Allianz Schatzbrief

  • Vor 9 Jahren verkaufte mir ein Bankberater einen Allianz Schatzbrief für 30 000 Euro.
    Sein Argument: Das Geld ist absolut sicher und könnte keinesfalls seinen Wert verlieren. Und - wenn ich in Rente gehen, wird mir monatlich Geld ausbezahlt. "Sicher" und "Zusatzrente" klang in meinen Ohren erst mal gut.

    Jetzt bin ich in Rente, mein Kontoauszug zeigt 30 900 Euro und ich habe Anspruch auf 120 Euro monatliche Zahlungen (brutto 19% Steuer).
    Ich könnte das Geld umschichten und würde dann ca. 150 Euro (25% Steuern) monatlich erhalten. Abzüglich Verwaltungskosten etc.
    In jedem Fall aber sollten es 6% (150 €) des Anlagebetrags (30 000 €) sein. Lebenslang. (93€ netto) Es ist auch von Inflationsausgleich die Rede, aber ganz ehrlich - ich traue der Allianz (aus anderen Gründen) nicht mehr über den Weg.X/

    Wenn ich das Geld nun in einen ausschüttenden ETF investiere, dann sollten gegenwärtig 6% Rendite kein Problem sein.
    Aber wie geht es weiter?
    Immer wieder höre ich, dass auch ETFs und die Weltwirtschaft insgesamt an ihre Grenzen stoßen und vielleicht ganz kaputt gehen.
    Aber vermutlich zahlt die Allianz die Rente auch nur, wenn die Weltwirtschaft diese Rendite einfährt.

    Wie sind Eure Gedanken zu diesem Thema?
    Vielen Dank

  • Du verwirrst mich mit unterschiedlichen Zahlen.
    Fassen wir mal zusammen:
    Du hast vor 9 Jahren 30.000€ bei der Allianz investiert. Das sind heute 30.900€.

    Lt. Inflationsrechner (https://www.zinsen-berechnen.de/inflationsrechner.php) hast Du in den letzten 9 Jahren rund 6.000€ an Kaufkraft verloren. D.H. Du bekommst heute für die 30.900€ noch so viele Waren wie Du vor 9 Jahren für ca. 25.000€ bekommen hättest.

    Nun sollst Du einen lebenslange Rente aus diesen 30.900€ bekommen. Die genaue Höhe dieser Rente kann ich aus Deinen verschiedenen Zahlen nicht erkennen. :/
    Auch einen Inflationsausgleich kann ich nicht erkennen. Da müsstest Du nochmal genau Licht ins Dunkel bringen.

    So oder so war das Investment ein schlechtes Geschäft für Dich! Du hast real rund 6.000€ an Kaufkraft verloren! Einfach immer wieder ein 12 monatiges Festgeld abzuschließen, wäre wohl in den letzten 9 Jahren renditestärker gewesen. :/

    Wenn ich das Geld nun in einen ausschüttenden ETF investiere, dann sollten gegenwärtig 6% Rendite kein Problem sein.

    Woher kommt Deine Annahme, dass 6% Rendite keine Problem sein sollen!? :/
    Ja, es ist richtig, dass marktbreite ETF langfristig eine Rendite von ca. 7% p.a. erzielen. Die Betonung liegt dabei aber auf dem Wort langfritsig. Das bezieht sich dann eher auf Zeiträume ab 20-30 Jahren. Auf 10 Jahre ist auch mal eine Rendite von -3% p.a. möglich.

  • Einfach immer wieder ein 12 monatiges Festgeld abzuschließen, wäre wohl in den letzten 9 Jahren renditestärker gewesen.

    Ich erinnere mich da an Zeiten, wo man auf Festgeldanlagen Strafsteuer (Verwahrentgelt) zahlen musste. Dieser Schatzbrief hat nach Steuern im Mittel der 9 Jahre 0,3% p.a. angesammelt. Das war schon mal besser als das Verwahrentgelt. In den letzten 3 Jahren gab es in der Tat bessere Angebote.

  • ..., wo man auf Festgeldanlagen Strafsteuer (Verwahrentgelt) zahlen musste.

    Interessant. AFAIK gab es nie Verwahrentgelt (Negativzins) bei Festgeldanlagen.
    Hier eine Übersicht mit unterschiedlichen Laufzeiten. Und mehr wie 0,3% p.a. war immer drin.
    Klar, wohlmöglich nicht bei der örtlichen Sparkasse.

    [Blockierte Grafik: https://images.wiwo.de/ZSeLXw5q1OUI/cover/760/772/0/0/0/0/0.5/0.5/festgeldzinsen.png]

  • Tja - das das eine schlechte Anlage war, ist mir (jetzt) sehr bewusst.
    Es war aber auch nicht meine Frage, ob diese vielleicht eine grottenschlechte Anlage gewesen sein könnte.:rolleyes:

    Was ich gerne von Euch gehört hätte ist, welche Argumente für oder gegen eine Ausschüttung, bzw. eine monatliche Rentenzahlung sprechen.

    Aber vielleicht ist diese Frage auch nicht so einfach zu beantworten.:/

  • Was ich gerne von Euch gehört hätte ist, welche Argumente für oder gegen eine Ausschüttung, bzw. eine monatliche Rentenzahlung sprechen.

    Aber vielleicht ist diese Frage auch nicht so einfach zu beantworten.:/

    In der Tat ist das nicht so einfach zu beantworten. :/
    Die erste Frage wäre welchen Rentenfaktor Dir garantiert wird. Mit dem Rentenfaktor wird angegeben, wie hoch Deine monatliche Rente pro 10.000€ ist.
    Nehmen wir mal an, Du hast einen Rentenfaktor vor 30. Dass heißt du bekommst pro 10.000€ 30€ Rente pro Monat.
    Bei 30.900€ wären dass dann 92,70€ pro Monat. Du müsstest dann 27 3/4 Jahre diese Rente beziehen bis Du allein diese 30.900€ wieder heraus hättest.

    Und es wird keine Inflation berücksichtigt. D.H. 92,70€ heute haben natürlich eine ganz andere Kaufkraft wie 92,70 in 10 oder 20 Jahren!
    Daher erlaube ich mir mal die Frage, ob es bei der Rentenzahlung einen garantierten Inflationsausgleich gibt? Die EZB strebt in der Eurozone langfristig eine Inflation von 2% p.a. an. Das sollte man also auf jedem Fall bei einer Verrentung berücksichtigen.

    Viele Menschen bevorzugen eine selbstgebaute Rente. Es spricht ja nichts dagegen sich aus dem angelegten Kapital selbst jeden Monat einen gewissen Betrag auszuzahlen.
    Auf dem Blog von Prof. Hartmut Walz findest Du Alle Informationen um Dir einen Rente selbst zu bauen:

    Inflation und der Wert Ihrer Rente - Prof. Dr. Hartmut Walz
    Bei der Bewertung von Renten sollten Sie die Inflation nie unberücksichtigt lassen. Der Kaufkraftverlust mindert den Wert Ihrer Rente. Fragen Sie sich bei…
    hartmutwalz.de
  • Ja, allein die Abschlusskosten eines solchen Allianz Schatzbriefs dürften so um 4% des Anlagebetrags gelegen haben. Das macht dann bei 30.000 schon mal 1.200€ die direkt nach der Unterschrift weg sind. :rolleyes:
    Aber ich habe auch mein Lehrgeld bezahlt was Altersvorsorge und Versicherungen angeht. Jedes Jahre bekomme ich die Übersicht über meine (stillgelegte) bAV und mir wird <X.
    Noch bis 2036 darf ich mich jährlich aufs Neue ärgern.

    Wenigstens Tomarcy freut sich über die Allianz-Dividende

  • Interessant. AFAIK gab es nie Verwahrentgelt (Negativzins) bei Festgeldanlagen.
    Hier eine Übersicht mit unterschiedlichen Laufzeiten. Und mehr wie 0,3% p.a. war immer drin.
    Klar, wohlmöglich nicht bei der örtlichen Sparkasse.

    Dafür aber bei der Greensill Bank und ähnlichen unsicheren Kantonisten. Bei ordentlichen Banken gab es einfach keine Festgeldangebote mehr.

    Wenigstens Tomarcy freut sich über die Allianz-Dividende

    Ich übrigens auch ;) Und nicht nur von denen.

  • Dafür aber bei der Greensill Bank und ähnlichen unsicheren Kantonisten. Bei ordentlichen Banken gab es einfach keine Festgeldangebote mehr.

    Es gab sicherlich deutlich mehr Möglichkeiten als nur die Greensill Bank. Und auch wer als Privatkunde bei Greensill 30.000€ angelegt hatte, hat durch die Pleite der Bank nix verloren. Einlagensicherung sei Dank.

    Ich habe mal in den tiefen des Internets geschaut:
    https://www.tagesgeldvergleich.net/veroeffentlichungen/downloads/festgeld-jahrestest-2020-komplett.pdf

    Da waren abgesehen von den osteuropäischen Klitschen sicherlich auch seriöse Namen dabei. Zumindest um eine höhere Rendite einzufahren als durch einen Allianz Schatzbrief.

    Welche Banken haben den nun in der Nullzinsphase Verwahrentgelte für 12 monatige Festgelder erhoben, wie von Dir behauptet?

  • Wie sind Eure Gedanken zu diesem Thema?

    Trauer und Wut. Das solche Produkte überhaupt vertrieben werden dürfen.

    Leider hast du ziemlich tief ins Klo gegriffen.

    93€ Netto kannst du dir bei 2% auch selber 35 Jahre lang aus dem Vermögen ausbezahlen.

    Entnahmeplan online berechnen

    Bei der Gefa Bank gibt´s Auszahlpläne für 10 Jahre mit sogar 3,25% und die Restlichen 20000€ legst du noch an.

    So kannst du dir deine Rente auch selber basteln.

Passende Ratgeber für Dich

Von Finanztip-Experten fundiert recherchiert

Was Finanztip ausmacht
Finanztip Bewertungen