Autokauf: Ratenkredit oder Kaufpreis aus ETF entnehmen?

  • Hallo zusammen,


    es steht der Kauf eines Autos an. Nach gefühlt ewig langer Recherche habe ich nun das richtige Model gefunden und auch ein konkretes Angebot. Das Auto ist ein Leasingrückläufer, 3 Jahre alt – somit hat es den großen Wertverlust eines Neuwagen schon hinter sich.

    Das Auto kostet 27.000€ und soll die nächsten 6-8 Jahre von mir gefahren werden. Ich teile mir die Kosten im Laufe der Zeit mit meiner Freundin...


    Da ich weder meine ETFs noch meine Reserve auf dem Tagesgeldkonto anpacken wollte, habe ich mir ein Kreditangebot machen lassen. Ich wollte einen Kredit mit möglichst niedriger monatlicher Rate, kostenlosen Sondertilgungen und der Möglichkeit kostenlos den Restbetrag tilgen zu können. Den Kredit habe ich gefunden:

    25.000€

    ca. 6% Zinsen

    Laufzeit 8 Jahre

    Monatliche Rate: ca. 330€

    Mit den geplanten Sondertilgungen würde ich diesen aber in ca. 1,5 - 2 Jahren abbezahlen. Die lange Laufzeit habe ich nur gewählt, um die monatliche Rate niedrig zu halten, sollte etwas unvorhergesehenes passieren... Ich bin selbstständig und daher sehr vorsichtig mit großen monatlichen Ausgaben über einen längeren Zeitraum.

    Mit den Sondertilgungen würde ich in zwei Jahren auf ca. 1.500-2.000€ Zinsen kommen.


    Nun meine Frage: Wäre es doch sinnvoller das Geld aus einem meiner ETFs zu holen und das Auto damit zu bezahlen? Wie würdet ihr so etwas ausrechnen? Habe mich mit solchen Themen noch nicht viel beschäftigt – anscheinend wird es Zeit. ;)

    Den ETF würde ich über die 1,5-2 Jahre genau so wieder anfüttern, wie ich den Kredit bedienen würde...

    Die Aufteilung könnte sein: 20.000€ aus einem ETF und 7.000€ vom Tagesgeldkonto.


    Würde mich sehr über eure Meinungen/Ideen/Überlegungen freuen!

  • JohnDoe23

    Hat den Titel des Themas von „Ratenkredit oder Kaufpreis aus ETF entnehmen?“ zu „Autokauf: Ratenkredit oder Kaufpreis aus ETF entnehmen?“ geändert.
  • Bei einem Leasingrückläufer muss mit erhöhtem Reparaturbedarf gerechnet werden, wenn das Auto 5 bis 7 Jahre alt ist. Hast du das einkalkuliert?


    Als Selbständiger habe ich Kreditverpflichtungen immer gescheut wie der Teufel das Weihwasser und das war eine sinnvolle Einstellung.


    Wenn das Fahrzeug ganz oder teilweise betrieblich genutzt werden soll, ist die Kreditfinanzierung steuerlich keine gute Wahl.


    Der ETF muss ungefähr 8% Rendite p.a. vor Steuern bringen, um mehr zu erwirtschaften als der Kredit kostet. In Zeiten hoher Zinsen, Rezessionserwartungen, weltpolitischer Querelen und Unsicherheiten ist das eine sehr mutige Annahme.


    Die Schlüsse daraus darfst du selbst ziehen.

  • Hallo,


    ich würde das vorhandene Geld dafür nehmen und das Auto gleich bezahlen. Tagesgeld bis auf den Notgroschen verwenden, den Rest aus dem Depot entnehmen.


    Danach werden die 330 EUR der gesparten Kreditrate monatlich auf dem Tagesgeld angespart und in 8 Jahren ist auch wieder das Geld für ein neues Auto vorhanden.

    Die geplanten Sondertilgungen können dann nach Belieben auf das Tagesgeld oder ins Depot wandern.

  • Wäre es doch sinnvoller das Geld aus einem meiner ETFs zu holen und das Auto damit zu bezahlen?

    Meine Antwort wird die Koryphäen hier nicht gefallen aber ich würde das Geld aus dem ETF entnehmen.

    Gegenwärtig steht MSCI World auf ein All Time Hoch.


    Ferner könnte argumentiert werden, dass du nicht vernuftig budgetiert hast.


    Vllt solltest du deine Asset Allokation samt Notgroschen erneut überlegen.


    Ich weiß, dass ich untypisch hier unterwegs bin - ich habe ca ein Jahresgehalt als Reserve (kaputte Waschmaschine, neues Auto, Dachsanierung, usw usw)


    Meine Post ist als konstruktive Kritik gemeint - es ist nicht richtig u d auch nicht falsch - daher kann es bei Bedarf ignoriert werden.


    Ich wünsche dir gutes Gelingen und die Entscheidung die du letztendlich triffst ist werde falsch noch richtig - egal wie unsere Forumsfreunde argumentieren - es ist für Dich die richtige Entscheidung

  • Vielleicht kurz wie es dazu kam, dass ein neues Auto her muss, aber nicht darauf gespart wurde.

    Lange hat uns beiden (meiner Freundin) und mir der Steuerberater gesagt, dass ein Firmenleasing das beste sei. Bis 2019 hatten wir zwei geleaste Autos. 2019 haben wir nur noch ein Auto geleast und den Fuhrpark um Fahrräder ergänztet. Also schon mal unglaublich viel gespart. Nun sollte 2022 das neue Leasingauto kommen, ist es aber bis heute nicht und daher wurde der Vertrag storniert.


    Ich möchte nicht mehr leasen, da wir das Auto nicht so viel geschäftlich nutzen, dass es steuerlich große Vorteile bringt. Außerdem nervt das hin und her alle 3 Jahre und man gibt trotzdem gut 350€/Monat für die Leasingrate aus. Also mit weiteren Kosten fast 15.000€ in drei Jahren, dann gibt man ihn wieder ab und hat kein Auto mehr… Klar, hier kommen keine Reparaturen, aber alles in allem macht das für uns keinen Sinn mehr.


    Daher ist das jetzt der Start mit eigenem Auto… Sobald das Auto bezahlt ist, gehen 300€ monatlich auf ein extra Konto für Reparaturen, Service und irgendwann mal ein neues Auto…

  • Meine Antwort wird die Koryphäen hier nicht gefallen aber ich würde das Geld aus dem ETF entnehmen.

    Da muss ich Dich enttäuschen, ich würde sicherlich auch keinen Verbraucherkredit aufnehmen. Was nicht dem TG entnommen werden kann, sollte dem Depot entnommen werden.

    Der ETF muss ungefähr 8% Rendite p.a. vor Steuern bringen, um mehr zu erwirtschaften als der Kredit kostet. In Zeiten hoher Zinsen, Rezessionserwartungen, weltpolitischer Querelen und Unsicherheiten ist das eine sehr mutige Annahme.

    Genau das! ETFs sind eine tolle Altersvorsorge. Aber gehebelt mit einem teuren Kredit ist das reine Zockerei. Würde ich nicht machen.

  • Gleich noch eine Frage hinterher: (Bücher zum Thema sind schon im Warenkorb ;))

    Sagen wir ich habe in einen ETF 20.000€ einbezahlt und der steht aktuell bei 22.000€ und ich verkaufe. Dann hat der ETF für mich 2.000€.

    -1000€ Freibetrag -> Würde ich also auf 1.000€ ca. 25% Abgeltungssteuer bezahlen, also 250€?


    Ist die Rechnung so einfach?

  • Gleich noch eine Frage hinterher: (Bücher zum Thema sind schon im Warenkorb ;))

    Sagen wir ich habe in einen ETF 20.000€ einbezahlt und der steht aktuell bei 22.000€ und ich verkaufe. Dann hat der ETF für mich 2.000€.

    -1000€ Freibetrag -> Würde ich also auf 1.000€ ca. 25% Abgeltungssteuer bezahlen, also 250€?


    Ist die Rechnung so einfach?

    Nein

    (€2000 * 0,7) -€1000 = €400


    Steuer = 25% von €400


    Steuer = €100


    Grund TFS

    Teilfreistellung

  • Wenn die Zahlen so sind, ist die Rechnung so einfach, wobei auf die 25% noch der Solizuschlag aufgeschlagen wird. Ggf. auch noch Kirchensteuer, wobei dann die KESt etwas weniger als 25% beträgt.

    Edit: Stimmt, durch die Teilfreistellung reduziert sich die effektive Belastung.

  • Soll ich mich auf das Zinsdifferenzgeschäft einlassen oder nicht?


    Ich schau mal gerade in meine Kristallkugel und sage Dir ... Ahem, Tschuldigung, die ist heute leider trübe.


    Wenn ich aufs bisherige Jahr 2023 zurückschaue, darf ich sagen: Bisher wäre das Zinsdifferenzgeschäft gutgegangen. Ob es weiter gutgeht?


    Frage Deines Risikobewußtseins und der steuerlichen Situation. Gegen 6% nach Steuern ist schlecht anzustinken. Um pari herauszukommen, müßte die Alternativanlage 8% vor Steuern bringen. Wenn Du das Auto (und den Kredit) bei der Steuer ansetzen kannst, brauchst Du möglicherweise nur 5% von der Alternativanlage.


    Es kommt also darauf an.


    Ich würde vermutlich Geld vom Depot für das Auto nehmen und keinen Kredit. Aber das mag bei Dir anders aussehen. Du wirst das wohl selbst aus Deinen Zahlen heraus entscheiden müssen. :(

  • ... Wenn Du das Auto (und den Kredit) bei der Steuer ansetzen kannst, brauchst Du möglicherweise nur 5% von der Alternativanlage. ...

    Die Anschaffungskosten können so oder so abgeschrieben werden. Ob finanziert oder bar bezahlt ist egal. Die Finanzierungskosten werden kaum oder gar nicht geltend zu machen sein, wenn daneben noch Gelder renditebringend angelegt sind, Stichwort Zinsschranke, und dabei ist allein schon der dafür zu treibende Aufwand abschreckend.

  • Gegen 6% nach Steuern ist schlecht anzustinken. Um pari herauszukommen, müßte die Alternativanlage 8% vor Steuern bringen.

    ...

    Ich würde vermutlich Geld vom Depot für das Auto nehmen und keinen Kredit. Aber das mag bei Dir anders aussehen. Du wirst das wohl selbst aus Deinen Zahlen heraus entscheiden müssen. :(

    Genau das. Der Vergleich lautet anders formuliert: Sicher 6% einsacken oder lieber auf >8% wetten? Der Benefit liegt wohl gemerkt auch nur bei der möglichen Überrendite über 8%. Ich bin daher auch beim Verkauf des ETF (oder notfalls auch dem Nutzen des Notgroschens und flottem Wiederauffüllen) - und sage das als jemand, der selbst striktes "Buy-and-hold" praktiziert.

  • Die Finanzierungskosten werden kaum oder gar nicht geltend zu machen sein, wenn daneben noch Gelder renditebringend angelegt sind, Stichwort Zinsschranke, und dabei ist allein schon der dafür zu treibende Aufwand abschreckend.

    Die deutsche Steuerbürokratie denkt sich öfter mal was Neues aus, und ich werde keinem aktiven Selbständigen was über seine Steuer erzählen wollen.


    Aber wundern darf ich mich: Wenn ich auf der einen Seite Kapitalerträge versteuern muß, sollte im Sinne des Nettoprinzips gewerbliche Kreditzinsen steuerlich absetzbar sein, denn sie mindern ja den Ertrag. Wenn ich dazu die Unaussprechliche richtig verstehe (und die Info dort korrekt ist)


    Die Zinsaufwendungen ... sind als Betriebsausgabe abziehbar bis zur Höhe des im Unternehmen angefallenen Zinsertrages desselben Jahres, der darüber hinausgehende Nettozinsaufwand aber nur bis zur Höhe von 30 % des steuerpflichtigen Gewinns vor Zinsertrag.


    sollten die 6% auf 25 T€ (= 1500 €) unproblematisch als Zinsaufwendungen absetzbar sein (so das Unternehmen mehr als überschlägig 5 T€ Gewinn macht.


    Meine unmaßgebliche, unsteuerberaterliche, private Meinung.

  • Das größte Sparpotential liegt natürlich nicht in der Finanzierung, sondern im Auto an sich.


    Nun seid ihr von zweimal Leasingauto auf einmal Gebrauchtwagen plus Fahrrad schon riesige Schritte vorangekommen auf dem Weg zur Schonung (unter anderem) der eigenen finanziellen Ressourcen. Da wäre es absolut nachvollziehbar, wenn Du mir auf die folgenden Fragen antwortest, dass es irgendwann nun wirklich genug ist...


    27.000 € ist das Minimum für ein brauchbares Auto, für das man sich nicht schämen muss und bei dem man nicht bei jeder Fahrt und jedem Blick darauf schlechte Laune bekommt? 5.000 € weniger sind 5.000 € und 10.000 wären sogar 10.000 - jeweils steuerfrei. Stell Dir das mal als Stapel von 50-€-Scheinen vor.


    Bei unter 15.000 km und wenn ihr in der Stadt wohnt: Carsharing?

  • 27.000 € ist das Minimum für ein brauchbares Auto, für das man sich nicht schämen muss und bei dem man nicht bei jeder Fahrt und jedem Blick darauf schlechte Laune bekommt?

    "Nach gefühlt ewig langer Recherche ..." schreibt der TE, was vielleicht nach emotionaler Beziehung aussieht. Das Spektrum der Wünsche kann groß sein. Meinen Vorführwagen habe ich mit 4400 km zu 33 % Abschlag auf den Neupreis bekommen.

  • Dann erzähle ich lieber nicht was unsere Autos so kosten und in welcher Intervalle sie gewechselt werden.


    Um einen attraktiven Gebrauchtwagen-Markt zu haben muss es aber auch immer genug Käufer von Neuwagen geben bzw. diese in ausreichender Stückzahl lieferbar sein.

    Nicht umsonst sind die gebrachtwagen Preise gerade sehr hoch.

    Erst konnte vieles nicht geliefert werden (Corona/Lockdown) dazu kam die erste Verunsicherung (PHEV, BEV oder Verbrenner) und jetzt macht die Inflation die Haushaltskasse leer und Neuwagen noch teurer.

    Alles keine guten Indikatoren für einen guten Gebrachtwagen Markt.

    Die ersten Experten gehen davon aus das es die Preise von früher nicht wieder kommen werden und die aktuellen der neue Durschnitt werden könnte.


    Ich finde wenn jemand sich das leisten möchte und auch kann solle er das auch machen.

    Ich sage ja auch nicht zu anderen das er auch Urlaub auf dem Balkon machen sollte weil das tausende Euro im Jahr spart oder sich ab sofort nur noch von Dosenravioli und Toastbrot ernähren soll weil das deutlich günstiger ist und auch satt macht ;)