Ein KISS von Irving – Zielpfad: 5 auf 20 Mio €

  • Ich glaube, du hast den Kern meines Threads verfehlt.

    Das glaube ich nicht. Themen in einem Forum sind allerdings kein Wunschkonzert.


    Mir geht es nicht um den Vergleich einzelner Fonds, sondern um einen konsequenten Ein-ETF-Ansatz. Ich setze diesen mit dem Gerd-Kommer-ETF um, andere wählen den ACWI IMI oder den FTSE All-World. Alles valide Optionen.
    Den KISS-Ansatz allein deshalb abzulehnen, weil es in Zukunft vielleicht die Verlockungen eines besseren Fonds geben könnte, überzeugt mich nicht Warum sollte ein Mehr-ETF-Ansatz hier überlegen sein oder das Risiko reduzieren? Ehrlich gesagt erschließt sich mir nicht, worauf du hinauswillst.

    Ich habe den Kommer ETF mit keinem Wort kritisiert oder in Frage gestellt. Aber Du selbst hast bereits geschrieben, dass Du nicht weißt, ob Du den langfristig behalten wirst. Scroll nur ein wenig zu Deiner letzten Aussage. Ich behaupte, Du bist gefährdet.

  • Dass Du meine Frage nicht beantwortest, macht Deine Darstellung nicht überzeugender. Magst Du den Wahrheiten nicht ins Gesicht sehen oder sind es keine Wahrheiten?

    Ich würde diesen Thread und die vom Pseudonym Irving präsentierte Story ohnehin nicht ernst i. S. v. für bare Münze nehmen. In der Geschichte sind bedenkenswerte Gedanken und manche Überlegungen teile ich durchaus … aber alles in allem halte ich das alles für zu lehrbuchmäßig aus dem Kleinen Handbuch des hyperrationalen Anlegers und die Vorgeschichte des Pseudonyms mit plötzlichem Verschwinden ins Ausland und Monate später den Auftauchen in dem Moment, als sich Achim Weiss verabschiedet hat, für suspekt. Ich halte Person und Story für fiktiv und das Ganze für einen Prank.

  • Von den Ausschüttungen bestreitet ihr euren Alltag? Keine Wiederanlage?
    Wer von Gehalt, Rente, Miete etc. leben kann, braucht doch keinen Ausschütter. Oder spricht noch was dafür?
    Ob einmal im Jahr die VAP ein größerer oder keiner/kleinerer Batzen ist, wäre mir egal.

    Der Ausschütter hat den Vorteil, dass man im Januar deutlich weniger Geld für die Steuer auf die Vorabpauschale vorhalten muss. Bei einem Thesaurierer sind das schnell 15-20 Tausend Euro, die im Januar anfallen würden.

    Außerdem könnten wir theoretisch völlig ohne Verkäufe allein von den Ausschüttungen leben. Es gibt zudem einen kleinen steuerlichen Vorteil gegenüber dem Thesaurierer, aber das ist nicht der Hauptgrund.

    Momentan geben wir die Ausschüttungen aus. Wir könnten theoretisch noch deutlich mehr entnehmen oder sogar beide aufhören zu arbeiten. Wir arbeiten allerdings gerne und möchten das noch lange tun, wenn es gesundheitlich möglich ist.

  • Zitat

    Irving Du schriebst: Unsere zweite Wahl wäre ein ETF auf den MSCI ACWI IMI oder den FTSE All-World gewesen. Beide eignen sich meiner Meinung nach ebenfalls sehr gut für eine KISS-Strategie. Ich werde im Laufe des Threads mehrfach Vergleiche ziehen und die Unterschiede aufzeigen.

    Da würde mich tatsächlich Deine Einschätzung interessieren, immerhin ist der Kommer-ETF mit TER 0,45% p. a. recht kostenintensiv und mit gerade mal 2,5 Jahren auch noch recht jung, so dass historische Daten schwierig sind, während der allseits geschätzte FTSE All-World (z. B. von Vanguard) mit TER 0,19 % p. a. mindestens schon die Corona-Krise durchwandert hat. [Klick für Vergleich]. Bin gespannt auf Deine Unterschieds-Aufzeiger!

  • Da würde mich tatsächlich Deine Einschätzung interessieren, immerhin ist der Kommer-ETF mit TER 0,45% p. a. recht kostenintensiv und mit gerade mal 2,5 Jahren auch noch recht jung, so dass historische Daten schwierig sind, während der allseits geschätzte FTSE All-World (z. B. von Vanguard) mit TER 0,19 % p. a. mindestens schon die Corona-Krise durchwandert hat. [Klick für Vergleich]. Bin gespannt auf Deine Unterschieds-Aufzeiger!

    Das ist eine sehr gute Frage. Meiner Meinung nach sollte man einen integrierten Multifaktoransatz nicht mit einem marktkapitalisierungsgewichteten Ansatz glichsetzen.

    Der ACWI IMI (oder FTSE All-World) eignet sich für mich zwar gut als Benchmark, Aufbau und Zielsetzung sind jedoch grundlegend anders. Beim Gerd-Komm­er-ETF gehe ich persönlich von einer langfristigen Outperformance von etwa 1 % p. a. nach Kosten aus. Das geben die historischen Daten für mich her.

    Zudem bin ich der Ansicht, dass eine (teilweise) BIP-Gewichtung Bewertungsspitzen aus dem Portfolio nimmt und dieses insgesamt ruhiger macht. In sehr langen Zeitreihen hatte die BIP-Gewichtung eine leicht bessere Performance als die Marktkapitalisierung. Durch die höheren Kosten gleichen sich die Ergebnisse allerdings nahezu an. Dennoch reduziert eine BIP- (bzw. teilweise BIP-) Gewichtung Klumpenrisiken (erhöht gleichzeitig allerdings andere Risiken).

    Ich möchte an dieser Stelle jedoch keine Grundsatzdiskussion führen. Diese wurde im Forum bereits oft genug geführt. Wer dem Faktrinvesting kritisch gegenübersteht, sich damit nicht näher beschäftigt hat oder schlicht nicht daran glaubt, ist mit einem ACWI IMI oder einem FTSE All-World aus meiner Sicht besser bedient. Faktorinvesting erfordert Durchhaltevermögen und die Bereitschaft ein zum Teil erhebliches Referenzrahmenrisiko auszuhalten (in den 15 Jahren vor 2025 z.B. konnte man damit keinen Blumentopf gewinnen). Deshalb sehe ich ACWI IMI und FTSE All-World als gleichwertige Alternativen.

    Zum Thema Multifaktorinvesting werde ich noch gesondert etwas schreiben. Vorab möchte ich aber klarstellen, dass dieser Ansatz weder für jedermann geeignet noch zwingend notwendig ist. Darum soll es in diesem Thread nicht gehen.

    Unabhängig davon wofür man sich entscheidet (Multifaktor oder Marktkapitalisierung) bin ich überzeugt, dass man mit einer 1-ETF-Lösung besser fährt. Beim Multifaktoransatz halte ich es sogar für nahezu ausgeschlossen über mehrere Einzel-ETFs eine wirklich brauchbare und nachhaltige Lösung umsetzen zu können.

  • Das dürfte zum Großteil am schwankenden Wechselkurs bzw. Schwächeren Dollar liegen. Daraus eine dauerhafte Trendwende abzuleiten, könnte etwas zu viel sein.

    Zumal für mich nicht erkennbar ist, wie sich EM und Euro Wirtschaftsräume strukturell so verändert hätten, dass diese jetzt einen dauerhaften Vorteil ggü USA aufweisen würden.

  • Das dürfte zum Großteil am schwankenden Wechselkurs bzw. Schwächeren Dollar liegen. Daraus eine dauerhafte Trendwende abzuleiten, könnte etwas zu viel sein.

    Zumal für mich nicht erkennbar ist, wie sich EM und Euro Wirtschaftsräume strukturell so verändert hätten, dass diese jetzt einen dauerhaften Vorteil ggü USA aufweisen würden.

    Da der World Small Cap Index zu 53% und der World Value Index zu 41% aus US-Unternehmen besteht, kann man diesen Performanceunterschied nicht nur mit dem Wechselkurs erklären. Die strukturelle Situation aller Regionen ist eingepreist. Die Zukunft ist offen.

    Langfristig rentieren rechtssichere Regionen durchschnittlich ähnlich. Ich denke man ist gut beraten sich nicht vom recency bias blenden zu lassen. Viele wissen das vielleicht nicht oder erinnern sich nicht mehr: Es gab schon viele Jahrzehnte in denen die USA der ,,kranke Mann" war und vom Rest der Welt deutlich outperformed wurde.


  • Das dürfte zum Großteil am schwankenden Wechselkurs bzw. Schwächeren Dollar liegen. Daraus eine dauerhafte Trendwende abzuleiten, könnte etwas zu viel sein.

    Zumal für mich nicht erkennbar ist, wie sich EM und Euro Wirtschaftsräume strukturell so verändert hätten, dass diese jetzt einen dauerhaften Vorteil ggü USA aufweisen würden.

    Wirtschaftliche Entwicklung und Aktienmarktrenditen stehen in keinem direkten Zusammenhang. Aktienmarktrenditen sind Risikoprämien.

  • Wirtschaftliche Entwicklung und Aktienmarktrenditen stehen in keinem direkten Zusammenhang. Aktienmarktrenditen sind Risikoprämien.

    Aktienmarktrenditen sind überwiegend Risikoprämien und stehen kurzfristig in keinem stabilen Zusammenhang mit der realwirtschaftlichen Entwicklung; langfristig sind sie jedoch an reales Gewinn- und Produktivitätswachstum gebunden.


    Zudem sind Risikoprämien empirisch umstritten: Sie stellen ex-ante erwartete, jedoch ex-post häufig instabile Mehrrenditen dar. Historische Untersuchungen – etwa zur Small-Cap-Prämie – zeigen, dass diese nur in wenigen Zeiträumen und Märkten signifikant beobachtbar war.

  • Aktienmarktrenditen sind überwiegend Risikoprämien und stehen kurzfristig in keinem stabilen Zusammenhang mit der realwirtschaftlichen Entwicklung; langfristig sind sie jedoch an reales Gewinn- und Produktivitätswachstum gebunden.

    Nein, sie sind an erwartetem Gewinnwachstum gebunden. Das ist ein Risiko, und dieses Risiko hat sich in den USA offenbar verwirklicht.

  • Zudem sind Risikoprämien empirisch umstritten.

    Echt? Gilt das auch für die Equity Prämie? Und wenn nicht, warum?:/

    Zitat von Dpt

    Historische Untersuchungen – etwa zur Small-Cap-Prämie – zeigen, dass diese nur in wenigen Zeiträumen und Märkten signifikant beobachtbar war.

    Damit würdest du Fama und French faktisch widerlegen. Das, was du schreibst, ist so nicht korrekt.

    Der MSCI World Small Cap Index erzielte zwischen 2001 und 2023 eine nominale Rendite von 7,9 % p.a. und lag damit deutlich über dem MSCI World (5,6 % p.a.) sowie dem MSCI World Large Cap (5,4 % p.a.). Geht man noch weiter zurück, ist die Small-Cap-Prämie sogar noch deutlich stärker ausgeprägt.

    Das ist auch sachlogisch kaum anders zu erwarten. Im Durchschnitt handeln Investoren rational: Für höheres systematisches Risiko verlangen sie eine Risikoprämie. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Investoren langfristig mit einer niedrigeren Rendite für höheres systematisches Risiko zufriedengeben, ist entsprechend gering.

    Übrigens ist das zeitweise Ausbleiben einer Faktorprämie (= Risikoprämie) über einen langen Zeitraum selbst Bestandteil des Risikos. Dieses Ausbleiben als Argument dafür zu verwenden, dass die Prämie nicht existiert, greift daher zu kurz. Entsprechendes gilt für die Equity-Prämie: Auch sie kann über zehn Jahre oder länger ausbleiben, ohne dass daraus auf ihre grundsätzliche Nichtexistenz geschlossen würde (na ja, viele tun das trotzdem regelmäßig. Vor allem in diesem Land).

  • Aktienmarktrenditen sind überwiegend Risikoprämien und stehen kurzfristig in keinem stabilen Zusammenhang mit der realwirtschaftlichen Entwicklung; langfristig sind sie jedoch an reales Gewinn- und Produktivitätswachstum gebunden.


    Zudem sind Risikoprämien empirisch umstritten: Sie stellen ex-ante erwartete, jedoch ex-post häufig instabile Mehrrenditen dar. Historische Untersuchungen – etwa zur Small-Cap-Prämie – zeigen, dass diese nur in wenigen Zeiträumen und Märkten signifikant beobachtbar war.

    KI-Antwort?

  • Damit würdest du Fama und French faktisch widerlegen. Das, was du schreibst, ist so nicht korrekt.

    Was Du zur Risikoprämie schreibst, ist finanzwissenschaftlich unterkomplex. Was Du konkret hier schreibst, ist nicht korrekt.

    Empirische Studien zeigen, dass es lange Zeiträume von bspw. 20 Jahren gibt, in denen die Size-Prämie negativ war. Es gibt ernstzunehmende Studien, die sich mit der Frage beschäftigen, wieso die Size-Prämie gänzlich verschwunden ist.

    Man wird Zeiträume finden, in denen Spielzeughersteller den Markt outperformt haben. Zeigen die die Toy-Prämie? Und die langen Zeiträume, die es sie nicht gibt, bestätigen ihre Existenz - weil die eben zur Toy- als Risikoprämie gehören?

    In diesem Sinn:

    Übrigens ist das zeitweise Ausbleiben einer Faktorprämie (= Risikoprämie) über einen langen Zeitraum selbst Bestandteil des Risikos. Dieses Ausbleiben als Argument dafür zu verwenden, dass die Prämie nicht existiert, greift daher zu kurz.

    Das ist wissenschaftstheoretisch eine falsche Argumentation. Nach Popper muss eine These grds. falsifizierbar sein, um wissenschaftlich zu sein. Nach Deiner Argumentation sind sowohl das Auftreten als auch Nicht-Auftreten der Size-Prämie Belege für ihre Existenz. Das ist damit keine Wissenschaft, sondern Glaube.

  • Der Popper-Einwand greift hier etwas zu kurz. Faktorprämien sind empirische Hypothesen mit klaren Testkriterien: Sie lassen sich falsifizieren, wenn die langfristige, risikoadjustierte Mehrrendite über viele Zeiträume systematisch ausbleibt. Dass eine Prämie phasenweise nicht auftritt oder sogar negativ ist, widerlegt sie nicht automatisch, weil Prämien stochastisch und regimeabhängig sind. Wissenschaftlich sauber wäre : Hypothese, dann Messung über lange Horizonte, Tests. Das ist kein „Glaube“, sondern empirische Kapitalmarktforschung mit Unsicherheit.

    Persönlich „glaube“ ich, dass Faktorprämien keine reale Bedeutung mehr haben und konkret nicht ausgenutzt werden können. Ich lasse mich gerne überzeugen.

  • Persönlich „glaube“ ich, dass Faktorprämien keine reale Bedeutung mehr haben und konkret nicht ausgenutzt werden können. Ich lasse mich gerne überzeugen.

    Das wäre nur möglich, wenn die Investoren langfristig bereit wären für mehr systematisches Risiko weniger Rendite zu verlangen. Denkst du das ist wahrscheinlich? Wenn ja, warum? Oder gehst du davon aus, dass z.B. kleinere Unternehmen gleich oder weniger riskant sind als größere?