ETF: Ausschütter, warum auf thesaurer wechseln?

  • Hallo Zusammen,

    Im Artikel https://www.finanztip.de/daily…ne-etf-strategie-aendern/
    wurde behauptet:
    "Wenn Du in einen Ausschütter investiert hast: Stell Deinen ETF-Sparplan auf einen thesaurierenden ETF um,.."
    Warum sollte ich das machen und unter welchen Voraussetzungen?
    Gilt https://www.finanztip.de/daily…o-kommt-mehr-gewinn-raus/
    nicht mehr? Hier hat ein Ausschütter mit kostenloser Wiederanlage am besten abgeschnitten.
    Grüße Peter

  • Aus meiner Sicht geht es nur darum, dass man jetzt schon zeitiger auf den Thesaurierer wechseln kann, da es mittlerweile im Tagesgeld, sowie beim Thesaurier (Vorabpauschale) Möglichkeiten gibt den Freibetrag zu nutzen. In den Nullzinszeiten hatte man ja nur die Ausschüttungen.


    Die Ausführungen betreffen daher nur die Leute, welche den Ausschütter nutzen wollten, um den Freibetrag auszuschöpfen und dann auf einen Thesaurier wechseln wollen.

  • Dieser Vergleich gilt nur, wenn du mit dem Thesaurierer den Sparerpauschalbetrag nicht nutzt. Dann schneidet ein Ausschütter mit manueller Wiederanlage minimal besser ab. Nutzt du allerdings den Sparerpauschalbetrag auch mit einem Thesaurierer, z.B. durch "Rollen" oder durch Zinseinkünfte auf deinem TG-Konto, schneidet natürlich der Thesaurierer besser ab. Ist ja logisch, da du dann weniger Steuern während der Ansparphase zahlen musst.

  • Ich nehme an du hast die beiden verlinkten Artikel gelesen. Dann weißt du dass es bei der ganzen Optimierung letztlich darum geht beides zu erreichen:

    1) Den Sparerpauschbetrag von 1000€ p.a. auszunutzen

    2) Steuerstundung zu betreiben und währenddessen vom Zinseszins zu profitieren


    Der Sparerpauschbetrag gilt für alle Kapitalerträge, die du im Laufe eines Jahres hast. Hinzu kommen noch die Vorabpauschalen deiner ETF's, die eine Art 'imaginäre Kapitalerträge' sind.


    Der Unterschied zwischen den beiden Artikeln besteht darin, dass sie zu zwei verschiedenen Zeitpunkten mit unterschiedlich hohem Zinsniveaus entstanden sind.


    Bei hohen Zinsen im Vergleich zu niedrigen sind nämlich 1. die Vorabpauschalen höher und 2. die Kapitalerträge deiner sicheren Anlage auf Tagesgeld und Co höher.


    Insgesamt ist also der Sparerpauschbetrag bei hohen Zinsen deutlich schneller ausgeschöpft und der Vorteil von thesaurierenden ETF's wirkt nun ebenfalls schneller. Diese liegt nämlich trotz Vorabpauschale in dem Steuerstundungseffekt.


    Wo genau nun das Optimum zwischen ausschüttenden und thesaurierenden ETF's liegt, könntest du dir natürlich für deinen individuellen Fall für ein Jahr ausrechnen. Wichtig ist, dass sich dieses Verhältnis je nach Zinsen, ausgeschütten Dividenden und Kursverläufen deiner Aktienfonds Jahr für Jahr ändert.


    Noch wichtiger als die optimale Wahl zwischen 'Ausschüttern' und 'Thesaurierern' ist, dass Erträge reinvestiert werden. Genau das sieht man auch wunderbar in dem zweiten von dir verlinkten Artikel.


    Wie gesagt, für eine genaue Antwort müsste man jetzt deinen konkreten Fall nachhrechnen. Meines Erachtens machst du jedoch mit der automatischen Wiederanlage auf jeden Fall nichts falsch!


    Ich hoffe ich konnte dir ein wenig helfen :)

  • Ich glaube, ich habe es verstanden:
    Beim Ausschütter zieht man die Versteuerung vor/macht sie sofort, indem Sie im Jahr der Ausschüttung durchgeführt wird. Wenn man einen ungenutzen Freibetrag hat, dann bekommt man die Aussschüttung steuerfrei.
    Wenn aber die Zinsen (oder die Ausschüttung aufgrund des Vermögens) so groß ist, dass man den Freisteller mit z.B. Tagesgeld bereits voll ausreizt, hat man von der "vorgezogenen/sofortigen" Besteuerung nichts, dann ist es besser, die Steuern am Schluss zu zahlen und dafür die Zinsen auf die Steuerschuldung / erste später gezahlten Steuern über die Jahre mitzunehmen.
    Beim Ausschütter zahlt man jetzt die Steuren und etwas weniger Vorabpauschale,
    Beim Thesaurer zahlt man etwas mehr Vorabpauschale, dafür die Steuern später.
    Okay, da ich die Ausschütter automatisch wieder anlegen, bleibe ich einfach dabei.
    Danke Euch allen, hat mir sehr geholfen!

  • Selber thesaurieren, dann kann man zur Not auch mal nicht thesaurieren.

    Das geht nur mit Ausschüttern und somit hat man damit mehr Optionen. Diese „Freiheit“ wird durch eine etwas schlechter Steuerstundung bezahlt. Ich bin gerne frei und lasse mir durch Steuernsparen nichts diktieren.


    Aber jeder wie er mag. Beide Formen der Ertragsverwendung haben ihre Anhänger und auch ihre Berechtigung.


    Mir ist kein Fall bekannt das jemand verhungert ist weil er sich für die Dividendenverwendung seiner Fonds falsch entscheiden hat.

  • Der Ausschütter muss ja nicht zwingend voll ausgereizt werden, also bis zur maximal Freistellung von 1000/2000 €

    Bei 2 % Jährlichen Ausschüttungen Wäre die Grenze halt bei ca. 50.000 €, sehr grob überschlagen und Teilfreistellung, Wertentwicklung etc mal außen vor.


    Hast du die Hälfte, also 25.000 € in einem Auschütter mit 2 % dürften immer noch gute 600€ der 1000 € für andere Steuerrelevanten Gewinne übrig sein.


    Meine Basis steckt auch im Auschütter um flexibler zu sein.

    Dieser wird aber schon länger nicht mehr Bespart und die Sparrate incl. der Ausschüttungen wandern in einen Thesaurierer.

    In ca. 5 Jahren wandert beides (Sparrate und Ausschüttungen) dann in den nächsten Thesaurierer welcher als erstes im Alter entspannt wird zusammen mit der (automatischen) Rente des Auschütters. Entsprechend muss ich weniger verkaufen um auf die gleiche Sumne zu kommen, das Kapital der beiden Thesaurierer arbeitet also länger.

    Erst zum Schluss wird die Basis, also der Ausschütter wieder verkauft, hat seine Schuldigkeit dann aber (hoffentlich) getan und über Jahrzehnte, und ohne Aufwand, steuerfreie Zahlungen generiert sofern die Steuergesetze sich nicht ändern und es mit dem FSA passt.


    Aber auch das ist nur eine (meine) Möglichkeiten von vielen.

  • Selber thesaurieren, dann kann man zur Not auch mal nicht thesaurieren.

    Das geht nur mit Ausschüttern und somit hat man damit mehr Optionen. Diese „Freiheit“ wird durch eine etwas schlechter Steuerstundung bezahlt. Ich bin gerne frei und lasse mir durch Steuernsparen nichts diktieren.

    Und wer weiß, wofür es gut ist - vielleicht müssen ja in 10 Jahren alle Kapitalerträge mit dem persönlichen Steuersatz besteuert werden, dann ist man froh über jede Ausschüttung, die man noch mit 26,x% Kapitalertragsteuer versteuern durfte. ;)


    Manchmal ändern sich die Rahmenbedingungen (wie eben auch jetzt mit der Zinswende). Finanztip und andere Ratgeber neigen dann manchmal dazu, da ein größeres Fass aufzumachen als notwendig, was viele Leute dann verunsichert - „Letztes Jahr haben sie noch empfohlen nur Ausschütter, jetzt auf einmal Thesaurierer, was mache ich denn jetzt?“


    Aber so richtig kriegsentscheidend ist das alles nicht. Wir haben mit einem Ausschütter mit automatischer Wiederanlage angefangen und bleiben jetzt auch dabei (obwohl wir den Freibetrag absehbar überschreiten werden).

  • Selber thesaurieren, dann kann man zur Not auch mal nicht thesaurieren.

    Das geht nur mit Ausschüttern und somit hat man damit mehr Optionen. Diese „Freiheit“ wird durch eine etwas schlechter Steuerstundung bezahlt. Ich bin gerne frei und lasse mir durch Steuernsparen nichts diktieren


    Und wer weiß, wofür es gut ist - vielleicht müssen ja in 10 Jahren alle Kapitalerträge mit dem persönlichen Steuersatz besteuert werden, dann ist man froh über jede Ausschüttung, die man noch mit 26,x% Kapitalertragsteuer versteuern durfte. ;)

    Aber kann man das nicht auch umgedreht betrachten? Mit einem Thesaurierer ist man frei jederzeit „auszuschütten“ (verkaufen) wann man möchte, also auch jedes Jahr, jedes Quartal, wie auch immer. Genauso regelmäßig wie ein Ausschütter, man ist aber flexibler. Der einzige Unterschied ist, dass diese Ausschüttungen nicht automatisiert und damit nicht erzwungen sind. Aus meiner Sicht hat man damit mehr Optionen als mit einem Ausschütter. Ob man es dann wirklich so macht und jedes Jahr Anteile rollt ist die eigene Entscheidung.


    Ich will damit nur sagen, dass es auf die Perspektive ankommt. Es ist zu großen Teilen ein psychologisches „Problem“. Und da tickt Jeder anders. Manche fahren in der Praxis mit der einen Variante, manche mit der anderen besser. Und viele verteidigen natürlich ihre eigene Strategie tendenziell. Dabei gibt es aus meiner Sicht wenig Grund ein großes Ding daraus zu machen.

  • Ich will damit nur sagen, dass es auf die Perspektive ankommt. Es ist zu großen Teilen ein psychologisches „Problem“.

    Genau das! In den ganzen Investmentpornvideos auf Youtube wird immer irgendwas von einer metaphysisch anmutenden "Substanz" erzählt, an die man ranmüsste, wenn es keine automatischen Ausschüttungen gibt. Was immer auch das genau sein soll? Diese Differenzierung zwischen einem sogenannten Substanzvermögen und Dividendenausschüttungen existiert halt nur im Kopf der jeweiligen Anleger, aber wenn es hilft zu investieren, soll man es ruhig so angehen.

  • Ich will damit nur sagen, dass es auf die Perspektive ankommt. Es ist zu großen Teilen ein psychologisches „Problem“. Und da tickt Jeder anders. Manche fahren in der Praxis mit der einen Variante, manche mit der anderen besser. Und viele verteidigen natürlich ihre eigene Strategie tendenziell. Dabei gibt es aus meiner Sicht wenig Grund ein großes Ding daraus zu machen.

    Das sehe ich genauso. Viel entscheidender als solche Detailfragen ist es, dass man überhaupt anfängt und dabei bleibt (mit welcher Methode das für einen selbst eben am besten funktioniert).

  • Das sehe ich genauso. Viel entscheidender als solche Detailfragen ist es, dass man überhaupt anfängt und dabei bleibt (mit welcher Methode das für einen selbst eben am besten funktioniert).

    Ganz genau!


    Da ist es aus meiner Sicht allerdings schon eine entscheidende Frage, ob „Neulingen“, die beispielsweise hier im Forum eine Frage in die Richtung stellen, nicht besser gedient wäre, wenn sie eine Antwort kriegen würden, auf die sich die gestandeneren Foristen entweder einigen könnten, oder die zumindest von Anfang an ausgewogen ist, sodass nicht in jedem Thread zu dem Thema erneut die Meta-Diskussion Ausschütter vs Thesaurierer entsteht. Nur meine persönliche Meinung als jemand, der selbst noch nicht so lange hier dabei ist, aber das so beobachtet hat.


    Also: kann man sich darauf einigen bei dem Thema beispielsweise (!) zu sagen: „fang mal mit einem Thesaurierer an, weil es das [da dürften wir uns alle einig sein] langfristig schlimmste wäre, Dividenden nicht wieder anzulegen, oder nimm einen Ausschütter, wenn dich das mehr motiviert überhaupt anzufangen oder weiter zu machen“?


    Nur so als Anregung. Natürlich lässt sich das auch auf andere Themen übertragen, bei denen eben Meinungen aufeinander prallen. Ich glaub ebenso wie Finanztip und Co manchen Laien etwas mit den immer neuen Optimierungen überfordern, werden sie auch von der Vielzahl von Antworten und Meinungen überfordert. Ob sich das mit dem Medium „Forum“, in dem Jeder frei schreiben kann, grundlegend bewerkstelligen lässt weiß ich aber nicht. Trotzdem mal als Anmerkung nebenbei, weil es mir wie gesagt bei dem Thema speziell aufgefallen ist in letzter Zeit.