Einzelveranlagung

Wann sich Einzelveranlagung für Paare lohnt

Jörg Leine
Finanztip-Experte für Steuern

Das Wichtigste in Kürze

  • Wenn Verheiratete und eingetragene Lebenspartner eine gemeinsame Steu­er­er­klä­rung abgeben, zahlen sie meist insgesamt weniger Steuern.
  • Manchmal lohnt sich aber die Einzelveranlagung, bei der jeder Partner seine eigene Steu­er­er­klä­rung macht und einen Steuerbescheid erhält.
  • Zerstrittene Paare neigen dazu, wieder einzelne Erklärungen zu machen – trotz der höheren Steuern.

So gehst Du vor

  • Prüfe anhand dieses Ratgebers, ob bei Euch besondere Situationen bestehen, in denen ausnahmsweise die Einzelveranlagung die günstigere Alternative ist.

Bei Verheirateten ist es normal, dass sie gemeinsam eine Steu­er­er­klä­rung abgeben. Davon geht das Finanzamt standardmäßig aus; die Eheleute erhalten einen gemeinsamen Steuerbescheid. Auch wenn Ehegatten auf dem Hauptformular der Steu­er­er­klä­rung kein Kreuzchen bei Zu­sam­men­ver­an­la­gung setzen, nimmt das Finanzamt diese Form der Veranlagung vor.

Zu­sam­men­ver­an­la­gung ist meist günstiger

In den meisten Fällen ist die Zu­sam­men­ver­an­la­gung steuerlich günstiger. Insbesondere, wenn beide Ehegatten recht unterschiedlich viel verdienen. Denn bei der Zu­sam­men­ver­an­la­gung addiert das Finanzamt das Jahreseinkommen der Partner, halbiert den Betrag, ermittelt davon die Einkommensteuer und mutlipliziert diese mit zwei. Das führt wegen der Progression der Steuersätze in der Regel zu einem in der Summe niedrigeren Steuersatz.

Voraussetzung für die Zu­sam­men­ver­an­la­gung ist, dass beide Partner nicht dauernd getrennt leben. Das bedeutet nicht, dass die Eheleute oder eingetragenen Partner den gleichen im Melderegister eingetragenen Wohnsitz haben müssen. Beispielsweise kann einer der Partner aus beruflichen Gründen einen anderen Wohnsitz haben. Dies ist der Regelfall, wenn einer der Partner eine doppelte Haus­halts­füh­rung geltend macht.

Die Regeln für Ehegatten gelten auch für eingetragene Lebenspartner. Das Bundesverfassungsgericht hatte dies mit Beschluss vom 7. Mai 2013 (Az. 2 BvR 909/06) entschieden. 

Egal ob Lebens- oder Ehepartner – statt der standardmäßig vorgesehenen Zu­sam­men­ver­an­la­gung kann einer der Partner die Einzelveranlagung wählen. In den meisten Fällen passiert dies, wenn sich ein Paar zerstritten hat und die Ehe kurz vor dem Aus steht. Dabei wäre selbst im Trennungsjahr eine Zu­sam­men­ver­an­la­gung noch möglich.

Diese vier Veranlagungsvarianten sind bei Partnern möglich:

  1. Einzelveranlagung mit Grundtarif,
  2. Zu­sam­men­ver­an­la­gung mit Ehegattensplitting (Splittingtarif),
  3. Sondersplitting im Trennungsjahr und
  4. Verwitwetensplitting.

Wann lohnt sich die Einzelveranlagung?

In einigen Fallkonstellationen kann die Einzelveranlagung ausnahmsweise steuerlich vorteilhafter sein als die Zu­sam­men­ver­an­la­gung. Es lohnt sich dann also, wenn jeder seine eigene Steu­er­er­klä­rung macht. Hier die wichtigsten Beispiele:

Lohnersatzleistungen - Lohnersatzleistungen wie Kurz­arbeiter­geldAr­beits­lo­sen­geld oder Elterngeld sind zwar steuerfrei, erhöhen aber den Steuersatz für die zu versteuernden Einkünfte. Denn solche Einnahmen unterliegen dem Progressionsvorbehalt. Konsequenz: Werden beide Partner zusammen veranlagt, führen diese zu einer höheren Steuer. Verdient zum Beispiel einer der Eheleute sehr gut und erhält der andere coronabedingt lange Kurz­arbeiter­geld, spricht viel für getrennte Steu­er­er­klä­rungen.

Tipp: Ist absehbar, dass beispielsweise die schwangere Ehefrau nicht mehr arbeiten und Elterngeld beziehen wird, ist es sinnvoll, dass sie die Steuerklasse 3 (III) beantragt und der Ehemann die Steuerklasse 5 (V) erhält. Denn maßgeblich für die Berechnung des Elterngelds (auch für das Ar­beits­lo­sen­geld) ist das Nettogehalt der Frau, das dadurch höher ausfällt. Um davon zu profitieren, müssen werdende Eltern bereits spätestens sieben Monate vor Beginn des Mutterschutzes die Steuerklassen ändern lassen. Ein bisschen Vorplanung ist also notwendig.

Außergewöhnliche Belastungen - Hatte einer der Partner sehr hohe Krankheitskosten und der andere nicht, ist es möglich, dass ersterer alleine die Grenze der zumutbaren Belastung bei den außergewöhnlichen Belastungen überschreitet und die Kosten absetzen kann. Das Ehepaar hingegen könnte bei einer gemeinsamen Steu­er­er­klä­rung an dieser Grenze scheitern und ginge steuerlich leer aus. 

Abfindung - Die Abfindung kann nach der Fünftel-Regelung ermäßigt besteuert werden. Hat der eine Partner kaum weitere Einkünfte – im Gegensatz zum anderen gut verdienenden Partner –, dann kann ebenfalls die Einzelveranlagung insgesamt Steuern sparen.

Verlust - Weist einer der beiden Partner für das Steuerjahr einen Verlust aus, so würde dieser mit den positiven Einkünften des anderen verrechnet werden. Ihr könnt stattdessen aber die Einzelveranlagung beantragen und den Verlust in ein anderes Steuerjahr übertragen. Der andere Partner, der Einkünfte zu versteuern hat, kann dann in voller Höhe beispielsweise seine Kinderfreibeträge, Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen geltend machen.

Kirchgeld - Das Kirchgeld ist dann fällig, wenn einer der Partner konfessionslos ist und der schlechter verdienende Partner einer kirchensteuererhebenden Religionsgemeinschaft angehört. Bemessungsgrundlage hierfür ist das gemeinsam zu versteuernde Einkommen. Wählen beide die Einzelveranlagung, lässt sich dies verhindern.

Auslandseinkünfte - Wenn einer der beiden Partner ausländische Einkünfte hatte, dann könnte ebenfalls eine Einzelveranlagung sinnvoll sein.

Tipp: Kalkuliere mit einem Steuerprogramm

Mit einer Steuersoftware kannst Du simulieren, welches steuerliche Ergebnis bei den beiden Alternativen Einzel- und Zu­sam­men­ver­an­la­gung herauskommt. Falls Ihr als Paar mit zwei Einzelveranlagungen zusammengerechnet weniger Steuern zahlen würdet, dann solltet Ihr Euch für die Einzelveranlagungen entscheiden.

Wie kannst Du die Veranlagungsart ändern?

Die Einzelveranlagung ist gesetzlich geregelt in Paragraf 26a Einkommensteuergesetz. Dazu muss ein Partner auf der ersten Seite des Hauptvordrucks seiner Steu­er­er­klä­rung ein Kreuz bei „Einzelveranlagung“ setzen.

Die Wahl gilt dann für das betreffende Jahr. Sie kann nur noch geändert werden, solange der Steuerbescheid noch nicht bestandskräftig wurde. Von dieser Regelung gibt es einige Ausnahmen: Die Veranlagungsart kann später noch geändert werden, falls ein beide Partner betreffender Steuerbescheid aufgehoben, geändert oder berichtigt wird. Dazu müssen die Eheleute dem Finanzamt die neue Veranlagungsart bis zum Eintritt der Bestandskraft des Änderungs- oder Berichtigungsbescheids mitteilen.

Das Finanzamt akzeptiert diese Änderung allerdings nur dann, wenn die Partner dadurch auch wirklich sparen. Andernfalls macht es ohnehin keinen Sinn, außer einer der Partner wollte den anderen ärgern.

Helfer für die Steu­er­er­klä­rung

Welche Folgen hat die Einzelveranlagung?

Die Einzelveranlagung unterscheidet sich in einigen Punkten von der Zu­sam­men­ver­an­la­gung von Ehegatten oder Lebenspartnern. Die wichtigsten sind:

  • Bei der Einzelveranlagung gibt jeder Ehepartner oder Lebenspartner eine eigene Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung ab und erhält einen individuellen Steuerbescheid.
  • Die Einkommensteuer berechnet sich für jeden der beiden nach dem Grundtarif.
  • Jedem Partner werden vom Finanzamt die für Ledige üblichen Freibeträge, Pauschbeträge und Höchstbeträge gewährt. Schöpft einer der beiden seine Freibeträge nicht aus, kann der andere den nicht ausgeschöpften Teil nicht beanspruchen.
  • Jeder der Ehegatten beziehungsweise Lebenspartner schuldet nur die Einkommensteuer, die sich aus seinem Steuerbescheid ergibt.
  • Jeder der Partner gibt in seiner Ein­kom­men­steu­er­er­klä­rung nur die Einkünfte an, die er bezogen hat. Er kann nur die Werbungskosten oder Betriebsausgaben geltend machen, die ihm selbst entstanden sind.
  • Gemeinsame Einkünfte, beispielsweise Mieteinnahmen aus einer gemeinsam vermieteten Immobilie, werden jedem der beiden hälftig zugerechnet, sofern keine andere Aufteilung vereinbart wurde.
  • Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen und Steuerermäßigungen für Handwerkerleistungen oder haushaltsnahe Dienstleistungen werden demjenigen Ehegatten oder Lebenspartner zugerechnet, der sie bezahlt hat (§ 26a Abs. 2 Einkommensteuergesetz).
  • Die beiden können alternativ beantragen, dass ihnen die Sonderausgaben oder anderen oben genannten Aufwendungen jeweils zur Hälfte zugerechnet werden. Hierzu reicht ein „übereinstimmender“ Antrag, ein „gemeinsamer“ Antrag ist nicht notwendig. Das heißt, es reicht der Antrag des Partners, der die Kosten getragen hat.
  • Auch der Behinderten-Pauschbetrag eines Ehepartners kann hälftig aufgeteilt werden (Bundesfinanzhof, Urteil vom 20. Dezember 2017, Az. III R 2/17).
  • Die zumutbare Grenze für außergewöhnliche Belastungen wird nach der Höhe der jeweiligen Einkünfte errechnet. Das entspricht dem Prinzip der Individualbesteuerung.

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Autoren
Udo Reuß
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