündigen

Wer kündigt, verschenkt Geld

Martin Klotz
Experte für Vorsorge
30. Juni 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Wenn Du Deine Lebens- oder Ren­ten­ver­si­che­rung kündigst, erhältst Du das Guthaben und musst keine weiteren Beiträge mehr zahlen.
  • Allerdings hat die Kündigung auch große Nachteile: Die bezahlten Kosten erhältst Du nicht zurück, die Überschüsse und der Schlussbonus fallen weg.
  • Wir zeigen Dir deshalb Alternativen. So kannst Du prüfen, was günstiger für Dich ist.
So gehst Du vor
  • Braucht Du nur kurzzeitig Geld, ist das Beleihen eine Alternative. Dafür empfehlen wir LV-Kredit der Volksbank Weschnitztal und die SWK Bank.

Veränderte Lebensumstände, ein finanzieller Engpass, zu hohe Beiträge oder ein zu teurer Vertrag: Es gibt viele Gründe, warum Sparer aus ihrer privaten Lebens- oder Ren­ten­ver­si­che­rung aussteigen wollen. Die Kündigung ist naheliegend, oft aber auch teuer. Häufig gibt es bessere Alternativen.

Wann kommt eine Kündigung infrage?

Kündige Deine privaten Lebens- oder Ren­ten­ver­si­che­rung nur, wenn Du eine ganze Reihe von Alternativen für Dich ausschließen kannst. Je nach Situation lohnt es meist mehr,

  • den Vertrag zu verkaufen,
  • die Laufzeit zu verkürzen,
  • das Guthaben zu beleihen oder
  • Beiträge vorübergehend oder dauerhaft auszusetzen.

Die Kündigung ist von allen Möglichkeiten, aus einem Vertrag auszusteigen, am teuersten. Denn bereits angefallene Kosten, zum Beispiel für den Abschluss der Versicherung, bekommst Du nicht erstattet. Überschüsse für die verbliebene Laufzeit und der Schlussbonus entfallen. Und im Zweifel fällt auch eine gute Sparverzinsung weg. Mehr zu den Nachteilen einer Kündigung liest Du weiter unten.

Wenn Du kein Geld verschenken willst, solltest Du prüfen, ob und welche Alternativen zur Kündigung für Dich möglich sind. Entscheidend sind die Gründe, aus denen Du Deine Lebensversicherung kündigen willst. 

Welche Alternativen zur Kündigung gibt es?

In diesem Kapitel nennen wir die wichtigsten Beweggründe für eine Kündigung und stellen ein alternatives Vorgehen vor. Du kannst den Abschnitt, der zu Deiner Situation passt, lesen und dann den jeweiligen Links folgen.

Du benötigst das Geld kurzfristig und endgültig

Wenn Du das Geld aus der Lebensversicherung kurzfristig und endgültig brauchst, solltest Du versuchen, Deine Lebensversicherung an eine Spezialfirma zu verkaufen. Vom einem sogenannten Ankäufer bekommst Du meist etwas mehr Geld als von der Versicherung bei einer Kündigung. Diese zahlt Dir nur den Rückkaufswert aus. Mehr Details liest Du im Kapitel zum Verkauf

Wichtig: Bei Verträgen kurz vor der Auszahlung solltest Du versuchen durchzuhalten, Du kannst auch die Laufzeit verkürzen

Du brauchst eine größere Summe zum Überbrücken 

Benötigst Du das Geld aus der Lebensversicherung vorläufig, um hohe Ausgaben zu tätigen?

Dann wäre es schade, den Vertrag zu beenden. Vor allem ältere Verträge bieten noch gute Garantiezinsen von 2,75 oder mehr Prozent. Das ist mehr als Du heute bekommst. Die beste Alternative in diesem Fall: Beleihe Deinen Vertrag vorübergehend.

Du willst Beiträge vorübergehend einsparen

Kannst Du Dir die Raten für die Versicherung vorübergehend nicht leisten oder brauchst Du diese, um etwas anderes zu finanzieren? 

Dann unterbrich Deine Zahlungen für einige Monate. In der Fachsprache: Stelle den Vertrag vorübergehend beitragsfrei. Alternativ kannst Du auch vereinbaren, dass Beiträge aus Überschüssen weiterbezahlt werden. Lies mehr Details im Kapitel zur Beitragsfreistellung

Die Beiträge sind Dir zu hoch

Brauchst Du akut kein Geld, kannst aber Deine Beiträge dauerhaft nicht weiterbezahlen? Dann kann es sinnvoll sein, die Beiträge zu reduzieren. Zusätzlich kannst Du auch Zu­satz­ver­si­che­rung­en kündigen, etwa eine Unfallversicherung, falls Du sie nicht mehr brauchen solltest. Allerdings verlierst Du dann auch den Risikoschutz. 

Hast Du einen Altvertrag mit Garantiezinsen von 2 Prozent oder mehr, kannst Du die Beiträge auch komplett einstellen. Da der Vertrag weiterläuft, profitierst Du weiter von der Verzinsung und sicherst Dir den Schlussbonus.

Ist der Zins nicht so gut, kann es sein, dass die laufenden Verwaltungskosten höher sind als die Wertentwicklung. Dann würde sich Dein Guthaben verringern, wenn Du gar nicht mehr einzahlst. Lass Dir vom Versicherer durchrechnen, wie sich Dein Guthaben im Fall einer Beitragsfreistellung weiterentwickelt und wäge dies gegen die Kündigung ab.

Du hältst Deinen Vertrag für zu teuer

Wenn Du Deinen Vertrag erst in den vergangenen Jahren abgeschlossen hast, ist ein Verkauf meist nicht möglich. Stellt sich der Vertrag als unrentabel heraus, solltest Du in den sauren Apfel beißen und kündigen. Nutze dafür unser Mus­ter­schrei­ben und schicke es an die Versicherung.

Zum Mus­ter­schrei­ben

Zwar zahlst Du in diesem Fall am meisten drauf, weil Teile der Abschlusskosten verloren sind (dazu unten mehr), doch in ein schlechtes Produkt noch mehr Geld zu investieren, ergibt noch weniger Sinn. Investiere künftige Beiträge besser in alternative Sparformen wie eine flexible Altersvorsorge mit ETFs.

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Alternativen: Darauf musst Du achten

Sollte eine Alternative zur Kündigung für Dich infrage kommen, achte dabei auf die genauen Bedingungen der jeweiligen Möglichkeit.

Lebensversicherung verkaufen 

Wer seine Lebensversicherung endgültig loswerden möchte, sollte versuchen, sie an spezialisierte Firmen zu verkaufen. Alle Rechte auf Auszahlungen aus dem Vertrag gehen auf den sogenannten Policen-Ankäufer über. Der Kaufpreis, den Du für Deinen Vertrag bekommst, ist meist um 3 bis 5 Prozent höher als der Rückkaufswert, den Du von der Versicherung bekommen würdest. Denn der Ankäufer behält den Vertrag in der Regel bis zum Ende, streicht weitere Verzinsung, Überschüsse und Boni ein – und beteiligt Dich anteilig daran.

Nicht jede Lebensversicherung lässt sich aber verkaufen. Es hängt von der Art des Vertrags ab, vom Guthaben und seit wann Dein Vertrag schon läuft. Für die genauen Ankaufbedingungen, lies unseren Ratgeber Lebensversicherung verkaufen.

Weitere Tipps im Ratgeber Lebensversicherung verkaufen

Zum Ratgeber

Hinweis: Sofern Du zwischen 1994 und 2007 eine Versicherung abgeschlossen hast, solltest Du prüfen, ob auch ein Widerruf möglich ist. Das ist der Fall, wenn Deine Versicherung Dich bei Vertragsabschluss nicht richtig über Dein Recht des Widerspruchs oder Rücktritts belehrt hat. Dann zahlt die Lebensversicherung die gezahlten Beiträge samt Zinsen zurück. Bei einigen Policen liegt dieser Betrag über dem Rückkaufswert. Mehr dazu liest Du im Ratgeber Lebensversicherung widerrufen.

Laufzeit verkürzen

Eine kürzere Laufzeit ist eine Lösung, wenn Du nicht akut, sondern erst in einigen Jahren Geld brauchst. 

Beim Verkürzen der Laufzeit kommt es auf das Entgegenkommen der Versicherung an. Diese muss dazu bereit sein und den Vertrag dann auch noch möglichst ohne steuerlichen Nachteil umstellen. Idealerweise läuft der Vertrag danach noch weitere drei bis fünf Jahre. Wenn Du nicht mehr einzahlen möchtest, kannst Du die Lebensversicherung nach der Laufzeitverkürzung beitragsfrei stellen.

Lebensversicherung beleihen 

Um vorübergehend an Geld zu kommen, kannst Du die Lebensversicherung beleihen. Du nimmst ein Darlehen auf, als Sicherheit dient Dein Vertrag. Das nennt man Policendarlehen. Meist ist ein solcher Kredit auch mit schlechter Bonität möglich. Hast Du eine klassische Lebensversicherung, kannst Du bis zu 100 Prozent des Rückkaufswerts beleihen, bei fondsgebundenen Verträgen bis 60 Prozent.

Die Zinsen für das Darlehen sind in der Regel höher als die laufende Verzinsung der Lebensversicherung. Unter dem Strich bedeutet das Darlehen also einen Verlust – er wird umso größer, je länger der Kredit läuft. Nimm das Darlehen daher nur auf, wenn Du das Geld wirklich brauchst und es in wenigen Jahren zurückzahlen kannst.

Achtung: Auf den ersten Blick wirken die Zinsen für ein Policendarlehen meist niedriger als für einen Ratenkredit. Doch das Darlehen wird im Normalfall während der Laufzeit nicht getilgt – man spricht daher von einem endfälligen Kredit. So summieren sich die Zinszahlungen über die gesamte Laufzeit.

Worauf Du ansonsten achten solltest, liest Du im Ratgeber Lebensversicherung beleihen.

Weitere Tipps im Ratgeber Lebensversicherung beleihen

  • Eine Alternative zu teuren Policendarlehen ist der Ratenkredit. Prüfe, was für Dich passt.
  • Von uns empfohlene Anbieter: SWK Bank, LV-Kredit (Volksbank Weschnitztal)

Zum Ratgeber  

Lebensversicherung beitragsfrei stellen 

Vielleicht willst Du Deine Lebensversicherung gar nicht loswerden, sondern Dir nur vorübergehend den Beitrag sparen, weil Du das Geld anderweitig brauchst. Dann hast Du folgende Möglichkeiten:

Stundung - Viele Versicherungen bieten an, die Beiträge für einen bestimmten Zeitraum zu stunden, zum Beispiel für ein oder zwei Jahre. In dieser Zeit brauchst Du kein Geld zu überweisen, nach Ablauf der Frist sind aber alle gestundeten Prämien fällig. Du musst diese also nachzahlen, meist in mehreren Raten.

Beiträge aus Überschüssen - Wenn Dein Vertrag schon länger läuft, kannst Du Beiträge für einige Zeit aus den angesammelten Überschüssen bezahlen. Du musst diese Beiträge später nicht nachzahlen.

Beiträge aussetzen - Die meisten Versicherer bieten an, den Vertrag ein oder zwei Jahre beitragsfrei zu stellen. Oft geht das erst ab einer bestimmten Summe im Vertrag. Und: Die Verwaltungskosten laufen weiter, verringern also den Wert Deines Vermögens.

Theoretisch ist es auch möglich, eine Lebensversicherung bis zum Ende beitragsfrei zu stellen – also einmal auszusetzen und Beiträge nie wieder aufzunehmen. Das empfiehlt sich aber nur in seltenen Fällen. Denn neben laufenden Kosten berechnet der Versicherer ähnlich wie bei der Kündigung eine Stornogebühr. Mit einem Verkauf würdest Du in solch einem Fall wahrscheinlich besser wegkommen.

Was Du bei dem Thema beachten solltest, liest Du in unserem Ratgeber Beitragsfreistellung bei der Lebensversicherung.

Warum ist das Kündigen nicht sinnvoll?

Kündigst Du die Lebensversicherung, erhältst Du nur den sogenannten Rückkaufswert des Vertrags. Dieser ist vor allem in den ersten Jahren der Laufzeit sehr niedrig und liegt deutlich unter dem, was Du bisher an Beiträgen eingezahlt hast.

Der Grund: Nur ein Teil des gezahlten Beitrags fließt auch wirklich in den Wert der Lebensversicherung. Das ist der sogenannte Sparanteil. Der Rest des Geldes geht für Abschluss- und Verwaltungskosten sowie häufig für den Todesfallschutz ab. In den ersten Jahren finanziert der Beitrag zum Beispiel die Abschlussprovision, die der Versicherungsvermittler erhält. Erst am Ende der Vertragslaufzeit legt die Entwicklung des Rückkaufswerts richtig zu.

Ein großer Teil des Wertzuwachses stammt aus dem Schlussüberschuss, den es erst ganz am Ende der vereinbarten Laufzeit gibt. Er beträgt laut Analysehaus Assekurata bei klassischen Verträgen durchschnittlich 20 Prozent der gesamten Verzinsung. Wer vorher kündigt, verzichtet auf einen Teil oder auf den gesamten Schlussüberschuss. Zusätzlich fällt bei jüngeren Verträgen in der Regel ein Stornoabschlag an.

Welche Lebensversicherungen kannst Du nicht kündigen?

Manche Verträge sind zwar Lebens- oder Ren­ten­ver­si­che­rungen, lassen sich aber nicht kündigen. Rürup-Verträge kannst Du beispielsweise nicht kündigen. Riester-Verträge oder Verträge der betrieblichen Altersvorsorge meist nur zu einem hohen Preis. Im Detail betrifft das:

Direktversicherungen - So bezeichnet man über den Arbeitgeber abgeschlossene Lebens- oder Ren­ten­ver­si­che­rungen. Einen solchen Vertrag zu kündigen ist in der Regel nicht möglich. Wechselst Du den Arbeitgeber, solltest Du versuchen, Deinen Vertrag mitzunehmen oder im Notfall Guthaben zu übertragen.

Hat Deine Direktversicherung noch Garantiezinsen von 2 oder mehr Prozent und ist der Vertrag auch ansonsten günstig, kannst Du überlegen, den Vertrag aus privaten Mitteln weiterzubesparen. Immer möglich ist eine Beitragsfreistellung. Mehr dazu liest Du in unseren Ratgebern Direktversicherung und Betriebsrente. Mit unserem Excel-Rechner kannst Du prüfen, ob sich Dein Vertrag auch ohne Zuschuss vom Arbeitgeber lohnt. Lies im Unterkapitel des Ratgebers zur Betriebsrente nach, wie Du den Excel-Rechner befüllen musst.

Rürup-Verträge - Bei einer Rürup-Rentenversicherung lassen sich im gleichen Rahmen wie bei der gesetzlichen Ren­ten­ver­si­che­rung Beiträge von der Steuer absetzen. Rürup-Verträge sollen es Selbstständigen und Freiberuflern ermöglichen, mit den gleichen Vorteilen wie Angestellte für das Alter vorzusorgen. Eine Kündigung ist ausgeschlossen. Der Vertrag lässt sich höchstens beitragsfrei stellen. Mehr Informationen findest Du in unserem Ratgeber zur Basisrente

Riester-Verträge - Ein Riester-Vertrag lässt sich zwar kündigen, aber Du musst die gesamten Zulagen und auch die Steuervorteile zurückzahlen. Besser ist daher, ihn beitragsfrei zu stellen oder auf einen anderen, kostengünstigeren Riester-Vertrag zu wechseln – das heißt, das Guthaben zu übertragen. Die Gebühr dafür beträgt höchstens 150 Euro. Der neue Vertrag sollte keine Abschlusskosten enthalten, sonst lohnt sich der Wechsel praktisch nie. Infrage kommt zum Beispiel ein Riester-Fondssparplan ohne Abschlusskosten. Mehr Details findest Du in unserem Ratgeber Riester wechseln.

Wo bekommst Du Hilfe bei der Entscheidung?

Niemand muss die Entscheidung für oder gegen eine Kündigung der Lebens- oder Ren­ten­ver­si­che­rung alleine treffen. Es gibt Hilfe von verschiedenen Stellen. Die Verbraucherzentrale Hamburg prüft gegen eine Gebühr von 85 Euro Lebensversicherungen. Darunter fällt die Renditeberechnung oder die Prüfung des Rückkaufswerts. Die Prüfung kann rund drei Wochen dauern.

Auch Versicherungsberater helfen bei der Berechnung. Geh von einer Beratungsdauer von um die vier Stunden aus – in komplizierten Fällen auch mehr. Dabei ist ein Stundensatz von 150 Euro üblich. Versicherungsberater erhalten ein Honorar anstelle von Provisionen. Daher kannst Du eine unabhängige und objektive Beratung erwarten. Damit sich die Ausgabe lohnt, sollte der Vertrag mindestens 30.000 Euro wert sein.

Wie Du einen guten Versicherungsberater findest, erfährst Du in unserem Ratgeber zum Honorarberater.

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