Die Abgeordneten, mit denen ich in der letzten Zeit gesprochen habe (i.d.R. beruflich bzw. bei Anlässen, die mit meinem Beruf oder dem Ehrenamt im KatS zu tun haben), erzählen recht parteiübergreifend, man habe ja Recht, bzw. die Umfragen, wie die Bevölkerung zu aktuellen Sachthemen und Sachentscheidungen der Politik steht würden durchaus wahrgenommen, aber man müsse auch an Dinge wie Fraktionsdisziplin und Koalitionsfrieden denken, es sei nicht immer alles so einfach wie der Bürger sich das denken würde, man würde Erfolge nicht genug würdigen und über allen stehe auch ein gewisser Druck, die Brandmauer aufrecht zu halten (böser Nachsatz eines demnächst Neu-MdL: jedenfalls solange es noch geht). Und hier und da hört man auch hindurch, dass zwischen den Ebenen Bund - Länder innerhalb mancher Parteistrukturen doch recht großes Konkurrenzdenken herrscht, auch Personen in führenden Köpfen manchmal halt einfach zu arg miteinander menscheln, und dann Sympathie (oder auch nicht) mehr zählt wie logische Entwicklungen von Sachthemen. Da ist sehr vieles dabei, was mich sehr daran zweifeln lässt, dass die vorgeschlagenen Punkte Politik(er) tatsächlich beeinflussen könnten.
Das betrifft übrigens ja auch nicht nur Menschen, die sich von der Politik nicht wahrgenommen/mitgenommen fühlen und Protestwähler werden, sondern auch diejenigen, die sich schon innerhalb der Parteien selbst engagieren. Wenn man in Umfragen (jaja, auch die bösen) Aussagen dazu findet, wie die Zustimmung zum Kanzler innerhalb der CDU ist, oder zum Vizekanzler innerhalb der SPD, das ist eigentlich noch mehr Sprengstoff, als die potentiellen AfD-Wähler. Das spielt halt alles zusammen, weil es auch schon zu lange läuft. Wenn schon die Hälfte der CDU-Anhänger die Regierungspolitik nicht gut findet, sind darunter auch viele aktive CDUler, und dann ändert sich die Welt nicht, wenn ich in eine Abgeordnetensprechstunde spaziere. Da muss viel mehr auch direkt von oben herab kommen.