Auszahlplan fürs Alter

Wohin mit dem Geld aus der Lebensversicherung?

Das Wichtigste in Kürze

  • Haben Sie zum Rentenbeginn eine größere Summe auf dem Konto, können Sie Ihr Erspartes für eine Zusatzrente nutzen – es also schrittweise aufbrauchen.
  • Dazu stehen Ihnen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung: Aktiensparen mit einem geregelten Auszahlplan, Aktiensparen in Kombination mit Festgeld und eine Sofortrente von einem Versicherer.
  • Bei einem Auszahlplan aus Aktienvermögen sind langfristig die höchsten Gewinne möglich, allerdings sacken die Kurse auch immer mal wieder ab. Sparen Sie am besten mit günstigen Aktien-Indexfonds (ETFs) an.
  • Alternativ können Sie Aktien-Indexfonds und Festgeld kombinieren und zunächst das Festgeld aufbrauchen.
  • Eine Sofortrente von einem Versicherer reicht auf jeden Fall bis zum Lebensende. Diese Garantie bezahlen Sie allerdings mit einem großen Teil Ihres Ersparten: Die Rente ist relativ niedrig.

So gehen Sie vor

  • Wägen Sie verschiedene Auszahlungsstrategien ab. Die Kriterien in unserer Tabelle helfen, jeweils Vor- und Nachteile zu überblicken.
  • Wählen Sie den Auszahlplan aus Aktienvermögen, wenn Sie den Aktienmärkten vertrauen und es für Sie in Ordnung ist, bei länger fallenden Kursen auch mal nichts zu entnehmen.
  • Entscheiden Sie dann, ob Sie die Fondsanteile selbst verkaufen möchten oder ob dies eine Bank für Sie erledigen soll. Einen automatischen Auszahlplan bietet etwa unsere Depotempfehlung Flatex.
  • Teilen Sie Ihr Guthaben in Festgeld und Aktienanlage auf, wenn Ihnen eine sichere Auszahlung für die ersten Jahre am wichtigsten ist. Legen Sie so viel in Festgeld an, dass es etwa 15 Jahre Ihre Entnahmen abdeckt.
  • Greifen Sie nur dann auf die Sofortrente zurück, wenn Sie sich um nichts kümmern möchten und lebenslang eine Zusatzrente auf Ihrem Konto haben wollen.
  • Unser Tipp: Bleiben Sie zum Thema Altersvorsorge immer auf dem Laufenden - mit unserem kostenlosen Newsletter!

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Sie haben viele Jahre lang in eine private Lebensversicherung eingezahlt, die bald fällig wird? Oder mit Hilfe des Chefs in einen Betriebsrenten-Vertrag gespart, der zur Auszahlung kommt? Vielleicht haben Sie auch eine Immobilie verkauft oder eine größere Summe geerbt? In all diesen Fällen haben Sie kurz vor dem Ruhestand auf einen Schlag und häufig sogar steuerfrei einen Batzen Geld auf dem Konto.

Wenn Sie das Ersparte nicht unmittelbar etwa für eine Weltreise oder zum Abzahlen eines Immobilienkredits brauchen, geht es häufig darum, möglichst gut und lange davon zu zehren und so die gesetzliche Rente aufzubessern. Dafür gibt es unterschiedliche Strategien.

Welche Auszahlungsstrategie passt für wen?

Am einfachsten wäre es, die 100.000 Euro aus der Lebensversicherung unverzinst auf dem Girokonto liegen zu lassen und im Jahr vielleicht 4 Prozent, also 4.000 Euro, auszugeben. Wenn Sie so vorgehen, wird Ihr Geld jedoch rasch weniger. Und nach 25 Jahren ist das Ersparte aufgebraucht. Starten Sie mit 65 Jahren und leben Sie deutlich länger als 90 Jahre, könnte es finanziell knapp werden. Werfen Sie daher einen Blick auf die Alternativen.

Drei Strategien für die Zusatzrente

Grundsätzlich haben Sie die Wahl, Ihr Geld ein wenig für Sie arbeiten zu lassen oder sich lebenslang abzusichern.

Beim Aktiensparen mit Auszahlplan legen Sie Ihr Kapital in Aktien an. Allerdings sollten Sie Einzelaktien vermeiden und nicht zu aktiv gemanagten Fonds greifen. Stattdessen empfehlen wir weltweit ausgelegte Aktien-Indexfonds (ETFs). Für den Auszahlplan verkaufen Sie regelmäßig für einen bestimmten Betrag Fondsanteile. Wie viel und wie lange Sie Rente erhalten, hängt von der Entwicklung an den Börsen ab.

Sie können auch Aktiensparen und Festgeld kombinieren. Mit Festgeldern verschiedener Laufzeiten sichern Sie sich feste Entnahmebeträge für einen bestimmten Zeitraum. Ein Teil Ihres Ersparten entwickelt sich aber entlang eines breit gestreuten Aktienindex mit. Das Geld, das Sie jeweils für das nächste Jahr benötigen, lassen Sie auf dem Giro- oder besser auf einem Tagesgeldkonto.

Bei der Sofortrente überlassen Sie Ihr gesamtes Kapital einem Versicherer, der Ihnen dafür eine vergleichsweise niedrige, aber garantierte lebenslange Rente auszahlt.

Jede Strategie bringt Vor- und Nachteile mit sich. Um zu entscheiden, welche Auszahlform für Sie infrage kommt, sollten Sie daher einige wichtige Kriterien abwägen:

  • Wie hoch sollte Ihre künftige Rente sein?
  • Bevorzugen Sie höhere Gewinnchancen, kommen aber auch mit Kursrückschlägen klar?
  • Brauchen Sie eine Garantie bei Rentenhöhe und Laufzeit?
  • Möchten Sie die Möglichkeit haben, Kapital zu entnehmen?
  • Möchten Sie die Möglichkeit haben, Kapital zu vererben?
  • Wie sehr können oder möchten Sie sich selbst um den Auszahlplan kümmern?

Die folgende Tabelle liefert eine erste Orientierung, wo die drei Auszahlungsstrategien mit Blick auf die Entscheidungskriterien stehen.

Vor- und Nachteile verschiedener Auszahlvarianten

Kriterium ETF-Sparen mit Auszahlplan ETF-Sparen und Festgeld Sofortrente
renditeorientiert sicher, mit Chance auf Zusatzerträge sicher
Höhe der Rente Es besteht die Chance auf eine vergleichsweise hohe Entnahme und auf ein Restkapital. Ist planbar und variiert je nach geplanter Laufzeit. Ist planbar. Die Rente ist aber vergleichsweise niedrig.
Spielraum bei der Rentenhöhe Es besteht die Chance, die Rentenhöhe nach oben anzupassen. Umgekehrt ist es vielleicht auch nötig, die Rente zu kürzen (in Abschwungphasen an der Börse). Mittel. Es besteht die Chance, die Rentenhöhe nach einigen Jahren nach oben anzupassen. Eng. Die Chance auf Überschüsse ist gering.
Garantie Es gibt keine Garantie für die Höhe der Rente bzw. dafür, wie lange das Restkapital reicht. Sparer können eine sichere Rente aus dem Festgeld ziehen und den Zeitraum selbst festlegen. Eine Mindestrente ist garantiert, solange Sie leben.
Kapitalentnahme Ja, jederzeit. Ja, jederzeit. Ist in der Regel nicht möglich.
Vererbbarkeit des Kapitals Ja. Ja. Ist nur mit hohen Abschlägen bei der Rentenhöhe und für einen eingeschränkten Zeitraum möglich.
Aufwand für den Sparer Relativ hoch. Vor allem bei einem längeren Abschwung an der Börse müssen Sparer reagieren und monatlich weniger Geld entnehmen. Mittel. Sparer müssen sich um gute Festgeldanlagen kümmern und Geld aus ETFs nach eingen Jahren in Festgeld umschichten. Gering. Der Versicherer kümmert sich um die Rentenauszahlung.

Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: 28. Mai 2018)

Welche Strategie zu welchem Sparer-Typ passt

Über einen ETF-Sparplan mit Auszahlplan sollten Sie nachdenken, wenn Sie Ihr Erspartes im Alter weiter vermehren wollen – wenn Sie also renditeorientiert denken und bereit sind, am Aktienmarkt zu investieren. Am liebsten möchten Sie regelmäßig eine bestimmte Mindestsumme entnehmen, kommen aber im Falle eines Börsenabschwungs auch mit zeitweise weniger oder keiner Zusatzrente über die Runden. Sie interessieren sich für die Börse und haben Spaß daran, die Entwicklung der wichtigen Aktienindizes zu beobachten.

Sie können sich vorstellen, die Monatsraten im Krisenfall selbstständig anzupassen. Ihnen gefällt die Idee, dass am Ende Ihres Lebens vielleicht noch Geld übrigbleibt, das Sie jemandem vermachen können. Umgekehrt könnten Sie es verkraften, wenn Ihr Geld früher zu Ende geht als geplant.

ETF-Sparen mit Festgeld könnte eine Möglichkeit sein, wenn Sie zwar einen Teil Ihres Geldes am Aktienmarkt gut anlegen und Rendite mitnehmen wollen, Ihre monatliche Rente aber dennoch sicher und kalkulierbar sein soll. In dem Fall müssen Sie sich regelmäßig über gute Festgeld-Konditionen informieren, dort Geld anlegen und daraus jährlich entnehmen.

Parallel legen Sie einmalig eine größere Summe in ETFs an, greifen aber erst dann darauf zu, wenn das Festgeld aufgebraucht ist – möglichst nach 15 Jahren oder mehr. Sie können grob abschätzen, wie lange Ihr Geld reicht. Unter Umständen haben Sie am Ende etwas übrig, das Sie vererben können.

Die Sofortrente ist die Auszahlform, um die Sie sich am wenigsten kümmern müssen. Es ist nicht notwendig, regelmäßig die Entwicklung der Aktienfonds oder die Höhe Ihrer Entnahme zu prüfen. Die Sofortrente eignet sich also für alle, die bequem unterwegs sein wollen.

Auch wenn Sie die Zusatzrente auf jeden Fall brauchen, sind Sie bei dieser Auszahlform richtig. Denn sie garantiert eine Rente auf Lebenszeit. Nachteil: Die garantierte Rente ist häufig gering; Sie müssen wirklich sehr alt werden, damit sich das Modell lohnt. Und das angesparte Kapital gehört der Versicherung, sofern Sie nicht eine Art von Hinterbliebenenschutz vereinbart haben. Dieser Schutz verringert Ihre Monatsrente aber zusätzlich.

In diesem Ratgeber betrachten wir die Strategien, bei denen Sparer Geld in ETFs und Festgeld anlegen und regelmäßig Beiträge entnehmen (Auszahlplan). Wenn Sie Genaueres zur Sofortrente wissen möchten, werfen Sie einen Blick in unseren Ratgeber Sofortrente

Weitere Tipps im Ratgeber Sofortrente

Sara Zinnecker
von Finanztip,
Expertin für Geldanlage

So funktioniert die Sofortrente

  • Bei der Sofortrente erhalten Sie gegen einen Einmalbetrag eine lebenslange Leibrente vom Versicherer.
  • Die Sofortrente lohnt sich, wenn Sie gesund sind und Ihre gesetzliche Rente ergänzen wollen.
  • Verzichten Sie auf einen Todesfallschutz und wählen Sie eine dynamische Rente, die über die Jahre die Inflation ausgleicht.

» Zum Ratgeber

Unsere Anbieter-Empfehlungen

  • Europa (Tarif E-SR)
  • R+V (Tarif RTSE)
  • Huk24 (Tarif RS24)
  • Hannoversche (Tarif R1_EA)

Was müssen Sie beim Auszahlplan beachten?

Wenn Sie sich vorstellen können, das ETF-Sparen mit einem Auszahlplan zu verbinden, sollten Sie einige Punkte berücksichtigen.

Legen Sie breit und günstig an

Sie wollen möglichst viel aus Ihrem Ersparten machen und allzu große Rückschläge an der Börse vermeiden. Alles Geld auf eine Karte zu setzen, also etwa eine einzelne Aktie Ihres Lieblingsunternehmens zu wählen, ist dann keine gute Idee. Auch Aktienindizes wie der Dax 30 oder der Euro Stoxx 50 sind zu eng gefasst. Geht es dem Lieblingsunternehmen oder einer ganzen Branche zwischendurch schlecht, zieht das den Wert Ihres Ersparten schnell nach unten.

Viel besser eignen sich kostengünstige Aktien-Indexfonds (ETFs), die beispielsweise das Weltaktienbarometer MSCI World abbilden und Risiken auf viele Schultern verteilen. Der MSCI World umfasst mehr als 1.600 Aktien aus 23 Ländern. Verglichen mit dem Dax 30 oder dem Euro Stoxx 50 schwankte der MSCI World im Fünf-Jahres-Zeitraum 2013 bis 2017 deutlich geringer und hat merklich mehr Rendite pro Jahr erwirtschaftet.

Mehr dazu im Ratgeber Indexfonds/ETFs

Sara Zinnecker
von Finanztip,
Expertin für Geldanlage

ETFs: einfach, transparent, flexibel

  • Indexfonds sind auch als ETFs bekannt.
  • Sie bilden Börsenindizes nach.
  • Deshalb sind sie kostengünstig.
  • Indexfonds bieten langfristig hohe Renditechancen.

» Zum Ratgeber

Unsere ETF-Empfehlungen

Legen Sie Ihre Auszahlung fest

Wie viel können Sie entnehmen? Diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten, denn niemand weiß im Voraus, wie die Erträge Jahr für Jahr am Aktienmarkt ausfallen. Auch kommt es darauf an, wie lange Sie möchten, dass Ihr Erspartes Ihnen ein Zusatzeinkommen liefert. Am Ende ist es pragmatisch, eher vorsichtig über eine längere Zeitspanne zu kalkulieren und einzurechnen, dass nach Ablauf dieser Zeit – also zum Beispiel nach 30 Jahren – noch einiges an Kapital übrig ist.

Ein besseres Gefühl dafür, wie viel Entnahme „geht“, liefert ein Blick auf die historische Entwicklung des Weltaktienindex MSCI World. Der Index hat in der Vergangenheit im Schnitt pro Jahr gut sieben 7 Prozent zugelegt. Angenommen nun, ein Sparer hat 100.000 Euro zur Verfügung und möchte daraus mindestens 30 Jahre lang Geld entnehmen.

Unsere Berechnungen zeigen, dass eine vorsichtige Entnahme von 4 Prozent des Kapitals, also 4.000 Euro im Jahr oder 333 Euro im Monat, über 30 Jahre beginnend ab 1973 immer gut geklappt hätte. Im schlimmsten Fall – Öl-, Asien- und Neue-Markt-Krise inbegriffen – hätte der Sparer nach 30 Jahren mehr als 130.000 Euro übrig – also mehr Kapital als zu Beginn.

Wer stattdessen über 30 Jahre 6 Prozent pro Jahr (500 Euro im Monat) entnommen hat, bekam unter Umständen Probleme. Hätte der Sparer im Februar 1973 die Entnahme begonnen – also denselben Startpunkt gewählt wie im Beispiel mit 4 Prozent –, wäre sein Geld bereits nach gut 16 Jahren aufgebraucht gewesen.

Entnahmeplan für den MSCI World – historische Betrachtung (30 Jahre)¹

Höhe der Entnahme Höhe der Monatsrate Guthaben im schlimmsten Fall (Anlage Feb 1973) Guthaben im besten Fall (Anlage Nov 1977)
4 % konstant 333 € 134.300 € 1.091.000 €
4 % vom jew. Restkapital variabel, im Durchschnitt 343 €² 199.400 € 1.023.000 €
6 % konstant 500 € ist bereits nach gut 16 Jahren aufgebraucht 800.000 €

¹ Wir betrachten die Wertentwicklung eines Guthabens nach regelmäßiger Entnahme für volle 30-Jahres-Zeiträume. Der letzte betrachtete 30-Jahres-Zeitraum reicht von Anfang 1988 bis Ende 2017.
² Wir entnehmen mindestens 250 Euro und höchstens 400 Euro.
Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand: 29. Mai 2018)

Die Ergebnisse der kleinen Analyse legen zweierlei nahe: Sie sollten Ihre Entnahme nicht an der durchschnittlichen Wertentwicklung des Aktienindex, im Beispiel der MSCI World, orientieren. Das kann schiefgehen. Und: Eine bescheidenere Entnahme – im Beispiel nur 4 Prozent des Kapitals – erhöht die Chance, dass alles gutgeht und am Ende sogar noch ordentlich Geld vorhanden ist.

Schränken Sie sich in Abschwungphasen ein

Leider sind auch die 4 Prozent Entnahme keine Faustregel. Beim MSCI World hätte diese Strategie in der Vergangenheit zwar geklappt. Aber nehmen wir einmal an, es würden sich zwei Finanzkrisen wie die des Jahres 2009 hintereinander abspielen: Die Aktienkurse halbieren sich, erholen sich über mehrere Jahre, doch danach geht es gleich wieder nach unten. In einem solchen Szenario würde das Ersparte bei 4 Prozent Entnahme pro Jahr gut 17 Jahre reichen. Bei 6 Prozent Entnahme wäre das Geld schon nach knapp 11 Jahren verbraucht.

Es kann also schiefgehen, wenn Sie konstant Geld abziehen, die Börse aber zu Beginn eines Auszahlungsplans erst einmal nachgibt. Wo liegt das Problem? In einer längeren Abschwungphase an der Börse verringert sich Ihr ETF-Guthaben. Wenn Sie zusätzlich Geld entnehmen, schmilzt das Kapital noch schneller ab. Dadurch steigt die Gefahr, dass das verbleibende Restkapitals nicht mehr hoch genug ist, um Ihre Entnahme dauerhaft zu erwirtschaften – selbst, wenn es an der Börse wieder nach oben geht.

Um zu vermeiden, dass Sie Ihr Guthaben zu schnell aufbrauchen, bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als aktiv einzugreifen. Läuft es schlecht an den Börsen, müssen Sie zusehen, dass Sie das angesparte Guthaben möglichst erhalten, also deutlich weniger oder, wenn es geht, gar nichts entnehmen. Nur so kann möglichst viel Kapital vom anschließenden Aufschwung profitieren und den nötigen Gewinn erzielen. Anders als bei einer langfristigen Geldanlage oder einem ETF-Sparplan ist ein regelmäßiger Blick auf Börsenkurse und ins Depot beim Auszahlplan also Pflicht.

Umgekehrt können Sie selbstverständlich auch immer wieder einmal Auszahlungen anheben: dann, wenn der Kapitalmarkt dauerhaft gut läuft und Ihr Kontostand mehr Guthaben zeigt, als Sie ursprünglich eingesetzt haben.

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Wie kommen Sie an einen günstigen Auszahlplan?

Beim ETF-Sparen in Kombination mit einem Auszahlplan verkaufen Sie monatlich Fondsanteile. Am besten nutzen Sie ein kostenloses Depot mit geringen Verkaufsgebühren. In einem extra Ratgeber finden Sie die aktuellen Finanztip-Depotempfehlungen.

Wollen Sie sich nicht selbst kümmern, können Sie auch einen Auszahlungsplan oder Entnahmeplan im Depot anlegen. Dann verkauft Ihre Bank für Sie regelmäßig Fondsanteile im Wert einer monatlichen Rate, die Sie vorgeben. Wie beim Sparplan ist es möglich, die Auszahlungshöhe anzupassen oder die Entnahme zu stoppen – etwa in einer Abschwungphase an der Börse.

Immer mehr Depotbanken und Wertpapierhändler bieten einen solchen automatisierten Auszahlungsplan an. Von den Anbietern, die wir auch für das Wertpapierdepot untersucht haben, hatten im Mai 2018 Flatex, S Broker, die Targobank im Programm. Die DKB plant nach eigener Aussage, einen solchen Entnahmeplan einzurichten. 

Das kosten Auszahlungspläne

Anbieter Kosten pro Verkauf (Entnahme 300 €) Kostenart Depotführung
Flatex 6,62 € Fixkosten kostenlos
S Broker 7,50 € variabel, 2,5 % der Entnahmerate nur kostenlos, wenn Sie den Auszahlungsplan kontinuierlich führen; sonst ggf. rund 12 € pro Jahr.
Targobank 3 € 2,5 % der Entnahmehöhe, aber maximal 3 € kostenlos, wenn mindestens 600 € monatlich auf dem Girokonto eingehen.

Quelle: Anbieter (Stand: 30. Mai 2018)

Um den Auszahlungsplan in Anspruch zu nehmen, müssen Sie ein Depot eröffnen. Der Broker Flatex ist derzeit auch eine Finanztip-Depotempfehlung. S Broker und Targobank eignen sich speziell für den Auszahlplan.

Was müssen Sie beim ETF-Sparen und Festgeld beachten?

Sie möchten auf Ertragschancen am Kapitalmarkt nicht gänzlich verzichten, eine regelmäßige und sichere Zusatzrente ist Ihnen jedoch wichtiger. Dann können Sie einen Teil Ihres Ersparten in Festgeld stecken, und den anderen Teil in Aktien-ETFs anlegen, zum Beispiel in den breit gefassten Weltaktienindex MSCI World.

Wie Sie Ihr Guthaben zwischen ETF-Sparen und Festgeld aufteilen, hängt von Ihrer persönlichen Risikoneigung ab. Sinnvoll ist aber, die Finanztip-Erkenntnisse für Geldanlage auch bei der Auszahlungsstrategie anzuwenden. Und die sind insbesondere: Eine langfristige, breit gestreute Aktienanlage gleicht Schwankungen an der Börse über die Jahre aus. Anleger, die in der Vergangenheit beliebige 15 Jahre dabeigeblieben sind, haben niemals Geld verloren. Welchen Anteil Ihres Kapitals Sie bei dieser Lösung in Festgeld anlegen müssen, zeigt Ihnen unser Auszahlplan-Rechner weiter unten in diesem Text.

Eine pragmatische Lösung

Sie könnten also pragmatisch an die Sache herangehen und zunächst einmal ausrechnen, wie viel Rente Sie in den kommenden 15 Jahren sicher haben wollen. Diesen Betrag legen Sie auf Festgeld-Konten mit unterschiedlichen Laufzeiten an. So erzielen Sie einen sicheren Zinsertrag, und jedes Jahr wird ein entsprechender Betrag fällig. Die aktuell besten Festgeld-Angebote für Laufzeiten von einem, zwei oder drei Jahren finden Sie mit Hilfe des Finanztip-Festgeldrechners.

Alles Geld, das Sie nicht in Festgeld stecken, investieren Sie in einen günstigen Aktien-ETF und lassen es die 15 Jahre über liegen. Wenn das Festgeld aufgebraucht ist, sollte Ihr Aktienvermögen nicht weniger geworden sein – idealerweise ist es gestiegen. Sie können dann Ihre Situation neu bewerten und entscheiden, ob Sie das Geld erneut auf Festgelder mit unterschiedlichen Laufzeiten umschichten.

Alternativ ist dann vielleicht eine Sofortrente interessant, die eine Rente bis zum Lebensende garantiert. Bei vielen Anbietern können Kunden einen Vertrag bis zum Alter von 80 Jahren abschließen.

Andere Strategien

Die pragmatische Lösung ist die, die Ihnen am wenigsten Arbeit bereitet. Wir haben auch noch andere Strategien auf Grundlage der historischen Daten des MSCI World durchgerechnet, wie Sie Aktiensparen mit Festgeld verknüpfen können. Diese sind etwas aufwändiger und daher hier nur am Rande erwähnt. Für weitere Informationen klicken Sie hier:

Die Rendite entnehmen

Sie könnten zum Beispiel regelmäßig die Rendite aus Aktienvermögen entnehmen, sofern sich dieses gut entwickelt hat – und nur im Notfall auf Fest- oder Tagesgelderträge zurückgreifen. Sie könnten Ihr Geld auch auf Aktien und Tages- oder Festgeld aufteilen und immer aus dem Topf entnehmen, in dem mehr Guthaben steckt

Regelmäßig umschichten

Schließlich könnten Sie auch einmal im Jahr dafür sorgen, dass Ihre ursprüngliche Aufteilung von Festgeld und ETF-Guthaben wiederhergestellt ist: Haben etwa die ETFs stark an Wert gewonnen, würden Sie Anteile verkaufen und den Gewinn wieder in Festgeld investieren. Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeber zum Rebalancing.

Für alle Varianten gilt: In der historischen Betrachtung mit Daten ab 1973 blieb bei einer konstanten Entnahme von 4 Prozent nach 30 Jahren immer Kapital übrig. Bei Laufzeiten von 20 Jahren hätten Sie auf jeden Fall von der Aktienanlage profitiert. Das Endkapital wäre im Vergleich zu einer reinen Anlage in Festgeld (mit 1-prozentiger Verzinsung) immer höher gewesen.

Wie gestalten Sie am besten ETF-Sparen mit Festgeld?

Um zu veranschaulichen, wie Sie am besten das ETF-Sparen mit Festgeldkonten kombinieren, nutzen wir ein Beispiel: Nehmen wir an, Sie haben 100.000 Euro zur Verfügung und möchten monatlich etwa 300 Euro Kapital über 15 Jahre entnehmen. Dieses Kapital legen Sie auf Festgeldkonten an. Wir nehmen darüber hinaus an, dass Sie im Schnitt 1 Prozent Zinsen bekommen.

  • Berechnen Sie zuerst, wie viel Kapital Sie sicher brauchen, um 15 Jahre mit Festgeld über die Runden zu kommen.
  • Multiplizieren Sie dafür die monatliche Rate mit 12, um auf die jährliche Rate zu kommen und anschließend diese Jahresrate mit 15. Teilen Sie dann (überschlagsweise) durch eins plus den halben Festgeldzins hoch 15, also: (300 Euro*12*15)/(1,005^15) = rund 50.100 Euro.
  • Suchen Sie zum Beispiel über den Festgeldrechner von Finanztip das beste Festgeld für eine einjährige, zwei- und dreijährige Laufzeit und investieren Sie zum Beispiel jeweils gut 15.000 Euro.

Festgeldkonto gesucht? Jetzt den Vergleich starten.

1. Wie viel möchten Sie anlegen?
Eur

Finanztip: Die gesetzliche Einlagensicherung gilt nur für Beträge bis 100.000 Euro. Verteilen Sie den gewählten Betrag besser auf mehrere Banken.

Finanztip: Bitte wählen Sie einen Anlagebetrag zwischen 500 € und 500.000 €

2. Wie lange möchten Sie anlegen?
  • Die verbleibenden 4.000 Euro nutzen Sie für das erste Jahr. Lassen Sie das Geld auf einem Tagesgeldkonto liegen und entnehmen Sie monatlich gut 300 Euro. Der Finanztip-Tagesgeldrechner liefert Ihnen stets aktuell die Banken mit den besten Konditionen.
  • Wenn nach einem Jahr das erste Festgeld fällig wird, entnehmen Sie 3.600 Euro (12*300 Euro) und legen den Rest erneut in dreijähriges Festgeld an. So verfahren Sie dann jedes Jahr weiter, bis das Geld aufgebraucht ist.

In der Zwischenzeit entwickeln sich die knapp 50.000 Euro, die in Aktien-ETFs stecken, weiter am Kapitalmarkt. Es gilt wie schon oben beim ETF-Sparen mit Auszahlplan erläutert: Entnehmen Sie auf keinen Fall Geld, wenn es eine Abschwungphase an der Börse gibt. Läuft es dagegen gut und wächst Ihr Kapital, können Sie punktuell Erträge entnehmen und somit die Zusatzrente etwas aufbessern.

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Artikel verfasst von

Sara Zinnecker

Finanztip-Expertin für Bankprodukte

Sara Zinnecker ist Redakteurin im Team Bank & Geldanlage. Nach ihrem Volontariat an der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten schrieb sie beim Handelsblatt über Geldanlage und Altersvorsorge. Zuvor studierte Sara Zinnecker in Nürnberg, Italien und Portugal internationale Volkswirtschaftslehre mit Diplom-Abschluss, arbeitete bei Lokalzeitungen sowie der Süddeutschen Zeitung.