Auszahlung ETF im Alter

  • Hallo,

    ich bin 61 Jahre alt und habe seit ca 15 Jahren in ETFs, Aktien, Festgeld und ein wenig in OPtionsscheine investiert. Nun bin ich mit der Rendite sehr zufrieden. Ich habe einiges erspart. Da meine Ruhephase der Altersteilzeit im April/2027 beginnt, möchte ich eine Anschaffung tätigen, die ca 70 - 80 kEUR kosten wird. Was muss ich beachten, damit ich für die Auszahlung möglichst wenig Steuen zahlen muss? Ist es von Vorteil, wenn ich die Auszahlung auf mehrere Teilbeträge aufteile?
    Viele Grüße, Ralf

  • Du kannst das gesamte Depot bis auf 70–80 k Euro kostenfrei und steuerneutral auf ein anderes Depot, das auf deinen Namen läuft, übertragen und anschließend die 70–80 k verkaufen. Dabei verkaufst du neuere (und wahrscheinlich teurere) Anteile. Das senkt den realisierten Gewinn und damit die Steuerlast. Zumindest vorübergehend. ,,Sparen" wirst du am Ende nur den Steuerstundungseffekt.

    Wenn du ein geringes Einkommen hast (persönlicher Steuersatz unter 25%) und die Börse mitspielt, kann man den Verkauf außerdem auf mehrere Kalenderjahre aufteilen und sich einen Teil der Kapitalertragsteuer „zurückholen“.

    Wenn die Märkte allerdings nicht mitspielen, kann diese Strategie teuer werden.

  • Was muss ich beachten, damit ich für die Auszahlung möglichst wenig Steuen zahlen muss?

    Dazu müsstest Du genau wissen wann Du was gekauft hast und wie hoch die (Kurs)Gewinne auf den einzelnen Kauftranchen sind. Bei Fonds/Fonds kommt je nach Aktienanteil des Fonds noch eine Teilfreistellung auf die Kursgewinne zum tragen.
    Gibt es Altbestände, die vor 2009 gekauft wurden?
    Generell gilt beim Verkauf das FiFo-Prinzip, dass sich aber auch umgehen lässt.
    Ich würde aber weniger über die Steuer nachdenken als vielmehr, ob ich die anstehenden Verkäufe nicht zu einer Aufräumaktion im Depot nutzen würde.

    Selbst mit 61 hast Du locker noch einen Anlagehorizont von 20 Jahren vor Dir.

  • Danke für die schnellen Antworten. Gibt es eine Möglichkeit die Einzahlungen/Käufe über die Zeitachse von Anfang bis heute anzuzeigen? Bin bei der ING und dabei einen Teil auf ein anderes Depot zu übertragen.

  • Danke für die schnellen Antworten. Gibt es eine Möglichkeit die Einzahlungen/Käufe über die Zeitachse von Anfang bis heute anzuzeigen?

    Keine Ahnung, ob die ING das anbietet (ich denke aber nicht). Um welche Anzahl von Transaktionen handelt es sich denn? Wenn es nicht zu viele Transaktionen sind, könnte man dass Anhand der Wertpapierabrechnungen nachträglich erfassen. :/
    Ich tracke meine Käufe/Verkäufe von Anfang an in Excel.

  • Ich würde mir darüber keinen großen Kopf machen. Wenn du seit 15 Jahren regelmäßig in breite ETFs (sind sie das?) anlegst und wir heute knapp unter dem All-Time-High stehen, gibt es eigentlich kein Szenario, in dem die zuerst erworbenen Anteile teurer waren als die kürzlich gekauften.

    Außer natürlich, du hast zwischendurch wild gehandelt, den Corona-Knick unglücklich erwischt oder willst es hundertprozentig genau machen und beim mehrfachen Umschichten gezielt die teuersten Anteile herausfischen. Das wäre mir persönlich zu aufwendig. Wie gesagt: Steuern spart man keine. Die zahlt man am Ende sowieso. Man hat einen kleinen Steuerstundungseffekt. Und der kann bei Änderungen in der Steuergesetzgebung schnell verpuffen.

    Ich bin da bei monstermania: Vielleicht ist das ein guter Zeitpunkt „Unerwünschtes“ (z. B. Einzelaktien) rauszuwerfen und das Depot insgesamt sauber aufzustellen. Aus steuerlichen Gründen irgendwelche Tricks anzuwenden, geht oft schief. Wenn der Markt in den zwei Wochen, in denen die Anteile umziehen, einbricht, zahlst du am Ende schnell drauf.

  • Gibt es eine Möglichkeit die Einzahlungen/Käufe über die Zeitachse von Anfang bis heute anzuzeigen? Bin bei der ING

    Das geht im Online-Banking, wenn man ein bestimmtes Wertpapier anklickt, unter „Bestandstdetails“. Da gibt es sogar einen Eintrag „Altbestand“.

    Ich habe aber auch einmal ein vom Kundendienst ein komplettes PDF bekommen, da ging es um die Einstandskurse nach einem Depotübertrag von der Comdirect.

    Frag doch mal beim Kundendienst nach!

  • und wenn du ein paar hundert Euro Steuern mehr bezahlst

    Wenn es nur so wenig wäre. Das muss man sich halt ausrechnen und dabei auch die bisher u.U. noch nie angerechnete Vorabpauschale beachten.

    Aber bei 69,90€ Verkaufskosten für 80k€ Depotwert (falls die ING den Verkauf als eine Transaktion wertet) sind auch ein paar Tausender (wenn schon nur 50% Gewinn auf die zu verkaufenden Anteile aufgelaufen sein solllte) fast weider egal.