Überstunden
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Eine Milliarde Überstunden. So viel haben die Deutschen in den ersten sechs Monaten mehr gearbeitet als vereinbart. Tendenz steigend. Das Problem: Nur jede zweite Überstunde wurde bezahlt.

Im Grundsatz ist niemand zu Überstunden gezwungen, solange das nicht im Tarif- oder Arbeitsvertrag klar geregelt ist. Und das ist selten der Fall. Häufig sind Formulierungen im Arbeitsvertrag rechtlich ungültig.

Damit Sie Ihr Recht kennen und Mehrarbeit auch fair bezahlt bekommen, haben wir die wichtigsten Regeln zu Überstunden in fünf Punkten zusammengefasst:

1. Erlaubte Überstunden, wenn es keine Vereinbarung gibt

Wenn viele Kollegen krank werden, der Server ausfällt oder andere unvorhersehbare Dinge passieren, kann Ihr Chef Überstunden verlangen. Nicht aber, wenn ein neuer Auftrag an Land gezogen wurde oder jemand kündigt.

Ihr Chef darf die Arbeitszeit auf maximal zehn Stunden pro Tag verlängern, sofern er innerhalb der folgenden sechs Monate einen Freizeitausgleich schafft. Im Durchschnitt dürfen also die üblichen acht Stunden nicht überschritten werden.

Wenn Sie Teilzeit arbeiten, dürfen Sie grundsätzlich nicht zu Überstunden herangezogen werden.

2. Betrieblich geregelte Überstunden

In Tarifverträgen, Betriebsvereinbarungen oder im Arbeitsvertrag können Überstunden vereinbart und geregelt werden. Im Öffentlichen Dienst werden Überstunden bezahlt – und es gibt sogar Zuschläge.

Auch wenn es in Ihrem Vertrag keine Regelung gibt, kann es sein, dass Ihr Chef trotzdem zahlen muss, wenn es betriebs- oder branchenüblich ist.

3. Sonderfall: Höhere Angestellte

Wenn Sie mehr als die Beitragsbemessungsgrenze für die Rentenversicherung verdienen (2018 sind das 78.000 Euro im Westen, 69.600 Euro im Osten) oder leitender Angestellter sind, also Mitarbeiter einstellen oder entlassen können, dürfen Sie keine Überstunden geltend machen. Es sei denn, Sie haben es extra vereinbart. Der Grund: Sie werden eher nach der Erfüllung von Aufgaben bezahlt, nicht nach der Ableistung von Stunden.

4. Pauschal abgegoltene Überstunden

In vielen Arbeitsverträgen finden sich Klauseln, nach denen Überstunden bereits mit dem Gehalt abgegolten seien. Meist sind solche Klauseln ungültig. Der Grund: Aus ihnen muss immer hervorgehen, warum und wie viele Überstunden anfallen können, die bereits abgegolten wären. Und diese Regel muss dem „üblichen Maß“ entsprechen: Es können also nicht zum Beispiel 40 Überstunden pro Monat als abgegolten erklärt werden.

5. Wie Sie Überstunden nachweisen

Sie können keine Überstunden in Rechnung stellen, die Sie aus eigener Entscheidung machen. Wichtig ist also immer, dass Ihr Chef überhaupt von den Überstunden weiß. Außerdem sollten Sie die Überstunden dokumentieren. Lassen Sie die protokollierten Stunden regelmäßig vom Chef abzeichnen.

In einer Checkliste haben wir zusammengefasst, wie Sie vorgehen sollten, um Ihre Überstunden vergütet zu bekommen.

Zum Ratgeber

 

Finanztip-Serie „Arbeitsrecht“

1. Arbeitsvertrag: Verkaufen Sie sich nicht zu billig
2. Überstunden: Mehrarbeit auch bezahlt bekommen
3. Krankmelden: So sichern Sie Urlaubstage und Krankengeld
4. Verhalten: Was tun, wenn’s im Job knirscht
5. Kündigung: So wehren Sie sich

 

Matthias Urbach
Autor

Stand:

Als stellvertretender Chefredakteur ist Matthias Urbach für den Newsletter, Kooperationen und die redaktionellen Sonderprojekte von Finanztip verantwortlich. Als Diplomphysiker und Absolvent der Henri-Nannen-Schule kombiniert er analytisches und redaktionelles Know-how. Zuvor war er unter anderem als Verlagsdirektor beim SpringerNature-Wissenschaftsverlag und als Leiter von taz.de tätig.

1 Kommentar

  1. Ich wusste gar nicht, dass ich keine Überstunden machen muss, wenn ich nur in Teilzeit arbeite. Das Thema Arbeitsrecht finde ich sehr interessant. Haben Sie noch weitere Tipps zum Thema Überstunden und Teilzeitarbeit?

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