Die Market Timing Gesprächsecke

  • Ich glaube, dass market timing einem nur ein gutes Gefühl gibt, aber renditetechnisch meist hinter buy and hold zurück bleibt. Aus psychologischer Sicht fühlt sich das gut an, wenn man im crash oder im dip noch nachkaufen kann. Die Opportunitätskosten der Beträge, die man an der Seitenlinie parkt, lassen sich aber nur mit Mühe ermitteln und mental leicht ausblenden. In der Rückschau ist das alles immer einfach und klar, aber in der Situation eig nie. Ich halte es auch für mental ungleich belastender die Kurse ständig zu verfolgen, um dann den vermeintlich richtigen Kaufzeitpunkt abzupassen, der sich auch als katastrophal herausstellen kann.

    wenn jemand 50% Sicherheitsbaustein hat und das dauerhaft möchte, dann ist Nachkauf in Höhe von z.B. 10% ohne Opportunitätskosten. Der Sicherheitsbaustein wird wieder aufgefüllt.

  • Die Opportunitätskosten der Beträge, die man an der Seitenlinie parkt, lassen sich aber nur mit Mühe ermitteln und mental leicht ausblenden.

    Opportunitätskosten entstehen nicht wenn ich "buy the dip" handele. Das Geld wird dem schwankungsarmen Teil entnommen und danach wieder Stück für Stück aufgefüllt.

  • Der schwankungsarme Teil hat in der Zeit aber Weniger Rendite eingebracht. Das mag im Einzelfall anders aussehen, aber risikoarm bedeutet grds auch renditearm. Und wenn ich etwas mit 2 % anlege, fehlt mir die Differenz zur Rendite des riskanteren Anteils. Genau das sind dann die Opportunitätskosten. Wer 50% risikoarm hält, braucht aber auch im dip nicht mehr viel nachzukaufen. Da gibt es dann effektivere Stellschrauben.

  • Dazu gab es bereits diverse Studien. Langfristig 100% in Aktien ist die renditestärkste Option. Man muss die Volatilität halt aushalten können.

    Wen nun welches Geld auch immer im Falles eines Dips/Crashs aus dem 'sicheren' Teil entnimmt und Aktien nachkauft, mag Dir evtl. ein 'besseres' Gefühl geben. Aber langfristig erzielt man damit eben nicht mehr Rendite.
    Aber auch das kann nach hinten losgehen, wenn es ein Salami Crash ist wie 2000-2003.
    Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie Freunde von mir erst noch freudig nachkauften als die Kurse seinerzeit deutlich nachgaben. Nur irgendwann war das Geld alle, die Kurse gaben aber weiter nach. :/
    Ein Crash kann länger dauern als Deine Taschen tief sind.

  • Ein Crash kann länger dauern als Deine Taschen tief sind.

    Ja, schönes Motto!

    Sehe ich gerade an mir: Bin eingestiegen, zwar mit Limit, aber tiefer habe ich mich nicht getraut wegen FOMO.

    Nun, wo ein möglicher Einstieg noch ein Stück tiefer liegt, frage ich mich, ob ich nicht noch mehr Liquidität umwidmen soll.

    Könnte ich tun, aber wie lange/oft will ich das Spiel noch spielen? Nach ein paar Runden bei weiter sinkendem Indexstand wären meine ehemals freien Mittel dann blockiert. Und damit stiege die Gefahr echter (=nicht nur homöopathischer) Opportunitãtskosten rasant.

    Anderes Thema: Sparplan. Die Vorteilhaftigkeit selbigens ergibt sich auch daraus, dass ein Sparplan mit Anteilsbruchteilen den anvisierten Sparbetrag ausreizen kann. Das ist wesentlich!

  • Natürlich wären 100% Aktien/ETF langfristig das Beste.

    Ich habe mich auf ordentliche 80/20 geeinigt und bei einem Dip kann's halt auch schon mal zu 90/10 kommen. Mit frischem Geld werden dann die 80/20 Stück für Stück wieder hergestellt. Bisher bin ich damit gut gefahren.