Inflation

Wenn das Geld langsam schmilzt

Hendrik Buhrs Stand: 14. Oktober 2020
Das Wichtigste in Kürze
  • Inflation bedeutet, dass die Preise in einem Land oder Währungsraum steigen.
  • Die Inflations- oder Teuerungsrate wird gemessen, indem Testkäufer ermitteln, wie sich die Preise häufig gekaufter Produkte entwickeln. 
  • Eine Inflation bis zu 2 Prozent pro Jahr findet die Europäische Zentralbank (EZB) wünschenswert für die Wirtschaft.
  • Wie stark sich Deine Kaufkraft im Laufe der Zeit verringert, zeigt Dir der Finanztip-Inflationsrechner.
So gehst Du vor
  • Gegen die Inflation selbst kannst Du nichts tun. Aber Du kannst berechnen, wie sich die Inflation auf Deinen Alltag auswirkt und dann versuchen, sie auszugleichen.
  • Gerade bei regelmäßigen oder teuren Anschaffungen lohnen sich Preisvergleiche. Finanztip hilft Dir bei sehr vielen Produkten von Strom über Handy bis zu Versicherungen.
  • Vermeide vor allem Negativzinsen und unnötig hohe Guthaben ohne Zins, etwa auf Deinem Girokonto.

„Haben die schon wieder den Preis erhöht?“ – Diese Frage stellst Du Dir im Laufe eines Jahres sicher mehrmals. Ob im Supermarkt, an der Tankstelle, am Fahrkartenautomaten oder im Restaurant: In bestimmten Abständen werden die meisten Dinge teurer.

Die Inflation ist kein Naturgesetz, denn Preise werden natürlich von Menschen erhöht – oder manchmal auch reduziert. In diesem Ratgeber wollen wir den Hintergründen nachgehen. Und klären, was Inflation für Dein Geld und Deine Geldanlage bedeutet. Denn wenn das tägliche Leben allmählich teurer wird, solltest Du gegensteuern, damit Du Dir über die Jahre nicht immer weniger leisten kannst.

Wie entwickeln sich die Preise?

Dem Thema Inflation begegnest Du etwa in der Eisdiele. Bestimmt erinnerst Du Dich noch an den Preis einer Kugel in Deiner Kindheit, schließlich gehört Eis zu den ersten Dingen, die man mit eigenem Geld bezahlt. Je nachdem, wie lange das her ist, hat sich der Preis spürbar erhöht. 

Die simpelste Begründung, warum der Eishändler irgendwann 10 oder 20 Cent mehr für die Kugel nimmt als im vorigen Jahr: Weil es geht. Niemand schreibt ihm einen bestimmten Preis vor. Er würde allerdings merken, dass er bei 10 Euro pro Kugel keine Kunden mehr fände, und mit 5 Cent pro Kugel weder die Zutaten noch die Miete oder Angestellte bezahlen könnte. Insofern sind der freien Preisgestaltung gewissermaßen Grenzen gesetzt. Aber in einem mittleren Rahmen kann der Verkäufer sein eigenes Ziel mit dem Kugel-Preis verfolgen: einen möglichst hohen Gewinn, ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis oder schlichtweg günstiger zu sein als die Konkurrenz gegenüber.

Die allermeisten Unternehmer treffen regelmäßig diese Abwägung. Manchmal sind die Entscheidungswege deutlich länger, wenn es nicht um eine Kugel Eis, sondern um ein Produkt eines Weltkonzerns geht. In anderen Fällen gibt es gesetzliche Grenzen, so kann etwa die Miete nicht beliebig erhöht werden. Manche Preise sind für einen gewissen Zeitraum vertraglich festgelegt, beispielsweise für einen individuellen Handyvertrag oder die deutschlandweit geltenden Arzthonorare.

Wie wird die Inflationsrate in Deutschland berechnet?

Um allen einen Anhaltspunkt dafür zu geben, wie sich Preise im Zeitverlauf entwickeln, sammelt das Statistische Bundesamt fortlaufend Preise für 650 verschiedene Waren und Dienstleistungen. Das Preisschild für diesen Warenkorb (der sogenannte Verbraucherpreisindex) wird auf monatlicher und jährlicher Basis veröffentlicht. In der Berechnung haben die einzelnen Waren und Dienstleistungen ein unterschiedliches Gewicht, bemessen an den tatsächlichen Ausgaben einer Stichprobe von rund 80.000 Menschen. Aus dem Vergleich, wie sich das Preisschild für den Warenkorb gegenüber dem Vorjahr verändert hat, ergibt sich die Teuerungsrate. Sie wird auch Inflationsrate genannt. 2019 und 2020 lag die monatliche Inflationsrate in Deutschland meist zwischen 1 und 2 Prozent. 

Da es sich um einen Durchschnittswert handelt, können bestimmte Produkte deutlich stärker zulegen, manche Lebensmittel etwa. Aber andere werden über die Zeit günstiger. In den vergangenen Jahren war das beispielsweise bei Benzin oder Handy- und Internetverträgen der Fall. Auch viele technische Geräte werden zu niedrigeren Preisen angeboten – oder mit deutlich mehr Leistung. Das versuchen die Statistiker zu berücksichtigen. Schließlich wäre es unsinnig, einen Laptop aus diesem Jahr mit einem Desktop-PC aus den Achtzigerjahren zu vergleichen.

So kannst Du die Auswirkungen der Inflation berechnen

Unser Inflationsrechner zeigt Dir, was die Inflation aus einem konkreten Geldbetrag macht.

Wirkt sich die Inflation auf Deine Kaufkraft aus?

Stetig steigende Preise wären eine deprimierende Angelegenheit, wenn zugleich Dein Budget für alle Zeit unverändert bleiben würde. Nehmen wir an, dass Du für eine regelmäßige Ausgabe aktuell 100 Euro benötigst und die Inflationsrate 1,8 Prozent pro Jahr beträgt. Nach zehn Jahren würde dieselbe Ware oder Dienstleistung dann bereits 119,53 Euro kosten. Oder anders ausgedrückt: Mit 100 Euro in der Tasche hättest Du nach zehn Jahren Inflation nur noch eine Kaufkraft von 83,66 Euro (100 geteilt durch 119,53). Mit unserem Inflationsrechner kannst Du leicht andere Beispiele betrachten.

Zum Ausgleich steigt aber auch Dein Einkommen, wenn sich die Dinge „normal“ entwickeln. Alle paar Jahre oder sogar jährlich gibt es vielleicht eine Gehaltserhöhung – sei es durch einen Tarifvertrag oder durch individuelle Verhandlungen. Oder indem Du in einen besser bezahlten Job wechselst beziehungsweise als Selbstständiger mehr Gewinn schaffst. Auch die gesetzliche Rente oder der Hartz-IV-Satz werden regelmäßig angehoben.

Ausnahmen und durchaus auch Ungerechtigkeiten bestätigen dabei die Regel. So wie nicht alle Anbieter ihre Preise gleichermaßen anheben können, bekommen auch nicht alle Arbeitnehmer gleichmäßig planbare Lohnzuwächse. Zumindest im Durchschnitt des ganzen Landes geht die Rechnung aber normalerweise auf. Denn wenn bei den Konsumenten das Geld immer knapper wird, steigen die Preise der Anbieter auch weniger.

Was macht die Europäische Zentralbank? 

Die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt gibt nicht nur die Euro-Geldscheine und Münzen heraus, sondern setzt auch den Leitzins fest. Zu diesem Zinssatz können sich die einzelnen Banken Geld bei der Zentralbank leihen – er ist ein wichtiger Hebel der EZB, um ihren Kernauftrag zu erfüllen: Die Zentralbank soll die Preisstabilität in der Eurozone sicherstellen und damit die Kaufkraft des Euro erhalten. Vereinfacht gesagt führt ein höherer Leitzins dazu, dass Banken und damit auch Unternehmen in ihren Handlungen gebremst werden. Denn es wird teurer für sie, Kredite für neue Investitionen aufzunehmen. So soll die Preisentwicklung gedämpft werden. Umgekehrt ist die Idee hinter niedrigen Leitzinsen: Unternehmen können sich günstiger Geld bei der EZB besorgen und investieren mehr; auch Konsumenten geben ihr Geld lieber aus, als es zu niedrigen Zinsen anzulegen. Das soll die Wirtschaft ankurbeln und damit auch der Inflation einen Schubs nach oben geben.

Als Ziel hat sich die EZB auf eine Teuerung „unter, aber nahe 2 Prozent“ geeinigt. Viele andere Zentralbanken der Industrieländer haben ein ähnliches Inflationsziel. Die Idee dahinter: Mit einer Inflationsrate auf diesem eher niedrigen Level können Verbraucher und Unternehmen zurechtkommen. Sowohl ein Abrutschen in den negativen Bereich, also in eine Deflation, bei der alles im Schnitt immer billiger würde, als auch eine sogenannte galoppierende oder Hyperinflation sollen vermieden werden.

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat im August 2020 verkündet, ihr Inflationsziel künftig großzügiger zu handhaben: Sollte die Teuerung in den Vereinigten Staaten eine Weile über 2 Prozent liegen, beispielsweise in einem Wirtschaftsaufschwung, will die Fed noch eine Weile abwarten, bis sie Gegenmaßnahmen ergreift.

Was ist der Realzins?

Hättest Du gerne 5 Prozent Zinsen auf dem Sparbuch? In den Achtzigern war das in der Bundesrepublik üblich. Allerdings lag auch die Inflation seinerzeit höher als heute. 1981 beispielsweise gab das Statistische Bundesamt eine Teuerung von 6,3 Prozent an.

Das führt uns zum wichtigen Unterschied zwischen nominalen und realen Zinsen. Der Nominalzins ist der Zinssatz, mit dem die Banken werben und der Dir für Deine Geldanlage gutgeschrieben wird. Wenn wir uns im Alltag mit Zinsen beschäftigen, dreht es sich meist um den Nominalzins – im Online-Banking, im Preisaushang der Banken sowie an vielen Stellen hier bei Finanztip. 

Letztendlich viel bedeutsamer ist aber der Realzins, also die Differenz zur Teuerungsrate. Denn der Realzins zeigt Dir, wie viel Dein angelegtes Geld an Wert gewonnen oder verloren hat. Im Jahr 1981 zum Beispiel war der Realzins minus 1,3 Prozent. Ein Sparbuchguthaben hat im betreffenden Jahr trotz der hohen Zinsen auf dem Papier also real 1,3 Prozent an Wert verloren – weil die Teuerungsrate ebenfalls sehr hoch war. Die niedrigen Zinsen sind also nichts Neues.

Natürlich ist es sinnvoll, sich nach möglichst hohen Nominalzinsen umzuschauen, weil dann trotz Inflation ein etwas höherer Realzins übrig bleibt. Dazu aber ein wichtiger Rat: Verlass Dich nicht auf irgendwelche Werbeversprechen und Zinsen, die im Marktvergleich ungewöhnlich hoch sind. Vergleiche die versprochene Rendite mit den Ergebnissen in unseren Rechnern für Tagesgeld oder Festgeld. Wenn Dir irgendwo statt 0,5 Prozent jährlich 2 oder 5 Prozent in Aussicht gestellt werden, sei misstrauisch. In aller Regel gibt es einen Haken – vielleicht sitzt die Bank in einem wirtschaftsschwachen Land, das im Krisenfall Mühe hätte, den Finanzsektor zu stützen. Vielleicht hat sie gar keine Banklizenz und gehört keinem Einlagensicherungsfonds an. Oder das vermeintlich sichere Festgeld ist in Wirklichkeit ein riskantes Immobiliengeschäft.

Wie helfen Dir Aktien gegen die Inflation?

Mit risikoarmen Geldanlagen wie Tagesgeld, Festgeld oder deutschen Bundesanleihen wirst Du die Inflation nicht langfristig übertrumpfen können. Umso wichtiger, dass Du Dich mit breit gestreuten, günstigen Aktienfonds vertraut machst, sogenannten ETFs. Aktien sind Unternehmensbeteiligungen, also Sachwerte. Ihr Wert ist nicht durch einen bestimmten Eurobetrag festgelegt wie etwa Dein Bankguthaben, sondern schwankt je nach Einschätzung der Anleger.

Steigen die Preise stark, klingeln die Kassen der Unternehmen lauter – ein Aktieninvestment ist also ein Stück weit inflationsgeschützt. Zwar wird eine starke Inflation die Unternehmen auch an der Kostenseite treffen, denn sie müssen für Rohstoffe und Mitarbeiter wahrscheinlich mehr ausgeben. Aber mit den ETFs, die Finanztip empfiehlt, verteilst Du dieses Risiko auf Hunderte bis Tausende Einzelfirmen, die weltweit aktiv sind. Und auch bei einem großen Wirtschaftscrash (der hoffentlich nicht kommt) ist es gut, Aktien in ETF-Form im Depot zu haben. Diese behalten aller Voraussicht nach einen gewissen Wert, wie die Geschichte zeigt: Die Geldentwertungen in Deutschland nach den beiden Weltkriegen haben Besitzer von Bargeld oder Sparkonten heftiger getroffen als Aktionäre.

Auch Gold und Immobilien sind Sachwerte. Ihr Wert ist ebenfalls ein denkbarer Schutz vor Inflation. Wir bei Finanztip sind allerdings vorsichtig: Gold hat keine Wertsteigerung aus sich heraus, es liefert weder Zinsen oder Dividenden noch Mietzahlungen ab. Wir empfehlen es daher allenfalls als stabilisierenden Bestandteil in der Geldanlage. Immobilien wiederum stellen ein Klumpenrisiko dar. Meist steckt in einer einzelnen Immobilie so viel Geld, dass es deutlich das Gesamtvermögen schmälert, wenn sie an Wert verliert. Das kann durchaus passieren, denn der Wert einer einzelnen Wohnung oder eines Hauses kann von den unterschiedlichsten Faktoren beeinflusst werden. Wenn Du nur Aktien einer einzigen Firma im Depot hättest, wäre das auch ein Klumpenrisiko: Du knüpfst Deine Geldanlage an das Schicksal eines Unternehmens. Deshalb unser Tipp mit den ETFs.

Kommt eine Inflation?

Ob die Corona-Krise zu einer deutlicheren Geldentwertung führt, lässt sich nicht seriös vorhersagen. Mit der richtigen Strategie für Deine Geldanlage kannst Du Dich aber auf die unterschiedlichen Szenarien vorbereiten. Die Regierungen der Industrieländer bringen durch enorme Hilfspakete viel neues Geld in Umlauf. Das passiert allerdings schon seit der Finanzkrise ab 2008, ohne dass die Inflation gestiegen wäre. Einige Argumente in Debatten um die künftige Entwicklung der Preise lauten:

  • Die Inflation wird steigen, weil die Geldmenge wächst. Unternehmen nutzen günstige Kredite zum Investieren.
  • Die Inflation wird nicht steigen, weil Zentralbanken viel bessere Methoden zur Eindämmung haben als früher. Sie arbeiten unabhängiger und transparenter.
  • Die Inflation wird steigen, weil Schwellenländer wie China demnächst wieder stärker europäische Produkte kaufen, was bei uns Wohlstand und Preise steigen lässt.
  • Die Inflation wird nicht steigen, weil die Globalisierung zu weltweiter Konkurrenz führt, was den Anstieg von Preisen und Löhnen dämpft.

Wie Du siehst, widersprechen sich manche dieser Aussagen – es gibt eben unterschiedliche Szenarien, und keiner kann mit Sicherheit sagen, welches eintreten wird. Es ist am sinnvollsten, wenn Du Dich möglichst breit aufstellst und risikoreichere und risikoärmere Anlagen mischst, also Indexfonds und Festgeld.

Autor
Hendrik Buhrs

Stand: 14. Oktober 2020


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