Von Franziska Hauck

Manche Entscheidungen beeinflussen unser ganzes Leben. Nehme ich diese oder jene Uni, bleibe ich erstmal Single oder gehe ich auf Partnersuche, kaufe ich ein Haus oder miete ich? Oft entscheiden wir in Sekundenbruchteilen und auf der Basis weniger Informationen.

Ihr habt etwas mehr für das neue Sofa gezahlt als notwendig? Ihr musstet einen neuen Fernseher kaufen, weil der alte, billige den Geist aufgegeben hat? Ihr wart hungrig einkaufen und der Kassenzettel zeigt eine viel größere Summe als sonst? Das ist ärgerlich, aber verschmerzbar. Wenn es dagegen ums ganz große Geld geht, kann ein Fehlgriff sehr schnell sehr wehtun. Und kaum eine Sache wirkt so sehr nach wie eine Entscheidung, mit der man seine Finanzen regelt. Was sind die größten Finanzsünden?

Geld überhaupt nicht anlegen und keine Altersvorsorge haben

Erst nicht gekümmert, und hinterher wird es knapp. Das lässt sich aber leicht ändern: Packt nicht das gesamte Geld aufs Girokonto, sondern schiebt einen Teil auf Tages- und Festgeldkonten. Im nächsten Schritt geht es an die Vorsorge: Sparen per ETFs, betriebliche Direktversicherung oder Riester-Rente. Und wer dann noch Zeit und Lust hat, kann sich ein breiteres Fonds- und Aktienportfolio zusammenstellen.

Teure Verträge mit langer Laufzeit

Private Altersvorsorge, zum Beispiel mit Riester, ist wichtig. Wenn Ihr Euch frühzeitig mit den Möglichkeiten auseinandersetzt, macht Ihr grundsätzlich nichts verkehrt. Aber: Viele Verträge sind unflexibel, laufen über Jahrzehnte und ziehen die Kosten gleich in den ersten Jahren ein. Wer schnell raus will oder muss, hat das Nachsehen – und muss sogar noch Steuern nachzahlen. Prüft daher ganz genau, ob das Modell zu Euch und Eurer Lebenssituation passt. Wenn ja, könnt Ihr dem Alter gelassen entgegensehen, anstatt den gezahlten Beiträgen hinterherzuweinen.

Alle Versicherungen bei einem Anbieter abschließen

Alle Versicherungen bei einer Gesellschaft? Das ist so wunderbar bequem. Dafür zahlt Ihr allerdings oft drauf: Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Anbieter immer die günstigste Versicherung hat, ist gering. Treue lohnt sich nur in den wenigsten Fällen. „Tausche Geld gegen Bequemlichkeit“ muss doch nicht sein, oder? Ein bisschen vergleichen und schon spart Ihr mal eben so 50 Euro oder mehr. Das Gleiche gilt für Kombitarife, die Internet, Handy und TV bündeln. Wer keine Lust hat, seine Verträge zu verwalten und selbst zu kündigen, kann das mit Kündigungsdiensten erledigen.

Notwendige Versicherungen nicht abschließen

Ach, da wird schon nichts passieren… Das kann schiefgehen! Manche Versicherungen sind unverzichtbar, wenn man nicht einfach mal so Tausende von Euro locker machen kann. Bestes Beispiel: Die Auslandsreisekrankenversicherung. Die übernimmt beim Skiunfall den Transport nach Hause oder zahlt die notwendige Behandlung im Krankenhaus vor Ort. Diese so wichtige Leistung bekommt Ihr schon für weniger als piefige 10 Euro im Jahr. Es gibt sogar Versicherungen, ohne die will man gar nicht aus dem Haus gehen, zum Beispiel die Haftpflichtversicherung. Sie steht auch ein, wenn der Versicherte einen Millionenschaden verursacht. Nicht schlecht, oder?

Alles auf Pump kaufen

Dieser Punkt erklärt sich von selbst. Geld, das man nicht hat, sollte man nicht ausgeben. In die Schuldenspirale kommt Ihr schneller als Euch lieb ist.

Teure Finanzierungen nicht umschulden

Aktuell gibt es für Spareinlagen kaum Zinsen. Das ist schlecht für Verbraucher, die sparen wollen. Für Finanzierungswillige, insbesondere Häuslebauer, brachen mit dem Zinssinkflug allerdings goldene Zeiten an. Denn die Kreditzinsen sind dadurch niedriger geworden. Wer also vor längerem eine Finanzierung mit hohen Zinsen aufgenommen hat, sollte jetzt günstig umschulden. Das ist nicht immer einfach, aber es spart horrende Zinszahlungen. Warum solltet Ihr zu viel bezahlen?

Zocken und riskieren

„Hin und her macht Taschen leer“, heißt es nicht ohne Grund. Im Zweifelsfall ist es sinnvoll, mal einen Gang herunterzuschalten, durchzuatmen und nicht zu handeln. Mit einer langfristigen Anlagestrategie spart Ihr schließlich unterm Strich mehr. Riskante Geldanlage ist für Privatanleger vor allem eines – ein adrenalinreiches Hobby.

Welche Finanzsünde findet Ihr am schlimmsten? Habt Ihr schon einmal Fehler in Eurer Finanzplanung gemacht? Diskutiert mit in der Finanztip-Community – komplett anonym!

Finanztip-Redaktion
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1 Kommentar

  1. Geld auf dem Giro Konto liegen zu lassen ist ein echt grober Fehler. Klar, die Flexibilität, jederzeit seine Mittel zur Verfügung zu haben ist schön und manchmal sehr nützlich, aber z.B. Tagesgeld bietet das auch. Mit der richtigen Recherche kann man da auch (für momentane Verhältnisse) ein paar Euros an Zinsen erwirtschaften.

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