Die Überlegung Kündigung (= weniger Geld sicher sofort ohne Aufwand) oder Widerruf (= Aufwand, Wartezeit, Unsicherheit mit der Aussicht auf mehr Geld) muss man immer machen. Wenn man die Daten so weit klar hat, dass man den Schaden abschätzen kann, und Erfahrungen mit dem Verhalten der Versicherungen hat, kann man sich eine Rechnung aufmachen, die auch die eigenen Bedürfnisse berücksichtigt.
Dabei kann z.B. herauskommen, dass ich auf mögliche 3000 € extra verzichte, dafür in 14 Tagen das Geld auf dem Konto habe und ohne Aufwand einen Haken daran machen kann. Weil ich so viel Geld habe, dass mir die Ruhe wichtiger ist. Oder weil ich so wenig Geld habe, dass ich lieber mit den 3000 € meine Kreditkartenschulden zurückzahle.
Das Problem bei der Abwägung ist, dass so gut wie nie geklagt wird und es noch viel seltener zu einem veröffentlichtem Urteil kommt. Die Versicherer lassen es nur zu einem Urteil kommen, wenn sie eine hohe Chance sehen, dass sie gewinnen. Zu 99 % kommt es entweder einfach direkt zu einem Angebot mit zu einer Zahlung in akzeptabler Höhe, zu einem außergerichtlichen Vergleich, zu einem gerichtlichen Vergleich und selbst wenn eine schon Verhandlung läuft, kann der Versicherer bei für ihn ungünstigen Verlauf immer noch mit einem Versäumnisurteil dafür sorgen, dass die Öffentlichkeit nichts davon erfährt.
Wenn du einen Anwalt gefragt hast, der keine eigenen praktischen Erfahrungen hat, denn hat er diese wenigen Urteile gelesen und sich seine Meinung gebildet mit etwa 50/50 Erfolgschance. Auf der Basis hat er dir abgeraten und dir dafür eine akzeptabel hohe Rechnung geschrieben. Oder deiner Rechtsschutzversicherung, denn hast du nur 150 € Selbstbeteiligung bezahlt (du wusstest hoffentlich, dass sie nach jedem Schaden kündigen können). Auf Basis der zur Verfügung stehenden Informationen hast du für dich eine vernünftige Entscheidung getroffen.
Wenn du dich statt dessen an einen spezialisierten Dienstleister für für Widersprüche gewendet hättest, denn hätte der mit höchster Wahrscheinlichkeit einen Widerspruch durchgezogen. Der Versicherer hätte sich auch darauf eingestellt und genau so viel mehr gezahlt, dass es sich für die drei Beteiligten lohnt.
Auch das wäre für dich nicht das Optimum gewesen, weil der Dienstleister lieber schnell viele Fälle macht , als sich in den einzelnen Fall reinzuknien und der Versicherer das weiß. Du hättest in dem Beispiel vielleicht 1000 € mehr bekommen und das hätte sich richtig gut angefühlt, weil du mit geringen Aufwand Geld für dich herausgeholt hast und dem Versicherer gezeigt hast, dass du nicht alles mit dir machen lässt. Dass du immer noch 2000 € zu wenig hattest, wirst du nie erfahren.