Beim Blick auf die Steuer- und Abgabenbelastung hierzulande im internationalen Vergleich, die Unternehmensbesteuerung hierzulande im internationalen Vergleich, die wirtschaftliche Freiheit hierzulande im internationalen Vergleich, die Wettbewerbsfähigkeit hierzulande im internationalen Vergleich etc. pp. - bis hin zur Staatsquote - siehst Du da noch Luft für noch mehr Umverteilung ... ?
(Stichwort: Standortbedingungen - siehe beispielsweise die Rekord-Nettokapitalabflüsse aus Deutschland in dreistelliger Milliardenhöhe der letzten Zeit per annum).
Diese Deine Frage, Anmerkungen und eine Vielzahl von Schlagworten sind aus meiner Sicht nicht für diesen Thread geeignet, indem es um das öffentliche Auftreten von Roman Reher geht.
Ich möchte trotzdem ganz kurz ein paar Gedanken einwerfen und es dann damit auch belassen:
Umverteilung dient keinem Selbstzweck. Sie sollte dort stattfinden wo sie langfristig Wachstum und Systemstabilität fördert. Es ist also eine Frage der Struktur und der volkswirtschaftlichen Wirkung. Daher halte ich pauschale Kürzungen oder Ausweitungen für nicht zielführend. Umverteilung sollte z.B. Humankapital fördern, die Erwerbsbeteiligung, Produktivität und die Mobilität erhöhen.
Das Thema Unternehmensbesteuerung ist wieder ein separates Feld. Diese ist effektiv oft niedriger als die Nominalwerte aussagen. Mit diesen Steuern wiederum könnte der Staat die im Absatz der Umverteilung aufgeführten Themen ermöglichen.
Die Steuer- und Abgabenlast im Allgemeinen zeigt warum kluge Umverteilung wichtig ist. Du hast vollkommen Recht, dass sie in Deutschland extrem lohnlastig ist und dafür bei Kapital, Erbschaft und Vermögensbesteuerung verzichtet wird. Wobei aus meiner Sicht die Einkommenssteuer tatsächlich ein sehr gutes Instrument ist, da starke Schultern sichtbar mehr tragen.
Die Staatsquote sagt nur, wie hoch der Anteil des Staates am BIP ist. Sie sagt aber eben nicht wofür diese Ausgaben verwendet werden. Sie kann also als alleiniges Argument nicht als Beleg für einen ineffizienten Sozialstaat angeführt werden.
Netto-Kapitalabflüsse: Kapital fließt in Deutschland ab, da wir eine Nation der Sparer und Exporteure sind. Unsere Leistungsbilanzüberschüsse werden dann in Form von Altersvorsorgeprodukte, Versicherungen oder durch andere institutionelle Anleger weltweit diversifiziert (siehe die Finanztip-Lehre) angelegt. Gleichzeitig Hast Du Recht in dem Punkt, dass inländische Investitionen gern höher sein könnten. Hier spielen dann Punkte wie Bürokratie, Energiepreise, Regulierung eine entscheidende Rolle.