Beiträge von sam51

    Schlechte Politik - in den Augen einer relevanten Anzahl der Bürger jedenfalls - der bisherigen Regierung und der bisherigen Parteien wird von Dir als Grund apodiktisch ausgeschlossen für das Phänomen, daß es im politischen Wettbewerb zu einer Partei-Neugründung kommt und diese binnen kurzer Zeit (parteiengeschichtlich gesehen) bei zig Wahlen derart reüssiert ... ?!

    Dazu passt eine aktuelle Forsa-Umfrage, nach der nur noch 4% (vier) der Befragten der SPD zutrauen, die Probleme in Deutschland zu lösen. Die CDU kommt auf beachtliche 17% bei dieser Umfrage.

    Hier wäre es spannend konkrete Statistiken zu sehen. Für den Facharzt bin ich bei dir. Da liegt man eigentlich immer im dreistelligen Bereich (Zahnarzt ausgenommen).

    Im hausarztlichen Bereich bin ich da nicht so sicher. Für eine einfache Untersuchung ohne Apparate werden nur gute 20€ fällig. Auch wenn ein bißchen was gemacht wird ist das meist überraschend günstig.

    Ich bekomme seit fast 40 Jahren Arztrechnungen und habe einen ganz guten Überblick über die Kreativität bei der Rechnungserstellung. Man erlebt da Überraschungen in beide Richtungen. Da sind Hausärzte und Zahnärzte nicht ausgenommen. Aber du hast recht, im Vergleich zu mancher Handwerkerrechnung ist da manches recht günstig.

    Wäre es dann nicht im Interesse beider, dass die versicherungsfremden Leistungen über Steuern finanziert werden?

    Ja, wäre es. Aber die Politik benutzt die Sozialversicherung gerne als Verschiebebahnhof. Man bürdet Kosten, die eigentlich aus Steuern zu bezahlen wären, der SV auf. Das macht man schon seit langem bei der Rentenversicherung und aktuell auch bei der GKV. Hier zahlen die Versicherten ca. 10 Mrd. jährlich für Transferleistungsempfänger, weil der Staat nur einen Teil der Kosten aus Steuermitteln tragen will.

    Aber letztlich ist das nur ein großer Topf, in den Steuern (nicht zweckgebunden) und SV-Beiträge (theoretisch zweckgebunden) gemeinsam fließen. Wenn das Geld nicht mehr reicht, erhöht man das, wo es den meisten Ertrag und am wenigsten Geschrei gibt. Wie das aussieht, kann man ja aktuell beobachten.

    In allen drei Szenarien hat der KVdR Versicherte Rentner das höchste Netto pro Monat zur Verfügung, gefolgt von der PKV.

    Die freiwillig gesetzlich versicherte Person hat die höchsten Abzüge und das geringste Nettoeinkommen, wobei im Rechenbeispiel der Unterschied PKV Rentner und freiwillig gesetzlich Versicherter Rentner gering ist - und bei starker Beitragssteigerung zum finanziellen Nachteil der PKV Versicherten kippen kann.

    Meine Ableitung daraus: PKV vs freiwillig versichert ist gebührenseitig auf gemeinsamer Augenhöhe - hier sind dann Leistungsinhalte der Versicherung und die Flexibilität bei der möglichen Tarifanpassung in der PKV (§ 204 VVG) als Vorteile zu betrachen - zumindest für mich.

    Deine Beispiele und die daraus resultierenden Ergebnisse halte ich für wenig aussagekräftig. Warum? Du triffst hier einige Annahmen. Wenn ich diese nur leicht verändere, kippt das Ergebnis in eine andere Richtung. So zahle ich z.B. als Rentner deutlich weniger als den angenommenen PKV-Beitrag und würde bei diesem Vergleich am besten abschneiden.

    Außerdem meine ich, dass bei der Kapitalentnahme ein Fehler vorliegt. Zu versteuern bzw. SV-pflichtig sind die Erträge, nicht die Entnahmen. Dein Beispiel wäre nur zutreffend, wenn es sich z.B. um Dividenden handeln würde. Das ist aber nicht sehr realistisch, da man für Dividenden i.H.v. 2000 EUR monatlich über ein Depot im Wert von ca. 1 Mio. EUR verfügen müsste.

    Was man allerdings sehr deutlich erkennen kann: der freiwillig GKV-Versicherte ist gekniffen. Wer also über der Beitragsbemessungsgrenze liegt oder bei selbständiger Tätigkeit in der GKV bleibt, wird stark benachteiligt. Und wie ich aus Gesprächen erfahren habe, wissen die meisten in Zukunft Betroffenen gar nichts davon, was zu einem bösen Erwachen führen dürfte.

    Wie geht das mit den vielen Rückstellungen, wenn doch die Ärzte so sehr von Einnahmen durch die PKV Patienten abhängen und ohne sie alle absaufen würden?

    Die Rückstellungen stammen aus dem vor einigen Jahren eingeführten 10%-igen gesetzlichen Beitragszuschlag sowie dem Anteil der Beiträge, die verzinst angelegt wurden. Um mal eine Zahl zu nennen: in meinem Fall beträgt der Anteil meines Monatsbeitrages aus Rückstellungen ca. 60%. Wenn ich also bspw. 1000 EUR monatlich zahlen müsste, reduziert sich der tatsächliche zu zahlende Betrag auf 400 EUR. Der Barwert meiner Rückstellungen dürfte bei ca. 150.000 EUR liegen.

    Was die Arzthonorare betrifft: in der PKV gibt es eben keine "kostenlos" Mitversicherten wie in der GKV. Daher kann die PKV deutlich mehr zahlen. Während z.B. bei mir jeder Arztbesuch fast immer in dreistelliger Höhe berechnet wird, gibt es für GKV-Patienten je nach Facharzt zwischen 30 und 80 EUR pro Quartal, ggf, zzgl. einiger anderer Leistungen, egal wie oft der Patient kommt. Und wenn das GKV-Quartalsbudget aufgebraucht ist, dann arbeitet der Arzt praktisch umsonst. Es wird zwar häufig aus Unkenntnis behauptet, für Privatpatienten könne der Arzt das 2,8-fache des "Kassensatzes" abrechnen. Das ist natürlich falsch, da Kassenleistungen nicht nach Gebührenordnung abgerechnet werden können. Insofern kann man davon ausgehen, dass ein Privatpatient im Vergleich zu einem Kassenpatienten mit gleichem Behandlungsbedarf mindestens das Zehnfache an Geld einbringt. Das ist der Grund, warum eine Praxis ohne Privatpatienten nicht wirtschaftlich zu betreiben ist.

    Für alle von jetzt auf sofort wird schwierig. Ich rechne aber damit, dass mittelfristig der Eintritt in die PKV deutlich erschwert werden wird. Und man Anreize zum freiwilligen Wechsel schaffen wird. Dass diese natürlich vor allem von der Gruppe der Älteren angenommen werden, die nach aktuellem Stand nicht mehr wechseln dürfen...

    Neben dem Hochsetzen der JAEG wäre natürlich das Abschaffen der Beihilfe-Konstruktion für die Beamten (immerhin 2/3 der PKV-Versicherten) ein wirksamer Hebel. Hier dürfte allerdings mit deutlichem Widerstand der Beamten-Lobby zu rechnen sein. Das maximal Erreichbare dürfte hier eine Änderung für neue Beamte sein. Bis es hier zu wirklichen Effekten käme, würden viele Jahre vergehen.

    Aber selbst wenn die PKV sofort abgeschafft würde, was ich nur für ein theoretisches Szenario halte, hätte es, außer der Befriedigung eines Neidkomplexes, keine signifikanten Auswirkungen auf die Finanzen der GKV. Es gäbe ein kleinen positiven Effekt dadurch, dass man PKV-Versicherte Berufstätige, die dann Höchstbeiträge zahlen müssten und wahrscheinlich auch weniger Kosten verursachen würden, hinzu bekäme. Dieser Effekt würde allerdings mehr als kompensiert durch die dann ehemals PKV-versicherten Rentner, die bei geringen Beiträgen in der KVdR ein hohes Kostenrisiko darstellen. Unterm Strich wäre wohl mit einem finanziell negativen Effekt für die GKV zu rechnen.

    Auch dürfte sich die Terminsituation nicht verbessern. Dann heißt es nicht mehr: "gesetzlich oder privat" bei der Terminvergabe, sondern: "Kasse oder Selbstzahler".

    Ich bin ja für den Einstieg für alle in die gesetzliche Krankenkasse ASOP. Der Stichtag 1.1.2027 wäre vermutlich kaum möglich.

    Jetzt fehlt nur noch ein Vorschlag, wie das rechtssicher umzusetzen wäre. Wenn ich als PKV-Versicherter also zwangsweise in die GKV, in meinem Falle in die KVdR, müsste, dann benötige ich die PKV nicht mehr. Also müsste dieser Vertrag aufgelöst werden und meine Altersrückstellung mir ausgezahlt werden, was entsprechend gesetzlich geregelt werden müsste. Gleiches gilt dann aber auch für alle anderen, ca. 10 Mio. PKV-Versicherte. Auch deren Altersrückstellungen, in der Summe mehr als 300 Mrd. EUR, wären fällig. Da diese nicht auf dem Konto der Versicherungen liegen, sondern zum größten Teil in Anleihen oder auch Immobilien angelegt sind, wäre das sicherlich eine spannende Herausforderung. Alternativ kann man natürlich auch beschließen, diese 300 Mrd. über einen längeren Zeitraum zu verflüssigen und als "GKV-Solidaritätsbeitrag" der GKV zuzuführen. Was allerdings einer Enteignung gleich käme.

    Die Annahme, dass die PKV im Alter teurer ist, beruht doch hauptsächlich auf der Annahme, dass der Eintritt in die KVdR möglich ist, oder? Falls man davon ausgeht, dass dies in 30 Jahren nicht mehr möglich ist und dann auch Kapitalerträge etc. zur Beitragsbemessung dazu zählen und somit der GKV-Maximalbeitrag gezahlt werden müsste, dann sähe das Ganze ja wieder anders aus. Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass die Regelung der KVdR die nächsten 30 Jahre so weiter läuft.

    Genau so ist es. Aktuell ist die KVdR sehr günstig. Da zahlt ein Rentner mit einer sehr guten Rente i.H.v. 3000 EUR nur ca. 260 EUR, ca. 8,75% der Rente. Da dürfte wohl kaum ein PKV-Mitglied in Rente drankommen. Man bekommt dort zwar auch einen Zuschuss von 8,75% auf die Rente. Bei einem günstigen PKV-Betrag i.H.v. 800 EUR bleiben dann immer noch 540 EUR selbst zu zahlen.

    Da aber davon auszugehen ist, dass die finanzielle Situation der GKV eher schlechter als besser werden wird, muss man hier mit der Kreativität der Politiker bei der Erschließung neuer Einnahmequellen rechnen. Aktuell wird ja schon gefordert, Kapitalerträge und Mieteinnahmen SV-pflichtig zu machen oder die kostenlose Mitversicherung von Ehepartnern abzuschaffen. 30 Jahre sind ein langer Zeitraum, da kann man schrittweise die Belastung immer höher schrauben. Und da kann es am Ende so aussehen, dass du "aus Gründen der Gerechtigkeit und Solidarität" als gesetzlich Versicherter mit hohen Alterseinkünften, bezogen auf das heutige Preisniveau, 1000 EUR oder mehr bezahlen musst.

    Du hast die Risiken der beiden Alternativen recht gut benannt. Bleibst du in der GKV, bist du den Unwägbarkeiten der Politik ausgesetzt. In der PKV hast du einen privaten Vertrag mit einem Unternehmen mit halbwegs klaren Konditionen. Ob du damit in Zukunft vor Eingriffen der Politik geschützt bist, ist jedoch nicht sicher.

    Ich bin fast 40 Jahre privat versichert. Für mich war das eine sehr gute Entscheidung. Das liegt im Wesentlichen daran, dass in den 80er/90er Jahren die Zinsen hoch waren und die Versicherung dadurch hohe Rückstellungen bilden konnte, so dass ich heute nicht wesentlich mehr zahle als ich in der KVdR zahlen würde. Bei dem heutigen Zinsniveau werden die Altersrückstellungen deutlich geringer ausfallen, entsprechend muss man Vorsorge treffen, was die Kosten erhöht. Eine Möglichkeit wäre z.B., die monatliche Ersparnis gegenüber dem GKV-Beitrag langfristig anzulegen. Dann ist die Chance groß, dass man sich die PKV auch im Alter wird leisten können.

    Was die Leistungen selbst angeht, sind aus meiner Sicht die Unterschiede zwischen GKV und PKV sehr deutlich. Das fängt schon damit an, dass man überhaupt die Möglichkeit hat, eine Leistung in Anspruch zu nehmen. In meiner Gegend, in Südhessen, ist praktisch kaum noch möglich, überhaupt einen Termin bei einem Augenarzt oder Hautarzt als GKV-Patient zu bekommen. Daher treten nicht wenige GKV-Versicherte in diesen Fachbereichen als Selbstzahler auf. Diese Kosten sowie IGEL-Leistungen und Zuzahlungen sind zum GKV-Beitrag zu addieren.

    Bisher wurden praktisch alle eingereichten Leistungen durch meine PKV übernommen. Wie ich allerdings von anderen privat Versicherten gehört habe, ist das nicht unbedingt bei jeder Versicherung der Fall. Ich muss mich wegen eines chronischen Leidens regelmäßig in einer Klinik ambulant behandeln lassen. Viele andere, die wegen der gleichen Symptomatik behandelt werden, bekommen die gleiche Rechnung wie ich. Allerdings berichten die immer wieder, dass Teile der Rechnung nicht übernommen werden, abhängig vom Versicherungsunternehmen. Die vertragliche Formulierung "100% Übernahme ambulanter Leistungen" ist offenbar interpretationsfähig. Das zum Thema "vertraglich abgesicherte Leistungen".

    Ob du nun in die PKV wechselt oder nicht, kannst nur du entscheiden. Der wesentliche Faktor ist eben, ob du dir die PKV auch im Alter wirst leisten können.

    Da wird also der Dauerbrenner von Roten und Grünen wieder mal hochgekocht. Mit der Begründung, dass man diese furchtbare Benachteiligung der Frauen endlich abschaffen will. Wenn das Ehegattensplitting abgeschafft wird, dann gehen wieder mehr Frauen arbeiten. Dümmer geht es wohl nicht.

    Sollten die das wirklich umsetzen, und zwar auch für bestehende Ehen, dann wird meine Frau einfach schon nächstes Jahr in Rente gehen. Sie verdient nämlich ganz gut und ich habe nur eine bescheidene Rente. In der Folge würde die Abschaffung des Splittings uns jeden Monat ca. 1100 EUR mehr an Steuern bescheren.

    Ich bin mal gespannt, bei welcher der nächsten Wahlen die SPD unter 5% bleibt. In BW hat es ja letztens schon fast geklappt.

    Wie hoch ist der Zuschuss zu Pflegeheimkosten?
    Die Höhe des Zuschusses richtet sich danach, wie lange bisher Leistungen der vollstationären Pflege in Anspruch genommen wurden, und steigt mit zunehmender Dauer des Heimaufenthalts. Je länger der Bewohnende in Einrichtungen der vollstationären Pflege lebt, desto geringer wird sein Eigenanteil.

    Danke für diese Information. Das war mir bisher so nicht bekannt. Ist allerdings auch ein wenig verwirrend in der Bezeichnung der Leistungen. Die Pflegekasse zahlt also, je nach Pflegegrad, einen Anteil an den Pflege- und Ausbildungskosten. Unabhängig vom Pflegegrad bleibt der Eigenanteil jedoch gleich. Seit 2024 übernimmt die Pflegekasse dann noch zusätzlich einen bestimmten, von der Aufenthaltsdauer abhängigen Prozentsatz des Eigenanteils. Das nennt sich dann "Leistungszuschuss".

    Allein ausreichen, um die Finanz- und Beitragsanstiegsprobleme der GKV zu lösen, dürft eine Effizienzsteigerung des Gesundheitssystems mit erheblicher bis hoher Wahrscheinlichkeit nicht. Als eine Stellschraube von mehreren im Maßnahmenbündel sollte (müßte) dies dennoch angegangen werden.

    Es gibt sicher viele Möglichkeiten, die Ausgaben zu begrenzen. Angefangen von der Abschaffung des Flatrate-Zugangs zur medizinischen Versorgung, z.B. durch das bereits vorgeschlagene Hausarztmodell bis hin zu der Frage, ob bestimmte, sehr lukrative Untersuchungen wie z.B. Herz-Katheter einen evidenten Nutzen haben. Dazu bedarf es jedoch kompetenter Gesundheitspolitiker. Was da bisher so am Start war, hatte wohl eher seine Wiederwahl und die damit verbundenen persönlichen Vorteile im Blick. Wer erinnert sich noch an Ulla "das steht mir doch zu" Schmidt oder die Koryphäen aus der jüngsten Vergangenheit wie Masken-Jens Spahn und Spritzen-Karl Lauterbach?

    Du wirst ja i.d.R. auch noch eine Rente erhalten. :rolleyes:
    Meine Mutter musste im letzten Jahr in ein Seniorenheim. Eigenanteil waren rund 3.200€. 2.000€ davon waren durch Ihre Rente + Witwenrente abgedeckt.
    1.200€ hätte Sie dann aus Ihren Ersparnissen dazu geben müssen. Und der Anteil den die Pflegekasse übernimmt steigt mit jedem verbrachten Jahr im Pflegeheim, bis nach 4 Jahren der Höchstsatz erreicht ist.

    Der Eigenanteil kann deutlich höher liegen, was im Wesentlichen durch den sog. Investitionsanteil bedingt ist. Für die Unterbringung meiner Mutter beträgt der Eigenanteil ca. 4300 EUR monatlich. Dieser ist dann durch Rente und Ersparnisse zu decken, bis die Ersparnisse auf aktuell 10.000 EUR (soll demnächst auf 15.000 EUR erhöht werden) abgeschmolzen sind. Danach übernimmt das Sozialamt den fehlenden Betrag.

    Soweit ich das übersehen kann, ist der von der Pflegekasse übernommene Betrag nur abhängig vom Pflegegrad, nicht von der Dauer des Aufenthaltes.

    Das ist doch Quatsch. Warum sollte man das verbieten. Das ist halt Marktwirtschaft.

    Nichts machen Politiker lieber, als in den Markt einzugreifen.

    Genau das ist eines der Probleme der GKV. Man könnte ja eine einheitliche Gebührenordnung etablieren und die unsägliche Budgetierung abschaffen

    Und dann wird es billiger? Die Vergütung ist doch jetzt schon lächerlich gering. Ein Arzt bekommt je nach Fachrichtung zwischen 30 und 80 EUR pro Quartal pro Patient, egal wie oft der kommt. Wenn heute alle Leistungen für GKV-Patienten nach der aktuellen GOÄ auch nur mit dem einfachen Satz abgerechnet würden, wäre die GKV morgen pleite. Ohne Privatpatienten und ohne die IGEL-Leistungen für GKV-Patienten ist kaum noch eine Praxis wirtschaftlich zu betreiben.

    Die durchschnittliche Verweildauer in einer Pflegeeinrichtung beträgt ca. 25 Monate. Das entspräche einem Eigenanteil von ca. 80.000 EUR. Wenn du allerdings Pech hast und eine entsprechende genetische Disposition, vegetierst du nach einem Schlaganfall mit halbseitiger Lähmung noch 15 Jahre im Heim vor dich hin. Selbst in der Familie erlebt.

    Aber keine Sorge. Wenn dein Vermögen aufgebraucht ist, heißt es: "Amt zahlt." Und da der Elternunterhalt in diesem Bereich faktisch abgeschafft ist, müssen deine Nachkommen, so ihr Jahreseinkommen 100 kEUR nicht übersteigt, nichts zahlen müssen. Kleiner Nachteil: das Erbe ist dann weg.

    Das würde total Sinn machen. Dann aber unabhängig vom Einkommen im Rahmen einer Kopfpauschale. Das würde die Verwaltung massiv vereinfachen, da das Einkommen nicht ermittelt werden muss. Höhere Einkommen zahlen höhere Steuern und beteiligen sich dadurch solidarisch an der Finanzierung.

    Was genau würde denn dann besser, wenn man alle zwangsweise in die GKV verfrachtet? Meinst du, man bekäme dann eher einen Facharzttermin? Natürlich nicht. Wer sich heute eine PKV leisten kann, würde sich dann zusätzlich versichern und der alte Zustand ist wieder hergestellt. Dann wäre die nächste Forderung Zusatzversicherungen zu verbieten. Dann zahlen die, die es können, eben aus der eigenen Tasche. Was dann, Behandlung gegen Bezahlung verbieten? Wo das hinführt, ist nicht schwer zu erkennen.

    Schon heute ist es so, dass sich immer mehr Ärzte den GKV-Wahnsinn nicht mehr antun wollen und nur noch privat behandeln. Und ein nicht unwesentlicher Teil der Patienten in diesen Privatpraxen sind GKV-Versicherte, die die Rechnung selbst zahlen.

    Ohne Zweifel führt ein Leben zu gesundheitlichen Risiken. Nur wo fängt man an und wo hört man auf. Ist jetzt der übergewichtige Nachbar von links 'gesünder' als der idealgewichtige kettenrauchende Nachbar von rechts?

    Eine Abgrenzung ist in den meisten Fällen in der Praxis nicht durchführbar. Sollen jetzt alle regelmäßig zur Gesundheitskontrolle? Ein solches System würde zu einer hohen Komplexität führen und die Kosten zusätzlich erhöhen. Es brächte keinen wirklichen Nutzen.

    Nach der Idee, Kapitalerträge und Mieteinnahmen SV-pflichtig zu machen, liegt nun der nächste Vorschlag auf dem Tisch, die Einnahmen der GKV zu erhöhen. Und auch hier ist der Unmut der Betroffenen lautstark zu vernehmen. Das Ursache des Problems ist klar: die Ausgaben der GKV übersteigen die Einnahmen. Nachdem die vergleichsweise moderaten Maßnahmen aus den vergangenen Jahren wie Beitragserhöhung und Leistungskürzung aktuell wohl nicht mehr ausreichen, um das Problem klein zu halten, muss jetzt ein großer Schluck aus der Pulle her. Und der dürfte vielen wehtun.

    Warum die Ausgaben permanent steigen, dürfte jedem klar sein:

    - ungünstige Demografie
    - verbesserte Medizin und damit einhergehend höhere Kosten
    - Zunahme von Zivilisationskrankheiten wie z.B. Adipositas
    - überproportional hoher Zustrom von Netto-Leistungsempfängern

    Angesichts des aktuellen Abbaus von meist gut bezahlten Industrie-Jobs ist auf der Einnahmeseite mit deutlichen Ausfällen zu rechnen.

    Was also soll die Politik machen? Einnahmen erhöhen, Ausgaben senken oder gar beides? Erhöht man die KV-Beiträge deutlich, z.B. auf 25%, dann ist nicht nur das Geschrei bei den Beitragszahlern groß, sondern die Lohnkosten werden so hoch, dass noch mehr Arbeitsplätze abgebaut werden. Also keine so gute Idee. Also sucht man sich alternative Einnahmequellen wie die bereits genannten. Auch der Vorschlag, der immer wieder gerne kommt, die PKV abzuschaffen, passt in dieses Schema. Nicht nur würden dann viele potentiell gute Risiken, die auch Höchstbeiträge zahlen, ins GKV-System kommen. Ich bin sicher, dass der mache Politiker dabei auf die Rücklagen der PKV-Versicherten i.H.v. mehr als 300 Mrd. EUR im Blick haben. Die könnte man vereinnahmen, oder besser gesagt enteignen, indem man die Aktion als solidarisch und gerecht betitelt. Dann hätte man für einige Jahre Ruhe. Was danach kommt, interessiert die aktuellen Politiker nicht mehr. Die Szenario dürfte aber aus einem einfachen Grunde wenig realistisch sein: ca. 2/3 der privat Versicherten sind Beamte. Da traut sich niemand ran.

    Auf der Ausgabenseite hat man auch nur eine begrenzte Anzahl von Möglichkeiten. Man kann die Leistungen kürzen oder Anzahl der Leistungsberechtigten einschränken. Letzteres dürfte sich in der aktuellen politischen Situation als schwierig erweisen. Ich erinnere hier nur an die Ausspruch von Friedrich Merz im Bundestagswahlkampf: "Die kommen hierher und lassen sich die Zähne machen und die Deutschen bekommen keine Termine." Das führte zu dem von den üblichen Truppen befeuerten Shitstorm. Da bleibt dann nur die Kürzung von Leistungen. Das könnte z.B. dazu führen, dass bestimmte teure Untersuchungsmethoden wie MRT nur noch in Einzelfällen übernommen werden und ansonsten selbst bezahlt werden müssen.

    Was wird also passieren? Da aus meiner Sicht wahrscheinlichste Szenario ist, dass man zwar zusätzliche Einnahmequellen finden wird, diese aber nicht ausreichen werden, um den Bedarf zu decken. Daher wird es zu massiven Leistungseinschränkungen in der GKV kommen. Wir werden uns dem Niveau in medizinischer Versorgung weniger entwickelter Ländern annähern. Spitzenmedizin wird man sich nur mit entsprechendem finanziellen Hintergrund leisten können. Die PKV wird bestehen bleiben, da sich gegen die Beamtenlobby eine Abschaffung nicht durchsetzen lassen wird.

    Anstatt erneuter Pauschalisierungen (wie 30% Eigenbeteiligung für alle) erachte ich es für sinnvoller stärker die Lebensweise der Menschen dabei zu berücksichtigen. Soll heißen: Selbstverschuldete Erkrankungen bzw. ungesunde Lebensweisen (Alkoholkonsum, Drogenkonsum (heutzutage bekanntlich en vogue), Nikotin, (starkes) Übergewicht usw.), die bekanntlich langfristig zu größern medizinischen Problemen und damit Behandlungsbedürftigkeit und -kosten einhergehen, auch entsprechend die Leute dann für heranzuziehen. Zur Zeit wird der gesund lebende im GKV System quasi gleich behandelt wie der ungesund lebende (von ggf. Wahltarifen mit geringem Umfang abgesehen). Das würde eben auch eine gesunde Lebensweise viel stärker honorieren.

    Das ist ein rationales Argument. Eine solche Einstufung ist aktuell sogar in anderen Bereichen üblich, sei es die BU-Versicherung oder die Kfz-Versicherung, sogar bei der PKV ist es so. Allerdings sprichst du mit dem Thema Übergewicht einen Bereich an, der in Deutschland offenbar ein Tabu darstellt. Ca. 60% der Deutschen sind übergewichtig. Wer vorschlägt, die Versicherungsbeiträge in der GKV nach BMI und Körperfettanteil festzulegen, dürfte sich einem gewaltigen Shitstorm der moralischen Entrüstung ausgesetzt sehen.

    Jedoch wäre es tatsächlich so, dass die Zurückführung auf Normalgewicht hohe Milliardenbeträge im Gesundheitswesen einsparen würde. Krankheitsbilder wie Diabetes Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder auch Gelenkprobleme, die in vielen Fällen durch Übergewicht bedingt sind, würden signifikant zurückgehen.

    Die Frage ist, ob der Arbeitgeber von Physics sich überhaupt an den Beiträgen zu der Betriebsrente beteiligt hat. Ich kenne solch hohen Betriebsrentenansprüche nur aus großen Konzernen, bei denen dann aber der Arbeitnehmer die Beiträge komplett alleine über eine Entgeltumwandlung aus dem Brutto gezahlt hat.

    In diesem Fall dürfte sich der Arbeitgeber zu 100% beteiligen. Es handelt sich sehr wahrscheinlich um eine Versorgungszusage eines größeren Arbeitgebers für Mitarbeiter aus dem mittleren Management. Finanziell bekommt man als Arbeitnehmer davon gar nichts mit, es gibt lediglich einmal jährlich eine Standmitteilung. Um solche Beträge zu erreichen, muss der Arbeitgeber zwischen 400 und 800 EUR monatlich einzahlen, abhängig von Zinsniveau. Vielen dieser Top-Firmen ist das inzwischen zu teuer geworden. Für Neu-Einstellungen wurden solche Luxus-Versorgungen schon vor Jahren eingestellt.