Schuldnerberatung

So kommen Sie raus aus den Miesen

Julia Rieder Stand: 05. Januar 2017
Das Wichtigste in Kürze
  • Deutschlandweit gibt es mehr als 1.000 anerkannte Schuldnerberatungsstellen.
  • Bei gemeinnützigen Stellen ist die Beratung kostenfrei.
  • Die Berater stellen einen Plan für den Weg aus den Schulden auf und helfen bei Verhandlungen mit Gläubigern.
  • Je früher Schuldner sich Unterstützung suchen, desto besser. Bei vielen Beratungsstellen gibt es Wartezeiten für Termine.
  • Für dringende Fragen bieten viele Organisationen eine Online-Beratung an.

Ein Kredit für die Autoreparatur, eine Null-Prozent-Finanzierung für die neue Waschmaschine und einige schnelle Ratenkäufe bei Versandhändlern – kein Problem, denken viele. Doch wenn der Arbeitgeber plötzlich kündigt oder Trennung, Krankheit und unerwartete Ausgaben dazukommen, reichen die monatlichen Einnahmen oft nicht mehr aus, um die Schulden abzuzahlen. Die Folge: Mahnungen flattern ins Haus, eine Kontopfändung steht an, der Vermieter droht mit Kündigung.

Bei vielen Stellen gibt es kostenlose Hilfe

So weit muss es aber gar nicht erst kommen. Deutschlandweit gibt es mehr als 1.000 anerkannte Schuldnerberatungsstellen. Dort kann sich jeder betroffene Verbraucher kostenlos beraten lassen. Träger der Einrichtungen sind meist gemeinnützige Organisationen wie Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Diakonie oder Deutsches Rotes Kreuz. Auch die Verbraucherzentralen und kommunale Stellen zählen dazu.

Auf der Website des Forums Schuldnerberatung finden Verbraucher die Adressen aller anerkannten Beratungsstellen in ihrer Nähe. Sozialämter und Jobcenter vermitteln ebenfalls Kontakt zu den richtigen regionalen Anlaufstellen.

Die Schuldnerberater dort sind professionell ausgebildet und kommen aus verschiedenen Bereichen von Sozialarbeit über Bankwesen bis Rechtswissenschaft. Bei komplexen Rechtsfragen holen sich die Berater häufig zusätzliche Unterstützung von Anwälten.

Schuldner können sich auch direkt von einem spezialisierten Anwalt (zum Beispiel einem Fachanwalt für Insolvenzrecht) helfen lassen. Das ist besonders in komplizierteren Fällen wie bei der Verschuldung infolge einer Selbstständigkeit oder bei strittigen Forderungen sinnvoll, aber unter Umständen auch recht teuer.

Lassen Sie sich frühzeitig beraten

Je früher Schuldner sich Hilfe suchen, desto besser. Denn mit der Zeit kann der Schuldenberg durch Mahngebühren und Sollzinsen immer weiter anwachsen, und wichtige Einspruchsfristen können verstreichen. Schon wenn das Geld mehrmals am Monatsende nicht reicht, sollten Verbraucher sich beraten lassen.

Aus Scham versuchen viele Schuldner jedoch zu lange, die Situation selbst in den Griff zu bekommen. Wenn Banken keinen Kredit mehr geben, suchen viele nach Geldverleihern, die ohne Prüfung der Kreditwürdigkeit bei der Schufa Darlehen anbieten. Die hohen Zinsen auf solche Kredite lassen den Schuldenberg jedoch nur weiter anwachsen.

Andere leihen sich immer wieder Geld bei Freunden und Verwandten. Das kann sinnvoll sein, wenn die Finanzspritze hilft, eine Einigung mit den Gläubigern zu erzielen. Nutzen Schuldner Privatkredite statt für den Schuldenabbau nur, um immer neue finanzielle Engpässe zu überbrücken, hat das oft negative Auswirkungen auf die sozialen Kontakte. Wer bei Freunden in der Kreide steht, meldet sich aus Scham immer seltener und isoliert sich zunehmend. Dabei ist ein stabiles soziales Netz eine große Unterstützung auf dem Weg aus den Schulden.

Um Betroffenen die Kontaktaufnahme zu einer Beratungsstelle zu erleichtern, bieten viele Organisationen wie Arbeiterwohlfahrt und Caritas eine anonyme Online-Beratung an. Wer längerfristige Begleitung braucht, kommt um das persönliche Gespräch allerdings nicht herum. Alles was er dort erzählt, wird vertraulich behandelt.

Einen Termin können Verbraucher per Telefon oder E-Mail vereinbaren. Bei den gemeinnützigen Beratungsstellen gibt es jedoch oft Wartezeiten bis zu einigen Monaten, bevor ein Schuldner einen Berater sprechen kann. In besonders dringenden Fällen, bei denen zum Beispiel der Verlust der Wohnung oder eine Konto- oder Gehaltspfändung droht, ist allerdings meist auch kurzfristig Hilfe möglich.

So läuft die Schuldnerberatung ab

Im ersten Termin mit dem Schuldnerberater geht es darum, zu erfassen, wie groß das Problem ist und wie die Schulden entstanden sind. Der Experte verschafft sich einen Überblick über die finanzielle Situation des Schuldners: Wie hoch sind Einnahmen? Wie hoch die Ausgaben? Wie viel Schulden hat der Betroffene? Wo gibt es Sparpotenzial? Nutzt der Schuldner alle Sozialleistungen, die ihm gesetzlich zustehen?

Wenn nötig, hilft der Berater auch bei ersten Sofortmaßnahmen und veranlasst beispielsweise die Einrichtung eines Pfändungsschutzkontos. Oder er legt Widerspruch gegen Mahnbescheide ein.

Im zweiten Schritt sichtet der Schuldnerberater die Unterlagen und stellt die Forderungen von allen Gläubigern zusammen. Experte und Schuldner überprüfen dann gemeinsam, ob die Forderungen berechtigt sind oder ein Gläubiger beispielsweise zu hohe Mahngebühren angesetzt hat.

Falls der Klient sich dies wünscht, übernimmt ein Schuldnerberater außerdem den gesamten Schriftverkehr und verhandelt mit den Gläubigern, um zum Beispiel Zahlungsaufschübe zu erreichen. Dass die Post dann direkt zur Schuldnerberatungsstelle kommt und der eigene Briefkasten leerer wird, ist für viele Betroffene eine enorme psychische Entlastung.

Während der Fokus von Anwälten meist rein auf finanziellen und rechtlichen Fragen liegt, versuchen gemeinnützige Beratungsstellen, eine umfassende soziale Betreuung zu leisten. Die Berater kümmern sich nicht nur um die aktuellen Schulden, sondern klären auch darüber auf, wie man mit Hilfe eines Haushaltsbuchs den Überblick über die eigenen Finanzen behält und wo im Alltag Sparpotenzial besteht.

Die Experten sind außerdem mit vielen sozialen Einrichtungen vernetzt und vermitteln, wenn nötig, parallel zur Schuldnerberatung auch Termine bei Familien- oder Suchtberatungsstellen sowie dem Jobcenter und Wohnungsamt. Ziel ist es, die Probleme, die zu den Schulden geführt haben, an der Wurzel zu bekämpfen, und künftiges Verschulden zu vermeiden.

Zwei Wege aus der Zahlungsunfähigkeit

Wenn Verbraucher zahlungsunfähig sind, gibt es zwei Möglichkeiten, um sich von den Schulden zu befreien.

Schuldenregulierung

Die beste Option ist die außergerichtliche Schuldenregulierung. Dafür erarbeitet der Schuldner zusammen mit einem Schuldnerberater, Anwalt oder Steuerberater einen Schuldenbereinigungsplan. Darin ist festgelegt, welche Forderungen er in welchem Zeitraum bezahlen kann. Gläubiger können im Rahmen eines solchen Plans eine Einmalzahlung oder feste Raten erhalten, wenn sie dafür einen Teil der Schulden erlassen.

Diesem Plan müssen alle Gläubiger zustimmen. Meldet sich nur einer der Gläubiger nicht, platzt der Deal. Einigen sich alle Beteiligten, wird der Vergleich schriftlich festgehalten, und der Betroffene ist schuldenfrei, nachdem er den Plan umgesetzt hat.

Verbraucherinsolvenz

Kommen Schuldner und Gläubigern nicht überein, bleibt die Verbraucherinsolvenz. Diese ermöglicht es Verbrauchern, ihre Schulden los zu werden, auch wenn sie sie nicht vollständig zurückzahlen können. Dafür müssen sie während der längstens sechs Jahre andauernden „Wohlverhaltensphase“ den pfändbaren Anteil ihres Einkommens an einen Treuhänder zahlen und dürfen keine neuen Schulden machen. Allerdings fallen für das Verfahren zusätzliche Kosten an.

Schuldnerberater helfen, die Vor- und Nachteile des Insolvenzverfahrens abzuwägen. Sie unterstützen die Betroffenen außerdem beim Ausfüllen der nötigen Formulare, falls sie sich für die Privatinsolvenz entscheiden. Wenn nötig, begleiten sie Schuldner während der gesamten Dauer des Verfahrens.

Vorsicht vor unseriösen Schuldnerberatern

In Deutschland ist der Begriff „Schuldnerberater“ gesetzlich nicht geschützt. Deshalb gibt es zahlreiche kommerzielle Anbieter, die gezielt Schuldner kontaktieren und „Schuldenhilfe“ oder „Finanzsanierung“ anbieten. Und das bedeutet für die Betroffenen meist zusätzliche Probleme.

Für die meisten Überschuldeten ist der Gang zu einer kostenfreien Schuldnerberatungsstelle daher die beste Option. Wer sich dennoch von anderer Stelle beraten lassen möchte, sollte in jedem Fall den Beratungsvertrag genau prüfen. Schließt der Anbieter darin eine Rechtsberatung aus, sollten Verbraucher die Finger davon lassen. Berater ohne sogenannte Rechtsdienstleistungsbefugnis können keine wirksame Schuldnerberatung leisten. Sie kooperieren zwar häufig mit Anwälten, den Schuldnern entstehen so aber doppelte Kosten – für Dienstleister und Anwalt. Neben dem Beratungsvertrag sollten Schuldner keinesfalls weitere Verträge, zum Beispiel für Versicherungen oder neue Kredite unterschreiben.

Wichtig ist außerdem, dass der Berater eine Bescheinigung nach Paragraf 305 der Insolvenzordnung ausstellen kann. Dazu sind beispielsweise Anwälte oder gemeinnützige Beratungsstellen berechtigt. Die Bescheinigung ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass der Schuldner in das Insolvenzverfahren gehen kann. Mit ihr belegt der Betroffene, dass er sich um eine Einigung mit den Gläubigern bemüht hat.

Neben diesen Punkten ist die Wahl des richtigen Schuldnerberaters oft auch eine Frage der Sympathie, denn Vertrauen und Offenheit sind für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zentral. Nur wenn der Schuldner mit dem Experten ehrlich über seine finanzielle Situation spricht und an einer Lösung mitarbeitet, wird es ihm gelingen, seine Schulden loszuwerden.

Autor
Julia Rieder

Stand: 05. Januar 2017


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