Nachteile ETF / alte Geldanlagen

  • Guten Abend,

    im Vergleich der Geldanlagen ETF vs. Immobilien oder Finanzprodukte kommt mir ein Aspekt zu kurz (oder ich habe ihn noch nicht ganz verstanden);

    Selbst bewohnte Immobilien und bestimmte Rentenprodukte sind doch Schonvermögen in den Sozialleistungen.

    Könnte man sich da nicht prinzipiell die meisten BUs sparen und hätte noch einen gewissen Schutz bei Arbeitslosigkeit on top?

    Wo ist mein Denkfehler?

  • Ich verstehe nicht, was Du meinst. Eine selbstbewohnte Immobilie mag ein Beitrag zur Absicherung gegen das Risiko Berufsunfähigkeit sein, weil man keine Miete zahlt, aber damit ist das Risiko ja längst nicht abgefedert. Du hast ja auch noch Wohnnebenkosten und alle anderen Lebenshaltungskosten und da wird es im Fall einer Berufsunfähigkeit schnell eng. Die Rentenprodukte helfen Dir in der Zeit zwischen dem Eintritt der Berufsunfähigkeit und dem Renteneintritt (bzw. dem in dem Rentenprodukt vereinbarten Auszahlungsbeginn/-zeitpunkt) gar nicht. Danach helfen sie Dir nur bedingt, weil Du ab Eintritt einer Berufsunfähigkeit vermutlich gar nicht mehr oder nur noch stark reduziert in die Rentenkasse einzahlst und sich somit Dein gesetzlicher Rentenanspruch reduziert.

  • Könnte man sich da nicht prinzipiell die meisten BUs sparen und hätte noch einen gewissen Schutz bei Arbeitslosigkeit on top?

    Was hat eine Arbeitslosigkeit mit BU zu tun? ALG1 ist eine Versicherungsleistung die mir im Arbeitslosenfall gezahlt wird. Egal ob ich 0€ Rücklagen habe oder ein paar Mio.

    Die BU zahlt dagegen, man soll es kaum glauben, wenn ich nicht mehr in der Lage bin, meinen Beruf auszuüben. Dann stehe ich mind. in dem Beruf auch nicht mehr dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Ob ich dann Arbeitslos bin oder Arbeitsunfähig (ggf. inkl. EM-Rente), hängt vom konkreten Fall ab.

    Es dürfte nur wenige Leute geben, die parallel zu ALG1 noch Sozialleistungen beziehen, obwohl das vorher mit Arbeit nicht der Fall war. War es der Fall (insb. Wohngeld), bleibt m.M.n. kaum Geld für eine eigene Immobilie.

    Eine BU unterhalb von BG/H4 hat noch nie Sinn ergeben. Außer, man wollte sich genau vor dieser Anrechnung vom Vermögen auf die Sozialleistung schützen. Und schon kann sie wieder Sinn ergeben.

    kommt mir ein Aspekt zu kurz

    Nur für Leute, die damit rechnen, nicht mehr auf eigenen Füßen stehen zu wollen oder können und die in diesem Fall keine Finanzen zur freien Verfügung haben wollen.

    Mein Ziel wäre nie gewesen, bis zur Rente von BG zu leben, womit die BU mind. so ausgelegt war, dass sie, zur Not zusammen mit einer vertretbaren Eigenleistung aus meinem Vermögen, für mehr wie das Grundsicherungsniveau gereicht hätte.

    Aber sicher kann man sich eine Konstellation mausdeken, in der man im BU-Fall nur bis zur Rente Sozialeistungen bezieht und ab dann mit der Rendite aus dem Schorvermögen bedeutend besser lebt wie mit Grundsicherung+Wohngeld.

  • Bzw, dass es mit Familie schnell sowieso darauf hinausläuft, dass zumindest ergänzende Leistungen nötig werden, wodrch dann eben der ETF abschmilzt..

    Eine BU, die das wirklich verbessert und ermöglicht freiwillige Rentenbeiträge einzuzahlen, muss man erstmal bekommen und sich zu jeder Zeit leisten können.

  • Wo ist mein Denkfehler?

    Wenn man allein ist mag das noch einigermaßen klappen. Spätestens, wenn man in einer Partnerschaft lebt, sieht es ganz anders aus. Und das muss noch nicht mal eine Ehe sein.
    Und dann muss ggf. der Partner oder gar das im Haushalt lebende Kind für den eigenen Unterhalt aufkommen. Das wäre nicht so meins. :/

    Eine BU, die das wirklich verbessert und ermöglicht freiwillige Rentenbeiträge einzuzahlen, muss man erstmal bekommen und sich zu jeder Zeit leisten können.

    Klar. Eine Versicherung muss man sich immer erstmal leisten können.
    Daher ja auch die Empfehlung eine BUV möglichst jung abzuschließen. Wer es erst mit 25 und wohlmöglich aus einem Beruf mit erhöhtem Risiko heraus versucht hat dann wohlmöglich Pech gehabt.

    Berufsunfähigkeit und Arbeitslosigkeit sind hier nur als große Risiken für den eigenen Vermögensufbau gemeint.

    Ich habe nur vor einer kompletten Arbeitsunfähigkeit durch Krankheit wirklich Angst. Irgendeinen Job, der dafür ausreicht, dass ich nicht auf meine Ersparnisse zugreifen muss würde ich immer finden. Ich war in rund 40 Jahren noch nie einen Tag arbeitslos. Und wenn ich irgendwo im Lager Kartons gefaltet habe.

  • monstermania hast du denn eine abgeschlossen?

    Mit Mitte 20 hätte ich sie wahrscheinlich nicht bekommen. Inzwischen möglicherweise schon. Und inzwischen müsste sie dann schon die ganze Familie versorgen.

    Ich hätte auch nur vor einer kompletten Arbeitsunfähigkeit Angst. Dazu gibt es aber kaum Zahlen. Wenn fast ein Viertel mit durchschnittlich Mitte 40 berufsunfähig wird und das wirklich dauerhafte Arbeitsunfähigkeiten bis zur Rente wären, müsste das erheblich teurer sein. Mein Angebot mit Mitte 40 liegt nur knapp über der jährlichen Auszahlungsrate. Folglich müsste ein Großteil der Berufsunfähigkeit vorübergehend sein.

  • Ich hätte auch nur vor einer kompletten Arbeitsunfähigkeit Angst. Dazu gibt es aber kaum Zahlen. Wenn fast ein Viertel mit durchschnittlich Mitte 40 berufsunfähig wird und das wirklich dauerhafte Arbeitsunfähigkeiten bis zur Rente wären, müsste das erheblich teurer sein. Mein Angebot mit Mitte 40 liegt nur knapp über der jährlichen Auszahlungsrate. Folglich müsste ein Großteil der Berufsunfähigkeit vorübergehend sein.

    Ich halte diese Denkweise für falsch. Eine BU-Versicherung ist eine Absicherung für den Worst Case, weil dieser einen Schaden in Millionenhöhe verursachen kann. Die Eintrittswahrscheinlichkeit spielt dabei keine entscheidende Rolle: Sie existiert und das genügt.

    Wer auf sein Einkommen (auch nur in Teilen) angewiesen ist, muss sich absichern. Am Besten mit einer BU.

    Ähnlich verhält es sich mit einer Risiko-Lebensversicherung für den Hauptverdiener. Sie kostet nur wenige Euro im Monat, weil statistisch kaum jemand vor dem 60. Lebensjahr stirbt. Tritt dieser unwahrscheinliche Fall jedoch ein, ist für die Hinterbliebenen oft sprichwörtlich Schicht im Schacht. Umso erstaunlicher finde ich es, dass viele Menschen ihr Auto vollkaskoversichern, obwohl sich der Schaden meist mit wenigen Tausend Euro beheben ließe (notfalls durch Mobilität mit einem Gebrauchtwagen) und gleichzeitig bei der elementaren Absicherung des eigenen Lebens sparen oder sie ganz vergessen.

    Die Grundsicherung als Absicherungsnetz gegen Erwerbsunfähigkeit zu sehen, halte ich für sehr gewagt und ehrlich gesagt ziemlich ambitionslos. Ist das wirklich das Level, auf das man zurückfallen will? Will man das seiner Familie zumuten? Und soll man deshalb auf Rendite verzichten und höhere Kosten in Kauf nehmen?

  • Mit Mitte 20 hätte ich sie wahrscheinlich nicht bekommen. Inzwischen möglicherweise schon. Und inzwischen müsste sie dann schon die ganze Familie versorgen.

    Ich habe meine BU erst mit 29 abgeschlossen. Damals noch gesund (genug für die BU) und mit überwiegendem Büroarbeitsplatz (also aus Sicht von vielen sowieso nutzlos).

    Mit Mitte 40 hätte ich persönlich nichts mehr abgeschlossen. da wäre schon sehr lange vorher in der Familie geklärt worden, wie wir gemeinsam die BU von einem Partner abfangen können. Mir war sowas immer wichtiger wie sonstiger Luxus und ich war auch nie jemand, der sich (ohne BU-Fall) dauerhaft mit einem Einkommen abgefunden hätte, das zu 100% zum Überleben am Traumwohnort benötigt wird.

    In der Realität war ich Single und hatte bis Mitte 40 ca. 15k€ an BU-Beiträgen gezahlt, die BU hätte damals 1375€ im Monat gezahlt. Das sind ganze 11 Monate BU-Zahlung, von mir aus auch gerateren 15 Monate, wenn ich gewusst hätte, wo ich ab 1999 die Beiträge garantiert gewinnbringend angelegt hätte. Dann wäre aber nach 15 Monaten (also ca. 2 Jahre nach Beginn von Krankengeld) das Geld weg gewesen. Die BU hätte bis 65 gezahlt.

    Alles oberhalb der BU wäre schon mit Mitte 40 aus dem eigenen Vermögen aufzustocken gewesen (genauso vorher wärend dem Krankengeld). Und dann hätte ich, wenn ich nicht Erwerbsunfähig und nahezu regungslos ans Bett gefässelt gewesen wäre (dann hätte auch die EM nochmal ähnlich viel gezahlt) mit Sicherheit irgendwas gefunden, mit dem ich meine Freizeit ohne ext. Zeiteinteilung so gestalten konnte, dass damit nochmal Geld reinkam.

    Naja, ab Ende 30 hätte sogar die BAV des AG noch eine BU zusätzlich gezahlt. Nicht viel, aber auch ein paar Hunderter Brutto sind in dem Fall nicht zu verachten.

    Ich habe auf diese Weise lieber meine Finanzen abgesichert wie mich darauf zu verlassen, dass schon nichts passieren wird.

    Eine BU, die das wirklich verbessert und ermöglicht freiwillige Rentenbeiträge einzuzahlen

    Ich wäre niemals auf die Idee gekommen, freiwillig Beiträge in die DRV zu zahlen. Das Geld hätte am Kapitalmarkt viel höhere Renditen erwirtschaftet. Beim Single sowieso und als Paar muss man sich das halt durchrechnen (Witwenrente), zusammen mit der Einstellung der Partnerin zu dem Thema.

  • monstermania hast du denn eine abgeschlossen?

    Nein.
    Aber ich bin bestimmt kein Maßstab an dem man sich orientieren sollte. Ich komme auch noch aus einer anderen Zeit. Aus heutiger Sicht würde ich jedem der es kann, empfehlen eine eine BU abzuschließen.

    Zum Glück bin ich mit Mitte 50 finanziell aus dem Gröbsten raus. Im Falle einer vollen Arbeitsunfähigkeit würde meine AU-Rente zum Leben reichen. Allerdings muss man diesen Status erstmal erreichen. In meinem Bekanntenkreis gibt es Menschen, die teilweise jahrelang mit der Rentenkasse um den Staus gerungen haben. Ohne den familiären Rückhalt hätten Sie wohl irgendwann aufgegeben.

    Ich halte diese Denkweise für falsch. Eine BU-Versicherung ist eine Absicherung für den Worst Case, weil dieser einen Schaden in Millionenhöhe verursachen kann. Die Eintrittswahrscheinlichkeit spielt dabei keine entscheidende Rolle: Sie existiert und das genügt.

    So sieht es aus.
    Und wenn man im Laufe des Lebens irgendwann erkennt, dass es die BUV finanziell nicht mehr braucht weil man sich ein entsprechendes Vermögen aufgebaut hat, kann man die Versicherung ja auch kündigen.