Ein KISS von Irving – Zielpfad: 5 auf 20 Mio €

  • Dennoch möchte ich hier eine Möglichkeit aufzeigen, wie ein Privatanleger, der bereits einen marktkapitalisierungsgewichteten ETF hält, relativ einfach mithilfe eines Small-Cap-ETFs einen Small-Cap-Tilt in sein Portfolio implementieren kann:

    iShares MSCI World Small Cap UCITS ETF (thesaurierend, TER:0,35%)
    Xtrackers MSCI World Small Cap UCITS ETF (thesaurierend, TER:0,25%)


    Xtrackers MSCI World Small Cap UCITS ETF (ausschüttend, TER:0,25%)

    Danke für diesen instruktiven Hinweis.
    Wie würdest du dann die Gewichtung ansetzen ?

  • Danke für diesen instruktiven Hinweis.
    Wie würdest du dann die Gewichtung ansetzen ?

    Ich persönlich denke, dass eine Verdopplung des Small-Cap- und Emerging-Market-Anteils (politisches Risiko) im Vergleich zur Marktkapitalisierung die Diversifikation des Portfolios deutlich verbessern kann und es auch einen sichtbaren Renditevorteil bringt. Also etwa 20 % Small-Caps und 20 % EM.

    Das wäre zudem noch relativ einfach zu verstehen. Alles, was deutlich darüber hinausgeht, wäre für mich für ein langfristiges und breit aufgestelltes Portfolio zu einseitig.

    Ich kann mir allerdings gut vorstellen, dass jemand, der sich heute deutlicher für z.B. Small Caps entscheidet in 20 Jahren seine Freude haben wird. Die Small-Cap-Prämie und die EM-Märkte lagen lange unter Wasser. Man muss allerdings mit dem Timen von Faktoren aufpassen: Das funktioniert nachweislich nicht.

    Beim Thema Faktorinvesting ist die Gefahr ziemlich groß sich zu verhaspeln. Wer sich mit mit dem Small Cap Faktor auseinandersetzt, wird ziemlich schnell auch auf den Value-Faktor stoßen und dann ist die Integration der beiden Faktoren nicht mehr weit: Kleine Value-Unternehmen (der stärkste Faktor nach der Equity Prämie): https://www.justetf.com/de/etf-profile…7OG3#uebersicht

    Damit wird das Portfolio immer unübersichtlicher und nach wenigen Jahren kaum noch zu überblicken. Deshalb würde ich immer einen Multi-Faktor-ETF nehmen. Wem der Kommer nicht passt, kann ja auch auf andere Anbieter ausweichen.

  • Ich gieße ja nur ungern Wasser in den Wein, aber man sollte schon unterscheiden, ob man schnöder Sparplansparer ist, oder einmalig investiert und dann 25 Jahre liegen läßt.

    Hier der Einmalinvestor:


    Hier der Sparplansparer:


    Und auch der Einmalinvestor kann mal so richtig ins Klo greifen. Es ist nämlich auch dort längst nicht sicher, dass man nach 10 oder 15 Jahren mit seiner Faktorinvestition auch ein goldenes Händchen für den Einstieg gehabt hat.
    Was man auf jedem Fall bekommt ist eine deutlich höhere Volatilität. Also höhere Chancen als auch höhere Risiken.

    PS: Ich habe auch einen Faktor-ETF in meinem Depot und kann das mit der höheren Volatilität bestätigen.

  • Ich gieße ja nur ungern Wasser in den Wein, aber man sollte schon unterscheiden, ob man schnöder Sparplansparer ist, oder einmalig investiert und dann 25 Jahre liegen läßt.

    Das ist schon in Ordnung. Da die Small-Cap-Prämie seit vielen Jahren negativ war, konnte es mathematisch nicht anders sein, als dass jemand mit Sparplan weniger verdient hat. Einfach deshalb, weil die negative Prämie auf einen deutlich größeren Depotwert durchgeschlagen hat. Gleiches gilt für den Value-Faktor.

    Entscheidend ist die langfristige Tendenz der Faktoren. Ich denke, dass man mit einem Multi-Faktor-Ansatz die höhere Renditeerwartung systematisch nutzen kann. Man sollte sich jedoch nichts vormachen: Faktoren sind nicht additiv und wirken untereinander teilweise ausgleichend. Solche Ansätze selbst zu basteln, kann schnell nach hinten losgehen. Vor allem, wenn noch der emotionale Anleger ins Spiel kommt.

  • An den Small Caps kann man schön erkennen, in welches Rabbit Hole man sich mit nur einem Faktor begibt, wenn man versucht, ihn mit verschiedenen ETFs zu kombinieren.
    Small Caps müssten mit ca. 15% beigemischt werden, um die Marktkapitalisierung zu erreichen.

    Hat man bisher bspw. einen ETF auf den FTSE All World und kombiniert diesen mit einem MSCI World Small Cap ETF, führt das zu einer Übergewichtung der größeren Small Caps, weil der FTSE All World bereits 90% abdeckt.
    Ein ETF auf dem MSCI World ACWI (85%) hat das Problem nicht. Bei beiden entsteht aber die Schwierigkeit, dass man durch die Hinzunahme des World Small Cap wiederum die Emerging Markets insgesamt untergewichtet, weil der MSCI World Small Cap nur Developed Markets enthält.
    Um die Emerging Markets Small Caps zu erhöhen, bräuchte man einen MSCI EM IMI ETF. Nimmt man den zu den o.g. hinzu, würde man aber wiederum die EM Mid- und Large Caps übergewichten.

    Möchte man auch nur eine Annäherung an die Marktkapitalisierung erreichen, bräuchte man den Vanguard VT (den es in Deutschland nicht zu kaufen gibt) oder einen ETF auf den MSCI World ACWI IMI.
    Bei allen anderen mir bekannten ETF Kombinationen kommt es zu (unbeabsichtigten) Übergewichtungen in einzelnen Segmenten.

    Als Alternative zum Multifaktor-Investing kann ein Privatanleger einzelne Faktoren gezielt über Einzel-ETFs in seinem Portfolio übergewichten. Für nahezu jeden Faktor existieren entsprechende Einzel-ETFs. Dadurch steigen sowohl die erwartete Rendite als auch die Diversifikation.

    Sobald man mehrere ETFs kombiniert, entstehen oft ungewollte Klumpen. (s.o.)
    Fügt man bspw. einen MSCI World Small Caps hinzu, wird der USA Anteil nicht (nennenswert) reduziert (falls einen der überhaupt stört).
    Kombiniert man mehrere Faktor ETFs, klumpt es dann oft bei einzelnen Unternehmen, die in mehreren ETFs enthalten sind.


    Zum Thema Diversifikation möchte ich nur kurz daran erinnern, dass vor nicht allzu langer Zeit die ständige Diskussion war, ob ein MSCI World denn wirklich sein muss, oder ob man nicht doch besser nur in den S&P500 oder sogar nur den NASDAQ investieren sollte, weil dort die Renditen doch viel höher waren.

    Jetzt schreibt selbst der Spiegel (und andere Nicht-Finanz-Medien), dass der MSCI World der größte Fehler sei, den man als Anleger machen könnte (zugespitzt formuliert) und jetzt muss man unbedingt alles mögliche zusammenmischen.
    Dadurch entstehen aber oft (wie ich versucht habe zu zeigen) andere Dysbalancen.

    Innerhalb der Asset Klasse Aktien langfristig mit mehreren ETFs zu arbeiten sollte man sich gut überlegen.
    Wenn man Faktor Investing betreiben möchte, stehen auch 0,5% Gebühren eines Dimensional Fonds oder Kommer ETFs in keinem Verhältnis zu den langfristigen Kosten und Risiken, die man eingeht, wenn man sich da selbst irgendetwas zusammenbasteln möchte.

  • Wenn man Faktor Investing betreiben möchte, stehen auch 0,5% Gebühren eines Dimensional Fonds oder Kommer ETFs in keinem Verhältnis zu den langfristigen Kosten und Risiken, die man eingeht, wenn man sich da selbst irgendetwas zusammenbasteln möchte.

    Ich sehe das genauso. Und mit Multi-Faktor oder dem „Kommer“-Ansatz nichts anfangen kann, sollte meiner Meinung nach lieber bei einem ACWI IMI bleiben. Für mich gilt: KISS ist besser.

    Trotzdem möchte ich ab und zu auch andere Möglichkeiten aufzeigen. Wer heute einen MSCI World besitzt und unbedingt etwas beimischen möchte, etwa weil er ein Klumpenrisiko in den USA sieht, kann das Portfolio mit einem EM-ETF und einem SC-ETF ohne Überschneidungen diversifizieren. Ich finde das besser als Europa beizumischen, weil man dann wirklich Überschneidungen hat, die man in 20 Jahren vielleicht bereut.

    Ich persönlich bin eher in der Ecke „Steuern zahlen und mit einem ETF aufstellen“ oder ,,einfach laufen lassen". Aber das will nicht jeder. Und...alles geht halt nicht. In irgend einen sauren Apfel muss man beißen.


    (Anmerkung: Ich möchte nochmal betonen, dass ich den ACWI IMI oder FTSE ALL-World als Ein-ETF-Lösung als gleichwertige Alternative zum Kommer-ETF sehe).

  • Ich finde das besser als Europa beizumischen, weil man dann wirklich Überschneidungen hat, die man in 20 Jahren vielleicht bereut.

    Das Problem von allen Beimischungen ist ja, dass man die nach 20 Jahren mit vielen Schlagzeilen in den News und unzähligen Youtube Videos oder Podcasts voller Warnungen und Ideen immer noch genauso gut wie heute finden muss und nicht davon abweicht.
    (Nicht nur wegen dem Verlust der Steuerstundung, sondern wegen dem negativen Effekt von Performance Chasing, etc.)

    Das einzige Argument für eine bestimmte Europa Gewichtung, das ich bisher bedenkenswert fand, ist die (hier im Forum bereits diskutierte) Cederburg Studie.
    Cederburg hat ja einen positiven Effekt gefunden, wenn der Heimatmarkt mit ca. 30% gewichtet ist. (Ich bin mir nicht ganz sicher, warum das so ist, aber wahrscheinlich dämpft das etwas das Währungsrisiko. Für Deutschland wäre das für ihn nämlich nicht der DAX, sondern der Euro Stoxx 600).
    In seinen Interviews findet er aber auch 10-30% Gewichtung ok (damit wäre man innerhalb der Gewichtung eines ACWI IMI oder FTSE All World) und er selbst hält wiederum 50% USA.
    Tolerable Abweichungen von +/-20% zeigen vielleicht, dass man innerhalb des Assetklasse Aktien langfristig nicht zwingend mit Beimischungen von 10% herumspielen muss.

  • Das einzige Argument für eine bestimmte Europa Gewichtung, das ich bisher bedenkenswert fand, ist die (hier im Forum bereits diskutierte) Cederburg Studie.
    Cederburg hat ja einen positiven Effekt gefunden, wenn der Heimatmarkt mit ca. 30% gewichtet ist. (Ich bin mir nicht ganz sicher, warum das so ist, aber wahrscheinlich dämpft das etwas das Währungsrisiko. Für Deutschland wäre das für ihn nämlich nicht der DAX, sondern der Euro Stoxx 600).

    Soweit ich es richtig verstanden habe, bezieht sich Cederburg nur auf das Portfolio. Der durchschnittliche deutsche Privatanleger hat allerdings ohnehin schon durch sein Humankapital sowie Ansprüche aus GRV und bAV einen sehr hohen EUR-Anteil im Gesamtvermögen. Selbst bei hoher Sparrate dürfte man kaum unter 80 % kommen. Wenn man zudem eine Immobilie besitzt, wohl eher 95%. Wenn man dann auch das liquide Vermögen noch „übergewichtet“ in Europa anlegt, entstehen wieder ganz andere Risiken. Aber das ist nur meine Einschätzung. Vielleicht wurde das in der Studie ja bereits berücksichtigt.

  • Der durchschnittliche deutsche Privatanleger hat allerdings ohnehin schon durch sein Humankapital sowie Ansprüche aus GRV und bAV einen sehr hohen EUR-Anteil im Gesamtvermögen.

    Ich kann mit dieser Argumentation nichts anfangen. Ich lebe nun mal auch in der EU und gebe dort mein Geld aus. Ich plane auch nicht auszuwandern und hoffe das ich nicht vertrieben werde.

    Das $ Kurs Risiko sehe ich jeden Tag in meinem Depot. Und das ist erstmal real.

  • Ich kann mit dieser Argumentation nichts anfangen. Ich lebe nun mal auch in der EU und gebe dort mein Geld aus. Ich plane auch nicht auszuwandern und hoffe das ich nicht vertrieben werde.

    Das $ Kurs Risiko sehe ich jeden Tag in meinem Depot. Und das ist erstmal real.

    Ja, das liegt daran, dass Du nur die Risiken für real hältst, die Du sehen kannst. Du siehst aber nicht alle.

  • Das Problem von allen Beimischungen ist ja, dass man die nach 20 Jahren mit vielen Schlagzeilen in den News und unzähligen Youtube Videos oder Podcasts voller Warnungen und Ideen immer noch genauso gut wie heute finden muss und nicht davon abweicht

    Das, und das zentrale Problem ist: Was man beimischt, muss sowohl jetzt als auch in 20 Jahren objektiv dazu passen.

    Ende der 80er hätte man, um den damaligen Klumpen aufzulösen, der war nämlich Japan, bspw. Europa und USA beigemischt. Die Beimischung würde heute den (USA-)Klumpen nur noch verstärken …

  • Als zentrales Problem würde ich das nicht gerade bezeichnen.

    Ha, schon. Wenn man heute dem MSCI World einen ex-USA-ETF beimischt - wenn in 20 Jahren einer der ex-USA-Bestandteile der Klumpen ist, hat man mit der Beimischung eher was verschlimmbessert. Dann muss man wieder beimischen und dann wird es kompliziert.

    Dann bastelt man sich mit Regionen-ETFs seine eigene Gewichtung.

    Ja, das ist besser! So habe ich ein relatives großes Portfolio-Teil mit 5 Vanguard-Regionen-ETF 30/30/30/5/5 gewichtet.

  • Ich kann mit dieser Argumentation nichts anfangen. Ich lebe nun mal auch in der EU und gebe dort mein Geld aus. Ich plane auch nicht auszuwandern und hoffe das ich nicht vertrieben werde.

    Das $ Kurs Risiko sehe ich jeden Tag in meinem Depot. Und das ist erstmal real.

    Gerade weil man in der EU lebt, hier sein Geld ausgibt und nicht plant auszuwandern, halte ich es für sinnvoll, das liquide Vermögen (soweit kostengünstig und praktikabel) auch außerhalb der EU anzulegen und zu diversifizieren.

    Natürlich kann man argumentieren, dass man mit europäischen Aktien bereits global investiert ist, da diese Unternehmen weltweit produzieren und verkaufen. Das Rechtsraumrisiko und Standortrisiko bleibt meiner Meinung nach aber bestehen. Wenn der für einen relevante Rechtsraum über viele Jahrzehnte stagniert, trifft das einen auf mehreren Ebenen gleichzeitig: Arbeitsplatz, Altersvorsorge, Immobilie und Währung. Vor diesem Hintergrund fände ich es vorteilhaft, einen Großteil der liquiden Assets außerhalb Europas zu halten.

  • ...

    Ja, das ist besser! So habe ich ein relatives großes Portfolio-Teil mit 5 Vanguard-Regionen-ETF 30/30/30/5/5 gewichtet.

    Alles von Vanguard? Ist das nicht viel zu gefährlich? Stelle Dir mal vor, wenn die Leute von Vanguard damit plötzlich türmen und von Deinem Geld Gruppensexpartys in Brasilien veranstalten.X(

    Aber halt... Bist Du nicht derjenige mit diversen verschiedenen Depots, Strategien und Vermögen? Oder verwechsle ich das was?

  • Vor diesem Hintergrund fände ich es vorteilhaft, einen Großteil der liquiden Assets außerhalb Europas zu halten.

    Das sehen ich grundsätzlich auch so. Ob man jetzt aber bspw. 15% Euro Anteil im FTSE All World hat oder 25%, weil man noch 10% Euro Stoxx 600 seinem Portfolio beimischt, macht dann auch keinen so großen Unterschied...

  • Das sehen ich grundsätzlich auch so. Ob man jetzt aber bspw. 15% Euro Anteil im FTSE All World hat oder 25%, weil man noch 10% Euro Stoxx 600 seinem Portfolio beimischt, macht dann auch keinen so großen Unterschied...

    Das ist ein guter Punkt. Was mich persönlich an Kommer, Beck und Fuchs oft stört: Es wird zwar regelmäßig vor einer Überbewertung der USA gewarnt, gleichzeitig ist der USA-Anteil in ihren eigenen Portfolios aber kein Geheimnis. Alle sind mit rund 45-55 % in den USA investiert.

    Da stellt sich für mich die Frage, ob eine Reduktion um 10–15 Prozentpunkte wirklich der große Gamechanger ist, falls es global einmal richtig knallt.:/